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Von Papierfliegern und Pistenwässerchen: Sechs Cocktails mit Whisky

Whisky-Drinks gehören zum Grundstein der Barkultur. Deswegen gibt es auch so viele davon – was gut ist. Deswegen vergisst man aber auch immer wieder viele davon – was schlecht ist. Wie wäre es mit einem kleinen Denkanstoß? Wir zeigen sechs Cocktails mit Whisky, vom Klassiker bis zur modernen Signature Drink.

Den Februar haben wir auf MIXOLOGY Online thematisch unter das Motto des New World Whisky gestellt, also Whisky, der nicht aus den traditionellen Whiskyländern Schottland, Irland, USA, Kanada und Japan stammt. Das haben wir zum Anlass genommen, sechs Cocktails mit Whisky aus unserem Archiv zu suchen. Und wer weiß, vielleicht findet hier jemand eine Inspiration für eine Rezeptur zur Made in GSA Competition?

6 Cocktails mit Whisky

150 Jahre Zwiesel Glas

Casa Nova

Zutaten

6 cl Beverbach Single Malt German Whiskey
3 cl Verjus
1 cl Löwenzahnhonig
1 BL Feigensenf (Löwensenf)
5 cl Soda Libre Elderflower

D ie gebürtige Italienerin Lucrezia Mascheri steht seit Längerem an der Seite von David Rippen in dessen Square Bar in Düsseldorf. Von dort brachte sie ihren „Casa Nova“ mit ins Finale der Made in GSA 2021, eine Kombination des deutschen Single Malt von Beverbach mit Verjus, Honig sowie Soda Libre Elderflower – in Summe ein charakterstarker Drink, der von frischer Leichtigkeit und dennoch genügend Biss begleitet wurde, wofür nicht zuletzt der Senf sorgt, der ebenfalls zur Anwendung kommt. Ein Drink, der laut Jury-Meinung das „Zeug zum Bestseller“ hat.

Algonquin Cocktail

Zutaten

4,5 cl Rye Whiskey

2 cl trockener Wermut

2 cl frischer Ananassaft

Es ist nicht vieles bekannt über den Algonquin Cocktail. So rätselt man noch heute, wann genau er entstanden ist und von wem er kreiert wurde. Auch ob er überhaupt in dem gleichnamigen Algonquin Hotel in New York ein Signature Cocktail war oder er einfach nur als liebevolle Hommage an jene Zeit der Post-Prohibition erdacht wurde, bleibt ein ewiges Mysterium. Er ist gleichzeitig der wohl erste niedergeschriebene Drink, der Rye – oder generell Whiskey – mit Ananas vereint. Hinzu kommt trockener, weißer Wermut, der einerseits eine herb-sanfte, aber gleichzeitig auch hocharomatische Seite aufweist. Es gibt viele Drinks, die in einem Hotel entstanden sind. Der Singapore Sling zählt dazu, der Sidecar erblickte sogar im Pariser Ritz das Licht der Welt; der Rob Roy im Waldorf Astoria, die Bloody Mary im St. Regis. Der Algonquin Cocktail vielleicht im gleichnamigen Hotel, vielleicht auch nicht. Ein teuflisch guter Drink ist er allemal!

Lion’s Tail Cocktail

Zutaten

6 cl Bourbon
1 cl Pimento Dram
2 cl frisch gepresster Limettensaft
2 cl Zuckersirup (1,5 : 1) oder Syrop de Gomme
1-2 Dashes Angostura Bitters

Es war William J. Tarling, der den Lion’s Tail Cocktail erstmals in seinem Café Royal Cocktail Book veröffentlichte. Darin schreibt er den Drink einer Person namens L.A. Clarke zu. Das Buch erschien erstmals im Jahre 1937 in London, der Drink hingegen entstand vermutlich schon etwas früher, denn so kurz nach der Prohibition war Bourbon schwer zu bekommen. Auf dem Papier scheint der Lion's Tail vorerst nicht zu funktionieren: Limette statt Zitrone und Pimento Dram in einem Bourbon-Drink – das klingt im ersten Moment zumindest weniger gängig, ein wenig nach einer Verschmelzung von Klassik mit frühem Tiki. Aber keine Angst, der Löwe beißt nicht. Gibt man dem Lion’s Tail Cocktail erstmal eine Chance, wird man nicht enttäuscht – ganz im Gegenteil, der Drink schmeckt hervorragend.

Paper Plane

Zutaten

2,5 cl leichter Bourbon
2,5 cl Amaro
2,5 cl Aperol
2,5 cl Zitronensaft

Neben dem Penicillin ist der Paper Plane der zweite, große Neo-Klassiker, den Sam Ross im wegweisenden New Yorker Milk & Honey erdacht hat. Entstanden ist der Cocktail im Jahr 2007, das Spezielle daran ist die Verwendung zweier Amari sowie der Umstand, dass der gebürtige Australier mit dem Paper Plane eine Kategorie bediente, die nicht sonderlich groß ist: die der leichten, frischen Aperitif-Cocktails mit Bourbon. Für diesen Drink empfiehlt sich auch ein eher leichterer Bourbon, der mit den Zitrusnoten der Amari harmoniert. Im Original verwendet Sam Ross Aperol sowie Amaro Nonino. Während man ersteren auch durch Campari ersetzen kann, passt gerade der Nonino wunderbar zum Drink. Nonino mazeriert seine Kräuter in Grappa und schafft so einen vergleichsweise leichten Amaro mit Anklängen von Orange und Holz.

Skiwossa

Zutaten

4 cl Johnnie Walker Black Label
3 cl Verjus
2 cl Zirben-Hibiskus-Likör
12 cl Almdudler

Der Skiwossa Highball (wörtlich aus dem Tirolerischen übersetzt "Skiwasser") ist eine Erfindung von Damir Bušić aus dem Liquid Diary in Innsbruck. Die Kombination aus Scotch Whisky, Zirben-Hibiskus-Sirup und der österreichischen National-Limo Almdudler funktioniert in Tirol – und nicht nur da –  bestens. Regionale Zutaten bringen auf diese Weise Unverwechselbarkeit in das Highball-Glas. Ein erfrischender Allrounder.

The Bloody Nail

Zutaten

50 ml Vatted Malt Scotch (z.B. Monkey Shoulder)
15 ml Drambuie
15 ml Cherry Heering
2 dash Orange Bitter (z.B. Gaz Regan’s Orange Bitter)

Der Bloody Nail ist ein einfacher, aber genialer Twist auf den Rusty Nail, in dem zusätzlich Cherry Heering eingesetzt wird. Zach Nelson heißt der Urheber des Cocktails, und der Drink entstand in der – mittlerweile geschlossenen – North Left Bar in Santa Ana, Kalifornien. Der Bloody Nail ist ein kräftiger, hocharomatischer Drink, der sehr ausgewogen und gut balanciert ist. Sicher kein „Crowdpleaser“, aber ein hervorragender Abschluss für einen langen Abend oder als Ersatz für ein Dessert. So verkauft ihn jedenfalls der Erfinder selbst: „Ich empfehle den Bloody Nail manchen Gästen anstelle eines Desserts, da er eine leichte und fruchtige Süße hat. Generell aber denke ich, dass er jedem schmeckt, der etwas für Scotch Whisky übrig hat. Oder dem Vodka zu langweilig ist.“

Credits

Foto: Sarah Swantje Fischer

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