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Chivas-Master Blender Colin Scott im Gespräch

Es muss nicht unbedingt steinalter Whiskey sein. Ein derzeit heißes Thema der Whiskywelt ist für Colin Scott kein großes Ding. In Deutschland sieht man das anders, wie er weiß. Aber statt sich darüber aufzuregen, gibt es lieber eine Caipirinha.

Die Debatte um Whisky ohne Altersangabe kommentiert Colin Scott abgeklärt: „Da schreiben viele, die glauben, sie haben die Antworten schon parat, während noch alles im Gange ist”. Also fragten wir den Master Blender von Chivas Brothers.

Die Rettung der Marke

„Mit dem vorhandenen Lagerbestand die Rezeptur in die Zukunft retten“, definiert der seit 26 Jahren für alle Chivas- und Royal Salute-Abfüllungen verantwortliche Schotte seine Aufgabe. 1973 kam Colin Scott zu Glenlivet, wo schon sein Vater und Großvater tätig waren. 1989 übernahm er dann die Aufgaben des Master Blenders und erweiterte das Portfolio um Abfüllungen wie den „62 Gun Salute” oder „Chivas 25 years”, die Neuauflage eines vor der Prohibition in den USA immens populären Blends. Von dessen Launch in New York mit 25 Feuerwehrmännern aus Manhattan, die auf Dudelsäcken spielten, schwärmt er noch heute.

Auf manches weiß aber auch der seit 42 Jahren für Chivas Brothers Ltd., und damit seit einigen Jahren für Pernod-Ricard, tätige Altmeister keine Antwort. Warum etwa der 18-jährige Chivas Regal ausgerechnet in Vietnam seinen größten Markt hat, gehört zu diesen Mysterien. „Das ist auch erst seit vier, fünf Jahren so“.

Wo wir gerade über Einzel-Märkte sprechen, für die man in Aberdeen teilweise eigene Abfüllungen – etwa einen Royal Salute für Taiwan – bereithält: Was müsste denn ein neuer Whisky für den deutschen Markt können? „Deutschland hat es ganz stark mit dem Alter“, zögert Scott nicht mit der Antwort, „crisp und auf jeden Fall mit Altersangabe müsste er sein, vielleicht eine eigene Abfüllung aus unserer Strathisla-Destillerie“.

Blends: Schönheit vor Alter

Womit wir mitten im momentan heißesten Whisky-Thema wären — der „Age Debate“. Immer mehr Abfüllungen ohne Altersangabe kommen auf den Markt, der vor allem in Asien boomenden Spirituose gehen die länger gereiften Qualitäten – die vor 15 oder mehr Jahren hätten produziert werden müssen – aus. Der europäische Konsument, im Wesentlichen an die grob simplifizierende Gleichung „älter = besser“ gewöhnt, ist dadurch verwirrt.

Alles halb so wild, beruhigt Scott. Bis 1960 seien Altersangaben ja auch unüblich gewesen. Solange großteils bei Whisky-Brokern gekauft wurde, „sprach man von 15- bis 30-jährigem Whisky, ohne dass das den Kunden gestört hätte, wenn der Geschmack entsprach“, erinnert sich Scott. Heute liege die Kontrolle der Qualität ausschließlich bei den Destillerien selbst.

Das Fass — heiliger Gral oder Holzweg?

Allerdings mache etwa das Fass-Management bei den Blends von Chivas weniger als die üblicherweise gerne bei Single Malts zitierten 80% des Geschmacks aus. „Bei uns beeinflusst das Holz vielleicht 50% der Aromatik“, meint Scott. Wichtiger sei aber zu erwähnen, dass ungeachtet von der Reifedauer im Fass immer ein und dasselbe Ausgangsprodukt liege. „Und die technische Kontrolle des „new make“, also des Ausgangsdestillats, ist viel besser geworden“.

Ob man dann die jüngere Variante oder reife Noten bevorzugt, sei allerdings vom Kundengeschmack abhängig, auch wenn jeder Whisky sein optimales Reifeplateau hätte. Das herauszufinden ist aber ein laufender Prozess: „Wir füllen ja nichts ab und sagen, das wird einmal ein 12-jähriger Whisky“.

Chivas-Manhattan oder Caipi?

Der Geschmack sollte entscheiden, wünscht sich der Master Blender. „Wir hatten schon Tastings, bei denen wir unbeeinflusst von Alter und Preis die Favoriten wählen ließen. 57% wollten da die Basisqualität“. Differenzierter wird das Bild, das Scott vom Einsatz seiner Drams in der Bar zeichnet. Dabei spart der Cocktail-Liebhaber auch nicht mit Kritik: „Die Whisky-Industrie wurde vom Cocktail-Trend mehr eingesogen, als dass sie ihn anschob”, versteht Scott die „Zurückhaltung der Scotch-Industrie“ nicht. Dafür, dass man die klassischen Rezepte dem Bourbon – „den Amerikanern“, formuliert es der Schotte – überlassen hätte, gäbe es schließlich keinen Grund, „der Chivas 12 years ist ein sehr vielseitiges Produkt für die Bar“. Anders als beim Wodka müsse der Geschmack bei Scotch-Drinks ja „nicht ausschließlich von außen herangetragen werden“.

Ein kluger Bartender, so Scott, „zieht mit zwei Zutaten genau jene Whisky-Aromen heraus, die er unterstreichen will“. Wenig überraschend nennt der Master Blender Manhattan und Old Fashioned als seine Drink-Favoriten, „da aber ist der 18-jährige Chivas Regal großartig dafür“. Über allem steht für ihn persönlich aber der Caipirinha. Caipi, ist das Ihr Ernst, Mr. Scott?! „Ja, aber nur, wenn er in Brasilien frisch mit einheimischem Cachaça gemacht wird“. Und immer nur einen pro Tag. „Denn der ist so gut, da darf man sich nicht daran gewöhnen“.

Credits

Foto: Chivas Regal / Pernod Ricard

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