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Bourbon Buch Amerikanischer Whiskey

Mit Bourbon – ein Bekenntnis zum amerikanischen Whiskey legt Thomas Domenig ein gewaltiges Buch vor

Der österreichische Bartender und Whiskeyexperte Thomas Domenig hat ein umfassendes Buch über Bourbon und American Whiskey geschrieben. Marco Beier hat das über 400 Seiten starke Werk gelesen und rät das auch allen anderen, die sich ernsthaft mit der Materie beschäftigen.

Man mag sich fragen wie viele Stunden der Tag von Thomas Domenig hat. Es sind auf jeden Fall mehr als die üblichen 24. Der gebürtige Österreicher, der derzeit als Bartender im One Trick Pony in Freiburg arbeitet, die jährlichen Weißenseer Cocktailtage organisiert und des Weiteren als Autor und Whiskeyexperte gefragt ist, hat das Kunststück fertiggebracht, noch ein handfestes Lexikon über Bourbon – respektive amerikanischen Whiskey – zu schreiben.

„Bourbon – ein Bekenntnis zum amerikanischen Whiskey“ nimmt Formen an

Der Ursprung für dieses Buch liegt im Jahre 2011 in der Ausbildung zum „Certified Advisor of Spirits“ bei Jürgen Deibel. In dieser Zeit erfuhr Domenig zum ersten Mal vom „Cask Sweating“, also dem Entziehen der letzten Reste Whiskey aus einem Holzfass. Dieses Thema begeisterte ihn so sehr, dass daraus seine Abschlussarbeit für den Wine & Spirits Education Trust werden sollte, deren Veröffentlichung und die Reaktionen darauf ihn überzeugten, sich an die Arbeit für ein umfassendes Buch über amerikanischen Whiskey zu machen.

Acht Jahre nach seiner Ausbildung bei Jürgen Deibel und nach über drei Jahren Recherche und Schreiberei ist es nun vollbracht: Sein Buch „Bourbon – ein Bekenntnis zum amerikanischen Whiskey“ ist erhältlich und vermittelt auf 430 Seiten tiefgreifendes Wissen über Bourbon, Rye und sämtliche andere Spielarten des einstigen Feuerwassers.

Aufgeteilt ist das Buch in die Geschichte, die Entwicklung und die verschiedenen Stile, einen tiefen Einblick in alle Aspekte der Produktion sowie einen Überblick über eine Vielzahl verschiedener Produzenten und deren Marken.

Das Bourbon-Buch taucht tief in die Theorie

Themen, die man in den Grundzügen kennt, deren tiefe Bedeutung man aber nicht sofort sieht, werden im Detail besprochen. Die Auswirkungen der Industrialisierung, politischer Ränkespiele und nicht zuletzt die der Prohibition werden beleuchtet und an einem konkreten Beispiel bis in die heutige Zeit veranschaulicht. Dass es neben Bourbon und Rye noch ein paar andere Spielarten von Whiskey in den USA gibt, mag bekannt sein, wird vom Autor allerdings sehr anschaulich erklärt, und spätestens nach den ersten 80 Seiten sollten keine Fragen mehr zu den unterschiedlichen Stilen und gesetzlichen Grundlagen offen sein.

In den Augen des Rezensierenden ist das wahre Herzstück dann der technische Teil. Auf einhundert Seiten wird sich den verschiedensten möglichen Ausgangsprodukten gewidmet. Schwierigkeiten und Tücken in der Verarbeitung von Getreide, Auswirkungen der Temperatur beim Einmaischen oder das Aufbewahren von Hefesträngen im heimischen Kühlschrank des Master Distillers werden ebenso dargelegt wie die Bedeutung der Fasslagerung und deren erheblichen Unterschiede zu beispielsweise schottischen Whiskys, sowie die detaillierte Fertigung eines Fasses mit allen Auswirkungen, die dieses auf das eingefüllte Destillat haben kann.

Ohne sich in Marketingfloskeln zu verlieren, schafft es Thomas Domenig, auch bei oftmals bekannten Aspekten noch für einen Aha-Moment zu sorgen und die Neugier beim Leser hoch zu halten. Dabei gibt es links und rechts immer wieder Einblicke in andere Spirituosenkategorien und die Bedeutung, die die amerikanische Whiskey-Industrie für diese hat.

Craft auch beim Bourbon

Im Anschluß werden die modernen Auswüchse, sprich „craft distilled whiskys“, betrachtet; angefangen bei Abfüllern, die über keine eigene Destille verfügen, über neue, unabhängige Kleinbrenner bis hin zu den ersten Produzenten, die schon den Sprung – zumindest in den Vertrieb – von Global Playern geschafft haben.

Die stattliche Anzahl von über 1.800 Brennern, die 2017 tätig waren (gegenüber 92 bekannten aus dem Jahr 2010), macht es allerdings unmöglich, einen umfassenden Einblick in diesen oft ohnehin nur sehr regionalen Markt zu geben. Daher wird man hier eher über den theoretischen Teil, Gesetzeslücken und den Umgang mit diesen informiert, bevor man sich den Platzhirschen des amerikanischen Whiskeys widmet.

Das Bourbon-Buch: Kritik und Vielfalt

Nach dem Dickschiff Midwest Grain Products, einer Auftragsdestille in Indiana, die für viele kleine und große Hersteller brennt und lagert, werden die großen, auch hierzulande bekannten Produzenten und ihre vielfältigen Abfüllungen und Besonderheiten vorgestellt. Wenn erwähnenswert, gibt es einen Ausflug in die Firmen- oder Familiengeschichte der jeweiligen Brands oder eine Anekdote aus der jüngeren Vergangenheit, wie dem Abbrennen von 2% der weltweiten Bourbonvorräte im Jahr 1996.

Insgesamt sind gute 180 Seiten mit Informationen der elf größten Produzenten in den USA gefüllt, auf denen sowohl die Vielfalt gepriesen wird als auch die eine oder andere Marketinggeschichte kritisch beäugt wird, bevor es an die Auffächerung der internationalen Konglomerate und Vertriebsstrukturen geht.

Abgeschlossen wird das Bourbon-Buch mit dem Kapitel des Barrel Sweating, also der Abschlussarbeit für die Weinakademie Österreich, mit der Domenigs Reise in die Welt des Bourbon begann. Allein für diese Kapitel lohnt sich die Lektüre schon.

Wer soll das Buch lesen?

Eine berechtigte Frage in Zeiten, in denen gefühlt jede Woche ein neues Buch mit mehr oder weniger Relevanz für die Barwelt veröffentlicht wird. Die schlichte Antwort: Jeder, der sich mit professionellen Ambitionen hinter den Tresen stellt, jeder der glaubt, schon alles über Bourbon zu wissen, und vor allem jeder, der immer noch die Augen verdreht, wenn man ihm anstatt eines schottischen Whiskys einen amerikanischen anbieten möchte.

Wie unterschiedlich diese beiden Kategorien nämlich wirklich sind, erfährt vor allem der Scotch-Kenner, der sicher noch nie so tief in die Welt von Bourbon & Co. eintauchen konnte wie mit dem „Bekenntnis zum amerikanischen Whiskey“.

Ab in den Wilden Westen

Wie Karl May, der Winnetou und Old Shatterhand erfunden hatte, ohne jemals in den USA gewesen zu sein, war auch Thomas Domenig bisher noch nicht in der Heimat seiner Lieblingsspirituose – musste sich sein komplettes Wissen folglich über viel Kommunikation mit den Herstellern aneignen. Wird aber schon noch kommen. Karl May ist ja auch erst in späteren Jahren in den „Wilden Westen“ gereist.

Erhältlich ist das im Eigenverlag erschienene Buch im Buchhandel oder direkt über bourbonbuch.de. Ab Herbst geht der Autor zudem auf eine Roadshow, um sein Buch zu präsentieren. Termine hierfür werden sowohl auf seiner Homepage als auch auf den üblichen Social-Media-Kanälen bekanntgegeben.

Thomas Domenig
„Bourbon – ein Bekenntnis zum amerikanischen Whiskey“
434 Seiten, ca. 45 Euro
Hier eine Leseprobe

Comments (1)

  • Thomas Domenig

    Danke für die tolle Rezension.

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