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Das braucht die Homebar

Auch das Mixen daheim will gelernt sein. Vor wilden Aktionismus haben die Bar-Götter nämlich die Auswahl dessen gesetzt, was die Heimbar wirklich benötigt.  Bevor also der heimische Tischtresen überquillt vor Überfüssigem, gibt unser Autor als passionierter Hausbartender eine Überblick über das, was nötig ist.

Nach oben gibt es kein Limit. Dass gilt auch für den Umfang und die Ausstattung der eignen Homebar. Wer sich jedoch weder sofort in astronomische Unkosten stürzen möchte, noch den Überblick über Sinnvolles und Schnickschnack verlieren möchte, findet hier einen kleinen Leitfaden, um auf den richtigen Weg zu gelangen. Wir erklären die essentielle Zusammenstellung für Ihre Homebar.

Schnaps und Wein

Beginnen wir beim Offensichtlichen: Ohne Ruß kein Rausch. Wer sich seine Homebar einrichten möchte, benötigt jedoch nicht gleich das komplette Spirituosenarsenal einer professionellen Bar. Nicht jeden Sirup, nicht jeden deutschen Gin und auch keine Rum-Sammlung, die alle karibischen Inseln abdeckt. Zum Start genügen die Basics: einen Bourbon, der im Bestfall auch pur zu trinken ist, weißen und dunklen Rum, Tequila, Vodka, Gin, gerne auch noch einen Cognac oder Brandy und eine Flasche guten Scotch.

Nach persönlichem Cocktail-Gusto wird die Homebar dann mit ausgesuchtem Likör und Wermut, vielleicht auch einer kleinen Flasche Angostura aufgebaut. Denn schließlich verlangen insbesondere die Klassiker wie Martini und Negroni häufig nach trockenem beziehungsweise rotem Wermut, Bitters oder italienischem Bitterlikör. Ganz unabhängig vom harten Stoff und den eigenen Lieblingsprodukten, sollte jeder gute Gastgeber darüber hinaus auch immer die eine oder andere Flasche Vino griffbereit haben und einen festen Platz im Kühlschrank für Champagner reservieren.

Alkoholfreies und Eis

Und bleiben wir gleich einmal bei der Aufteilung des Kühl- und Gefriersystems. Denn am besten verabschieden Sie sich im Namen Ihrer Homebar schon einmal von ein paar TK-Pizzen und Feinfrosterbsen, um im Kühlfach Platz für Eis und Gläser zu schaffen. Dazu braucht es dann ebenfalls noch gut gekühlten Stauraum für Tonic Water, eventuell andere Filler und Bier. Im Herbst und Winter lassen sich dafür aber prinzipiell auch Balkon oder Terrasse zweckentfremden.

Unterschätzt werden darf allerdings nie, wie viel Eis in der Homebar benötigt wird. Zum Shaken und Rühren, dann noch einmal als Frischeis im Drink. Würfel mit einer Kantenlange von drei bis vier Zentimetern eignen sich hierfür optimal, sind sozusagen die Allzweckwaffe in der Hausbar. Alles weitere – große Kugeln, Tetraeder und Würfel jenseits der fünf Zentimeter – sind schönes Beiwerk und machen sich insbesondere in Drinks, die lange gekühlt bleiben und zugleich wenig verwässern sollen, gut. Wenn, beispielsweise für eine ausgiebige Session mit Freunden, einmal größere Mengen einfachen Eises benötigt werden, empfiehlt sich ein Abstecher in den Supermarkt. Die meisten Filialen bieten in Kassennähe absolut solide Würfel zum kleinen Preis an.

Früchte und Zucker

Im Einkaufswagen sollten dann eigentlich auch schon die nötigen Zitrusfrüchte für die Bar in den eigenen vier Wänden liegen: Zitrone, Orangen und Limette. Nicht gleich ganze Stiegen, bitte aber immer frisch und keineswegs in Form irgendwelcher Premix- und Squash-Abfüllungen. Denn die echten Früchte sind nicht nur besser, da der saure Saft à la Minute gepresst auch besser schmeckt, sondern weil nicht zuletzt die Zesten und ihre ätherischen Öle vielen flüssigen Kunstwerken den letzten Schliff geben.

Ganz generell gilt für viele Drinks dabei die grobe Faustregel „sechs-drei-zwei“, also 6 cl Spirituose, 3 cl aus einer Säurequelle und 2 cl Zucker(sirup). Letzterer sollte in der Homebar weder fehlen, noch mit dünnem Läuterzucker improvisiert werden. Ob der Zuckersirup allerdings selbstgekocht wird oder von industrieller Seite zum kleinen Preis erstanden wird, spielt in der Grundrezeptur eine bescheidene Rolle. Schließlich reden wir von Wasser mit Zucker.

Hardware und Gläser

Mindestens ebenso wichtig wie die grundlegenden Zutaten sind die richtigen Utensilien. Angefangen beim Shaker. Hier gilt vor allem: bitte nicht den billigen Dreiteiler! Anstelle des in Homebars weiterverbreiteten Cobbler Shakers empfiehlt sich aufgrund der einfacheren Handhabe und Effektivität der Boston- beziehungsweise Tin Tin-Shaker. Passend dazu werden dann noch Strainer und Teesieb benötigt, um kleine Eissplitter, Fruchtfleisch oder die Überbleibsel von Kräutern zu filtern.

Für gerührte Drinks sollten zudem ein entsprechendes Rührglas und ein langer Barlöffel, der zugleich als Maß für Flüssiges dienen kann, griffbereit stehen. Und Apropos Messen: Ein Jigger, hierzulande standardisiert in Zentiliter (cl) statt Flüssigunzen, gehört natürlich ebenso zur Grundausstattung der eigenen Bar. Weiteres Handwerkszeug sind eine „Ellenbogen“-Presse für Zitrusfrüchte und natürlich ein scharfes (Office-)Messer. Ist jeder Punkt dieser Liste abgehakt, bleibt noch die Frage nach dem richtigen Glas.

Grundsätzlich reichen hier vier Glastypen. Ein Tumbler für im Grunde alle Cocktails, das auf Eis serviert werden soll, ein Highballglas für Longdrinks, eine Coupette beziehungsweise Cocktailschale für gerührte Drinks ohne Eis und zuletzt ein Nosingglas, um sich professionell durch neue Spirituosen zu probieren. Bier gibt’s ja eh aus der Flasche.

Enthusiasmus und Freunde

Herzlichen Glückwunsch. Wenn Sie bereits simultan zum Lesen alles Aufgezählte im Internet bestellt haben, dürfte in zwei bis vier Werktagen die Homebar komplett sein. Theoretisch zumindest. Denn es bleibt natürlich immer der Feinschliff. Eine Homebar ist nie ganz vollständig, das Regal, in dem die Flaschen stehen niemals die optimale Lösung und die Getränkebranche immer gut für eine köstliche, flüssige Überraschung. Um mit der Homebar daher dauerhaft auf dem richtigen Weg zu sein, bedarf es noch eines guten „Dash“ Enthusiasmus. Dazu zählt es, die entsprechenden Bezugsquellen für neuen Stoff zu kennen, offen gegenüber Neuem zu sein, zu experimentieren. Lesen Sie unbedingt ein Buch zum Thema wie die Barfibel Cocktailian, abonnieren Sie vielleicht sogar ein Fachmagazin.

Hauptsache Sie werden Ihres neuen Hobbys nicht gleich wieder müde. Und teilen Sie ihre Homebar mit Freunden, genießen Sie zusammen und reden darüber. Wenn Sie keine haben, suchen Sie sich eben noch welche. Definitiv aber sollte Ihr guter Geist als Gastgebers genauso zur Bar in den eigenen vier Wänden gehören wie der gute Schnaps.

Linkempfehlungen für Homebartender:

mixology.eu – Für Anregungen und Informationen

cocktailian.de – Für Tools, Bücher und Spirituosen

barfish.de – Für Hochprozentiges und Filler

thewhiskyexchange.com – für Ausgefallenes und Internationales

amazon.de – Für alles andere

Credits

Foto: Glas & Werkzeuge via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

Comments (8)

  • Sebastian

    Hi,

    der Link zu barfish ist falsch und muss richtig so lauten: http://www.barfish.de/

    Viele Grüße!
    Sebastian

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    • Redaktion

      Hallo, Sebastian!

      Danke für den Hinweis, da unterlief uns ein Fehler. Wurde soeben berichtigt!

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  • Philipp

    In der insgeheimen Hoffnung, ich könne meine nächsten Anschaffungen besser legitimieren, habe ich mich auf diesen Artikel gestürzt. Um letzten Endes (leicht enttäuscht) festzustellen, dass ich aufgrund früherer, aktionistischer Phasen, bereits über weit mehr als das Obligatorische verfüge.
    Naja fast. Außer das Abo, dass ich aber demnächst zu bestellen beabsichtige und das den Drang, die Homebar zu perfektionieren, wohl kaum schmälern dürfte.
    Ein Plädoyer für diese Leidenschaft.

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  • Robert K.

    „Die meisten Filialen bieten in Kassennähe absolut solide Würfel zum kleinen Preis an.“

    Tatsächlich? Bisher stoße ich bei Supermärkten immer nur auf die ungeliebten Hohl-Kegel Eiswürfel…. Gibt es eine Supermarkt Kette die was anderes anbietet?

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    • Redaktion

      Hallo Robert,

      zur Klärung: den Zusatz mit dem „absolut solid“ hat nicht unser Autor Christian Kopp geschrieben, sondern ich habe ihn hinzugefügt.
      Tatsache ist allerdings aus meiner Erfahrung wirklich, dass immer mehr Supermärkte und Tankstellen vernünftiges Eis anbieten, das zumindest jenem selbst bereiteten meist deutlich überlegen ist. Wobei natürlich schwarze Schafe nicht verschwiegen werden sollen.

      Ich hoffe, Abhilfe geschaffen zu haben?

      Herzliche Grüße
      // Nils Wrage, Chefredakteur

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  • Edgar Diola

    „Bier gibt’s ja eh aus der Flasche.“
    Falls das tatsächlich ernst gemeint sein sollte, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wie kann man sich denn als Fachmagazin für Getränke zu so einer Aussage hinreißen lassen? Ihr bringt in regelmäßigen Abständen Berichte über Craftbiere aus der ganzen Welt, müsste also wissen, welche enorme Bedeutung das Aroma für den Biergenuss (und ganz nebenbei auch aller Cocktails) hat und kommt dann mit so einer grotesk wirkenden Aussage um die Ecke. Könntet ihr nicht wenigstens einen Smiley hinklatschen, damit sich der geneigte Lesen nicht entsetzt gegen den Stirn schlagen muss?

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    • Robert

      Ja, bei dem Satz hat’s mich auch geschüttelt. Für ich ist gutes Bier aus der Flasche zu trinken, es als Fast Food zu degradieren; und zudem fern jeder Trinkkultur.

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  • Andrew

    Beim Auf- und Ausbau meiner Hausbar bin ich als Freund klassischer Cocktails etwas anders vorgegangen als oben beschrieben. Es hat sich bewährt, zunächst die Zutaten für meine zwei, drei Lieblingscocktails zu besorgen, dann zu „trainieren“ und von dieser Basis aus weiter auszubauen. So lernt man auch das Mixen recht gut und vermeidet Ladenhüter im Schrank zu haben. Inzwischen habe ich mit dieser simplen Taktik etwa 25 Flaschen im Schrank und Kühlschrank und weiß mit jeder etwas anzufangen.

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