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Cocktailwettbewerbe, oder das Teilnahmeverbot

Bereits öfters haben wir im Gespräch mit Bartendern die Forderung gehört, dass es doch auch bei Competitions strengere Regeln geben sollte. Eine davon könnte eine Teilnahmebegrenzung nach Alter oder Dienstjahren sein. Natürlich kommt diese Argumentation von jüngeren Branchenvertretern. Was ist davon zu halten? Kleine Gedankensplitter.

Cocktailwettbewerbe sprießen wie Pilze aus dem Boden. Auch das ist Ausdruck der wachsenden Spirituosenbranche und ihrer Relevanz. Du möchtest an Competitions teilnehmen? Vergiss es! Du bist zu alt. Du bist zu erfahren. Du hast doch schon alles gewonnen und bist bekannt. Wie bitte? Die Jungen Wilden gab es in der Kunst, es gibt sie unter Köchen, gibt es sie nun auch in der Barszene? Auf dem diesjährigen Bar Convent Berlin wurde manches Mal der Wunsch geäußert, dass die Regularien des Veranstalters von Cocktailwettbewerben enger gefasst werden sollten und Limitierung doch sinnvoll wäre.
Die Sinnfrage
Wettbewerbe sind eine feine Sache.  Bartender können sich einen Namen machen, Geld und Reisen gewinnen und gelangen in Austausch mit Kollegen, die Industrie wiederum holt sich Know-how ins Haus, bekommt vielleicht einen Signature Drink und verschafft sich öffentliche Aufmerksamkeit.
Über die Qualität mancher Wettbewerbe lässt sich wie immer trefflich streiten. Für wen aber macht es eigentlich Sinn an diesen Wettstreiten teilzunehmen? Ist es nicht irgendwann albern, wenn man in reiferen Jahren noch auf Wettbewerbe fährt? Wenn man seit zehn Jahren professionell dem Beruf nachgeht, nur um sich dann mit zittrigen Händen gemeinsam mit Jungbartendern von einer Jury bewerten zu lassen? Von Leuten, die zum Teil weniger Erfahrung haben, die jünger sind.
Aber es gibt auch Bartender die es für unter ihrer Würde halten, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Das machen doch nur die noch nicht „gemachten“ Bartender oder solche die dem Jugendwahn frönen und dabei ihre Würde auf dem Altar der Eitelkeiten opfern. Erfahrene und ältere Bartender sollten dem Nachwuchs Platz machen und ihm die Preisgelder, Reisen und Aufmerksamkeit überlassen.
Dilettierende Kreativität
Sehen wir uns die Dinge mit etwas weniger Polemik an. Im letzten Jahr hat Helmut Adam einen Artikel geschrieben mit dem Titel: Wie kann ich Torsten Spuhn schlagen? Damit kommt ein wichtiger Aspekt ins Spiel, warum Wettbewerbe für jedes Alter offen bleiben müssen. Man kann von der Routine und den Techniken lernen und sich etwas abschauen. Sichere Präsentation, übergreifendes Arbeiten, Hygiene und Detailsicherheit. Ich habe Wettbewerbe beobachtet, wo die Jungen Wilden ein wahres Feuerwerk an Kreativität abgebrannt, sich aber bei Performance, Technik  und Charisma aber regelrecht die Finger verbrannt haben. Und das wiederholt und ohne Lerneffekt.
Man kann also die These auch umdrehen. Sinn würde es machen, dass Bartender, bevor sie zu einem Wettbewerb zugelassen werden, bereits über eine große Erfahrung verfügen müssen, anstatt am Brett aufgeregt zu dilettieren und sich in ihren Kreationen zu verirren. Der Respekt gilt denjenigen, die sich – egal welchen Alters – immer wieder der Herausforderung stellen und ihren Hut in den Ring werfen. Sich mit dem Nachwuchs messen. Wer bitte definiert denn, wann es aufzuhören hat, dass man sich neuen Dingen, Rezepten und Wettbewerben zuwendet? Allenfalls der Veranstalter und das eigene Empfinden der Würde. Bekanntlich ist Stillstand der Tod.
Bayern München schlagen
Ein weiteres Argument: Wer sich von den jüngeren Bartendern in einem Wettbewerb gegen erfahrene und renommierte Kollegen durchsetzt, wertet damit automatisch seinen Titel auf, er hat nicht nur Nobodys, sondern Bayern München geschlagen. Ich finde den Gedanken reizvoll, Wettbewerbe gerade darauf zuzuspitzen. Titel: Junge Wilde gegen Alte Milde. Es ist wie so oft. Wir brauchen weniger Verbote, dafür spannende Wettbewerbe mit anspruchsvollen Vorgaben die Resultate versprechen, die der flüssigen Genusswelt einen Schub nach vorne bringen. Wer diesen Anschub bringt ist egal. Von mir aus auch Harry Johnson, Gott hab ihn selig. Es zählen nur Relevanz und Substanz.
 
 
 

Credits

Foto: Mann vor Tür via Shutterstock, Postproduktion Tim Klöcker

Comments (1)

  • Daniel Remmerich

    Fein!

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