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Sechs spannende Winzerchampagner aus Frankreich

Perlenschläue: Diese französischen Winzerchampagner sind unsere Entdeckungen der „100% Champagne“

Winzerchampagner sind kostbare Perlen. Perlen, die Gabriel Daun besonders gerne findet. Aber nicht, um sie zu sammeln: sondern um sie zu trinken. Für MIXOLOGY Online stellt unser Autor seine sechs Favoriten der Champagnermesse „100% Champagne“ in München zusammen, wo ausschließlich französische Häuser präsentiert wurden. 

 

Er sei und bliebe der hellste Stern am Alkoholhimmel, bemerkte Stefan Gabányi einmal treffend. Die Rede ist (natürlich!) von Champagner. Winzerchampagner abseits der großen Häuser, von denen viele unbestritten ebenfalls hervorragende Weine machen, ist längst kein Geheimtipp mehr. Das ist einerseits schön (man findet ihn deshalb mittlerweile z.B. viel öfter auf Bar- und Restaurant-Karten), birgt andererseits allerdings derweil auch oftmals rasch Schwierigkeiten, was seine Beschaffung anbetrifft.

Hat man einen Wein gefunden, der einem besonders zusagt, sollte man mit dem Gedanken spielen, sich eventuell eine Kiste oder zwei in den Keller zu legen, den allzu oft ist er bereits nach kurzer Zeit wieder vergriffen. Winzerchampagner bedeutet leider zumeist auch: kleinere Mengen und dadurch keinen gesicherten Nachschub aufgrund der daraus resultierenden, sehr eingeschränkten Verfügbarkeit.

Ich selbst habe mir diese Not zur Tugend gemacht und trinke mich deshalb am liebsten durch die verschiedenen Häuser und kaufe die wenigsten Flaschen nach. Nicht, weil sie mir nicht schmecken – im Gegenteil! – sondern weil ich erstens gelernt habe, dass sich ein spektakuläres erstes Mal mit einem Wein ohnehin nur schwer wiederholen lässt, zweitens weil es einfach so viel wunderbaren Winzerchampagner gibt. Ich trinke gerne – aber nicht nur – sortenreinen, trockenen Champagner. Ein paar derer, die mir auf der Messe „100 % Champagne“ in München besonders im Gedächtnis geblieben sind und die ich jedem ans Herz legen möchte, sind die folgenden.

Clandestin bewirtschaftet biodynamisch oberhalb des Örtchens Buxières im Süden der Champagne
Die Trauben für Boréal sind ausschließlich auf einem nördlich ausgerichteten Weinberg gewachsen

Champagne Clandestin: Boréal und Austral

Clandestin bedeutet soviel wie „verborgen“ oder „geheim“. Die Weine entstehen als Gemeinschaftsprojekt von Bertrand Gautherot (der für das ebenfalls empfehlenswerte Champagner-Haus Vouette & Sorbée verantwortlich ist) und seinem eigentlich aus dem Burgund stammenden Schwiegersohn Benoît Dousset.

Die Weinberge werden biodynamisch bewirtschaftet und liegen oberhalb des Örtchens Buxières im Süden der Champagne im Terroir Aube. Das Besondere bei Clandestin ist, dass die meisten Trauben in kühleren Lagen reifen. Abhängig von der Menge und der Reife wird jede Parzelle separat vinifiziert. Bei der ersten Gärung kommen nur eigene Naturhefen zum Einsatz. Die Lagerung der Weine erfolgt in neutralen Fässern aus französischer Eiche mit 300 und 500 Litern Fassungsvermögen. Die Abfüllung nach 15-monatiger Lagerung auf der Hefe erfolgt ohne Filtration und es wird auf die Zugabe einer Dosage verzichtet.
Spannend sind die beiden Abfüllungen, die unter dem Namen Les Semblables vermarktet werden. Einerseits der Boréal (vom Lateinischen borealis für nördlich, entlehnt), für den nur Trauben, die auf einem nördlich ausgerichteten Weinberg gewachsen sind, Verwendung finden. Andererseits der Austral (analog dazu aus dem Lateinischen für südlich), der aus Trauben entsteht, die ausschließlich aus einer Südlage stammen. Beide Champagner sind reinsortige Pinot Noir-Weine, werden wie oben bereits beschrieben im Holz ausgebaut und ohne Dosage abgefüllt. Wunderbares Bildungstrinken, wenn man die beiden auf den ersten Blick abgesehen von ihrer Lagenausrichtung praktisch gleich gemachten Weine direkt miteinander vergleicht!

Zwar handelt es sich generell um eine kühlere Region der Champagne, dennoch sind die Unterschiede deutlich erschmeckbar. Der Boréal weist kühle Aromen auf, etwas Grapefruit, rote Beeren, Apfel und kalten Stein. Knackig am Gaumen, zitrisch, etwas fruchtig und kalkig. Ein im besten Sinne des Wortes karger Wein, der Spaß macht.

Der aus der Südlage stammende Austral zeigt sich bereits in der Nase fruchtiger, mit mehr dunklen und beerigen Noten, dabei ebenfalls etwas zitrisch, mineralisch mit subtilen Brioche-Aromen. Der Eindruck setzt sich auf der Zunge fort. Feine Säure, schöne Perlage, es gesellen sich feine Kräuteraromen hinzu. Idealerweise öffnet man beide Flaschen gleichzeitig, kostet sich in etwas größerer Runde durch beide Weine und kann sich dann für den weiteren Abend immer noch auf einen Favoriten festlegen. Beide Weine werden ihre Abnehmer finden!

UVP: Austral € 62,- | Boréal € 55,-

Vertrieb: Vinaturel

Ullens Domaine de Marzilly L.P.M.

Wieder ein komplett Pinot-getriebener Wein, dieses Mal allerdings aus 100 % Meunier und dem nördlichsten Teil der Champagne. Die beiden Winzer Maxime Ullens de Schooten und seine Partnerin Anna kommen ursprünglich aus Brüssel, haben aber innerhalb kürzester Zeit als Champagner-Winzer von sich überzeugen können.

L.P.M. bezieht sich auf den ursprünglich „La Petite Montagne“ genannten Bereich nordwestlich von Reims, in welchem die Weinberge von Ullens liegen. Da mittlerweile allerdings ein anderer Bereich diesen Namen trägt, darf er auf dem Etikett für Maximes und Annas Champagner nicht mehr ausgeschrieben werden und wird daher abgekürzt. Ihre Weine werden alle in Fässern mit 205 Litern Inhalt ausgebaut (dem ursprünglichen Maß in der Champagne). Der L.P.M. wird mit dezenter 2,8g/l Dosage versehen.

Sehr spannend, was da im Glas ist. Animierend in der Nase, Quitte, Birne und Mandel. Auf der Zunge weich-würzig, rote und weiße Früchte, leichte Reifetöne und feine Mineralität. Geht bestimmt auch gut als Speisenbegleiter, macht aber auch alleine oder als Aperitif Spaß. Im Augenblick noch einigermaßen gut erhältlich, weil ihn noch nicht allzu viele auf dem Schirm haben. Kaufen!

UVP: ca. € 63,-
Vertrieb: Champagne Characters

Champagner Ullens
Ullens konnte innerhalb kürzester Zeit als Champagner-Winzer überzeugen
Frédéric Savart erzeugt seit 2004 unter seinem eigenen Label

Frédéric Savart L‘Ouverture

Eigentlich uncool von mir, diesen Wein hier aufzunehmen, denn er ist leider kaum noch erhältlich. Wer ihn auf einer Karte entdeckt: Bestellen!

Savart beendete 2004 die Lohnproduktion für andere Häuser und erzeugt seitdem nur noch unter seinem eigenen Label auf 6 Hektar Rebfläche etwa 25.000 Flaschen pro Jahr. Auf dem Großteil seiner Lagen südlich vor Reims gelegen wächst vor allem Pinot Noir (85 % der Gesamtmenge) und außerdem etwas Chardonnay. Alles wird naturnah von ihm selbst bewirtschaftet. Man verzeihe mir den Begriff: der L’Ouverture ist ein 1A-Saufchampagner! In der Nase leicht zitrisch, etwas Apfel. Dann saftig, viel Schmelz, feine Frucht, aber vor allem viel Frische. Mineralisch, finessenreich, tolle Perlage. Anfangs druckvoll, reif und weinig, hinten dann aber gefährlich leichtfüßig mit subtiler Pink Grapefruit-Aromatik und Finesse, trotzdem lang im Abgang. Ein toller Champagner mit Tiefe, Frische, Kühle und Eleganz. Wenn es nur mehr davon gäbe! Die Hardfacts: 4 g Dosage, 24 Monate auf der Hefe. Eine Perle!

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt: Der L’Accomplie aus dem gleichen Haus nennt 20% Chardonnay in der Cuvée sein eigen, was ihm, verglichen mit dem L’Ouverture, noch etwas mehr Zug verleiht. Leider mittlerweile ebenso schwer zu bekommen …

UVP: ca. € 70,-
Vertrieb: Frédéric Savart

Doyard Blanc de Blancs Millésime 2012

Kommen wir zum Chardonnay! Und zu Jahrgangschampagner. Das Haus Doyard existiert bereits seit elf Generationen als Winzerfamilie. Seit vier Generationen produziert Doyard seinen eigenen Champagner unter eigenem Label. Die Trauben stammen aus Grand Cru Lagen in Mesnil, Oger, Avize und Cramant, das Alter der Reben beträgt 40 bis 50 Jahre. Auf malolaktische Gärung wird verzichtet. Der Wein wird zunächst ein Jahr im Eichenbarrique ausgebaut, danach erfolgt eine etwa siebenjährige Reifezeit in der Flasche. Nach dem Degorgieren werden 2 g Dosage hinzugegeben. Pro Jahr werden gerade einmal 4.000 Flaschen von diesem Blanc de Blancs erzeugt.

Die Nase weist Reife auf, Toast, Röstaromen aber auch weiße Früchte und Zitrusaromen. Am Gaumen kraftvoll aber immer noch frisch, weinig, komplex mit toller Länge. Ein Brett. Zugegeben: schon allein preislich kein Everyday-Champagner, aber einer, den ich trotzdem jeden Tag trinken könnte.

UVP: € 99,-
Vertrieb: Champagne Characters (aktuell 2103 vorrätig)

Das Haus Doyard existiert bereits seit elf Generationen als Winzerfamilie
Das Haus Doyard existiert bereits seit elf Generationen als Winzerfamilie
Das Meisterstück von Pascal Agrapart hat seinen Preis

Pascal Agrapart Vénus

Wir bleiben beim Chardonnay, setzen aber noch einmal einen drauf. Auf einer 1959 bepflanzten Parzelle, die ausschließlich mit der Hand oder einem Pferd bearbeitet wird (das auf den Namen Vénus hört, daher der Name) von gerade einmal 0,3 Hektar Rebfläche wachsen die Trauben für den Vénus im Grand Cru Avize an der Côte des Blancs. Ebenfalls im Barrique ausgebaut, wird er nach sieben bis acht Monaten in die Flasche gefüllt und danach fünf Jahre auf der Hefe gelagert. Dabei wird er mit einem richtigen Korken verschlossen, um eine höhere Oxidation zu erwirken. Keine Dosage.

Bereits in der Nase komplex, reichhaltig, charaktervoll mit viel Mineralität. Auf der Zunge subtile Töne von Norialge, Umami, dabei frisch mit viel Kraft und Eleganz. Ein Meisterstück von Pascal Agrapart. Vermutlich lange lagerbar, allerdings – ich kenne mich selbst gut genug – nicht bei mir. Dafür macht er einfach jetzt schon zu viel Spaß. Aufgrund seines Preises leider ein Champagner nur für besondere Anlässe. Aber dennoch: ein echtes Highlight!

UVP: € 199,-
Vertrieb: KierdorfWein

Credits

Foto: Parilov – stock.adobe.com

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