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Der Collins & seine Anverwandten, Teil 3: Brandy and Soda

Das Brandy and Soda – oder auch Brandy & Soda – war zuerst ein Getränk für Verruchte, das als unzivilisiert betrachtet wurde. Aber bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war es in der Gesellschaft allgegenwärtig. Und nimmt somit auch eine wichtige Rolle in der Entstehung des Longdrinks ein.

Die erste Erwähnung eines „Brandy and Sodas“ – oder „Brandy & Soda“ , die Schreibweise, die wir hier weiter verwenden wollen – konnte ich in einer Publikation des Jahres 1826 finden. Damit ist dieser älter als der Collins und als ein Gin-Punch, der mit Soda zubereitet wurde: „Wir hielten auf unserem Weg von der Abtei an einem großen und schönen Gasthaus direkt vor Liverpool an; und nachdem wir uns mit einem Glas Brandy und Sodawasser, einem für mich ganz neuen, köstlichen Getränk, verwöhnt hatten, gingen wir zurück zum Dampfschiff, wo wir die Musik vorfanden, die uns aufgeheitert hatte und bereit war, uns erneut aufzuheitern.“

Brandy & Soda: zur Erfrischung

Das zeigt sehr schön, zu welchen Anlässen man dieses Mischgetränk zu sich nahm: zur Erfrischung. Nicht nur auf Reisen, sondern beispielsweise auch zum Abendessen, wie im Jahr 1838 beschrieben: „Der beste Teil einer Flasche Champagner darf beim Abendessen erlaubt werden: Das ist nicht nur entschuldbar, sondern auch heilsam. Ein paar Gläser Branntwein und Sodawasser sind sehr zu empfehlen, denn sie wirken kühlend. Gegen Whiskey kann man vernünftigerweise keinen Einspruch erheben, denn er ist ein absolutes Muß und wird nicht unter dem Namen der Unmäßigkeit geführt.

Man genoß Brandy & Soda aber auch spät in der Nacht, wenn man heim kam, oder des morgens, auch als Frühstücksersatz, wie 1842 berichtet wird: „„Ich frühstücke nie, danke“, war die Antwort; „aber wenn es Ihnen beliebt, hätte ich gerne ein Glas Soda und Brandy.“

Brandy & Soda als Medizin im Einsatz

Natürlich gab es auch andere Anwendungsgebiete. Man trank Brandy & Soda auch bei Magenverstimmungen, oder falls man zuviel gegessen hatte. Letzteres karikiert George Cruikshang um 1840: „Herr Lambkin fühlt sich plötzlich ziemlich schlecht, nachdem etwas in dem „Whitebait-Dinner“ ihm nicht bekommen ist; … Seine Freunde bemühen sich, ihn mit kleinen Tropfen Brandy und großen Mengen Sodawasser Erleichterung zu verschaffen.

Man trank Brandy & Soda auch, weil er angeblich gegen Seekrankheit half und ganz allgemein wurde er auch als krankheitsbegleitendes Getränk empfohlen, sogar bei Delirium Tremens, wie es ein Buch des Jahres 1836 empfiehlt.

4 cl Cognac
8 cl Sodawasser
Zubereitung: Im Highballglas auf Eiswürfel bauen

Brandy & Soda ist ein historischer Zweiteiler
Die Geschichte des Longdrinks ist auch eine Geschichte des Sodawassers

Brandy and Water

Auffällig ist, dass man anfänglich keinen Scotch and Soda trank. Dieses Getränk muß sehr viel jünger sein. Die Beliebtheit des Brandy & Soda liegt vermutlich auch daran, dass er als „Brandy and Water“ bereits eine lange Tradition hatte, bevor dann das stille Wasser durch Sodawasser ausgetauscht wurde.

Viele Hinweise haben Bezug zur Marine, und so kann man sich fragen, ob dort das Verdünnen von Brandy mit Wasser seinen Ursprung hat. So gibt es einen Beleg aus dem Jahr 1676, der von einem Landausflug eines Kapitäns in der Gegend der Westindischen Inseln berichtet. Er und seine Begleiter hatten kein Wasser mehr, und nur der auf der Suche nach Hilfe umherirrende Kapitän konnte von einem Suchtrupp aufgefunden werden. Er war kurz vor dem Verdursten, und man gab ihm zur Erfrischung Brandy and Water.

1734 beklagte man sich, dass die einfachen Dinge anscheinend nicht mehr ausreichend gewürdigt wurden, und dass es jeden nach dem „Luxus des Zeitalters im Essen und Trinken“ dürste, denn man müsse „zumindest Wein haben, oder, was noch schlimmer ist …, starkes Bier, oder vielleicht Brandy und Wasser“.

Brandy & Soda war vielfältig im Einsatz

Wie auch später beim Brandy & Soda wurde Brandy and Water krankheitsbegleitend gegeben, aber man trank ihn auch zur Erfrischung und bei besonderen Gelegenheiten. Hervorzuheben wären vielleicht die folgenden Begebenheiten: 1771 wird von den Eskimos im Bereich des Hudson Bay berichtet. Zunächst lehnten sie europäische Nahrungsmittel und Getränke ab, da sie ihnen nicht schmeckten, doch man stellte fest: „Gegenwärtig werden sie jedoch jeden Teil unserer Vorräte essen, entweder frisch oder gesalzen; und einige von ihnen trinken einen Schluck Porter oder ein wenig Brandy und Wasser;

Man kredenzte Brandy and Water auch königlichen Häuptern. Georg Foster, der Captain James Cook auf seine Reise in die Südsee begleitete, weiß in seiner 1777 erschienenen Reisebeschreibung zu berichten: „O-Tu war nicht mehr der schüchterne, misstrauische Mann, der er sonst gewesen. Er schien bey uns zu Hause zu seyn, und machte sich ein Vergnügen daraus, Tohah in unsern Gebräuchen Unterricht zu geben. Er zeigte ihm, wie er Salz zum Fleische nehmen und Wein trinken müsse, trug auch sein Bedenken, ihm zum Exempel ein Glas voll auszuleeren, und scherzte sehr lebhaft mit seinem Admiral, den er gern überredet hätte, den rothen Wein für Blut anzusehn. Tohah kostete von unserm Grog, einem Gemische von Branndtwein und Wasser, verlangte aber bald Brandtewein allein zu haben, den er E-Wai no Bretanni, d. i. britisches Wasser nannte, und davon er ein Gläschen voll herunterschluckte, ohne eine Mine zu verziehn. Er sowohl als Se. Tahitische Majestät waren außerordentlich lustig und schienen an unsrer Art zu leben und zu kochen viel Geschmack zu finden.

Mitte des 19. Jahrhunderts war Brandy & Soda allgegenwärtig

Brandy and Water war also ein Getränk des Alltags, manchmal auch das letzte, das man trank. Am 16. Januar 1794 verstarb in London Edward Gibbon, ein bedeutender Historiker, der sich mit römischer Geschichte befaßte. Über ihn wird berichtet: „Um zwölf Uhr trank er etwas Branntwein und Wasser aus einer Teekanne und wünschte sich, dass sein Lieblingsdiener bei ihm bliebe. Dies waren die letzten Worte, die er artikuliert aussprach … und nach Viertel vor eins hörte er auf zu atmen.

Eine Spirituose mit stillem Wasser zu verdünnen, war nicht ungewöhnlich. Man tat es mit Brandy, Rum oder Gin. Man gab dem Brandy and Water Zucker hinzu oder trank ihn ungesüßt. Spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts war er allgegenwärtig, wie ein Bericht von 1857 beschreibt: „Vor einigen Jahren wurde der Engländer, der Brandy-and-Water trank, als Wilder angesehen; heute trinkt jeder Brandy-and-Water, und die Mixtur wird mit dem englischen Namen GROG bezeichnet.“

Brandy & Soda die Schaltstelle zum Longdrink

Ein wichtige Rolle sollte Brandy & Soda – als Weiterentwicklung des Brandy and Water – bei der Entstehung von Longdrinks spielen. Bei jenem vermischte man Brandy und Soda, die beide als gesundheitsfördernd angesehen wurden. Dies mag dann die entscheidende Inspiration für die Entstehung des Collins gewesen sein – doch davon in einem Folgebeitrag mehr, nachdem wir uns mit einem anderen, alten sprudelndem Mischgetränk beschäftigt haben: dem Stone Fence.

Credits

Foto: Sarah Swantje Fischer

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