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Die Sieger IPAs auf dem Braufest Berlin

Berlin brummt derzeit in Brau-Angelegenheiten. Zahlreiche Veranstaltungen von Berlin Beer Week über Biermeile bis Brewberlin bieten ein abwechslungsreiches Programm. Ganz zu schweigen von den Tap-Takeovers, Beer-Dinners und Meet-the-Brewer-Events. Und jede Veranstaltung verströmt ihr eigenes Flair, hat einen eigenen Charakter.

Mit Spannung wurde das diesjährige Braufest Berlin erwartet. 2015 hatte es einige weniger glückliche Mienen gegeben, als Atmosphäre, Besucher- und Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurück blieben. Umso höher waren 2016 die Erwartungen, die Bierszene und Brauer auf das Veranstalterteam um Daniel Bart und Attila Kiss setzten. Tatsächlich bewiesen die Organisatoren, dass man aus den Fehlern und Versäumnissen des Vorjahres gelernt hat. Es entwickelten sich drei Tage voller Freude und Genuss samt einem anspruchsvollen Rahmenprogramm rings um das Thema Bier.

Die weibliche Seite

Zwei Schwerpunkte rückte das diesjährige Braufest in den Vordergrund: die weibliche Seite des Brauwesens und Brauereien aus den Ländern des östlichen Europas. Ein Team von fünf weiblichen Brauerinnen hatte im Vorfeld gemeinsam einen Festival-Sud angesetzt, der dann auf dem RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain, dem Ort des Geschehens, an die Besucher ausgeschenkt wurde. „Swit & Saultry“ nannten sie ihre Brauspezialität, ein fruchtbetontes Witbier. Der klassische, belgische Weizenbierstil mit Gewürz- und Fruchtnoten wurde von den Damen mit Salz, Beeren und Rhabarber interpretiert und passte erfrischend ideal zu den sommerlichen Bedingungen während des Festivals.

Zu dem Rahmenprogramm zählten dann Verkostungen, Frauen-Bier-Kränzchen und Interviews mit Protagonistinnen im Brauereigewerbe, die über das Festival-Radio auf dem Gelände zu hören waren.

Der Blick gen Osten

Den zweiten Schwerpunkt bildeten die aktuellen Entwicklungen unserer östlichen Nachbarn. Vom Balkan bis zum Baltikum entdecken immer mehr Brauer und Konsumenten ihre Leidenschaft für Craft Beer und so entwickelte das Niveau der jeweiligen Biere in den vergangenen Jahren ein beachtliches Niveau. Das Bierland Polen stand in diesem Jahr besonders im Vordergrund, alleine von dort konnten die Besucher Biere aus einem Dutzend Brauereien verkosten. Insgesamt füllten Brauspezialitäten aus über 50 Brauereien die Stände auf dem Gelände. Aber auch Anbieter aus den USA, Dänemark, Großbritannien und einige Berliner Platzhirsche sorgten für ein abwechslungsreiches Angebot.

Trommelwirbel für IPA

Einen Höhepunkt des Festivals stellte die Prämierung der besten India Pale Ales dar. IPA bildet noch immer das Herzstück der Craft Beer-Welt und steht für manche Bierfreunde quasi Synonym für den rasanten Trend der Biervielfalt. Daher hatten die Veranstalter beschlossen, die auf dem Festival vertretenen Brauereien aufzurufen, India Pale Ales einzureichen, aus denen eine international besetzte Jury dann die Siegerbiere ermitteln sollte.

35 Biere wurden eingereicht und stellten die Juroren während der knapp dreistündigen Verkostung vor die schwierige Aufgabe der Siegerkür. Die Jury, darunter MIXOLOGY-Herausgeber Helmut Adam, war sich darin einig, dass die eingereichten Biere allesamt ein sehr hohes Niveau aufwiesen und den Abwechslungsreichtum des Bierstils vielfältig wiedergaben.

Fünf Biere erfuhren am Ende eine Würdigung durch die Jury. In der Kategorie Double und Imperial IPA siegte das Bier jener Brauerei, die derzeit den Brückenschlag von Kalifornien nach Deutschland zelebriert und im September Brauerei und Restaurant in Berlin-Mariendorf eröffnete: Stone Brewing. Das Ruination IPA überzeugte durch Komplexität, Ausgewogenheit und Drinkability.

Die Auszeichnung an das „Most Sessionable IPA“, also jenes Bier, welches sich entspannt trinken lässt und von dem auch ein zweites oder drittes Glas gerne zur Hand genommen wird, ging nach Ungarn an Monyo Brewing. Ihr Bier „Flying Rabbit“ schmeckt zwar nicht nach Möhrchen, aber es schmeckt nach mehr. Mild im Geschmack, zurückhaltende und gut eingebundene Bitternoten.

Zwischen San Diego und Estland

Der dritte Platz unter den India Pale Ales ging nach England an die Northern Monk Brauerei aus Leeds. Ihr „Heathen IPA“ überzeugt durch eine immense Komplexität. Nach einem dezent säuerlichen Auftakt erlebt der Gaumen eine ungewöhnliche Süße, bevor die komplexen Hopfenaromen und eine feine Bittere den Nachhall begleiten. Platz zwei ging nach Polen an die Brauerei Kraftwerk aus Schlesien, deren „Steam Time“ als ungewöhnlichstes IPA hervorstach. Infusioniert mit Hibiskus und Earl Grey offenbarte das Bier einen hervorragend balancierten und eigenständigen Charakter.

Der Sieger kam aus Estland. Die Brauerei Põhjala hatte ihr „Virmalised IPA“ gleich doppelt eingereicht. Einmal klassisch und einmal mit Grapefruit angereichert. Der Klassiker ohne die Frucht konnte durch eine vortreffliche Balance und einen intensiven vielschichtigen Charakter die Jury einstimmig begeistern. Das Bier fasziniert auf Anhieb und es bleibt zu hoffen, dass es bald auch in Deutschland flächendeckend zu haben ist.

Als Fazit des Braufest Berlin 2016 bleibt: ein gelungenes Fest mit aufregenden Brauspezialitäten auf einem stimmungsvollen Gelände. So kann man sich bereits heute auf die nächste Auflage 2017 freuen.

Credits

Foto: Bilder via Bálint Meggyesi

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