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Bier Symposium

Kleine Brauer, Große Biere

Craft Beer ist ein heißes Thema, das die Barszene schon geraume Zeit beschäftigt. Auch Österreich hat jetzt mit dem „Ersten Österreichischen Craft Beer Symposium“ ein Ausrufezeichen gesetzt – die Richtung zeigt ganz klar nach oben!
Hohe Ziele steckt man sich bereits bei der Wahl des Austragungsortes im Wiener DC Tower, dem höchsten Gebäude des Landes. Del Fabro, Familienunternehmen und wichtiger Partner vieler Gastronomiebetriebe, lädt im Zuge des „Ersten Österreichischen Craft Beer Symposiums“ mit Bierpartner Kolarik & Leeb zum gemeinsamen Verkosten und Diskutieren, gekommen sind die Spitzenvertreter aus Industrie, Bar und Restaurant, Politik und Medien.
Flüssiger Boom, Schaumkrone der Euphorie
Ursprünglich aus Großbritannien stammend und in den Vereinigten Staaten zu einem handfesten Boom herangewachsen, schwappt die Begeisterung für Mikro Brauereien und ihre handwerklichen Produkte zurück nach Europa.
Während in Österreich der beträchtliche Teil des Volksdurstes noch von einigen Großbetrieben gestillt wird und das Helle der bei weitem gängigste Bierstil ist, philosophiert man vermehrt über Brewpubs, Real und Cask Ales, Bitternoten, Hefen und Aromahopfen. Im GSA-Raum führen so viele Braumeister und ambitionierte Unternehmungen eine klein strukturierte Tradition weiter, die seit Jahrhunderten besteht.
Von Biersepp, Päpsten und dem 16er Blech
Durch eine geführte Verkostung verschafft man dem Auditorium des Symposiums einen Überblick über Bereiche der aktuellen Szene, Biersepp Sepp Wejwar, Experte des vergorenen Gerstensaftes, kommentiert die acht Proben. Unter den rund 200 Gästen sind neben Bierpapst Conrad Seidl, der seit Jahrzehnten für eine gehobene Bierkultur kämpft, auch die Damen und Herren, deren Hände Arbeit überhaupt solche Bierschätze ins Glas zaubern: die Braumeister von Bevog, Brauschneider, Gusswerk, Meinklang, Braufactum sowie der berühmten Ottakringer Brauerei im sechzehnten Wiener Gemeindebezirk.
Man tastet sich von einem individuell ausgestalteten Obergärigen im Kölsch Stil, über Weizen und Hanf hin zu den Amber, Pale und India Pale Ales, die oft als Herzstück der Craft Bewegung angesehen werden. „Craft ist das Bier für die Bar“, konstatiert Reinhard Pohorec von der Halbestadt Bar, andere Barbetreiber und Bartender pflichten bei, sehen in den intensiven Bieren eine vielfältige Möglichkeit, die Gaumen der Gäste zu beglücken.
Dass das Thema Sternerestaurants ebenso beschäftigt wie klassische Wiener Beisln, Bierkeller und urige Gaststätten, zeigt alleine die Anwesenheit des Ehepaars Reitbauer (Steirereck), Familie Figlmüller und Regina Kolarik (Schweizerhaus). Auch Doppel Grillweltmeister Adi Matzek lässt sich die Gelegenheit zum Austausch nicht nehmen und wirft seine Erfahrung mit in den Ring, beziehungsweise auf den Rost.
De gustibus non est disputandum
Nicht über die Geschmäcker, sehr wohl aber die Variationsmöglichkeiten, die Chancen und Entwicklungen der Bierlandschaft, will man sich in einer anschließenden Podiumsdiskussion unterhalten. Auf der Bühne versammeln sich Braumeister, Medienvertreter und unabhängige Experten, um erst einmal einen vergleichenden Blick auf die Vormachtstellung des hellen Bierstils, seiner Süffigkeit und den Fokus auf Massentauglichkeit zu werfen. Dem gegenüber stehen eben jene Ales und Stouts, die nicht immer so leicht zugänglich, in ihrer Charakteristik jedoch ungemein spannend und inspirierend sind. „Muss man ein Seitl auf Ex trinken können?“, schwebt die Frage eines Braumeisters im Raum.
Ob es sich bei dem vielzitierten Trend um eine nachhaltige Entwicklung oder doch eine Blase handelt, die zu platzen droht, findet ebenso Ansprache, wie die Mitverantwortung der Gastronomie und Einsatz im Food Pairing.
Abschließend bietet die Veranstaltung noch Platz für ein offenes Tasting mit Möglichkeit zu weiteren Gesprächen und Netzwerken mit all den versammelten Meinungsführern.
Unterm Strich, eine lobenswerte Entwicklung und gelungene Veranstaltung, ein weiterer wichtiger Schritt hin zur Pflege und Würdigung einer anspruchs- und genussvollen Bierkultur.


Auswahl der acht vorgestellten Biere
Braufactum, Colonia, 5,5%
Bierstil Kölsch, Obergärig
Opaleszierendes Bier, sehr frischer Eindruck im Antrunk aus der Hopfenbittere, der Kohlensäure und Noten von Zitronenzeste im Nachtrunk bleibt die Herbe liegen, fruchtig, animierend, hopfig, etwas frische Blüten, grasig, grünliche Akzente
Gusswerk, BIO-Weizenguss, 5,6%
Naturtrübes Weizenspezialbier
Opaleszierend, hefig, brotig, duftig frisch, Kochbanane, estrig, Blumen, Heu und Wiesenkräuter, trocken, phenolisch, etwas Gewürz, besonders Nelke
Vollmundig, frisch animierende Frucht, am Gaumen noch mehr hefig brotige Noten, weich, fast buttrig cremig, vollmundig, feine Kohlensäure, langer Spannungsbogen
Brauschneider, Hanf Bier, 5,1%
Cremig, etwas Kokosraspel, Vanille, Mandarine, brotiger Touch, trocken, Schokolade und heller Karamell, traubig, cremig im Antrunk, sämig am Gaumen, wiederum Kokos, blumig, duftig Ananas, etwas Pfirsich
Gusswerk, AAA Austrian amber Ale, 5,6%
Obergäriges Spezialbier, Ale
Leichte Trübung, herbe Zitrusfrucht, fast schon etwas Wacholder und Holunder, Fülle am Gaumen, deutliche Hopfennote, sehr starke Bittere bleibt liegen, dezent austrocknend, etwas Zimt und Sauerkirsche, dahinter hefig, roter Apfel
Gusswerk, Nicobar, Insule nicobarae nankauri, 6,4%
India Pale Ale
Bitterschokolade, dunkel geröstete Mandeln, verbrannte Bitternote, etwas Sauerrahm, Mango, vollreife Papaya, Ananas, vollmundig, cremig, etwas trocken blättrige Erdbeere, fruchtige Fülle, bittere bleibt sehr prägnant liegen, harmonisch balancierende Kohlensäure
Braufactum, Progusta, 6,8%
India Pale Ale
Glanzfeil, keine Trübung, Rispentomaten in der Nase, Erinnerung an Waldpilze, Pitahaya, frische getreidige Noten, Bittere auch in der Nase, Zitrus, dezentes Spiel von Säure und Perlage, etwas Extraktsüße, fetter Körper, volle Hopfenbittere dann auch am Gaumen, Kompott von Holunderbeere, stoffig, herb, fast schon gerbstoffig, rauchig
Bevog Brauerei, Kramah, 7%
India Pale Ale
Sehr starker Blütencharakter, füllige Nase von Bittermandel, Schokolade, Dörrobst und etwas Stachelbeere, Grapefruitzeste, etwas Blauschimmelkäse, sehr vollmundig und kräftig am Gaumen, bitter, schokoladige süße, sehr dezente Kohlensäure, dafür schlägt im Abgang dann der Hopfen zurück, dunkel, röstig, aber stets im Spiel mit Zitrus
Gusswerk, Horny Betty 9,2%
Dunkles Starkbier
Bitterschokolade, Haselnüsse, dunkel gebrannt, etwas Oliven, schwarze wie grüne, Datteln, Feige, Pumpernickel, frisch, saftig, cremig, Dörrobst, brotig, zestig, Orangen, Mandarine, dezent herbe Bittere, feiner Säurebogen, voll und trinkanimierend, nicht schwer, dennoch sehr fett ölig, spannend, ziseliert, harmonisch

Credits

Foto: Del Fabro

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