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Cocktail Spirits in Paris, eine Boutique Bar Show

Die Cocktail Spirits ist eine beliebte und angesehene Bar- und Spirituosenmesse, die diesen Juni 2014 zum siebten Mal ihre Tore für Industrie, Bartender und Interessierte öffnete. Zum Abschluss wurden die Awards für die einflussreichsten Bars und Bartender in drei Kategorien vergeben und es blieb noch Zeit für einen Ausflug in die gelobte Pariser Cocktailkultur.
Es ist Aufruhr in Paris. Die Preise für Brot steigen ins Unermessliche, Wein und Schnaps fließen aber in Strömen. Die Französische Revolution nimmt ihren Lauf. Die Republik entsteht und Europa feiert den Eintritt der Geschichte in die Moderne. Dann rollen Köpfe und am Ende nimmt ein gewisser Napoléon – von Hegel als der „Weltgeist zu Pferde“ gefeiert – Europa unter seine Knute. Fasziniert und verursacht Schrecken, reformiert und demontiert sich dann selbst.
Cocktail Revolution?
Begonnen hat alles mit dem Sturm auf das berüchtigte Gefängnis Bastille. In der Nähe, am Boulevard de Bastille fand zum siebten Mal an zwei Tagen die Barshow Cocktail Spirits im Maison Rouge statt, deren Presseinformation mit The French Cocktail Revolution betitelt ist. Gut gebrüllt. So weit kam es aber dann doch nicht. Der Cocktail und die Spirituosen haben längst Einzug in die Moderne gehalten, ihren Schrecken selbst für die Bourgeoisie verloren. So gab es Spirituosen als Kulturprodukt zu entdecken. Unterstützt hierdurch ging die Pariser Entwicklung der Barkultur der letzten Jahre kontinuierlich vonstatten.
Tastings und Präsentationen der Brands aller Kategorien an Destillersständen informierten auf 1500 qm über Neuheiten und Weiterentwicklungen. Internationalität hatte man sich auf die Fahne geschrieben, dennoch dominierte die französische Branchenprominenz. So wurde bereits am Eingang der einheimischen Aperitif- Pastis- und Absinthkultur gehuldigt. Dann ging es in die Hallen.
Es gab Vorträge unter anderem über Vintage Produkte, Craft Beer, die amerikanische Mikro-Destillerie-Szene (in der Ankündigung wieder Revolution genannt) und – eines der heißen Themen in der Pariser Bar-Szene – Café. Wie mache ich guten Café mit einfachen Mitteln in einer Bar? Ein Komplex, dessen Für und Wider auch in Deutschland bereits kontrovers diskutiert wurde.
Das fachkundige Publikum setzte sich mehrheitlich aus Bartendern und Vertretern der Industrie zusammen und so entwickelte sich eine entspannte und konsistente Atmosphäre und die Vorträge waren gut und aufmerksam besucht. Man war unter sich und so war ein intensives Netzwerken zu beobachten.


Bar Rouge
Highlight der Veranstaltung waren die Präsentationen der kuratierten Bars in der so genannten Bar Rouge, einem Vortragsraum mit Bühne, Großbildleinwand und exzellenter Simultanübersetzung, die ihren Namen verdiente. Zu den Eingeladenen zählten: White Lyan (London), Imperial Craft Cocktail Bar (Tel Aviv), Fugen (Oslo), Le Lockwood (Paris), Attaboy & Pouring Ribbons (New York), Tales & Spirits (Amsterdam), Eau de Vie (Sydney) und Boilerman (Hamburg). Diese Bars kämpfen mit anderen Nominierten auch um die Cocktail Spirit Awards.
Die Bars betraten nacheinander an beiden Tagen die Bühne und erklärten den Zuhörern ihre, teilweise sehr ambitionierten, Konzepte. Sprachen über die Ideenfindung, Finanzierung, Schallschutz, Musikkonzept, Entwicklung von Businessplänen und Zukunftserwartungen. Untermalt von Fotos, Videos und Musik. Ein äußerst lebendig und kreativ gestaltetes Panel, das von Xavier Padovani (Orfeus, London) mit Witz und Sachkunde moderiert wurde.
Der deutsche Vertreter Jörg Meyer zeigte sich bereits am ersten Tag beeindruckt, lobte die Organisation und schwärmte: „Die Qualität der Vorträge ist hervorragend. Ich versuche nichts zu verpassen.“ Und der ebenfalls vortragende Tomek Roehr (Alkoteka, Warschau) war glücklich: „Ich freue mich sehr hierher eingeladen worden zu sein. Die Barszene in Paris hat sich prächtig entwickelt und die Cocktail Spirits ist hierfür sowohl Spiegel wie Impulsgeber.“
Abstecher in die Bar
Das war das Stichwort, um im Anschluss an den ersten Tag in die Pariser Nacht zu entfliehen und diese Aussage zu überprüfen. (Ein ausführlicher Bericht hierzu folgt in MIXOLOGY MAGAZIN Issue 4-2014). Es sollte nur ein kurzes Schnuppern werden, da ja am nächsten Tag das Programm fortgesetzt wurde.
Von besonderem Interesse war also das erst im Januar 2014 eröffnete Le Lockwood. Interessant deshalb, da sich hier einige der angesprochenen Themen exemplarisch wiederfinden. Das Lockwood ist Café, Aperitif- und Cocktailbar in einem. Durch einen langen Schlauch betritt man das steinalte Gemäuer mit seinen meterdicken Wänden. Teppichboden dämpft die Schritte und man landet zunächst im Obergeschoß an der Café- und Aperitifstation. Allerdings war hier zu fortgeschrittener Stunde wenig Publikum anzutreffen. Die Treppe hinab war auch klar warum. Rockmusik hämmert aus den Lautsprechern, die Wände schwitzen ebenso wie die Bartender. Loungenischen, ein zentraler Barraum und noch eine separate Lounge im Hintergrund saugen das zahlreiche Publikum, das junge Publikum auf. Der Name und das intelligente Interieur sollen an eine kanadische Blockhütte erinnern. Die Drinks tun es zum Glück nicht. Kundige Beratung trotz der Lautstärke und mit Hingabe zubereitete Drinks wandern über den Tresen an Ohr und Lippen der Gäste. Der Old Fashioned mit Maker´s Mark erfreute sich perfekter Balance und Temperatur. Hamburger zur Stärkung werden hereingetragen und italienisches Craft Beer löscht den Durst. Die Neugierde auf die Bartour in der kommenden Nacht war geweckt und der erste Eindruck sehr überzeugend.
Bars mit Einfluss und Menschen mit Geist
Zum Abschluss des folgenden Tages zog die Veranstalter Thierry Daniel und Eric Fossard ein äußerst zufriedenes Fazit. Und Thierry Daniel erklärte im Gespräch: „Es ist eine Boutique Trade und Bar Show und es soll auch so bleiben. Wir wollen weiter mit Qualität und Raum für Gespräche die Menschen hier zusammen bringen. Es ist auch zweifelhaft, dass der Markt mehr zulässt. Das Konzept überzeugt uns und unsere Gäste.“
Besonders überzeugen konnten die Gewinner der Awards. Die Jury suchte die einflussreichsten Bars in Europa, Frankreich und den einflussreichsten französischen Bartender. Der Sieger für Europas Bar hieß Artesian Bar, London, was sicherlich keine große Überraschung, angesichts des Renommees dieser Institution, ist. Frischen Wind für Frankreich bedeutet die Auszeichnung das Le Lockwood, was sich angesichts der Präsentation ja bereits angedeutet hat. Die Wahl darf aber als gerechtfertigt angesehen werden, da sie als ein Fingerzeig in komplexe zukünftige Barkonzepte gelten darf. Bleibt noch der einflussreichste französische Bartender: Nico de Soto. Ein Globetrotter zwischen Paris, London und New York – wohin es ihn im Augenblick auch wieder zieht, um sich einem eigenen neuen Projekt zu widmen.
Den Weltgeist, weder zu Pferde, in Flaschen oder hinter der Bar hat man auf der Cocktail Spirits sicher nicht gesehen. Aber viel Geist und geistreiches aus der Branche, hinter den Bars und in den Gläsern in einer historischen Umgebung. Die Revolution muss noch warten, aber die frisst ja bekanntlich irgendwann ihre Kinder.
 

Credits

Foto: Paris via Shutterstock

Comments (2)

  • Richard hirschhuber

    Freue mich schon wenn wir soweit sind und mit dem #Stollen1930 aus #kufstein dort Gas geben

    reply
  • Adrian Franz

    Le Bar Lockwood est une bonne adresse à Paris!
    Merci pour les bons conseils, de la bonne musique et d’excellents cocktails.
    Grand MERCI au barman Adam. Vous êtes les meilleurs hôtes de Paris!
    à revoir et à bientôt!

    reply

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