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BRLO? BRLO! Helles und Pale Ale im Test

Unter dem rätselhaften Namen Brlo brauen in Berlin drei Liebhaber Craft Beer für die Hauptstadt und die Republik. Wir haben uns den neuen Spieler in der deutschen Craft-Elf einmal näher angeschaut und vor allem: die Biere probiert. Geht da was? Ja, aber vielleicht auch noch etwas mehr.

Berlin kann Craft Beer, daran besteht kein Zweifel. Die Spreestadt tut sich neben anderen Hochburgen als eines der Zentren der aktuell erblühenden deutschen Bierkultur hervor. Ganz besondern berlinerisch ist man seit November 2014 im Hause Brlo – rührt doch die Firmierung aus dem altslawischen Namen der Preussenmetropole.

Berliner Bier aus dem Mittelstand

Wie man den Namen des Bieres nun auch ausspricht, hinter Brlo stecken in jedem Fall die drei Entrepreneure Katharina Kurz, Christian Laase und Diplom-Braumeister Michael Lembke. Gemeinsam schickt man sich an, der jungen deutschen Craft-Bewegung eine eigene hippe und unkomplizierte Note hinzuzufügen. Für den Anfang gehen die drei Gründer noch als klassische Gipsy-Brauer zu Werke: Das „Helle“ entsteht in der brandenburgischen Klosterbrauerei Neuzelle, während das „Pale Ale“ in den Hallen der Brauerei Landsberg in Sachsen-Anhalt gebraut wird – beides traditionelle Mittelstandsbrauereien.

Wanderbrauen? Aber nur mit Kontrolle!

Großen Wert legen die Macher jedoch darauf, die Produkte nicht nur entwickelt zu haben, sondern auch den Brauvorgang zu steuern: „Wir bringen alle unsere Rohstoffe selbst, und Michael betreut den ganzen Prozess vom Sud bis zur Abfüllung. Für das Pale Ale zieht er auch die Hefe selbst in Berlin hoch“, erläutert die fränkische Frontfrau Katharina Kurz.

Die Stadt spricht BRLO. Und der Rest?

Mit Umtriebigkeit und Nähe zur städtischen Gastronomenszene hat man sich rasch eine stattliche Anzahl teils namhafter Verkaufsstellen mit ins Boot geholt: Neben „Spätis“ und Fachgeschäften führen auch einige namhafte Restaurants und Bars, so z.B. auch das von Tim Raue betreute „Sra Bua“ im Berliner Hotel Adlon Kempinski, die beiden Brlo-Sude. Und auch außerhalb Berlins führen bereits, verteilt über die Republik, vereinzelte Fachhändler die slawisch-preussischen Biere. Man erwartet als Konsument also mit Recht einiges. Können die Biere da mithalten?

Pale Ale und Helles: ewiger Sommer an der Spree?

Die Pale Ale-Stilistik gehört zu den Paradedisziplinen des internationalen Craft-Geschehens. Etwas milder in der Aromatik als der böse Bruder IPA, steht die Gattung für einen süffigeren und leichteren Ale-Genuss, der trotzdem die typischen Fruchtnoten samt präsenter Bitternote mit sich bringt. Das Brlo Pale Ale kommt mit einem moderaten Alkoholgehalt von 6%/Vol. und einer ansehnlichen Malzmischung. Ebenfalls zeichnen gleich fünf Hopfensorten für das hell bernsteinfarbene Bier verantwortlich.

Der Nase geben sich die erwarteten Aromen von etwas Mango, Blüten und Grapefruit preis, aber auch das enthaltene Karamellmalz zeigt sich in Form leichter Röstnoten. Im Mund bleibt davon leider weniger übrig: zwar wird ein recht gut strukturierter Malzkörper durch feine Kohlensäure und eine präsente Bittere flankiert, daneben ereignet sich allerdings recht wenig. Die Fruchtaromen, die in der Nase noch Lust auf mehr gemacht haben, scheinen sich verabschiedet zu haben. Auch der Abgang ist zwar nicht dünn, aber ausgesprochen kurz und flüchtig.

Hell, heller, neutral?

Im wahrsten Sinne des Wortes golden prangt wiederum das fünfprozentige „Helle“ Brlo im Glas. Mit dem Braustil ist es so eine Sache: einerseits eine über die Maßen traditionsreiche Sorte, die von einigen eingesessenen deutschen Klein- und Mittelstandsbrauern in Perfektion beherrscht wird, ist der Grat hin zur geschmacklichen Ödnis mitunter sehr schmal. Im Hellen trifft ein schlankes, erfrischendes Malzgerüst auf zurückhaltende Hopfung, so dass Fingerspitzengefühl beim Brauer gefragt ist, um nicht im aromatischen Niemandsland zu verebben. Wie macht sich also das Brlo?

Um es gleich zu sagen: da muss noch mehr kommen! Zwar perlt das Bier ansprechend und verspricht mit einem recht stabilen Schaum ein viskoses Trinkerlebnis. Andererseits ist die Duftwelt, die sich einem offenbart, relativ bescheiden. Die Nase wittert leicht brotige Noten neben Anklängen von Hefe und etwas Kamille, aber alles überaus zaghaft. Im Mund mangelt es vor allem an Würze, denn sowohl getreidige als auch die hopfige Töne wollen sich nicht zeigen. Eine sehr hintergründige Bitterkeit mit deutlicher Apfelnote bestimmt das Bild, worauf das Helle in einem leichten Finish mit etwas penetranter Spur von Blattkoriander abgeht.

Das Wort allein macht noch kein „craft

Sind die Brlo-Biere also schlecht? Ist der plakative Schriftzug „Craft Beer“ auf dem Etikett nur die Urbarmachung eines Schlagwortes? Nun, diese Behauptung wäre zu dreist. Die Frage ist, wo man in dem jungen Hause hin möchte. Sollen es Biere zum „Knutschen“ oder „Nacktbaden“ sein, wie es die Homepage kokett verlauten lässt? Oder will man als ernsthafter Akteur an der Neuen Deutschen Bierszene teilhaben? Style können viele, aber das allein ergibt noch keinen Sud, der über den Status eines leichten Sommerbieres hinausgeht.

Der Anspruch fordert seinen Tribut

Die Absicht hinter Brlo scheint edel und gut gemeint. Aber um die darunter feilgebotenen Biere in der oberen Liga positionieren zu können, sollte unbedingt noch einmal an der einen oder anderen Schraube gedreht werden, denn dazu spielen genügend andere – auch junge! – Brauereien einfach auf zu hohem Niveau. Und ein umgerechneter Flaschenpreis von € 2,98 bzw. € 1,99 à 0,33-Liter (je nach Gebindegröße) im hauseigenen Online-Shop ist da eine wirklich sportliche Ansage.

Als nächste Sorte kündigt man bei Brlo übrigens ein kraftvolles „Baltic Porter“ an. Hoffen wir, dass parallel auch die beiden schon bestehenden Abfüllungen noch einmal überarbeitet werden. Denn die Konkurrenz kann viel. Nicht nur in Berlin.

Credits

Foto: Berlin, Flasche, Vögel via Shutterstock. Postproduktion Tim Klöcker.

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