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Wech mit der Plörre!

Zieh dich warm an, Berlin: Hamburg holt in Sachen Craft Beer ordentlich auf. Sowohl die Zahl der Craft Breweries als auch die der Besser-Trinker geht steil nach oben. Entsprechend gut liefen auch die Craft Beer Days in den Schanzenhöfen am vergangenen Wochenende.
Vielleicht liegt’s daran, dass das Hamburger Bier so eine Plörre ist, überlegt Jochen Mader. „Und das darf man auch so sagen. Ich glaube, nicht mal die Pauli-Fans trinken gern Bier im Stadion“, sagt der Hamburger. Dass die Stadt also ein paar bessere Biere dringend nötig und irgendwie auch verdient hat, könnte ein Grund sein, warum die Craft-Beer-Geschichte hier im Norden gerade so Fahrt aufnimmt.
Craft Beer im Norden boomt
Neben Berlin mausert sich Hamburg zu einem zweiten deutschen Craft-Beer-Hotspot. Kreativbrauerei Kehrwieder, Von Freude, Ratsherrn natürlich und jetzt ganz neu dazu gekommen Buddelship und Jochen Maders Brewcifer – allesamt Hanseaten-Craft-Beer-Brauer. Dazu gibt es mit dem Restaurant Altes Mädchen und der Bar Galopper der Jahres zwei ziemlich solide Craft-Beer-Locations, das Bierland Hamburg und der Craft Beer Store verkaufen es in Flaschen und die Jungs von Brausturm Spektakel bringen die Craft-Beer-Idee mit ihren Brauevents und -kursen auch irgendwie stetig voran.
Und dann waren da am vergangenen Wochenende ja auch noch die Craft Beer Days. Zum dritten Mal. Mit 17 Brauern, die auf dem Hof zwischen dem Alten Mädchen, der Ratsherrn-Brauerei und dem Craft Beer Store ihre Stände aufgebaut hatten. Allen voran die üblichen Verdächtigen, oder anders: die Crème de la Crème der deutschen Craft-Beer-Gilde, BrauKunstKeller, Crew Republik, Thorsten Schoppe aus Berlin. Außerdem war Max Krieger mit den letzten Fläschchen seines „Riedenburger Sommer Boom“ angereist (ist quasi schon ausverkauft. Als nächstes wird es mal etwas Dunkles geben, deutete der Brauer mit einem geschmeidig-bayerischen „Schau mer halt mal“ vage an), die Brauerei Riegele war da, Maisel & Friends auch und insgesamt sind um die achtzig verschiedene Biere ausgeschenkt worden.

Auf dem Weg zum Festival
Bei Vorträgen unter anderem von Oliver Wesseloh über die Craft-Beer-Bewegung konnten die, die was lernen wollten, auch was lernen. In erster Linie aber hatten die Craft Beer Days Fest-Charakter. Entspanntes Straßenfest, oder so. Mit einem großen Grill direkt am Eingang, Livemusik, Holzbänken und überall Sonnenschirmen. Regenfesten Sonnenschirmen. Unter denen wurde es zeitweise ganz schön eng. Erstens, weil natürlich keiner wollte, dass es ihm oder ihr ins gute Bier regnete. Und zweitens, weil der Hof eigentlich ein gutes Stück zu klein für die Veranstaltung war. Im Vorfeld habe man schweren Herzens schon vielen Brauern absagen müssen, erzählt Axel Ohm, einer der beiden Geschäftsführer aus dem Alten Mädchen. „Nächstes Jahr werden wir entweder die gesamten Schanzenhöfe nutzen oder aber wir müssen auf eine neue Fläche innerhalb von Hamburg umziehen.“ Möglicherweise auf eine Location am Wasser. Aus den Craft Beer Days würde dann das erste Craft Beer Festival.
Jetzt so und hier, mit dem begrenzten Platz, sind die Veranstalter mit dem „Besucherrekord“ von 3000 Gästen über beide Tage verteilt durchaus zufrieden. Patrick Rüther, der andere der beiden Geschäftsführer vom Alten Mädchen, glaubt im Übrigen, dass die Tatsachen, dass Hamburg keine arme Stadt ist und recht viele Kreative da wohnen, auch für den Craft-Beer-Erfolg im Norden verantwortlich sind. Außerdem habe die Stadt eine große Biergeschichte – vielleicht steckt das den Leute ja doch irgendwie in der DNA, sagt er. Trotz der ganzen Plörre, die sie, die tapferen Hamburger, seither haben trinken müssen.

Credits

Foto: Craft Beer Days via Michael Hellwig.

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