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Der No.4 Cocktail. Die Grenze überschritten.

Wenn ein Bartender indischer Abstammung einen Signature Drink für eine Bar entwirft, ein deutscher Austausch-Bartender diesen Drink mit in die Heimat nimmt und dort seinem Kollegen präsentiert, wenn dieser Kollege dann eine Abwandlung dieses Cocktails dem Chef des besagten indischen Bartenders präsentiert, dann ist das Ganze eine runde Sache.

Aber von vorne. Vor vier Jahren durfte ich als Sieger einer Competition für eine Woche in Kopenhagen arbeiten. Die Begeisterung für Dänemark und Kopenhagen war schon vorher gegeben, aber diese Woche war wirklich noch einmal besonders.

Kopenhagen war irgendwie gerade im Aufbruch. In vielen Dingen gänzlich anders, als man es in Deutschland gewohnt war, zum Beispiel gab und gibt es eine ausgeprägte Aperitifkultur. Andere Dinge erschienen zuerst unfassbar. Große Marken waren schwierig oder kaum zu bekommen, einfach weil der dänische Markt klein, und somit nur wenig attraktiv war.

Aber die Barszene war bereits 2009 schon hervorragend vernetzt und man tauschte sich aus und traf sich, wo es nur ging. In diesem Netzwerk traf ich schnell Gromit Eduardsen. Der damalige Betreiber der Bar 1105 gab mir die Möglichkeit nicht nur im Umami zu arbeiten, sondern auch einen Abend lang das durstige Partyvolk in besagtem 1105 zu bedienen.

Im Schnelldurchlauf wurde mir die Bar gezeigt, eine DinA4 Seite mit Rezepten in die Hand gedrückt, und dann sollte ich meine eigene Station übernehmen. Leicht überfordert konzentrierte ich mich auf einen Drink, den ich abends zuvor probiert hatte. Den ich also kannte und dementsprechend empfehlen konnte. Man kann im Übrigen problemlos den ganzen Abend denselben Drink verkaufen, wenn man nur jede Frage zum Drink mit Ja beantwortet. Dieser Drink war der No. 4 Cocktail. Kreiert von Barchef (der mit den indischen Wurzeln) Hardeep Singh Rehal. Der Name ist schnell erklärt. Die Bar heisst 1105, weil der Bezirk, in dem sie liegt, diese Postleitzahl hat. Die Hausnummer der Bar ist die Vier. Und so wurde No. 4 zum Signature Drink des 1105.

Zurück in München

Diesen liebgewonnenen Cocktail präsentierte ich in München einigen Kollegen. Einer hat damals besonderen Gefallen an ihm gefunden. Dietmar Petri, der zu der Zeit noch im Cortiina Hotel arbeitete, setzte ihn schnell auf die Karte und feilte nebenbei noch ein wenig am Rezept.

Ein wenig später kam Gromit Eduardsen zu einem Barcoaching nach München und verbrachte einen langen Abend an der Bar des Cortiina Hotel.

Man darf spekulieren, ob die geflossenen Tequilas an diesem Abend der Auslöser waren oder ob man den Grund im gerade aufkommenden Trend der „Tommy’s Margarita“ suchen soll, aber von da an konnte man an jedem Tresen, an dem Petri stand, seine Interpretation des No. 4 trinken. Der „Tribute to 1105“ ist ein Hybrid aus No. 4 und Tommy’s Margarita und dabei unverschämt lecker.

Mittlerweile hat Hardeep Singh Rehal die Bar 1105 übernommen, Gromit Eduardsen hat das Nordic Bar Syndicate gegründet, und die Barkultur Kopenhagens ist schon lange kein Geheimnis mehr, sondern mittlerweile Ziel vieler Bartenderreisen. Und vielleicht schaffen es No. 4 und Tribute to 1105 nun auch auf in paar Barkarten hierzulande.

 

No. 4 Cocktail

5-7 Kapseln grüner Kardamom

5 cl Gin

3 cl frischer Limettensaft

2,5cl Runny Honey

 

Glas: Coupette

Garnitur: frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung: Kardamomkapseln in den Shaker geben und mit dem Muddler andrücken. Die Flüssigkeiten und Eiswürfel hinzugeben und ca. 15-20 Sekunden (15-20 Mal) shaken. Durch ein Teesieb in das vorgekühlte Gästeglas abseihen und eine Prise frischen schwarzen Pfeffer über den Cocktail geben.

Wer den Gin durch Tequila und den Honig durch Agavendicksaft ersetzt bekommt im Ergebnis die Variante von Dietmar Petri, den „Tribute to 1105“.

 

Bildquelle: Love Copenhagen via shutterstock.com

 

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