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Craft Beer Pub

Bellende Hunde, BrewDog in Deutschland

Craft Beer Hype, dreistes Guerilla Marketing und ein sicheres Händchen fürs Geschäft. Niemand in Europa surft so erfolgreich auf der Craft-Beer-Welle wie BrewDog.Im Jahr 2014 steigt nun auch in Deutschland der Brauhundpegel enorm. Die BrewDogger eröffnen eine Bar in Berlin.

Von schottischem Geiz kann bei Martin Dickie (31) und James Watt (31) keine Rede sein. Mehr Hopfen, mehr Malz, mehr Geschmack! Mit dieser Devise und ein paar „furchteinflößenden Bankkrediten“ in der Tasche begannen die beiden Schulfreunde aus Aberdeen anno 2007 ihre Kampagne gegen langweilige Lager und muffige Ales auf der Insel.
Das Resultat verblüfft in dieser Form auch die Gründer: BrewDog agiert mittlerweile weltweit mit über 200 Mitarbeitern, Bars auf mehreren Kontinenten, einer jährlichen Umsatzsteigerung von fast 100% auf zuletzt ca. 20 Mio. britische Pfund, dem erfolgreichsten Crowd-Funding-Konzept in der Geschichte Großbritanniens (Equity for Punks) und einer neuen Brauerei in Ellon, die die Kapazitäten auf etwa 250.000 Hektoliter Jahresausstoß anwachsen lässt.
Braurüpel oder Marketing-Genies?
Der Erfolg ist dabei nicht nur auf das Bier zurückzuführen. Zwar brauen die Briten kreativ, experimentell und mit viel, viel Aromahopfen, doch damit stehen sie in der Welt des Biers nicht allein. Was BrewDog abhebt ist das einzigartige Punk-Image und das aggressive Marketing.
Natürlich hat ein globales Unternehmen mit Punk so viel zu tun wie ein Investmentbanker mit Eigenheim im Speckgürtel, dennoch gelingt es BrewDog wie keiner anderen Brauerei, sich durch Kontroversen im Gespräch zu halten. Das beginnt bei den Etikettentexten, die gern auch mal den potenziellen Käufer beleidigen und setzt sich fort in viral verbreiteten Videos, in denen die Bierflaschen der Großkonzerne als Bowling Pins herhalten müssen – die unvermeidlichen Unterlassungsklagen werden direkt in einen steigenden Bekanntheitsgrad umgemünzt.
Das mit schwarzem Humor geführte Wettrennen mit dem deutschen Schorschbräu um das stärkste Bier der Welt, die medial ausgeschlachtete Affäre um den von Diageo-Vertretern manipulierten „British Institute Innkeeper Award 2012“ oder unlängst die Ernennung ihres „Hello, My Name Is Vladimir!“ zum offiziellen Bier der Winterspiele in Sochi als sarkastischen Kommentar auf die homophoben Äußerungen Putins – BrewDog schwankt stets zwischen pubertär und genial und erzeugt in diesem Spannungsfeld jede Menge Aufmerksamkeit.
Ein ungleiches Paar
Nach Problemen in der Vergangenheit ist BrewDog seit 2013 über einen neuen Importpartner auf dem deutschen Markt erhältlich: die Hofmark Brauerei aus Loifling bei Cham. Das klingt genauso punkig, wie es ist, zeigt jedoch einmal mehr, dass die Schotten keine Berührungsängste mit ungewohnten Strategien haben. Diese unmöglich scheinende Liaison zwischen deutscher Traditionsbrauerei und Craft-Beer-Überflieger scheint zu funktionieren und vielleicht braucht es genau diese Mischung, um auf dem schwierigen, deutschen Markt Fuß zu fassen.
Neue Hundehütte in Berlin
Ein weiterer Schritt in diese Richtung wird die für den Juli geplante Eröffnung des ersten BrewDog-Pubs in Deutschland sein. Als Teil einer weltweiten Eröffnungswelle von Tokio bis São Paulo darf sich auch Berlin auf eine neue Craft-Beer-Bar freuen. Die Verträge sind noch nicht komplett unter Dach und Fach, doch im Moment sieht es so aus, als würde man sich am Traveplatz in Friedrichshain ansiedeln. Damit wäre man zwar in der Umgebung von, aber nicht direkt an der berüchtigten Bar-Meile um die Simon-Dach-Straße, was dem üblichen Vorgehen von BrewDog entspräche.
Eine Bierbar in Deutschland und gerade in Berlin birgt natürlich besondere Herausforderungen. Londoner Preise verbieten sich von selbst, also werden die Biere etwas günstiger sein. Auch die Integration lokaler Gebräue hat bei BrewDog Tradition und kann helfen, ortsverbundene Bierfreunde anzulocken. Hier wird es spannend sein zu beobachten, wie BrewDog an die bestehende Szene Berliner Craftbrewer herantritt.
Ansonsten dürften schroffer Backsteincharme, markige Sprüche an den Wänden und Vintage-Playstation 1-Spiele sich hervorragend in Berlin einfügen. Und wer weiß, vielleicht bereichert BrewDog die deutsche Barwelt ja auch durch ihre Experimentierfreude im Bereich Bier-Cocktails? When the dog’s nose is dry…

Credits

Foto: Craft Beer via Shutterstock

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