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Back in Bryk Bar

Cordula Langer ist nach dreimonatiger Auszeit in die Bryk Bar zurückgekehrt. Im Gepäck hat die Bar-Managerin eine schlankere Karte, eine neue Entspanntheit und eine All-Female-Crew.

„Wir sind wie eine große Familie“, beschreibt Cordula Langer, die nach einer „Arbeitspause“ als Bar-Managerin in die Bryk Bar zurückgekehrt ist, die freundschaftliche, nahezu familiäre Stimmung in der Berliner Bar-Welt. Und über Ihren jetzt neuen Posten sagt sie: „Das Ziel, Barchefin zu sein, hatte ich bereits während meiner Ausbildung zur Hotelfachfrau vor Augen. Vorstellen konnte ich es mir allerdings wegen der damit verbundenen Verantwortung nicht. Aber ich bin überzeugt, dass man alles schaffen kann, wenn Leidenschaft im Spiel ist“.

Nach ihrer Ausbildung in der Barschule Berlin bei David Wiedemann und ihrer ersten Station im Beckett’s Kopf von Oliver Ebert beginnt sie als Aushilfe in der Bellini Lounge, wo sie bald darauf zur Barchefin avanciert. Nach weiteren Engagements im Lebensstern bei Thomas Altenberger und in der trendigen Monkey Bar der City West steht die ausgebildete Hotelfachfrau nun wieder im Prenzlauer Berg hinter dem Tresen.

„Hochwertige Drinks und exzellenter Service standen hier von Anfang an an erster Stelle“, erklärt die 31-Jährige, die die knapp zweijährige Bar etwas lebendiger gestalten will. Die gehobene Trinkstätte, derer es in der ruhigen und des Nächtens fast ausgestorbenen Rykestraße neben deren vielfältiger Restaurant-Szene im kinderreichsten Bezirk Berlins nicht allzu viele gibt, soll zu einem beliebten Treffpunkt im Kiez werden und mehr Aufmerksamkeit erreichen.

Bryk Bar: Ick brauch ’ne neue Batterie

Mit Themenabenden und einer veränderten Barkarte mit Eigenkreationen der Reihe „Bryk’s Experimental Treatments“ will Langer der Bar neues Leben einhauchen und Profil verpassen. Dazu gehört beispielsweise ein „Smokey Gin Tonic“, bestehend aus hauseigenem Bryk Gin, Tonic und geräuchertem Rosmarin, ein „Ick brauch ’ne neue Batterie“ mit Faradai, einer Tee-Spirituose mit Parakresse, Bryk Gin, Aperol, rotem Wermut und Himbeer-Essig, oder auch ein „Vinnie Vincent lost his Mask at a Kiss Concert“ mit Isle of Jura Superstition, Rotweinsirup, Zitrone und geräuchertem Kümmel.

Sie sind Teil der neuen und saisonalen Bar-Karte, die Cordula in ihrer „dreimonatigen Arbeitspause“ verfasst hat. Der überwiegend größere Teil beinhaltet eine kleine Auswahl an Rot- und Weißweinen, ein wenig Bier, Champagner, Limos statt alkoholfreier Cocktails, viel Gin, Whisk(e)y und Rum, die auch als Flights verkostet werden können. Langers im Vergleich zum Vorgängermodell schlankere Karte bietet rund 25 Drinks auf Basis von Rum, Whisk(e)y und Gin sowie Cocktails und Highballs.

„Vorher war der Grundgedanke, hochqualitative ,Gourmet-Cocktails’ zu bieten. Das war für unsere Gäste zu speziell und herausfordernd“, sagt die Hobbymalerin. Der Grundgedanke, qualitativ hochwertige, kreative Cocktails und exzellenten Service zu bieten, gelte natürlich weiterhin. „Aber wir gehen in der Getränkerezeptur zwei bis drei Schritte zurück, gestalten die Getränke entspannter. Wir wollen Gäste dort abholen, wo sie sind, und auch interessierte Bar-Neulinge ansprechen“, so Langer, die sich nach ihrer Station in der Monkey Bar nun wieder über die Gesprächs-Nähe zum Gast freut. „Ich schätze den Umgang mit Menschen und Unterhaltung. Ich will in erster Linie eine gute Gastgeberin sein und ausgezeichneten Service bieten. Das zählt mehr als den perfekten Drink zu mixen. Fühlt sich ein Gast wohl, dann kommt er wieder“, meint sie. „Wenn ein Gast Cola zu Whisk(e)y ordert, dann soll er es kriegen. Wir dürfen nicht engstirnig denken, sondern müssen individuell agieren und auf Gäste eingehen“.

Female Pressure

Unterstützt wird die Bar-Chefin, die auch Einkauf, Bestellung oder Kalkulation erledigt, „von einem perfekten Team in toller Zusammenarbeit. Das ist extrem wichtig“. Dass es sich bei ihrem vierköpfigen Mitarbeiterstab ausschließlich um Damen handelt, sei reiner Zufall gewesen. „Es hat sich so ergeben“, so das neue, alte Gesicht der Bryk Bar. An der Innenraumgestaltung oder dem Getränke-Sortiment möchte sie nichts verändern. Geplant sind jedoch Frühlings- und Sommerfeste auf Terrasse, Gin- oder Tiki-Themenabende sowie vereinzelte Event-Samstage. Einladungen an Gast-Bartender stehen am Plan, und die Präsenz in den digitalen Medien werde verstärkt.

Aus dem Wettbewerbsfieber will Cordula Langer sich ein wenig raushalten, dafür ihre Kollegin Penelope verstärkt ins Rampenlicht rücken, um „ihr Talent zu fördern“. Gänzlich zurückziehen wird sie sich dennoch nicht. Beim diesjährigen Cointreau Championship Mitte März im französischen Angers spricht sie über „Der weibliche Gast im Wandel der Zeit – vom Cobbler zum Single Malt“. Denn „heute erfahren wir Bartenderinnen von unseren Kollegen volle Akzeptanz. Das war nicht immer so. Auf Bildern oder Fotografien waren Frauen stets nur als Gäste, Männer hingegen als Bartender abgebildet“.

Den von ihr mitinitiierten und mittlerweile internationalen Wettbewerb der Barmaid Olympics betreut sie weiterhin. Im November 2016 werden zehn Finalistinnen zum dritten Mal für einen guten Zweck um die Wette mixen. Die Einnahmen des Charity-Projekts fließen erneut in die Vereinskasse des Frauenhaus Bora e.V. „Damit sollen die zwei Frauenhäuser Crowdfunding betreiben können, um weitere Spenden lukrieren zu können, sowie Frauen bei Anwaltswegen oder deren Kinder durch Nachhilfe unterstützen“, erklärt Langer. Dies komme der Gründungsinitiative nach, Gutes zu tun.

Ein weiterer Gründungsgrund für die Barmaid Olympics sei eine Aufforderung und Ermutigung an alle Damen, ihr Können und Fachwissen unter Beweis zu stellen: „Hey, versteckt euch nicht! Ihr seid genauso gut wie eure Kollegen“, so Cordulas Überzeugung, die sie mit ihrem Team der neuen, alten Bryk Bar teilt.

Credits

Foto: Cordula Langer via Ava Celik

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