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Drei Varianten Cosmopolitan

1 Drink – 3 Versionen: Der Cosmopolitan

Er ist fraglos einer der bekanntesten Vodka-Cocktails, obwohl er einst mit Gin erfunden wurde: der Cosmopolitan. Wir präsentieren drei Varianten aus dem Berliner „Provocateur“, der „Hammond Bar“ in Wien und dem Kölner „Seiberts”.

Der Cosmopolitan ist ein Cocktail mit einem Doppelleben. Das wusste man zur Jahrtausendwende noch nicht, als die Serie Sex & The City den Drink zu einem globalen Phänomen machte. Stark im Effekt und einfach zu konsumieren, war die rosa Rakete im Martiniglas die perfekte Munition für das amouröse Abenteuer in New York City, der perfekte Drink, den man mit einem Kichern auf der Vernissage abstellte – oder jemandem ins Gesicht schüttete.

Drei Varianten Cosmopolitan Provocateur Bar
Drei Varianten Cosmopolitan Seiberts Bar
Drei Varianten Cosmopolitan Hammond Bar

Der alte und der junge Cosmopolitan

Der Cosmopolitan ist aber nur bedingt eine Erfindung der Cocktail-Neuzeit. Die erste niedergeschriebene Erwähnung eines Drinks namens Cosmopolitan stammt laut aktuellem Wissensstand aus dem Jahre 1934 aus dem Buch Travelling Mixologists: Pioneers of Mixing Gin at Elite Bars 1903–1933, wie 2006 unter anderem von Joerg Meyer veröffentlicht wurde. Die Rezeptur verlangt dabei nach Gin, Cointreau, Limette und Himbeersirup. Richtig laut wurde es um diese Version – soweit man weiß – allerdings nie.

Das zweite Leben des Cosmopolitan

In seinem zweiten Leben, das in den 1980er-Jahren beginnt, ist der Cosmopolitan ein lupenreines Kind seiner Zeit: ein Vodka-Drink. Die Geschichten, wie der neuzeitliche Cosmopolitan entstand, variieren. Zum einen soll er in der Gay-Community in Provincetown (Massachusetts) erfunden worden sein, ein gewisser Neal Murray will ihn 1975 in einem Steak House in Minneapolis kreiert haben. Eine populäre Theorie weist Cheryl Cook als Urheberin auf, die den Drink 1985 nach der Markteinführung von Absolut Citron in den USA erfunden haben soll, mit eben Absolut Citron, Triple Sec, Rose’s Lime Juice und Cranberrysaft.

Der Cosmopolitan wird Opfer seines Ruhms

Was wohl feststeht. Die sich ab den 1990er Jahren zu Weltruhm aufmachende Rezeptur des Cosmopolitan, wie sie heute als regulär betrachtet wird, stammt wohl aus dem Jahre 1987 vom New Yorker Bartender Toby Cecchini. Sie besteht aus Vodka, Limettensaft, Cranberrysaft und Cointreau. Was ebenso feststeht: Niemand bezieht sich auf die alte Rezeptur aus den 1930ern.

In der Filmadaption von Sex & The City aus dem Jahre 2008 fragt sich Hauptfigur Carrie Bradshaw auf die Frage, warum sie irgendwann aufgehört habe, Cosmopolitans zu trinken – und die Antwort lautet sinngemäß: „Weil ihn irgendwann alle getrunken haben.“ Das war zum damaligen Zeitpunkt wohl richtig. Heute jedoch trinken nicht mehr alle Cosmopolitan. Der Drink ist ein Opfer seines Ruhms geworden. Sein Symbolik ist nicht mehr so frisch wie in den Nuller Jahren. Der Lack ist ab. Ein Doppelleben ist eben nicht immer einfach.

Cosmopolitan

Zutaten

4 cl Ketel One Citroen oder Tanqueray Rangpur
2 cl Pierre Ferrand Dry Orange Curaçao
1,5 cl Limettensaft
3 cl Cranberryberrysaft

Nah am Original im Berliner Provocateur

Dabei ist der Cosmopolitan doch ein simpler, bekömmlicher Drink. Findet auch Bar-Manager Tarek Nix aus dem Provocateur. In der Berliner Hotelbar navigiert man nahe an der Rezeptur, wie sie heute als Standard betrachtet wird. Dabei setzt man auf zitruslastigen Ketel One Citroen oder den limettenlastigen Tanqueray Rangpur, um mehr Zitrusaroma als Basis in den Drink zu bringen. „Das macht ihn frischer. Wir halten uns mit dem Cranberrysaft zurück, da der Drink ansonsten zu punchy, zu saftig wird. Ich mag es auch, wenn die Farbe leicht rosa ist, nicht knallrot“, so Tarek Nix. „Der Hype mag vorbei sein, bei uns wird der Drink aber gut bestellt, definitiv häufiger in der Vodka-Variante. Abgesehen von unseren Eigenkreationen auf der Karte, ist der Cosmopolitan sicher unter unseren Top Ten der verkauften Cocktails. Wir lassen Klassiker dieser Art aber gerne nah am Original.“

Midnight Compliments

Zutaten

5 cl Himbeergeist
2 cl Limettenwasser (Mix aus Zitronensäure, Bersteinsäure, Weinsäure, Limettenabrieb, Wasser)
1,5 cl Cointreau
1,5 cl Zuckersirup

Ein Cosmopolitan im Wiener Martini-Kostüm

Was man wiederum als Original empfindet, ist – siehe Doppelleben – aber eben Interpretationssache. In der Wiener Hammond Bar ist es die Version aus den 1930-er Jahren mit Gin und Himbeersirup. „Aus dem Jahre 1932 oder 1933, da streiten wir uns gerne darum“, grinst Chefin Sigrid Schot. Mit „wir“ meint sie ihre Bartenderin Alexandra Hochegger, die den Midnight Compliments entwickelt hat.

Dabei hat sie an der Farbe angesetzt. „Die meisten Abwandlungen des Cosmopolitan sind rosa und durch Limettensaft trüb. Ich wollte einen klaren Drink“, so die 22-jährige Jung-Bartenderin. Ihre Version ist daher klar wie ein Martini. Verantwortlich dafür ist das hausgemachte Limettenwasser aus Zitronensäure, Bersteinsäure, Weinsäure, Limettenabrieb und Wasser. Himbeere kommt wie in der 1930er-Version zum Zuge, allerdings nicht als Sirup, sondern als Geist: „Der Drink verkauft sich wirklich sehr gut. Er ist fruchtig und leicht süß“, so Hochegger. „Der Name ist eine Hommage an die Stadt, die niemals schläft.“

Asiatischer Cosmopolitan

Zutaten

5 cl hausgemachter Yuzu-Gin
2,5 cl hausgemachter Pandan-Cointreau**
4 cl frisch gepresster Cranberrysaft
1,5 cl frischer Cedrosaft
1,5 cl Rohrzuckersirup

Ein asiatischer Cosmopolitan im Kölner Seiberts

Wenig schläft auch Volker Seibert, was damit zu tun hat, dass der Laden brummt. Zeit, uns einen Cosmopolitan näher zu bringen, nimmt er sich trotzdem. Dieser im Team entwickelte Drink beruht auf einer Kombination aus Yuzu-Gin, Pandan-Cointreau und selbst gepresstem Cedro- sowie Cranberrysaft. Eine frische Beschreibung, bei der man gleich mal einen kräftigen Schluck nehmen will, um danach 50 Liegestütze zu pumpen.

„Frische Cranberrys gibt es seit Anfang Oktober, die Cedrozeit hat gerade erst begonnen, die Yuzu-Zeit beginnt Mitte November“, erklärt Volker Seibert. Das perfekte Timing also für seinen asiatischen Cosmopolitan, dem der Erfinder auch gar keinen anderen Namen verpassen will. „Wenn wir frische Yuzu bekommen, kaufen wir als erstes einen neuen Sparschäler. Warum? Eine Yuzu fällt beim leichtesten Einriss nämlich in sich zusammen, die Frucht besteht ja zu drei Viertel aus Luft“, so der Seiberts-Betreiber. Die Kerne werden händisch entfernt und der wenige Saft für Sorbet verarbeitet. Die Zesten werden mit Gin im Sous-vide vakuumiert, das Ergebnis ist ein goldgelber, hocharomatischer Yuzu-Gin, der die Basis bildet.

Drei Varianten Cosmopolitan

Das Zünglein an der Waage ist der frisch gepresste Cranberrysaft, zu dem Volker Seibert noch eine Anekdote hat. „Um das Jahr 2000 herum haben wir die ersten Original-Cosmos hier in der Gegend gemacht. Kein Händler hatte damals Cranberrysaft, nirgendwo. Uns hat die Anbindung zum Flughafen Köln-Bonn geholfen. Wir hatten einen Deal mit Stewardessen, die Langstrecke geflogen sind: Ihr bringt uns aus USA Cranberrysaft gegen Freigetränke. Da waren wir mächtig stolz drauf.“

Und dann sind wir doch auch wieder ein wenig bei Sex & The City …

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Credits

Foto: ©Mixology

Comments (2)

  • Marco Beier

    Ich bin der Meinung, wenn jemand sein Rezept – und sei es nur in Teilen – nicht öffentlich machen will, dann sollte man es überhaupt nicht veröffentlichen. „Geheimzutaten“ in einem Cocktailrezept sind wirklich altbacken und die Barszene hat sich in den letzten Jahren sicher nicht durch „geheime Rezepte“ weiterentwickelt sondern durch ein voneinander lernen und miteinander teilen. Ist aber nur die Meinung eines Grumpy Old Man.

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