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Im Anzug der Grünen Fee: Sechs Cocktails mit Absinth

Es ist etwas ruhig geworden um Absinth – und vor allem um Absinth in Cocktails. In der Entstehungsgeschichte der Cocktailkultur noch ein beliebter Zusatz, der vielen Drinks das gewisse Etwas verliehen hat, ist der Einsatz der „Grünen Fee“ heute weitaus weniger selbstverständlich geworden. Wir haben sechs Drinks zusammengestellt, in denen Absinth das Zünglein an der Waage spielt.

Es mag mehrere Gründe geben, weswegen Absinth gerade auch in Neukreationen heute scheinbar wenig zum Einsatz kommt. Zum einen steht ihm heute eine Armada an Bitters gegenüber, die Drinks verfeinern und würzen sollen, ob nun von Marken oder von Bartender:innen selbst gemacht. Und dann ist da noch das nach wie vor hartnäckige, negative Image der „Grünen Fee“ – dieser teilweise und immer wieder mal verbotenen Spirituose, die einen vermeintlich alle Sinne verlieren lässt; mit Absinth verbinden viele Gäste eben viele nach wie vor eher den Wahn und das abgeschnittene Ohr von Vincent van Gogh, als mit einem Sazerac. Eine Zeit, in der No- und Low-ABV hoch im Kurs stehen, hat die „Rauschspirituose“ Absinth eben keinen leichten Stand. Damit tut man ihr aber Unrecht. Deswegen präsentieren wir an dieser Stelle sechs klassische Cocktails mit Absinth – einfach herzustellen und komplex im Geschmack.

Sechs Cocktails mit Absinth

Mixology Podcast

Remember the Maine Cocktail

Zutaten

6 cl Rye Whiskey
1,5 cl roter Wermut
1 cl Cherry Brandy
0, 25 cl Absinth

Dieser Cocktail wird von Barleuten häufig als kleine, geheime Liebe erwähnt: Der „Remember the Maine“ ist wie der Greenpoint eine Manhattan-Variante, bei der statt der üblichen Liköre der heute eher weniger gängige Kirschlikör verwendet wird, und zwar in einer größeren Menge, als es beim üblichen Manhattan Cocktail üblich wäre. Beschrieben wird er erstmals 1939 von Charles H. Baker, der ihn im kubanischen Havanna kennengelernt hatte. Benannt wurde er nach einem Ereignis des Jahres 1898: Angeblich versenkte die spanische Armee auf Kuba das US-amerikanische Schiff USS Maine.(Inzwischen weiß man, dass die Ursache eine Explosion im Innern des Schiffes war.) Der Vorfall wurde damals propagandistisch aufgegriffen, und der Schlachtruf „Remember the Maine, to hell with Spain!“ etablierte sich. Der Spanisch-Amerikanische Krieg begann und führte zur Inbesitznahme von Kuba, Puerto Rico, Guam und der Philippinen durch die USA.

Corpse Reviver No. 2

Zutaten

2 cl Dry Gin
2 cl Cointreau
2 cl Cocchi Americano (oder Lillet Blanc)
2 cl Zitronensaft
1 Dash Absinth

Der Corpse Reviver No. 2 stammt aus dem The Savoy Cocktail Book von Harry Craddock aus dem Jahre 1930. Er ist der wohl bekannteste und beliebteste Cocktail der Reviver-Reihe, von der es einige gibt und die der Kategorie der Wachmacher zugeteilt werden können (wörtlich übersetzt, erweckt der Drink Tote zum Leben). Zur Zeit ihrer Entstehung galten die Reviver als Kater-Drinks, weswegen auch Harry Craddock schreibt:„To be taken before 11 a.m., or whenever steam and energy are needed.“ Die Rezeptur sieht zu gleichen Teilen Gin, Cointreau, Lillet Blanc, Zitronensaft und einen Dash Absinth vor. Zu Zeiten des Originals hieß Lillet Blanc noch Kina Lillet, die Namensänderung fand erst 1986 statt. Gleichwohl ging mit der Namensänderung auch ein leichter, aromatischer Wandel des Produkts einher, weswegen sich auch Cocchi Americano als Alternative anbietet, der mit seinen Bitternoten näher an das Original heranreicht. Aber für welche Variante man sich auch entscheidet: Der Corpse Reviver No. 2 trägt seinen Namen zurecht. Weswegen Harry Craddock auch damals schon warnend hinzufügte: „Four of these taken in straight succession will unrevive the corpse again.“

Morning Glory Fizz

Zutaten

6cl Scotch Whisky (z. B. Monkey Shoulder Vatted Malt)
1,5 cl Limettensaft
1,5 cl Zitronensaft
2 cl Zucker
3 Dashes Absinth
1 Eiweiss
Soda

Der Morning Glory Fizz ist ein kräftig-frischer Fizz, der verdeutlicht, dass Scotch hervorragend als Fizz-Basis dienen kann. Die Kombination aus Limette und Zitrone verleiht dem Drink eine ausgewogene Säure, während Zucker und Eiweiß eine tolle Textur bilden, in der sich Scotch und Absinth gegenseitig aufbauen. Erstmals 1884 niedergeschrieben, ist der Morning Glory Fizz ein Drink in einem zeitlos modernem Gerüst.

Jet Pilot

Zutaten

3 cl Jamaika-Rum (gereift)
2 cl goldener puerto-ricanischer Rum
2 cl Demerara Overproof Rum
1,5 cl Falernum
1,5 cl frischer Limettensaft
1,5 cl Pink Grapefruitsaft
1,5 cl Zimtsirup
3 Dashes Angostura Bitters
2 Dashes Absinth

Ein Rum-Cocktail mit ordentlich Durchschlagskraft. Jedenfalls sollte sich ein verantwortungsbewusster Pilot nach dem Genuss nicht mehr ins Cockpit setzen. Mit seiner Aromatik und Zusammensetzung der Rezeptur steht der Jet Pilot jedenfalls in bester Tradition klassischer Tiki-Drinks: Die Paarung aus Rum und Zitrusfrüchten wird mit Gewürzen bereichert, während Absinth und Bitters einen Teil der Süße auffangen und dem Cocktail eine gewisse Eleganz verleihen.

Sazerac

Zutaten

6 cl Rye Whiskey (oder Cognac)
1 BL Zuckersirup
2 Dashes Peychaud’s Bitters
Absinth

Wenn New Orleans, dann Sazerac: Das würde wohl jeder Bartender sofort unterschreiben. Der kräftige Drink, der mit Rye Whiskey oder Cognac gemixt und im mit Absinth ausgesprühten oder ausgespülten Tumbler serviert wird, ist - seit dem Jahr 2008 auch offiziell - das Aushängeschild der legendären Jazz- und Cocktailstadt in Louisiana. Der Sazerac verdankt seinen Ruf als kreolische Variante des "Improved Whiskey Cocktail" vor allem einer Zutat: dem rötlich schimmernden Peychaud's Cocktail Bitters. Diese Kombination hat den Sazerac auch zu einem wesentlichen Bestandteil der Cocktail-Renaissance gemacht.

Tuxedo No. 2

Zutaten

5 cl Old Tom Gin
3 cl trockener Wermut (ursprünglich 5 cl)
2-3 Dashes Orange Bitters
1-2 Dash Maraschino
1 Dash Absinth

Ein Martini geht immer, erst recht in dieser elegant-verspielten Abwandlung: Maraschino und Old Tom Gin sorgen für Milde und Blumigkeit, während Bitters und Absinth die dazu passende Spannung aus Trockenheit und Würze beisteuern. Der Tuxedo No. 2 geht bereits auf Harry Johnson zurück und ist somit ein Drink aus den Gründertagen der Cocktailkultur.

Credits

Foto: Sarah Swantje Fischer

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