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Deauville Cocktail. Von einem französischen Strand nach New Orleans.

Wenige Cocktailzutaten sind so in Vergessenheit geraten wie Brandy beziehungsweise Cognac. Dabei bietet diese Spirituose eine solch breite Aromenpalette, die – mit den richtigen Zutaten kombiniert – einem Cocktail eine Tiefe verleihen kann, die sonst nur schwer erreicht wird. Zudem sind die Möglichkeiten mit verschiedenen Qualitäten zu spielen unendlich. Auch der deutsche Weinbrand macht eine gute Figur, zum Beispiel im Deauville, einem fruchtig-säuerlichen Shortdrink.

Ein typischer Tag an der französischen Atlantikküste. Nachdem man sich am Vormittag um seine Wiesen voller Apfelbäume gekümmert und kurz die Cidreproduktion gesichtet hat, geht es an den Strand. Man erreicht gerade die hölzerne Promenade „Les Planches“ als es auffrischt und der Wind dem Badevergnügen einen Strich durch die Rechnung macht. Stattdessen vergnügt man sich beim Pferderennen und ist in Gedanken bereits am Abend im Kasino. Deauville, Leben wie Gott in Frankreich.

Wäre ich bei meinem einzigen Besuch der Normandie nicht ein ignoranter Spätpubertierender auf Schüleraustausch gewesen, vielleicht hätte ich an diesem Ort mehr Gefallen gefunden.

Weit gefehlt

Wenn die Region um Deauville auf etwas beruht, dann auf erheiternden Apfelprodukten. Cidre und Calvados im Speziellen haben diesen Teil der Normandie berühmt gemacht und prägen weite Teile der Landschaft. Ob es ein ehemaliger Bewohner der Normandie war, der den Deauville in New Orleans erfunden hat und seine Heimat ehren wollte, ist leider nicht bekannt. Wir wissen nur, dass der Deauville Cocktail in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts eben in New Orleans, Hauptstadt der Cocktails, entstand.

Der Cocktail vereint gleich zwei Spirituosen, die derzeit ein überschaubares Standing in der Bar haben. Calvados und Brandy beziehungsweise Cognac.

Warum es dieser Drink nicht in die Liga der Klassiker geschafft hat, die sich über Jahrzehnte hinweg auf den meisten Barkarten wiederfinden und in jedem Cocktailbuch Erwähnung finden, ist unverständlich.

Die leichte Fruchtigkeit und Säure ergeben einen harmonischen Drink, der eigentlich ein wahrer Crowd-Pleaser sein müsste und bei dem man sich hervorragend vorstellen kann, am französischen Atlantikstrand zu sitzen, und mit diesem Drink in der Hand die letzten Sonnenstrahlen zu genießen.

Vielleicht ist es der Name, der manchen englisch sprechenden Menschen einen Knoten in die Zunge drehte oder einfach der Fakt, dass Calvados irgendwann außer Mode kam und somit der Deauville in Vergessenheit geriet.

Holen wir also Calvados und Brandy, Cognac oder Weinbrand, je nach Geschmack, wieder aus der Ecke und testen ob der Deauville Cocktail nicht das Potenzial hat sich wieder auf verschiedenen Barkarten zu etablieren.

 

Deauville (adaptiert aus „Das Jahrhundert Mixbuch“ von Peter Roth und Carlo Bernasconi, Falken Verlag 1999)

1,5 cl Brandy

1,5 cl Calvados

1,5 cl Orangenlikör

1,5 cl frischer Zitronensaft

Glas: Coupette

Garnitur: keine

Zubereitung: Alle Zutaten auf Eis im Shaker kräftig schütteln und in vorgekühltes Gästeglas abseihen.
Präsentiert von Cocktailian:

Cocktailian, das umfassende Handbuch der Bar für Profis, Einsteiger und Connaisseure entschlüsselt anhand von 13 Key Cocktails die Cocktail-DNA. Dieser erste Band der Cocktail-Enzyklopädie vermittelt auf 528 Seiten alles Wissenswerte rund um die Welt der Cocktails, von den wichtigsten klassischen Rezepturen bis zu den modernsten Arbeitstechniken.

Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

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Bildquelle: aboutpixel.de / Apfelernte © Robert Schmetz

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