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Philippinisches Kriegsgeheul. Der Aku Aku Lapu.

Tiki Drinks wurden lange Zeit eher belächelt als mit Barkultur in Verbindung gebracht. Zum einen sind sie sehr stark, zum anderen ist das Bunte und kitschige nur schwer mit dem seriösen Rühren und Abschmecken in Einklang zu bringen. Für viele Bartender sind Tiki Drinks aber auch ein wenig die Flucht aus der Seriosität und ein möglicher Weg eine zusätzliche Portion Spaß in den Abend zu bringen. Dazu eignet sich auch der Aku Aku Lapu.

Viele Cocktails werden nicht ausschließlich aufgrund ihres hervorragenden Geschmacks so berühmt, sondern weil sie einen einfachen und einprägsamen Namen haben. Dabei muss dieser auf den ersten Blick nicht einmal unbedingt einen Sinn ergeben. Der Mai Tai ist solch ein Beispiel. Ein toller Drink und ein Name, den man sich merken kann. Wahrscheinlich sogar, wenn man einen mehr getrunken hat, als man verträgt. Dabei dürften die wenigsten Gäste wirklich wissen, welche Bedeutung hinter diesem Namen steckt.

Anderen Cocktails wird der nachhaltige Ruhm vielleicht gerade durch einen schwierigen Namen verwehrt. Hier darf man den Aku Aku Lapu nennen.

Der Geist des Kriegers

Was für uns klingt wie ein finnischer Zungenbrecher, ist im philippinischen eine gar nicht so ungewöhnliche Bezeichnung. Aku Aku lässt sich in etwa mit Schutzengel übersetzen während Lapu Lapu der erste Held der philippinischen Geschichte ist. Er konnte die Philippinen zu seinen Lebzeiten vor einer Unterjochung durch die spanische Krone schützen. Berühmtheit erlangte er, als er 1521 den Seefahrer und Eroberer Ferdinand Magellan im Kampf tötete. Während Magellans Truppen versuchten, mit dem Schwert die Philippinen zum Gehorsam gegenüber der spanischen Krone zu verpflichten, wehrten diese sich mit giftigen Pfeilen, die vorwiegend in die ungepanzerten Beine der Angreifer geschossen wurden. Einen solchen Treffer musste auch Magellan hinnehmen und wurde dann von Lapu Lapus Männern zerstückelt. Nach dieser Niederlage sollten die Philippinen über 50 Jahre lang Ruhe vor europäischen Eroberern haben.

Tiki Grundlagen

Eine Geschichte, die man einem wissensdurstigen Gast schon einmal erzählen kann während eines Beratungsgesprächs. Vorausgesetzt man verschließt sich nicht gegenüber Drinks aus der Tiki-Richtung und hat einen Gast vor sich, der keine Angst vor einem Überfall der Aromen jamaikanischen Rums hat. Süße und Säure der verschiedenen Säfte bilden eine gute Basis für die diversen Rumaromen. Ähnlich wie im Mai Tai der Mandelsirup, übernimmt im Aku Aku Lapu das Falernum als Gewürzlikör die verbindende Komponente von Säften und Hochprozentigem. Bei der Auswahl der Rumsorten ist auf eine Balance zu achten, gleichzeitig sollte sich aber der Overproof Rum deutlich bemerkbar machen, damit der Cocktail auch dem Namensgeber gerecht wird. Dem Geist des großen Kriegers sollte durchaus mit etwas Kräftigem gehuldigt werden.

Viele Tiki Bars, gerade in den Anfangsjahren, arbeiteten mit eigenen Rum Blends, um ihre Rezepturen vor neugierigen Augen zu schützen. Bei Drinks wie diesem bietet sich ein eigener Blend durchaus an. Hier können die gewünschten Rummengen bereits vorbereitet werden und man hat neben der passenden Geschichte auch gleich den verbesserten Workflow gewonnen.

 

Aku Aku Lapu (adaptiert nach Jeff Berry, Beachbum Berry Remixed, 2010)

3 cl Zitronensaft

3 cl Ananassaft

3 cl Orangensaft

3 cl weißer Grapefruitsaft

3 cl Falernum

3 cl goldener Rum

3 cl gereifter jamaikanischer Rum

3 cl Demerara Overproof Rum

40 cl crushed Ice

Glas: Tiki Mug

Garnitur: Gardenie (oder andere essbare Blumenblüte)

Zubereitung: Alle Zutaten in einen elektrischen Blender geben und ca. 20 Sekunden auf höchster Stufe blenden. In vorgekühltes Gästeglas umfüllen, garnieren und servieren.

 
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Bildquelle: aboutpixel.de / Trauminsel © stormpic

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