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Bloody Mary. Freiheit für Maria Stuart!

Babylonische Rezeptverwirrung

Vodka ist zwar bei weitem die häufigste Basisspirituose für eine Bloody Mary, doch kann für Varianten beinahe jede andere Spirituose verwendet werden. Die Gin-Version ist bekanntlich der Red Snapper. Nikolai Augustin oder die Galerie & Bar Meisterschüler in Berlin nehmen sowohl Gin wie auch Vodka. Die Bloody Caesar Der Caesar ist einfach nur eine Bloody Mary mit Clamatosaft, einer gewürzten Mischung aus Tomatensaft und Venusmuschelbrühe, hergestellt nach einem »streng geheimen Verfahren für Muschel-Reviver«. Aus irgendwelchen Gründen erfreut sich der Drink in Kanada besonderer Beliebtheit, mehr noch als eine Bloody Mary. Der Bloody Caesar wurde 1969 in dem kanadischen Calgary, Alberta, von einem italienischen Gastronom erfunden. Er mischte Muschelbrühe und Tomatensaft als eine Art Hommage an Spaghetti Vongole. Auch der Name Caesar verweist auf seine italienischen Wurzeln – ein Drink, der sich zuerst lokal und später auch landesweit durchsetzte.

Unabhängig davon entwickelte die Firma Mott Clamatosaft als Cocktailsauce (er ist wie der »Krevetten-Cocktail« eine Tunke für Meeresfrüchte, die nicht getrunken wird) – eine Cocktailsauce, die auf dem Geschmack eines Manhattan Clam Chowder – einer dicken Muschelsuppe – und Tomatensauce basiert. Die Marke verdankt ihren Erfolg dem Caesar. Aufgrund seiner Beliebtheit gibt es Clamato inzwischen in drei Varianten: Regular, Extra Spicy und The Works (im wesentlichen eine Bloody- Caesar-Mischung). Außerdem gibt es Clamato als ein in Flaschen abgefülltes Getränk, das bereits Vodka enthält. Nach Angaben der Firma ist der Bloody Caesar Kanadas meist verkaufter Cocktail. Der Rauchgeschmack ging in den letzten Jahren mit einem Trend einher, auch Fleisch in Cocktails zu verwenden. 53 Meisterschüler-Bloody-Mary enthält Absolut Peppar, Hendrick’s Gin, Orangensaft, Tomatensaft, Sellerie-Bitters und die typischen Gewürze. Laut Augustin ist der Pfeffer Vodka für sich allein zu stark und wird durch den Gin gemildert und gleichzeitig auch durch die in Hendrick’s enthaltenen Aromen intensiver im Geschmack. (Seiner Meinung nach schmeckt der Drink durch den Orangensaft frischer, Sellerie-Bitters erinnern an die klassische Selleriestange.)

Die Tequila-Version des Drinks wird als Bloody Maria bezeichnet. In der Kölner Shepheard Bar wird die Bloody Mary mit Tequila, Dijon Honigsenf und Gewürzen zubereitet. Die Basisspirituose einer Bloody Geisha oder Bloody Tokyo ist Sake, für einen Bloody Scotsman nimmt man Scotch, und in der letzten Zeit setzte sich auch der rauchige Islay Whisky immer mehr als Basisspirituose durch.

Die Fig Bar in Los Angeles serviert eine brasilianische Bloody Mary mit Karotten-Tomaten- Saft und Cachaca (sowie eine Foie Mary, garniert mit Oliven, die mit foie gras gefüllt sind). Die Voodoo Rooms in Edinburgh kreierten eine Version mit Rum, Senf, Kümmel, Habanero Chilis und eine Thai-Version mit Hendrick’s Gin, Koriander, ein Kaffirlimettenblatt, Zitronengras und grünem Chili, etc.

Auf der englischen Wikipedia-Seite werden zahllose Versionen des Drinks aufgeführt, die – falls überhaupt – nur sehr selten auf den Getränkekarten erscheinen werden, wie z. B. Bloody Fairy (Absinth) und Bloody Maureen (Guinness).

Es gibt auch eine Bier-Version der Bloody Mary – eine der beiden Michelada-Varianten. Diejenige, die mit Tomatensaft zubereitet wird, ist vor allem in Mexiko und Kanada populär, und Budweiser bietet sogar einen »Bud and Clamato«-Drink in der Dose an, Chelada genannt. Die andere Michelada-Variante besteht aus Limettensaft, Bier, pikanter Sauce und Worcestersauce auf Eis, sie wird im Glas mit Salzrand serviert.

Die Kunst der Zubereitung

Die meisten Bartender sind sich zwar einig, dass eine Bloody Mary nicht geschüttelt werden sollte, was aber das Mixen betrifft, so gehen die Meinungen auseinander. Manche schütteln alle Zutaten bis auf den Tomatensaft, den sie dann mit dem Inhalt des Shakers vermischen. Andere rühren einfach alle Zutaten zusammen. Und wieder Andere ziehen es vor, den Drink zu »rollen«, d. h. ein paar Mal zwischen Shaker und Glas umzuschütten.

Offen bleibt jedoch die Frage, ob der Drink mit oder ohne Eis serviert werden soll. Mit Eis wird er gewöhnlich in einem Longdrinkglas oder einem großen Becher serviert. Wer ihn aber ohne Eis möchte, trinkt ihn aus einem kleineren Becher oder einem Saft/Fizzglass. René Förster, Barchef der Twist Bar im Dresdener Innside, ersetzt die Eiswürfel durch gefrorene Cocktailtomaten und vermeidet so, dass der Drink durch das schmelzende Eis verwässert wird.

Viele amerikanische Bars und auch ein paar Londoner Bars bieten gewöhnlich zum Wochenend- Brunch eine »Do-it-yourself-Bloody- Mary« an. Der Bartender gibt dem Gast ein Glas mit Vodka (um die Alkoholmenge kontrollieren zu können), alles übrige mixt sich der Gast selbst an der Bar, wo sich mehrere Krüge mit Saft (Tomaten, Clamato, scharfe Saucen) und eine Auswahl an den bereits erwähnten Gewürzen, Gemüsen und Garnierungen befinden.

In anderen Restaurants wie dem Sky Restaurant in Massachusetts dürfen die Gäste sich ihren Drink selbst komponieren, ohne jedoch selbst Hand anlegen zu müssen. Sie brauchen nur die entsprechenden Kästchen auf einer Karte anzukreuzen, um dem Kellner oder Bartender ihre Wünsche mitzuteilen: Ob es Vodka oder Tequila sein soll, wie scharf sie den Tomatensaft gerne hätten, welche Gewürze und welche Garnierungen sie bevorzugen. Diese Karte geben sie dann dem Kellner oder Bartender, damit er ihnen den Drink ihren Wünschen entsprechend zubereitet.

Unabhängig davon, wer den Cocktail mixt, der Bartender oder der Gast, eine Bloody Mary bewirkt bei ihren Fans andere Reaktionen als ein Cocktail. Während Mixologen sich über die einzig wahre Rezeptur eines Martinis oder Manhattans streiten, sind die Leute sich gewöhnlich einig, dass bei einer Bloody Mary das Mischungsverhältnis und, abgesehen von Vodka und Tomate, auch die Zutaten variabel sind. Jeder hat seine Lieblingsrezeptur und seine Lieblingsbar, in der sie ihm serviert wird, oder auch eine Lieblingszutat, die dem Drink seine individuelle Note verleiht. Wenn Bartender über Bloody Marys sprechen, diskutieren sie nicht über Ursprünge oder Zutaten, sondern einfach nur darüber, wer den besten Drink mixt.

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