Gedankenschlürfen. Wenn der Verkäufer König wird.

Debatte 11.9.2011 35 comments

Cocktail-Renaissance auf der ganzen Welt? Kann schon sein. Auch in Deutschland? Für diesen Artikel sollte es eigentlich irrelevant sein. Doch wo etwas wieder geboren wird, da muss oft was anderes weichen. Im Falle der modernen Cocktail-Welle leider oftmals die Servicequalitäten, die Kommunikationsfähigkeit und die Orientierung am Kunden. Besonders Bartender verlieren heute gerne mal den Blick für das Wesentliche. Oft steht die Arroganz des Bartenders konträr zum gewachsenen Image des Berufsstandes. Meint zumindest der MIXOLOGY-Autor Steffen Hubert.

Zumeist ist es angenehm, wenn in Bars der Einlass über eine Klingel reguliert wird. Doch wenn ein Bartender dann den Türknauf bedient und die ihm unbekannten und noch nicht angekommenen Gäste erstmal mit einem infantilen und provokanten Spruch begrüßt, während er die Eintretenden ungeniert und offensichtlich herablassend begafft, dann sollte lieber wieder auf eine offene Türe umgestiegen werden. Ja, es wurde so erlebt und es ging noch weiter. Denn kurz darauf am Tresen war die Antwort des gleichen Mitarbeiters auf eine Bestellung mit einem kleinen Sonderwunsch: „Boaahh. Echt? Also, naja, ich für meinen Teil, würde das ja nie im Leben so trinken, aber wenn es unbedingt sein muss, mach ich es.“ Soll das lustig sein? Entschuldigung, kennen wir uns? Hackt es?

Deutschland wird ja gerne mal als Servicewüste bezeichnet. Bars sind davor nicht gefeit. Servicekräfte im Speziellen werden in diesem Artikel nicht im Fokus stehen. Einmal mehr soll sich die Welt um Bartender drehen. Dabei dreht sich vielleicht schon zu viel um diese. Zurück zum Beispiel: als Gastgeber eine eigene Meinung im Kopf zu haben ist keine Schande, aber dies dem Gast derart ins Gesicht zu werfen, ist Mist. Großer Mist. Wie kann es so weit kommen? Dazu einen Blick auf die augenblickliche Situation.

Der König des Proletariats

Es gibt derzeit wirklich viele gut informierte Bartender. Alle kennen Unmengen an Spirituosen und deren genaue Hintergründe. Flüssigkeiten, von denen ein Großteil der Weltbevölkerung noch nie etwas gehört hat, stehen jederzeit griffbereit. Bestenfalls in diversen Abfüllungen. Unterschiedliche Herstellungsverfahren von den abwegigsten Destillaten können skizziert werden, Foodpairing gehört zum Tagesgeschäft, neue Drinks kennt man vom gleichen Tag aus der New York Times und Klassiker aus dem frühen 19. Jahrhundert ebenso. Natürlich tauscht man sich regelmäßig über sonstige tiefschürfende Hintergrundinformationen aus. In zahlreichen Bars anderer beeindruckender Städte mit internationalen Profis. An sich eigentlich grandios. Die Welt der Bartender ist schnell, gut vernetzt und oft am Feiern. Sie ist intensiv und daher unheimlich mitreißend.

Doch wenn es zu einer wie der oben beschriebenen Situationen kommt, dann ging in diesem Strudel etwas unter: die Demut des Gastgebers. Gefangen in den neusten Standards und gefesselt von der beeindruckenden Wiedergeburt einer Cocktailkultur werden die Kunden aus den Augen verloren. Die andere Seite der Medaille. Die Geldgeber, der eigentliche Treibstoff einer Bar, kommt herein und muss sich erstmal blöd anmachen lassen. Missmut über „minderwertige Drinks“ wie Caipirinha, Aperol Sprizz und Konsorten wird in Bars gegenüber den Bestellenden offen zur Schau gestellt. Es wird geächzt, geseufzt, gestöhnt und die Augen werden verdreht. Im besten Falle wird dem Gast noch durch Worte deutlich gemacht, dass er von minderwertiger Natur ist, da seine Geschmacksknospen nicht diese Tiefen nachvollziehen können, die der mondäne und gebildete Bartender von heute beherrscht. Das Ganze wird durch einen aufgeblasenen Habitus und ein versnobtes Auftreten unterstrichen.

„Arroganz ist das Selbstbewusstsein des Minderwertigkeitskomplexes“ (Jean Rostand)

Klar, gepflegtes Auftreten in ordentlicher Garderobe ist natürlich in einer Bar auch bei den Gastgebern oftmals Pflicht. Aber schon hier straucheln die Ersten und stürzen in einen tiefen und morastigen Sumpf der Eitelkeit. Es ist nicht toll, wenn des Tenders Sohlen poliert sind und der Scheitel glänzt, er aber dem Gast nicht zuhört, wenn dieser seine vier ungewünschten Ingredienzien zum Besten gibt. Noch weniger faszinierend, wenn der Tender dann drei der vier genannten Zutaten erstmal in einen Drink verpackt, um diesen dann stolz dem verwirrten Gast offeriert. Beratungen verkommen auf diese Weise zu einer diffusen, misslungenen Belehrung. Der eigen Horizont steht vor dem Wohl des Gastes. Aus der festen Überzeugung heraus, dass des Bartenders Geschmack das einzig Wahre ist, wird dieser allen aufgezwungen.

Da stinkt einiges gewaltig nach überzogener Selbsteinschätzung. Und dazu heißt es doch immer wieder so schön: Hochmut kommt vor dem Fall. Die Konsequenzen liegen auf der Hand. Bartender dürfen nicht zu arroganten, missionarischen Snobs verkommen. Sie dürfen keine Emporkömmlinge werden, die auf ihre Gäste verächtlich herabblicken. Sie dürfen nicht verlernen, zu bedienen und sollten das Zuhören nicht vergessen. Sie sollten wissen, dass nicht jeder Gast geschmacklich erzogen werden möchte und auch nicht auf Biegen und Brechen die Perspektive des Bartenders teilen will. Überzeugt von seinen Fähigkeiten zu sein, bedeutet nicht, dass man diese auch überheblich in die Welt posaunen muss. Niemand ist unersetzlich und andere zu beleidigen oder über andere schlecht zu sprechen, macht einen selbst noch lange nicht erhaben. Wenn solche Dinge vergessen werden, dann wird der Verkäufer zum König stilisiert. Und dann läuft etwas gewaltig falsch. Was leider heute immer öfter passiert.

 

Letzten Sonntag in Gedankenschlürfen: Hamburger Verkehrsverbund stößt alkoholische Wegzehrung von der Bettkante.

 

(Anmerkung der Redaktion: Gedankenschlürfen erscheint immer am Sonntag und greift aktuelle Themen meinungsstark auf. MIXOLOGY ONLINE will damit zu Debatten einladen und freut sich wie immer über ebenso starke Meinungen.)

35 comments

  1. Helmut Adam

    „Servicekräfte im Speziellen werden in diesem Artikel nicht im Fokus stehen.“

    Für mich ist der Bartender ebenfalls eine „Servicekraft“. Aber Du meinst vermutlich Kellner in diesem Fall. HA

  2. Dominic Bruckmann

    Das ganze erinnert mich an einen World Class Teilnehmer der aus einem Gin Tonic eine Lebensaufgabe gemacht hat. „Hast du das da? Nimmst du den? Aber bitte 0,5cl davon! Und bloß nicht… usw“ Wo bleibt denn bitte da der Spaß wenn man selbst „Kollegen“ mit seiner Art und Weise auf die Nerven fällt.
    Bestell nen Gin Tonic, trink ihn und fang endlich an Spaß an er Bar zu haben…

  3. redaktion

    @ Helmut: Jep, ich sehe die Unterscheidung ein. 🙂

    @Dominic: Lieber Dominic, abgesehen davon, dass wir uns, soweit ich mich erinnern kann, nicht kennen und es mir daher schwer fällt eine Kritik meiner „Art und Weise“ anzunehmen… sollte ich vielleicht dazu erwähnen, dass es sich um einen Gimlet drehte, bei dem ich einen Gin gewählt hatte, der über das preisliche Segmet des offerierten Pouring-Gins hinausging. Ein Gin mit ungewöhnlich starkem Alkoholgehalt vielleicht für einen Gimlet, aber eben eine Variante wie ich ihn bevorzug. Für was hat eine bar 15 Gins im RückBuffet, wenn der Gast nicht hin und wieder mal wählen darf, was er in seinen Cocktail haben möchte?

    Ich sehe es ein, dass man definitiv nicht die ganze Zeit bei jeder Rezeptur in jedem Laden die große Debatte auf den Tisch knallen soll. Im Gegenteil, ich halte davon, gleich Dir, eigentlich gar nichts davon. Doch wenn es um simple Dinge geht, wie eine Spirituosenwahl in einen Gimlet, habe ich keine Lust mich für eine Bitte blöd anmachen zu lassen. Zumindest zahle ich dafür keine 10 Euro. Du etwa?

    Liebe Grüße,
    Steffen

  4. Matthias Straka

    Eine schwere Kost die ihr uns da aufgetischt habt,

    man hat entweder die Möglichkeit sie sehr persönlich zu nehmen, weil dieser “ Teufel “ zugegebener Maßen in uns steckt oder der Artikel berührt uns nicht, denen ist sowieso nicht zu helfen.

    Hätte man so einen ähnlichen Artikel nicht schon vor 50 oder 100 Jahren schreiben können ?
    Sind es nicht diese Erfahrungen und Gedanken das Treibmittel für einen besseren Service ?

    Ich denke das Thema ist ein alter Schuh, wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst.
    „Junge, sei nicht arrogant, achte die Meinung deiner Mitmenschen, du bist nicht der Nabel der Welt“ ………………..,
    alles vollkommen richtig und schon tausendmal gehört,

    Bartender bleibt so wie ihr seit, lasst euch nicht verbiegen und erfüllt euren Berufsstand mit Stolz, prost, cheers, gezondheet…. shake fresh Matthias

  5. Carsten

    Hat mir aus der Seele gesprochen… man ist ja gerne als Gast bereit, sich auf die Besonderheiten verschiedener Bars einzulassen und Neues kennenzulernen – dafür gehe ich ja in Bars statt mir die Drinks zuhause selbst zu machen. Mancher unter den Mixologen übetreibt es allerdings wirklich mit der Missionierung bezüglich bestimmter Spirituosen. Ich meine, klar ist ein Manhattan mit einem knochentrockenen Rye eine feine Sache, aber manchmal ist einem eben nicht danach. Und wenn ich dann 20 verschiedene Whiskeys im Backboard sehe und auf die Frage nach einem Canadian Blicke ernte, als hätte ich nach Premix-Pina Colada aus der Flasche gefragt (und die Antwort bekomme „also wir hier machen den nur mit Rittenhouse“ ) dann geht mir das auch gehörig auf den Zeiger. Vor allem wenn es die erste Order ist und der Barkeeper weder mich noch meine Präferenzen kennt.

  6. Sarah Pohl

    Rittenhouse ist wirklich gut, Carsten 🙂

    Mich stoert auch nichts mehr, als Bartender, die ihre „Show“ abziehen, dabei unprofessionell werden und den Fokus auf die Guest Needs vergisst.

    Auf der anderen Seite, hasse ich auch nichts mehr, als mich von Gaesten belehren zu lassen, was ein guter Drink ist und das Triple Sec besser ist als Cointreau…

    Gegen Caipirinha machen habe ich nichts, solange es ein guter Cachaca ist und kein!!! brauner Zucker benutzt wird 🙂

    Gute Bartender sterben aus… Die Frage ist, warum…

    Ein Teil der Verantwortung liegt sicher auch beim Gast ( Nachfrage des Angebots ), der sehr oft vergisst, dass man die „privaten Grenzen“ nicht ueberschreitet. Oft haben Gaeste ein kumpelhaftes Verhalten an sich und erwarten es dementsprechend zurueck. Somit werden Bartender eingestellt, deren Persoenlichkeit im „Vordergrund“ steht und dann kriegt man auch den arroganten Blick, der so schoen beschrieben worden ist.

    Ein guter Bartender hat kein Problem damit, ob der Gimlet mit Hendricks oder Tanqueray gewuenscht wird. Nennt man in Fachkreisen auch „up selling“.

    Gordons muss aber nicht sein 🙂

  7. oliver

    Jemand, der an einer Bar seiner Bestellung Markennamen und Zentiliterangaben hinzufügt, ist mit eiserner Garantie ein Bartender oder war früher einst ein solcher. In jedem Falle jedoch einer, der die Regeln des Anstands und Respekts fahrlässig zu handhaben scheint. Ein Gast, der eine Bar seines Vertrauens aufsucht, würde dies niemals tun. Er würde sich sonst gegen sein eigenes Urteilsvermögen stellen.

  8. Dominik MJ

    Hm – ich versuche noch immer die vielen gut informierten professionelle Bartender zu finden… ich liebe es, mit solchen Kollegen zu fachsimpeln – aber es sind bestimmt nicht so viele.

    Vielleicht ist die ganze Entwicklung mit der der Gourmet Restaurants in den 80’ern und 90’ern zu vergleichen – bei dem der Maître d‘ für die meisten Gäste nur bedauernde Blicke hatte. Restaurants sind etablierter als Bars; heutzutage sind dort wieder hilfsbereites, freundliches und trotzdem fachkundiges Servicepersonal gefragt. Aber der Gros der Gäste sind auch offener und sachkundiger.
    Das eigentliche Problem der Bar ist nicht, dass der eine oder andere Gast einen Caipirinha oder Piña Colada bestellt – sondern dass es die meisten Gäste bestellen… und die Bars haben einfach anderes in ihrer Agenda.
    Warum gehen Gäste also offensichtlich in eine der „ernsthaften Cocktailbars“ und bestellen etwas, was nicht auf der Karte steht, von dem sogar abgeraten wird?
    Stellen wir doch mal vor, man hat Gäste zu sich nach Hause eingeladen, und anstelle des Coq au Vin wird ein Backhendl „bestellt“. Jeder würde denken, dass ein Gast in der Situation sich etwas herausnimmt.

    Bartender sind nicht der Mittelpunkt der Welt – aber Gäste sind Gäste – jedoch auch nicht Befehlshaber, Herrscher über den niedrigen Servicestand etc.
    Kaum jemand würde auf die Idee kommen, einem Koch das genaue Rezept einer Mahlzeit vorzuschreiben; in der Bar ist das Gang und Gäbe…
    Der Manhattan ist mit Rittenhouse zu trocken? Warum den Bartender nicht darum bitten, einen etwas „süffigeren“ Manhattan anzubieten – anstelle nach Canadian gefärbten Alkohol :-p Ausschau zu halten…

    Für mich steht fest: Der Gast ist König – soll sich jedoch auch so verhalten [das heisst nicht, dass Bartender oder andere Servicekräfte die Untergebenen oder Sklaven sind…]! Das schliesst nicht ein, den Gastgebern zu befehligen!

  9. Steffen Hubert

    Vorab allen Danke für die ausführlichen und vielseitigen Kommentare. Großartig! Im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten versuch ich mal kurz aus meiner Sicht auf die letzten Kommentare einzugehen.

    @ Matthias: Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte man diesen Artikel auch zu einem anderen Zeitpunkt veröffentlichen können. Doch zumindest aus meiner Erfahrung heraus, kann man manche Dinge eben nicht oft genug erwähnen. Sonst würde es ja damit keine derart schlechten Erfahrungen geben. Menschen vergessen und verlernen, oder? Um ein „Treibmittel für einen besseren Service“ zu sein, muss es eben präsent sein. Und selbstversteändlich wollte ich damit niemand persönlich angehen.

    @Carsten: Missionierung ist ja nicht nur schlecht. Viele der Gäste lernen ja nicht zu Hause neue Spirituosen kennen, sondern in einer Bar und lassen sich auch nur so oft für eine Bar begeistern. Die Schwierigkeit besteht auch meiner Ansicht nach darin, eine Gratwanderung zu gehen: dem Gast zwar Empfehlungen auszusprechen, aber eben keine eigenen Vorlieben aufzwingen und erst recht keine persönlicher Geschmäcker der Gäste verächtlich abzuhandeln.

    @Sarah: Kenn ich. Manchmal hilft da nur „Ja und Amen“ und hoffen, dass es schnell vorbei geht ohne das man dem Gast an die Gurgel geht. Gute Bartender sterben mE jedoch nicht aus. Im Gegenteil. Zumindest die fachliche Kompetenz in Sachen Spirituosen und Cocktails ist in der Breite enorm gewachsen. Wenn das Menschliche nun nicht auf der Strecke bleibt, hierfür mein „Pamphlet“, dann sieht es doch ganz gut aus 🙂

    @Oliver: Seh ich in Bezug auf Markennamen nicht so. Ich zumindest hatte schon oft genug Gäste die keine Bartender sind, in Freiburg gibt es ja auch nicht so viele, die ein ernsthaftes Interesse an bestimmten Spirituosen haben. Warum sollte man diesen mangelnden Anstand nachsagen? Sie wissen was ihnen schmeckt und haben im Augenblick eben keine Lust auf Experimente. Was spricht dagegen? Auch Bartender haben manchmal keinen Bock auf Experimente und wollen trotzdem einen Drink nehmen, wie sie ihn kennen, in anderer Atmosphäre… Cl Angaben sind wahrlich übertrieben. Wenn man sich kennt, kann man aber mE ruhig auch mal sagen, wie es einem schmeckt. Andererseits war mein Fokus bisher nicht „Bartender am Tresen und Bartender hinterm Tresen“, sondern „Bartender und Gäste“.

    @Dominik: Komm zum BCB 🙂 Spannende Idee mit den Restaurants 80′ & 90′. Da steck ich für meinen Teil zu wenig drin. Wenn es jedoch so war, seh ich da auch viele Parallelen, sowie Chancen daraus zu lernen. Es ist immer gut über den Tellerrand zu blicken und aus anderen Erfahrung zu lernen. Kann sich jemand explizit an diesbezügliche Probleme der Haute Cuisine erinnern? Auch Deine Ausführungen über Gäste kann ich soweit unterschreiben. Wenn der Gast zum Patient wird, wird es grenzwertig. Auch ist der Gast wahrlich nur König, wenn er sich zu benehmen weiß. Alle bunten und anstrengenden Querulanten kann glücklicherweise jederzeit die Tür gezeigt werden. Etwas, was mE noch zu selten genutzt wird.

    Liebe Grüße,
    Steffen Hubert

  10. Christina Schneider

    Uiuiuiu….nee!
    Ist doch alles vollkommen wurscht Leute! Klar wollen wir alle gerne gute Drinks machen, aber was wir doch noch 1000x mehr wollen sind glückliche Gäste! Gäste, die sich und ihre Wünsche bei uns in guten Händen wissen, die sich willkommen und respektiert fühlen.
    Euer Gast will ne Pina Colada? Dann macht ihm doch die beste scheiß Pina Colada, die er je getrunken hat (dann wird er vielleicht demnächst irgendwann mal Bartender’s Choice bestellen und wenn nicht, auch egal!). Das ist nicht weniger anspruchsvoll als ein guter Old Fashioned.
    Natürlich verursacht es mir körperliche Schmerzen nen 100% Agave Tequila in nen Tequila Sunrise zu schütten, aber wenn der Gast es wünscht, bitte sehr.
    Man darf ja auch nicht vergessen, dass man mit ner Pina Colada oder nem Aperol Spritz ne ganze Menge mehr Geld verdient, als mit Sazeracs oder Sake Cocktails (und mit glücklichen Gästen, die wiederkommen sowieso).

    Und was ist falsch an Gästen, die dir genau sagen was sie wollen? Viel einfacher geht’s doch gar nicht. Der Gast weiß, was er mag und was nicht. Und dadurch, dass er dir das VOR der Bestellung sagt, gibt er ne riesen Hilfestellung dabei, ihn zufrieden zu stellen. Und das wollten wir doch, zufriedene Gäste, richtig?

    Als ich neu in Berlin war, wollte ich mir mal die „richtig guten“ Bars anschauen. In einer total hoch dekorierten Bar wurde mir dann mein Drink ohne Angostura verweigert (ich arbeite damit, aber ich will das Zeug nicht trinken, das weiß ich!) mit der Begründung, dann würde der Drink langweilig und uninteressant schmecken und sowas machen sie nicht. Oha! Den mitleidigen Blick, den sich meine Begleitung für den Versuch eines Aperol Sour gefangen hat, erwähn ich hier erst gar nicht.

    Das ist doch’n Haufen gequirlte Scheisse. Nicht nur hab ich die Story so ziemlich jedem erzählt, ich bin da auch nicht mehr hingegangen.

    Ist es das was wir wollen?

    Ach und zu Steffen: Ich glaube, die von dir beschriebenen „Egoshooter“ hinter dem Tresen gab’s schon immer, nur hatten die vor 10 Jahren keinen Japanischen Barlöffel sondern ne Malibu Flairbottle in der Hand 😉

  11. Robin Weiss

    Danke Christina!

    Wenn die Gäste ständig statt den wunderbaren Kreationen, die in unseren Barkarten stehen, doch wieder „nur“ Caipirinha und Pina Colada bestellen, sollten wir uns fragen ob wir wirklich alles richtig machen in der Kommunikation mit unseren Gästen. Oder ob es für Nicht-Fachleute vielleicht überhaupt nicht klar ist, dass bei uns nur „richtige“ Drinks genossen werden dürfen und man als Prosecco-Schlotzer hier nix verloren hat.
    Da draußen gibt es einen ganzen Haufen Menschen, die viel Geld in Bars ausgeben weil sie gerne ausgehen – aus Gründen die manch ein Bartender nicht nachvollziehen mag. Soziale Kontakte, Unterhaltung, Geselligkeit, Spaß an der Atmosphäre, an der Musik….
    Da sind auch einige dabei, die vielleicht nett zu uns sein wollen und deshalb einen Cocktail bestellen, weil es ihnen passender erscheint als ne Weißweinschorle.
    Die arrogante Haltung gegenüber den Gästen, die hier stellenweise mitschwingt, ist unpassend und für unseren Berufsstand nicht sonderlich kleidsam.

    just my 2cent

  12. Joerg Meyer

    Herr Hubert, ich erlaube mir, erneut ein leichtes „Nicht Gefallen“ am geschriebenen auszudrücken. Ich bitte diese Häufung zu entschuldigen.

    Hier wird, gelinde gesagt, mit einer Kanone auf Spatzen, oder sagen wir besser Barfliegen geschossen.

    Herr Hubert hat eine Bar besucht. Das ist gut.
    Ein schnöseliger, arroganter Bartender hat ihn schlecht behandelt. Das ist schlecht.
    So etwas passiert, ist ärgerlich, soll keines falls schön geredet werden! Aber ist das alleine Anlass für die recht große Keule?

    Gerne lese ich von diesem missglücktem Abend. Nicht das ich Ihnen das gönnen möchte, aber so ein Text, wie gewohnt mit gekonnter Hubert Hand geschrieben, hat ja Unterhaltungswert. Aber könnten wir es nicht einfach dabei belassen, von dieser tragischen Person zu sprechen? Vielleicht hatte der untalentierte Bartender einfach einen schlechten Tag, vielleicht Herr Hubert auch, vielleicht war das Zusammenkommen an diesem Tag damit besonders dramatisch.

    Das soll nichts beschönigen, sind nur Mutmassungen. Wichtig allerdings ist: wir sollten von diesem einem Beispiel nicht gleich das Bild des Bartenders so schwarz zeichnen.

    Zitat(e):

    „Im Falle der modernen Cocktail-Welle leider oftmals die Servicequalitäten, die Kommunikationsfähigkeit und die Orientierung am Kunden…. Besonders Bartender verlieren heute gerne mal den Blick für das Wesentliche. Oft steht die Arroganz des Bartenders konträr zum gewachsenen Image des Berufsstandes. ….Einmal mehr soll sich die Welt um Bartender drehen. Dabei dreht sich vielleicht schon zu viel um diese“

    Na ich weiss nicht. Diesen Typus Bartender gibt es, seit ich ihn eine Bar gehe. Und davor habe ich Ihn, als Kellner getarnt, im Restaurant getroffen. Und es wird ihn immer geben. Das hat weder etwas mit einer Cocktail Renaissaince zu tun. Noch mit der Kleidung und der Frisur, die jemand trägt.

    Der beinahe General Angriff auf den Bartender ist hier unangebracht. Im Dienstleistungs Gewerbe wird dieser Typus Mitarbeiter nie aussterben. Und meist ist ja auch Hoffnung in Sicht: nach ein, zwei Jahren Höhenflug hat sich schon der eine oder andere Kollege als wieder braubares Mitglied der ehrbaren Bartender Gemeinde entpuppt. Aber zurück zu Text.

    Kritik am Fehlverhalten eines einzelnen gerne – allgemein Plätze und Verallgemeinerungen besser nicht.

    Ich als Gast der Mixology Online Bar lege wert darauf, hier anständig behandelt zu werden, schließlich bin ich als Leser ja der Geldgeber. Ich mag es, wenn mir der selbst bewusste Bartender Hubert reinen Wein einschenkt. Nur, wenn eine persönliche Erfahrung gibt noch lange nicht das Recht zur Annahme das besonders Bartender heute gerne mal den Blick für das Wesentliche verlieren

    Spaß beiseite. Ich finde die Bar hat sich prächtig entwickelt. Und hinter der Bar sind großartige Kollegen. Ein paar „untalentierte Wichtigtuer“ gibt es überall, einige haben einen kurzen Höhenflug. Aber in der Summe hat sich viel hinter der Bar getan. Gerade in Deutschland. Wir sind auf dem richtigem Weg. Ich gehe gerne in Bars – und werde dort oft sehr gut behandelt. Und deutlich anders als noch vor zehn Jahren.

    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer…

    Und bei einer Textstelle muss ich komplett widersprechen: „…dann ging in diesem Strudel etwas unter: die Demut des Gastgebers“

    Ein Gastgeber sollte niemals Demütig sein. Niemals! Wir sollten es lieben, Menschen zu bedienen. Unsere Gäste mit Respekt behandeln, bereit sein, hinter Sie zu treten. Selbstbewusst und ganz sicher ohne Demut. Sklaven und Knechte waren demütig, Gastgeber sollten das nicht sein.

    Der Gastgeber sollte, nein muss die Hosen in seinem Laden anhaben. Nicht der Gast.

    „Wir servieren alles was Gäste wollen etc.“ halte ich für grob fahrlässig. Eine Bar sollte Ecken und Kanten haben, ein Profil.Im Angebot, sei erwähnt. Unfreundliche Bartender will ich nicht in Schutz nehmen.

    Nicht alles machen, sondern wenig „Gut“ oder besser „Sehr gut“. Wenn ein Konzept bestimmte Prdukte ausschließt. finde ich das völlig in Ordnung. Man muss nicht in jeder Bar Red Bull, Piña Colada, Prosecco oder sonst etwa stocken. Es ist völlig ok, etwas wegzulassen. Sicherlich macht hier der Ton, wie so oft, die Musik. Aber, wer seine Gäste respektiert, findet schon einen geeigneten Weg.

    @Sara – der Gordons 47 % ist da allerdings einen Versuch wert…

  13. Dominik MJ

    Sehr gut gebrüllt Herr Meyer!

    Ich sehe das Ganze ähnlich wie Sie und weniger wie Christina.
    Es sind einige Missverständnisse, auf die sie aufsitzt:

    Eines der wichtigsten: der Gast weiss genau was er will. Eines der unterhaltsamsten Beiträge dazu ist das TED Video von Malcolm Gladwell über Spaghetti Sosse.
    Einfach anschauen und schmunzeln – und daraus lernen.

    Was will der Gast? Grey Goose zum Beispiel! Will er ihn wirklich? Oder sitzt er einem gewaltigen Marketingtross auf, der ihm vermittelt, Grey Goose zu wollen?
    Wie schon Herr Meyer treffend gekontert hat, ist die Gegebenheit im Artikel eine Ausnahme / eine Begebenheit.

    Aber das eigentliche Problem ist doch auch der Service an sich. Ein Gast bestellt, und demütig nimmt die Servicekraft die Bestellung entgegen. Ein Sonderwunsch – Caipirinha mit braunem Zucker? Kein Problem – kommentarlos entgegengenommen…
    Natürlich wollen viele Gäste Caipirinha mit braunem Zucker… kein Problem… wie schon gehabt.
    Dann kommen die Bartender [oder der Manager] auf die glorreiche Idee: wenn doch die meisten Gäste Caipirinha mit braunem Zucker wollen – warum machen wir denn nicht alle Caipirinhas so? Das erspart doch der Serviceperson unangenehme Fragen…
    …ein neuer Bartender lernt in der Bar – Caipirinha mit braunem Zucker und ist der festen Überzeugung, dass dies die richtige Art und Weise ist.
    …und schon haben wir ein Stückchen der hart erarbeiteten Trinkkultur verloren.

    Wir können bestimmt sehr viel vom Restaurant-Business lernen.
    Ein Gast bestellt ein Burger im Gourmet Restaurant. Kriegt er ihn? Alle Zutaten sind in der Küche… Die Frage hört sich einfach an – es gibt aber keine eindeutige Antwort. Ist der Gast ein Stammgast, gibt vielleicht regelmässig hunderte Euro pro Monat im Restaurant aus – aber möchte gerade zu der Gegebenheit einen Burger… ok er kriegt ihn – wenn auch nicht einen McDonalds Hamburger… Das Restaurant ist in einem Hotel, und der Gast hat gerade für zwei Wochen die Präsidentensuite gebucht… klar, er kriegt seinen Burger. Der Gast ist weder Stammgast, noch VIP und möchte einen Burger… höchstwahrscheinlich kriegt er ihn dann nicht…

    Achja @ Christina: Die meisten ambitionierten Bars haben nur 100% Agaven Tequila. Gegen einen vernünftigen Tequila Sunrise mit frisch gepressten Saft und Granatapfelsirup [vielleicht selbstgemacht] spricht ja auch nicht viel [es sei denn der Mixto Tequila].

    Und Sarah und ich sind uns auch einig, dass jemand nicht ganz koscher ist, der [die] einen Old Fashioned auf die gleiche Stufe stellt mit einer Piña Colada… oder keine Angostura Bitter mag [in kleinen Mengen].

  14. Robin Weiss

    Auch wenn ich Herrn Meyer recht geben muss – man sollte nicht verallgemeinern – , treten wir doch mal einen Schritt zurück vom Barbrett und betrachten die Sache insgesamt:

    Die Bar sollte, sehr richtig, niemals alles tun, nur weil es Geld dafür gibt. DerBarbesitzer hat vielfältige Möglichkeiten das Profil seiner Bar zu schärfen, ohne dass es ermahnender oder belehrender Worte durch das Personal bedarf. So wird von vorne herein selektiert und das ist gut so. Es gibt für jeden eine Bar, aber nicht jede Bar ist für jeden Gast die richtige – schön.

    Es wird dann schwierig, wenn das Barpersonal nicht zur Konzeption der Bar passt. Es wird dann schwierig, wenn der Gast die Konzeption der Bar nicht verstanden hat.
    Beide Probleme haben ihre Ursache in fehlender oder schlechter Kommunikation.

    Dabei gibt es, auch da hat Herr Meyer recht, heute mehr Oasen der Gastlichkeit, als noch vor 10 Jahren. Das soll uns aber doch nicht daran hindern, immer mal wieder zu reflektieren und die ungeliebten Themen und Schwächen nach vorne ans Licht zu zerren.

    Gäste sind was tolles!

    Wir reden hier doch nicht über Gäste, die sich daneben benehmen, sondern über ganz normale Menschen, deren Fokus z.T. nicht auf Drinks und Spirituosengenuss liegt.

    Steffen Hubert hat diesen Artikel völlig zu recht geschrieben. Wenn dieser Artikel vielleicht auch provoziert, wird er zumindest auch diskutiert und es tut uns allen gut, immer wieder daran erinnert zu werden, wer unsere Rechnungen am Ende des Monats wirklich bezahlt.

  15. Steffen Hubert

    @Meyer: Ja, hin und wieder muss es eine Keule sein. Das es nur ein Beispiel ist, hängt damit zusammen, dass ich hier nicht meine Leiden aus diversen Bars ausbreiten kann 🙂 – liest doch kein Mensch dann mehr! Es ging mir darum eine Diskussion loszutreten, da ich der Meinung bin, dass eine Diskussion diesbezüglich sicher nicht schadet. Und die vielseitigen Meinungen geben mir doch auch irgendwie Recht, oder? Polemisierung ist vielleicht nicht das respektierteste Stilmittel, aber sicherlich ein effektives…

    Genug zum Hintergrund.

    Grundsätzlich steh ich natürlich weiter voll und ganz hinter der Aussage, dass, für meinen Geschmack, ein paar zu viele Bartender etwas über das Ziel hinausschießen. Ob das schon immer so war, ist mir eigentlich egal. Mich stört es heutzutage und ich würde mich freuen, wenn da ein bisschen mehr Selbstreflektion einkehren würde.

    Und über mein Beispiel im Text hinaus und die Beispiele in den vergangenen Kommentaren kann man doch die Geschichte auch ohne Probleme mal weiter spinnen. Abgesehen davon, dass sich einige schon in ihren eigenen Bars gegenüber ihren eigenen Gästen daneben benehmen, spazieren sie nämlich auch noch in andere Bars und führen sich auf. Bartender auf Trinktour sind bei weitem nicht immer ein Vergnügen. Da kommen manche aus ihren Bars, wo absolut kein Fehlverhalten von Gästen tolerieret wird, saufen sich nach Feierabend voll, spazieren in nächsten Schuppen und führen sich auf, wie die Axt im Walde. Da muss manchmal nur ein großer Barname dahinter stehen und die Leute denken sich in kleineren, unbekannteren Bars alles erlauben zu können. Da wird das Personal angepöbelt, die Gäste der anderen Bar vergrault. Ständig „belehrt“ usw. Eigentlich sollte man ja meinen, dass andere Gastronomen wissen sollten, wie schwer die Gratwanderung manchmal mit Gästen ist. Aber mal im ernst. Andere Gastronomen sind regelmäßig die schlimmsten Gäste. Alles schon so erlebt. Und noch schlimmeres. Klar, ich bin auch kein Kind von Traurigkeit. Aber ich gedenke mich wenigstens meinen Schandtaten zu stellen…

    Oder was anderes. Dieses ständige, derzeitig wieder ausufernde Gemecker über Kommerz. Sind wir bei der Wohltätigkeit? Natürlich nicht! Da blubbern Leute völlig unreflektiert was von Fokus auf Gäste, denn alle anderen sind zu kommerziell. Selbst haben sie im Leben jede angebotene Treppenstufe selbstverständlich akzeptiert, halten die Hände bei jeder Gelegenheit auf, stehen dann irgendwann „weiter oben“, drehen sich um und werfen mit einer Hand mit Steinen, während sie die andere Hand weiter aufhalten um abzugreifen und noch mehr zu verlangen. Glashaus? Steine? In den letzten Monaten leider zu oft erlebt. Oder wenn ich daran denke, was manche für ihre „Auftritte“ an Veranstaltungen und Messen versuchen an „Gage“ einzustecken, da drehts mir alles… Starallüren nennt man sowas glaub ich.

    Eigentlich hätte ich es noch härter angehen müssen. Ich sehe nämlich neben vielen engagierten, wirklich guten Bartendern einige scheinheilige Diven. Die sind schlimmer als karrikatiere Opernsängerinnen! Wie sagt man so schön, da wird der Berufsstand in den Dreck gezogen und das nervt mich. Und am schlimmsten finde ich es eben für die Gäste, die eben nur in eine Bar spazieren wollten, um das zu machen, was man eben in einer Bar macht: entspannt etwas trinken, Atmosphäre genießen und eventuell, aber nur wenn es dem einem danach verlangt auch etwas über Spirituosen lernen. Und dann kommt ein Schnösel daher, der sich für den Nabel der Welt hält und macht einen blöd an?

    Schuster bleib bei deinen Leisten. Die Diskussion ist alt und ich möchte nicht mal so weit gehen und jetzt Leute wie Patrick Gavin Duffy zu zitieren. Was schon immer schlecht war, muss nicht immer so bleiben. Und selbst wenn es nur Spatzen sind. Verdammt, da muss man ab und an mal richtig drauf halten.

    Unterm Strich ging es mir darum, nach vorne zu blicken und hier ein paar Dinge im Bewusstsein zu halten…
    Cheers,
    Steffen

  16. Joerg Meyer

    Herr Hubert,

    ich kann folgen, verstehen, und bleibe beim Widerspruch.

    Indirekt, bestätigen Sie meine Kritik ja ein wenig…

    Zitat: „Ich sehe nämlich neben vielen engagierten, wirklich guten Bartendern einige scheinheilige Diven. „… „Was schon immer schlecht war, muss nicht immer so bleiben. Und selbst wenn es nur Spatzen sind. Verdammt, da muss man ab und an mal richtig drauf halten.“

    Muss man? Eben nicht!

    Es gibt viele engagierte Bartender und einige scheinheilige Diven. Warum dann das anders darstellen? Gedankenschlürfen ist der feingeistige Titel der wöchentlichen Mixology Online Kolumne. Der gefällt mir.

    Das Schlürfen, am Sonntag, ähnlich wie dem Verkosten einer guten Spirituose. Schlürfen, Sauerstoff unter den guten Stoff kommen lassen, Eindrücke in Ruhe auf sich wirken lassen, geniessen, als Anregung nutzen. Toll!

    Da empfinde ich Polemisierung, ob der Effektivität plötzlich geduldet oder als gewolltes Stilmittel in diese Zeilen gerutscht, unpassend.

    Schließlich ist das hier ja nicht der private Blog eines Schreibers. Da würde ich Polemik nicht unbedingt gut heißen, könnte Sie aber besser verstehen. Es ist der Online Teil des Magazins für Barkultur. Kultur und Polemik schließen sich aus, Herr Hubert.

    Die jetzt genannten Punkte, die über die erste Kritik an Bartendern hinaus gehen, wie schlechtes Benehmen „außer Haus“ und diese aufkeimende Kommerz Scheinheiligkeiten kann ich ebenfalls nachvollziehen. Nur, auch dort denke ich: eine Schwalbe noch kein Sommer.

    Wenn die Kritik an solchem Fehlverhalten hier differenziert dargestellt wird: großartig. Der General Angriff – für meinen Geschmack: Bitte nicht!

    Aus den Zeilen sind jede Menge Emotionen heraus zu lesen, ja, sogar Wut:

    „…da wird der Berufsstand in den Dreck gezogen und das nervt mich.“ . Das kann ich verstehen Herr Hubert. So etwas nervt. Aber sollten Sie Emotionen zu Verallgemeinerungen in Ihren Texten hinreissen lassen?

    Sie sollten, meine Meinung, keine persönliche Wut in Artikel, ob Online oder Offline, einfliessen lassen. Polemik, Übertreibung und Verallgemeinerungen passen nicht zum Magazin für Barkultur. Meine Meinung.

  17. Dr. Jean-Pierre Ebert

    Hallo Steffen,

    danke, den Text könnte ich selbst geschrieben haben.

    Ich erinnere mich gern an einen Barbesuch mit Pils(!)bestellung, bei dem mich ein unbekannter Kollege abfällig ob der Cocktailnichtbestellung belehrte, dass ich zu fragen hätte, was an Bier im Angebot wäre, um gleich im Anschluss Heineken, Corona und Berliner Pilsner zu offerieren. Bei nur einem Pils im Sortiment war das eine fachmännische ‚Meisterleistung‘ abgesehen von den fehlenden Gastgeberqualitäten.

    Ich stelle mir auch gerade vor, wie ein Barman einem Gordon’s-Tonic-liebenden Gast, der, wenn der Barman Pech hat, ihm intellektuell, sozial und ggf. rezeptorisch überlegen ist, was in einer Bar mit gehobenem Preisniveau nicht unwahrscheinlich ist, erklärt, dass er den aus ‚ethischen‘ Gründen nicht anbieten wird. Oft erlebt und gehört, nicht nur Pina Coladas und Tequila Sunrises betreffend. (Ist letzterer schon mal mit 100% Agaven Tequila und frischem Orangensaft probiert worden?) Davon abgesehen, dass solche Szenen einen gewissen Unterhaltungswert haben, je nach Bildungsstand, Niveau und Betrachtungswinkel ziemlich sind sie schlicht peinlich und blamabel für einen Barmann.

    Das war kein Plädoyer dafür, jeden Wunsch zu erfüllen. Nur die Feststellung, dass man eine gewisse Dummheit aufbringen muss bzw. im schlimmsten Fall hat, einen Gast zu unterschätzen. Die infantile Peinlichkeit und Unsitte der Gasterziehung kann einfach nicht der Weg sein.

    Wir sollten nicht vergessen, worum es in den meisten Fällen bei einem Barbesuch geht. Treffender als der Autor Peter Richter in seinem Buch ‚Über das Trinken‘ kann man es nicht formulieren: „Der tiefere Sinn des Weins ist nicht, dass er schmeckt, sondern dass er wirkt. …. Der Geschmack ist nur eine Zugabe, wenn auch eine erfreuliche.“

    In diesem Sinne, herzlichst
    Jean-Pierre

  18. horizont

    @Steffen Hubert
    zeitlos, berechtigt, wichtig – immer wieder
    leider haben wir es jetzt nicht nur mit inkompetenten Barkeepern (die überzeugt sind ihr Metier zu beherrschen) dieser Art zu tun, sondern auch mit fachlich sehr gebildeten die dieses (Detail-)Wissen aber um jeden Preis „an den Gast bringen“ wollen. Auch bei der Beantwortung der Kommentare kann ich ihnen nur zustimmen.

    @Helmut Adam
    ein absolut unnötiger Hinweis, da jeder versteht was der Autor meint. Sein Text spricht für sich.

    @Dominic Bruckmann
    was hast du gegen einen brand call? Bringt mehr Gewinn, läßt die Flaschen nicht sinnlos im Regal stehen, erweitert den eigenen Horizont, läßt uns Gästewünsche, Trends und den Erfolg von Marketingmaßnahmen erkennen, kann eine schöne Möglichkeit sein mit einem (neuen) Gast ein, zwei kundenbindende Worte zu wechseln. Gerade bei den (Gäste-)Kollegen kann ich eine Ansage noch besser nachempfinden, da es ja auch ihr täglich Brot ist. Oder fühlt man sich herabgesetzt, zu wenig geschätzt wenn ein Kollege nicht die hauseigene Rezeptur möchte? Meistens wird es doch nicht so auf die Spitze getrieben, daß quasi die Rezeptur vorgesagt wird. Wird denn nicht behauptet, daß die jetzt vielen tollen Leute hinter der Theke eben gerade das so gut können: den Gast beraten, die Neugier wecken, es mal mit einer anderen Marke oder gar Spirituose versuchen zu sollen?

    @Sara Pohl
    es ist deine Aufgabe als guterProfi, zumindest einmal dem Gast zu erklären, das Triple Sec eher als Gattungsbegriff zu verstehen ist, und Cointreau ebenfalls dazu gehört, aber eben der Beste ist. Wenn man das nicht oberlehrerhaft macht gewinnt man eher Stammgäste, die dazulernen, vertrauensvoller werden und ..und…und

    Ich weiß nicht ob das immer an den Gästen liegt, daß die Distanz kleiner wird. Ich denke es liegt am Konzept der Bar. In Cafes wird man schon oft mit Du vom Service angesprochen, daß verinnerlichen die Gäste dann auch.

    @Oliver
    diese Aussage kann ich garnicht verstehen. Es gibt ja auch ein erstes mal, wenn man eine Bar besucht. Da gehts ums kennenlernen. Das Vertrauen kommt erst nach dem Besuch. Und wenn die Hausmarke Finsbury ist und ich möchte eine HendricksTonic weil ich das grade gelesen habe, daß das so toll sein soll, will ich das vielleicht probieren. Was spricht dagegen?

    @Dominik MJ
    Was hat denn das mit Sklave zu tun wenn ein Gast eine bestimmte Marke bevorzugt oder eine mildere Spirituose bevorzugt? Das ist genau das zu kritisierende Denken in der Servicewüste. Der Gast greift in der Regel auf für ihn bekanntes zurück, da er sich selten mit Fragen bloßstellen will. Nicht der Gast muß das Wort „süffiger“ finden, sondern du sollst ihm den Weg zu einer Alternative zeigen. Das ist dein Job. Natürlich brauchst du ihm nicht den Unterschied mit allen 10 bis 100 Whiskies zu erklären, wieviele Bartender könnten das schon. Frage nach und biete dem Gast ein, zwei Alternativen. Aber wenn bei dir schon jemand „nicht koscher ist“ nur weil er keinen Angostura Bitters in seinen Cocktail will, dann haben wir genau die Situation wie sie Herr Hubert beschreibt. Im hartnäckigsten Fall, weist man den Gast darauf hin, das AB ein unabdingbarer Bestandteil des Rezepts ist. Der Rest ist die Sache des Gastes. Vielleicht ist er ja auch allergisch dagegen. Ich persönlich mache keinen Unterschied zwischen einem OF und einer Pina Colada. Beides wird mit gleicher Hingabe bzw. Leidenschaft zubereitet. Jeder gut gemachte Drink hat seine Berechtigung. Was stellt denn den OF oder von mir aus auch einen Martini Cocktail auf einer höhere Ebene, daß dient in meinen Augen nur der Selbstbeweihräucherung. Viele heute noch von der Szene geadelte Bartender – wie z.B. Herr Brandl haben auch Pinas und andere „Saftschubserl“ gemixt und sind damit groß geworden. Ich denke es kommt auf das wie und eben auf das Konzept der Bar an. Küche und Bar sind zwei unterschiedliche Dinge. Die Vorbereitungs- und Zubereitungszeit läßt sich nicht vergleichen, da habens die Kollegen in der Küche doch etwas schwerer als wir flexibel zu reagieren. An der Bar ist es jedoch meiner Erfahrung nach selbstverständlich, daß erstens nicht alle von den Kollegen beherrschten Drinks auf der Karte stehen (Pina Colada vielleicht?), zweitens das Zubereiten eines solchen Drinks das Ansehen, die Kundenbindung und die Gewinnmarge – da mit Aufschlag verkauft – erhöht.

    @Christina Schneider
    Bravo Frau Schneider! Ohne Sch… hätte ichs noch besser gefunden. Allerdings sollte man akzeptieren, wenn ein Inhaber bestimmte Vorstellungen bezüglich seiner Bar hat – wie Herr Meyer z.B. – und ihm nicht passende Produkte/Drinks nicht anbietet. Sein Konzept ist eben etwas „elitärer“ und das ist in seinem Fall gut so. Paßt ja eigentlich wunderbar ins Gesamtkonzept und bringt einen in seiner Zielgruppe ins Gespräch.

    @
    Joerg Meyer
    gerade die persönliche Erfahrung gibt Herr Hubert, daß Recht zur Kritik. Das er nicht durch ein einmaliges Erlebnis zu diesem Artikel angeregt wurde, sollten wir in diesem Fall voraussetzen. Schließlich ist er auch vom Fach um nicht zu sagen vom doppelten Fach – also Barkeeper und sagen wir Journalist. Sie haben Recht, wenn Sie sagen, daß es diesen Typus schon immer gegeben hat. Doch durch „die moderne Cocktailwelle“ hat sich dieser Typus vermehrt. Die von Ihnen erwähnte „prachtvolle Entwicklung der Bar“ ist sicher teilweise positiv zu beurteilen. Leider geht es aber hier nicht um ein oder zwei „untalentierte Wichtigtuer“, wie sie uns glauben machen wollen. Leider sind diese Kollegen auch oft talentiert, haben aber das Wesen eines Gastgebers bzw. Dienstleisters noch nicht verstanden. Sie sind selbstverliebt in ihr Detailwissen über verschiedenste Spirituosen, selbstgemachten Sirups, Essenzen und Rezepturen, die -glücklicherweise – wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich sind. Es ist die Einstellung.

    Herr Hubert hat es mit der „modernen Cocktailwelle“ sehr schön formuliert. Es ist ein Hype, ein Trend, eine Welle bei der viele mitmischen und es hat – wie immer zu solchen Zeiten – für einige die Möglichkeit eröffnet auf der Welle mitzusurfen bzw. mit passenden Ideen gutes Geld zu verdienen und sich zu profilieren. Leider entsteht in solchen Phasen auch immer eine Blindheit und Gegenbewegung gegenüber dem „Alten“, Bewährtes wird als veraltet und nicht mehr auf der Höhe des Zeitgeistes angesehen. Zur Pina Colada hat Frau Schneider oben alles gesagt -wie gesagt wenn es ins Konzept paßt. Ansonsten werden Drinks die ebenfalls – neben den klassischen Cocktails – ihre Berechtigung haben, z.B. als Saftschubserl abgetan. Das ist die Arroganz von der Herr Hubert schreibt bzw. wie ich sie interpretiere. Und diese „geistige“ Arroganz findet sich dann im Verhalten gegenüber dem Gast wieder. Das sie in Bars gut behandelt werden – wen sollte das wundern. Aber bitte, wenn Sie so argumentieren, dann machen Sie das, was Sie Herrn Hubert vorwerfen. Ein gewisser Grad von Verallgemeinerung ist nicht vermeidbar, da man ja nicht alle Bartender kennen kann. Und was die Demut betrifft, könnte man auch die Definition von Erich Fromm heranziehen, so interpretiere ich Herrn Hubert:

    Nach Erich Fromm (Die Kunst des Liebens) ist Demut die der Vernunft und Objektivität entsprechende emotionale Haltung als Voraussetzung der Überwindung des eigenen Narzissmus.

    @Robin Weis
    Sehr zutreffend

    @Dr. Jean-Pierre Ebert
    offtopic: ich finde den Dr. nach dem von mir zuletzt gelesen Kommentaren zu einem anderen Hubert Beitrag einfach köstlich.

    Grüße

  19. Dr. Jean-Pierre Ebert

    @Steffen, gleich falls offtopic: Für Jörg mache ich einiges möglich. Das gefällt Ihm 😉

  20. Dominik MJ

    @horizont

    Moment mal:

    Sklaven:
    ich habe nicht die direkte Verbindung beschrieben, zwischen Sklaventum und die Wahl einer Spirituose! Jedoch: lassen wir mal den Bartender beiseite, und gehen wir mal zum eigentlichen Gastgeber; der „Bar-Operator“ [Eigner, Manager] – dieser kann sehr wohl entscheiden, was er anbieten möchte und was nicht! Und der Gast ist Gast – es mag angebracht sein Sonderwünsche anzubringen – jedoch soll niemand sich zu nahe getreten fühlen, wenn diese freundlich abgelehnt werden. Der Gast kann genauso gerne in eine andere Bar [oder besser Kneipe] gehen.

    Servicewüste:
    Ganz ehrlich glaube ich nicht, dass die Deutschen schlechten Service bieten. Deutsche in Serviceberufen sind international hoch gefragt! Ich denke jedoch dass es ein Interaktion von Serviceanbieter und Serviceempfänger gibt; und hier liegt wohl das Übel! Das ist am einfachsten an vielen amerikanischen Gästen zu sehen [die den meisten Bar-Workern nicht nur wegen den Tips angenehm sind] – die kommen schon fast demütig in eine gute Bar und fragen höflich nach Sonderwünsche nach und verlangen diese nicht.
    Gute Restaurants, Bars und Hotels in Deutschland bieten einen sehr guten Service an – bestimmt ähnlich gut wie in anderen Ländern! Kneipen, Einzelhandel etc. stehen auf einem anderen Blatt – aber die Gäste sind auch meistens – „deutscher“.

    Mein Job:
    Den brauchen Sie mir bestimmt nicht erklären! Ich mache meinen Gästen so Einiges möglich und versuche als Vorbild zu fungieren! Das ändert jedoch nichts an meiner Meinung! Jedoch brauchen Sie meine Worte nicht auf die Goldwaage zu legen!

    Angostura:
    Schon wieder die Goldwaage…
    Ich habe noch nie etwas von einer Angostura Allergie gehört, jedoch wenn es so wäre hätte ich bestimmt eine Alternative. Fakt ist, dass Angostura zum Manhattan gehört, wie Tunfisch zum Vitello Tonnato. Es ist einfach die Aufklärung, die „Education“ des Gastes, die man sich widmet – jedoch sollte sich der Gast dem nicht verschliessen. Und tatsächlich: der Rest ist NICHT Sache des Gastes – er ist Gast – kein Befehlshaber! Natürlich machen die meisten von uns es dem Gast möglich, seinen Sonderwunsch zu akzeptieren. Aber wir sind Gastgeber [Host im Englischen, was man auch als Hausherr übersetzen kann]- und wenn es auf Hart auf Hart kommt, sollte der Gastgeber die Hosen anhaben [das sollte natürlich nicht zu einer Argumentation führen – aber unangemessene Gäste SOLLTEN schon einmal der Bar verwiesen werden].

    Piña Colada vs Old Fashioned:
    Jetzt könnte ich ein ganzes Buch schreiben! Lassen wir es mal dabei, dass ein gut gemachter Old Fashioned vergleicht werden kann mit einem guten Prestige Champagner und eine Piña Colada eventuell mit einem Prosecco oder Spumante. Nicht das letztere schlecht sein müssen – jedoch kann man diese unterschiedlichen Drinks nicht auf gleicher Stufe stellen!
    Vor allem ist die Anwendung unterschiedlich. Einen Old Fashioned am Strand passt genauso wenig wie eine Piña Colada in einer klassischen Bar.

    Herr Brandl:
    Herr Brandl ist bestimmt zu adeln – jedoch ist er von einer anderen Generation. Ich mag Franz sehr gerne und er hat eine Menge unterhaltsame Geschichten zu erzählen – wenn es jedoch um zeitgenössischem Mixen geht, lese ich eher wo anders!

    Arroganz:
    Diese Arroganz ist meist bei den Gästen zu finden, die es besser wissen wollen. Leider beantworten viele Leute im Service mit dem gleichen Haltung – was zum einen zu verstehen ist [Bartender sind auch nur Menschen], zum anderen wenig professionell ist – da haben sie recht. Wenn Gäste jedoch mehr „Gast“ wären, bin ich sicher, dass man kaum noch dieses Problem anfinden könnte.

    Die Karte: meist reflektiert die Karte auch das Angebot. Höflich gefragt, mag der Gast bestimmt auch etwas anderes bekommen – sogar mit einem Lächeln – jedoch mit des Gastes Arroganz, funktioniert es halt nicht so gut.

    Restaurants:
    Glauben Sie mir eines – einen Burger etc herzustellen mag nicht sehr viel Aufwand wie ein anderes Gericht. Einen Gang in einem Restaurant zu bekommen dauert auch wesentlich länger als die Preparation eines Cocktails – der Vergleich ist analog und absolut angemessen!

    Der moderne Cocktailhype:
    Das Einzige was sich geändert hat ist, dass Bars mehr anspruchsvoll werden! Das ist wirklich nötig, weil es sonst keine Entwicklung gibt!
    Analog kann man die Wein-Geniesserschaft sehen. Trockene Weine haben dank Sommeliers sich gegen süsse Weine durchgesetzt. Das was ein langer Weg – aber Sommeliers haben einfach keine süssen Weine angeboten.
    Ist das schlechter Service? Bestimmt nicht! Aber die Getränke-Kultur lässt sich teils nicht mit gut gemeinter „Education“ antreiben [das findet die wenigsten Konsumenten] – manchmal muss man einfach ungeeignete Produkte auslassen / nicht anbieten!

  21. horizont

    Hallo DominikMJ
    danke für deine aufwendige Antwort. Schön ist, das man auch deine Leidenschaft für das Thema spürt. Ich erlaube mir dich weiterhin zu Duzen – aufgrund deines angegebenen Namens – und bitte dich es mir gleich zu tun. Wenn es dir nicht recht sein sollte, du Siezt mich ja seltsamerweise, dann werde ich dies in Zukunft nicht tun.

    Einleitend möchte ich dich noch mal zitieren:

    „Hm – ich versuche noch immer die vielen gut informierten professionelle Bartender zu finden… ich liebe es, mit solchen Kollegen zu fachsimpeln – aber es sind bestimmt nicht so viele.“

    Daraus folgere ich, daß es für viele Gäste durchaus Sinn macht sich zu äußern, da sie wahrscheinlich nicht das Glück haben auf die wenigen „gut informierten, professionellen Bartender“ zu treffen, die du ja auch noch vergeblich suchst.

    Jetzt zu deinem Kommentar mit deinen Überschriften

    Sklaven:

    Zitat:
    „Warum gehen Gäste also offensichtlich in eine der “ernsthaften Cocktailbars” und bestellen etwas, was nicht auf der Karte steht“

    Beispiel: Vielleicht haben die Gäste von einem Drink namens Gin Basil Smash gehört, der so toll sein soll und den einer in Hamburg kreiert hat. Leider sind die Gäste aber in einer anderen Stadt und wollen ihn aber trotzdem mal probieren. Fragen kostet nichts.

    „……….aber Gäste sind Gäste – jedoch auch nicht Befehlshaber, Herrscher über den niedrigen Servicestand etc.
    Kaum jemand würde auf die Idee kommen, einem Koch das genaue Rezept einer Mahlzeit vorzuschreiben; in der Bar ist das Gang und Gäbe…
    Der Manhattan ist mit Rittenhouse zu trocken? Warum den Bartender nicht darum bitten, einen etwas “süffigeren” Manhattan anzubieten – anstelle nach Canadian gefärbten Alkohol :-p Ausschau zu halten…
    Für mich steht fest: Der Gast ist König – soll sich jedoch auch so verhalten [das heisst nicht, dass Bartender oder andere Servicekräfte die Untergebenen oder Sklaven sind…]! Das schliesst nicht ein, den Gastgebern zu befehligen!

    In diesem Zusammenhang habe ich das so rausgelesen, daß der geäußerte Wunsch nach Canadian, oder einer geänderten Rezeptur bei dir das Gefühl entstehen läßt, du wärst Befehlsempfänger oder Sklave.

    Die Freiheit des Inhabers die Karte und das Angebot nach eigenen Vorstellung zu gestalten, habe ich nicht in Frage gestellt, sondern oben als Bsp. Herr Meyer bekräftigt. Das man einen Wunsch auch verweigern kann ist für mich ebenfalls klar. Wir diskutieren ja hauptsächlich über das wie.

    Servicewüste:
    Dazu kann ich dir nur sagen, daß ich langjährige Erfahrung in der Aus- bzw. Weiterbildung in kaufmännischen Dienstleistungsberufen habe. Da gibt es bei der Dienstleistungsmentalität noch sehr, sehr viel zu tun. Auch als Bartender und Gast bin ich hier sehr sensibel was die Kundenorientierung anbelangt und muß sagen, daß es hier ebenfalls viel zu tun gibt. Aber es kommt eben immer auf die Ansprüche an, die man an sich stellt. Das soll aber nicht heißen, daß keine sehr guten Leute gibt. Selbstverständlich, aber die sind meiner Meinung nach in der Gastronomie allgemein auch Mangelware.

    Mein Job:
    Ich habe mit dem Satz
    „Nicht der Gast muß das Wort “süffiger” finden, sondern du sollst ihm den Weg zu einer Alternative zeigen. Das ist dein Job.“
    nicht dich persönlich gemeint oder kritisiert, sondern den Bartender allgemein der mit der Situation konfrontiert ist.

    Wenn wir hier auf diese Art und Weise unsere Meinungen diskutieren, uns austauschen, sollte es klar sein, daß man den Anderen nicht belehren will. Das ich deinen Kommentar erstmal ernstnehme oder wie du sagst auf die Goldwaage lege ist aber klar. Wenn du etwas korrigieren oder abschwächen willst o.k. dann schreibs einfach.

    Angostura:
    „Schon wieder die Goldwaage…“
    Ja ich nehms halt wies geschrieben steht.

    „Ich habe noch nie etwas von einer Angostura Allergie gehört, jedoch wenn es so wäre hätte ich bestimmt eine Alternative.“
    Ich möchte nicht herablassend klingen, aber ob du schon mal davon gehört hast ist sicher kein Maßstab. Auch ist der Gast nicht verpflichtet dir seine Leiden auszubreiten, damit er was zu trinken bekommt. Ich bin auch sicher, daß du noch nie von diesen wissenschaftlich nachgewiesenen Ängsten gehört hast unter den Menschen leiden: Hier einige Beispiele
    Epistemophobie – Angst vor Wissen
    Dromophobie – Angst vor Straßen
    Dipsophobie – Angst vor dem Trinken

    „Fakt ist, dass Angostura zum Manhattan gehört, wie Tunfisch zum Vitello Tonnato. “

    Hidetsugu Ueno wohl unbestritten ein Meister seines Faches läßt den Bitters in einer mir vorliegenden Rezeptur ganz weg. So was machen wir jetzt. Stell dir vor der würde zu dir an die Theke kommen, kriegt der jetzt einen Manhatten oder nicht. Ich sehe das alles nicht in Stein gemeißelt, obwohl ich auch Bitters benutze. Daß man den Gast darauf hinweisen soll, daß es nach dem „Originalrezept“ ein wesentlicher Bestandteil ist, habe ich oben schon erwähnt.

    „Es ist einfach die Aufklärung, die “Education” des Gastes, die man sich widmet – jedoch sollte sich der Gast dem nicht verschliessen.“

    Wieder sind wir bei dem wie. Selten wird sich bei einfühlsamer und kompetenter Beratung ein Gast verschließen.

    Und tatsächlich: der Rest ist NICHT Sache des Gastes – er ist Gast – kein Befehlshaber! Natürlich machen die meisten von uns es dem Gast möglich, seinen Sonderwunsch zu akzeptieren. Aber wir sind Gastgeber [Host im Englischen, was man auch als Hausherr übersetzen kann]- und wenn es auf Hart auf Hart kommt, sollte der Gastgeber die Hosen anhaben [das sollte natürlich nicht zu einer Argumentation führen – aber unangemessene Gäste SOLLTEN schon einmal der Bar verwiesen werden].

    Das mit dem Rest war auf die Entscheidung mit oder ohne Angostura Bitters bezogen. Ich bleibe dabei. Wenn Herr Ueno oder Herr Meyer oder Frau Lieschen Müller ihren Manhattan ohne Bitters wünschen und nach meiner Beratung dabei bleiben, bekommen sie ihn ohne Bitters. Das ist dann ihre Sache. Ich versteh das Hart auf Hart nicht ganz. Was meinst Du damit? Und was meinst du mit unangemessenen Gästen. Wir haben doch hier nicht von Randalierern gesprochen.

    PC vs OF
    „Jetzt könnte ich ein ganzes Buch schreiben!“
    Gerne, ich würde es wahrscheinlich kaufen.

    “ Lassen wir es mal dabei, dass ein gut gemachter Old Fashioned vergleicht werden kann mit einem guten Prestige Champagner und eine Piña Colada eventuell mit einem Prosecco oder Spumante. Nicht das letztere schlecht sein müssen – jedoch kann man diese unterschiedlichen Drinks nicht auf gleicher Stufe stellen!“

    Das ist deine Meinung, widerlegt aber meine nicht mit Argumenten. Ich möchte hier wieder Herr Hidetsugu Ueno bemühen. Er hat bei 13 klassischen Rezepturen ebenfalls man höre und staune eine CUBA LIBRE dabei. Das ein Martini, Manhattan, Sidecar oder Gimlet eleganter, graziöser wirken als eine Pina, eine Cuba Libre oder ein Tequila Sunrise ist mir auch bewußt. Dennoch bereite ich die letzteren mit gleicher Freude zu. Sie haben für mich die gleiche Berechtigung. Da würde ich eher auf einen Long Island Ice Tea verzichten. Das ist für mich Gepantsche.

    Zum Thema Prosecco (seit 2010 Glera) und Spumante müsstest du genauer werden. Für einen guten Conegliano Valdobbiadene muß sich keine Bar schämen, ebenso nicht für eine – wie hat es Frau Scneider formuliert – beste sch….. Pina Colada. Von mir aus mit frischer Ananas und ohne Sahne – mit Sahne wenn es der Gast UNBEDINGT möchte.

    „Vor allem ist die Anwendung unterschiedlich. Einen Old Fashioned am Strand passt genauso wenig wie eine Piña Colada in einer klassischen Bar.“

    Da bin ich anderer Meinung. Heißt das dein Gast abends an der Strandbar keinen OF von dir bekommt. Das ist mir alles zu eng. Der Ort, der Zeitpunkt oder die Stimmung die für zu einem bestimmten Drink paßt ist sehr individuell. Jedoch hat dies alles nichts mit Qualität zu tun.

    Herr Brandl:
    Zeitgenössisches Mixen heißt für dich was gerade angesagt ist. OK. Was ich oben schon kritisiere ist, das man deshalb das andere nicht mit Arroganz so abwerten muß.

    DOMINIK HABE GERADE EIN PROBLEM MIT MEINER TASTATUR

    ARROGANZ:
    WIRKLICH ARROGANTE GÄSTE HABE ICH SELTEN ERLEBT. EHER UNSICHERE IN JEDER BEZIEHUNG. VIELE WOLLEN JA AUCH AUS KOSTENGRÜNDEN LIEBER EINEN LONGDRINK, DAS DARF MAN NICHT VERGESSEN:

    RESTAURANTS:
    DEINEN EINWAND HABE ICH NICHT VERSTANDEN. ICH MEINTE, DASS ES FÜR DIE KÜCHE SCHWIERIGER IST AUF SPONTANE WÜNSCHE AUSSERHALB DER KARTE EINZUGEHEN, ALS UNS AN DER BAR.

    COCKTAILHYPE:
    ICH BEGRÜSSE DIE ENTWICKLUNG MIT EINSCHRÄNKUNGEN AUCH. ES GEHT NACH WIE VOR UM STEFFEN HUBERTS KRITIK AM VERHALTEN.
    ES GIBT ÜBRIGENDS EXZELLENTE WEINE MIT DEUTLICHER RESTSÜSSE. AUSSERDEM BEERENAUSLESEN UND TROCKENBEERENAUSLESEN ZUM NIEDERKNIEHEN GUT. ICH WILL AUF SIE NICHT VERZICHTEN. EIN SOMMELIERS DER SOLCHE WEINE NICHT ANBIETET VERSTEHT NICHTS VON SEINEM FACH.

    GRÜSSE

  22. Sarah Pohl

    Das muss noch einmal hervorgehoben werden:

    „wir sollten von diesem einem Beispiel nicht gleich das Bild des Bartenders so schwarz zeichnen“

    „Der Gastgeber sollte, nein muss die Hosen in seinem Laden anhaben. Nicht der Gast.‘

    Und diese Aussage von Joerg Meyer halte ich fuer besonders wichtig!

    „Wir servieren alles was Gäste wollen etc.“ halte ich für grob fahrlässig. Eine Bar sollte Ecken und Kanten haben, ein Profil.Im Angebot, sei erwähnt.“

    Jede gastronomische Einrichtung sollte ein vernuenftiges, zielorientiertes Konzept haben. In dem Fall, mein Barkonzept sollte mein gewuenschtes Guest Profil erreiche und „gluecklich“ machen.

    Wo ist meine Bar?

    In einem 5 Sterne Business Hotel, in einer Luxus Resort Anlage, am Strand oder in der City oder im Kuenstler – Szene Viertel?

    Macht es Sinn in einem Business Hotel die „scheiss beste Pina Colada“ ( allein diese Ausdrucksweise, weckt bei mir Unbehagen ) anzubieten ( gemeint ist damit das Auflisten auf der Karte ), wo die meisten Gaesten eher den 18 years old Malt anfiebern oder einen Rhum Agricole zu schaetzen wissen.

    Um das etwas uebertrieben zu sagen, ich moechte gar nicht alle Gaeste gluecklich machen! Eine gewisse Flexibilitaet sehe ich ein, ich kann und moechte aber nicht mein Konzept, meine Karte etc aendern, aufgrund von Gaesten, die mit „falschen Erwartungen“ in die Bar kommen.

    Die Konzentration liegt auf dem clientel, die mit „meinem“ Barkonzept gluecklich sind und die auch deswegen zu mir in die Bar kommen.

    Wenn jemand das 5 Rad neu erfunden hat, bitte Bescheid sagen. Und bitte beachten, dass die Bars und Restaurants mit einem unique, controversial und nicht 0815 concept erfolgreich sind.

    100% Agave Tequila sollte im speed shelve stehen!

    Und vor allem sollte es unter gar keinen Umstaenden „koerperliche Schmerzen“ bereiten, eine vernuenftige, gute Spirituose zu benutzen. Egal in welchem Drink!

    Dafuer gibt es wirklich null Toleranz von meiner Seiite. Ich will gar nicht erst wissen, wie die „scheiss beste pina colada“ dort zubereitet wird.

    Zu einem Old Fashioned gehoeren mehr technical skills. Dieser Drink geht 100% nicht in dieselbe Sparte wie Pina Colada, Cuba Libre etc.

    Das beide Drinks „ja zubereitet werden muessen“, waere eine laecherliche Argumentation.

    Currywurst muss gebraten werden, das Wagyu Beef auch. Zwei Welten!

    @horizont:

    „es ist deine Aufgabe als guterProfi, zumindest einmal dem Gast zu erklären, das Triple Sec eher als Gattungsbegriff zu verstehen ist, und Cointreau ebenfalls dazu gehört, aber eben der Beste ist. Wenn man das nicht oberlehrerhaft macht gewinnt man eher Stammgäste, die dazulernen, vertrauensvoller werden und ..und…und“

    Definitiv brauche ich keinen noch so gut gemeinten Ratschlag von Ihnen. Ich bin ueber meine Aufgaben sehr gut informiert und Ihren Titel was ein „guter Profi“ ist, mag ich auch nicht angelegt bekommen.

    „In Cafes wird man schon oft mit Du vom Service angesprochen, daß verinnerlichen die Gäste dann auch.“

    Ja, traurig und nicht professionell.

    Da werden die Unterschiede und Niveaus der jeweiligen Bars, Cafes etc klar. Ob das eine besser oder schlechter ist, kann zum Glueck jeder fuer sich entscheiden.

    @joerg meyer: bei den gordons straeubt es sich ja immer noch ein klein bisschen bei mir 🙂 werde es aber definitiv auf einen versuch ankommen lasse, wenn ich hamburg bin.

  23. horizont

    @ Sarah Pohl

    Zitat:
    „Auf der anderen Seite, hasse ich auch nichts mehr, als mich von Gaesten belehren zu lassen, was ein guter Drink ist und das Triple Sec besser ist als Cointreau…“

    „Definitiv brauche ich keinen noch so gut gemeinten Ratschlag von Ihnen. Ich bin ueber meine Aufgaben sehr gut informiert und Ihren Titel was ein “guter Profi” ist, mag ich auch nicht angelegt bekommen. “

    Liebe Frau Pohl ich verstehe nicht warum Sie an einer Debatte teilnehmen.

    Mit freundlichen Grüßen

  24. Jörg Meyer

    Wenn mir der Einwandt gestattet wird, frag ich mich eher warum ein Horizont hier so begrenzt ist und anonym an einer Debatte teilnimmt…

  25. Sarah Pohl

    DMJ : “Vor allem ist die Anwendung unterschiedlich. Einen Old Fashioned am Strand passt genauso wenig wie eine Piña Colada in einer klassischen Bar.”

    horizont : „Da bin ich anderer Meinung. Heißt das dein Gast abends an der Strandbar keinen OF von dir bekommt. Das ist mir alles zu eng. Der Ort, der Zeitpunkt oder die Stimmung die für zu einem bestimmten Drink paßt ist sehr individuell. Jedoch hat dies alles nichts mit Qualität zu tun.“

    Es fehlt ein wenig das Gefuehl und das Wissen fuer das Barkonzept. Ich denke, man kann sich einig sein, dass eine Strandbar und eine classic american cocktail bar deutliche Unterschiede aufweisen.

    Die Lage. Die Gaeste, somit die Nachfrage. Das Set up. Die Bar. etc etc.

    Eine Strandbar ist meistens Saison bedingt. Die Geschaeftsleitung will in den ca 5 Monaten, das meiste rausholen.

    Dementsprechend wird man wohl versuchen, die Bar voll zu bekommen und der Main Focus liegt auf „schnelle, einfache Drinks“ die fast jeder kennt, mag und popular sind.

    Ich wage sehr zu bezweifeln, dass die Nachfrage fuer einen Old Fashioned da ist. Zumal das auch von der Zubereitungszeit aufwaendig ist, der Drink somit late ist, die anderen Gaeste warten muessen…

    Der Gast moechte in dem Moment vielleicht einen Old Fashioned. Er moechte jedoch nicht lange warten, er will auch keine warmen, total deluted Old Fashioned trinken.

    Es geht nicht unbedingt darum, ob es „eng“ ist, es nicht anzubieten. Es macht teilweise keinen Sinn. Eine klassische Bar benoetigt deutlich mehr Set up, groessere Auswahl an Garnish, frische Saefte etc.

    Eine Strrandbar ist anders gestaltet, hat oft keine grosse Back Area, muss viel mehr auf Getraenke aus dem Kuehlschrank zurueckgreifen und so weiter.

    Es ist etwas eng gedacht, es negativ zu verurteilen, wenn man bestimmte Drinks eben nicht anbietet. Dahinter steht keine Arroganz, sondern Fachwissen und das Haendchen fuer die Operation.

    Ich bevorzuge es allemal einen Drink nicht anzubieten, als etwas zu servieren was Unzufriedenheit hervorrufen koennte.

    Der Gast macht sich keine Gedanken darueber, dass der Old Fashioned an Charakter und Geschmack verliert, wenn man ihn 30 min in der Hand haelt bei 35 Grad. Der sieht nur, dass der Drink nicht schmeckt.

    Selbst wenn das unflexibel wirkt, handle ich in dem Interesse vom Gast und versuche somit eine „unglueckliche Drink experience“ zu vermeiden.

    „Liebe Frau Pohl ich verstehe nicht warum Sie an einer Debatte teilnehmen.“

    Ich denke nicht, dass ich durch meine Aussage bezueglich des Cointreau, ein Bild von „don’t know what to do“ abgegeben habe.

    Deswegen fand ich Ihren Kommentar ueberfluessig und nicht angebracht.

    Verstehen muessen Sie das nicht.

    @joerg meyer : Danke fuer den Einwand.

  26. Dominik MJ

    Vielleicht ist die Diskussion hier gerade an einen Punkt angelangt, an der Sie recht persönlich wird.

    Jeder „Bar-Chef“ hat seine eigene Philosophie – ob er nun einen Cuba Libre, einen Old Fashioned oder eine Piña Colada anbietet, auf Wunsch zubereitet oder jedoch ablehnt.

    Es geht jedoch eher darum, was der Gast erwarten darf und kann und was nicht.

    Herr Meyer hat zum Beispiel sehr viel Lorbeeren für seine Bar in Hamburg eingeheimst – und das sicherlich nicht, weil er Long Island Iced Teas mixed.
    @Horizont: hast „Du Dir“ das „TED Spaghetti Saucen Video“ angeschaut?
    Das würde dem Verständnis dienen…

    IMHO sind wir noch weit von der Ernsthaftigkeit und Qualität des Restaurants-Business entfernt. Es gibt Ausnahmen – jedoch sind diese spärlich.
    Wenn man jedoch ein hehres Ziel verfolgt [„die Bar“ wesentlich zu verbessern] kann man nicht jedem Wunsch, jedes Anwesenden [und dazu gehören Bartender, Gäste, Diskussionsteilhaber 😉 ] nachkommen…

    Wenn es darum geht, zum Beispiel eine Piña Colada dem Gast zu verwehren, meine ich nicht die nächste 08/15 Bar – auch nicht vielleicht eine etwas bessere Bar. Jedoch ist es für eine Bar, die meint, sich dies erlauben zu können, legitim.

    Um auf Restaurants zurück zu kommen: schauen wir uns an, was El Bulli sich trotz sechsstelliger Wartelisten erlaubt hat:

    Schritt eins: das Lunch-Geschäft eingestellt.
    Schritt zwei: ein halbes Jahr schliessen.
    Schritt drei: das Restaurant ganz zu schliessen und eine neue Form der Gastronomie zu finden.

    Wo ist denn hier „der Gast König“? Angebot richtet sich nach Nachfrage? Nicht wirklich!

    Ähnlich verhält es sich, wenn [ich wiederhole mich sehr gerne] ein Gourmet Restaurant einen Burger auch nicht auf Wunsch anbieten möchte [obwohl alle Zutaten vorhanden sind].

    Der Gast hat es hier einfach- er kann in die nächst beliebige Bar gehen und seinen Drink bekommen.

    Und dann noch einmal zur Piña Colada und zum Old Fashioned:
    Am Strand wird wohl niemand einen Old Fashioned bestellen – die Bartender sind eventuell auch nicht imstande einen vernünftigen Cocktail zu zubereiten [ist oft der Fall].
    Aber dann kommen wir auf das übergrosse Thema Trinkkultur, die durch Persönlichkeiten wie Christina eher geschunden als unterstützt wird.

    Es ist etwas wunderbares und dies ist eines der Dinge, die meinem Job am liebenswertesten macht, wenn ich den richtigen Drink, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort anbietet kann; wenn ich dies auch erklären kann!
    Der einen Bar wird dies egal sein – Hauptsache der Gast ist happy… Die andere Bar versucht den Gast zu schulen, zu erklären und vielleicht sogar bestimmte Events oder Promotions auszurichten, in der ein bestimmter Drink angebracht ist.

    Na – wir sind ein wenig abgeschweift… natürlich da sind wir uns ja fast alle einig, geht es um das Verhalten im Einzelnen. Jedoch glaube ich, dass es gar nicht mal so verkehrt ist, dass mancher Gast an den „etwas eckigeren“ Bartender gelangt. Das belebt die Diskussion…

    Noch einmal @Horizont: Du bist nicht wirklich auf die Wechselwirkung von Servicenehmer und Servicegeber eingegangen. Wie schon gesagt: ich glaube nicht, dass die vorbildhaften Bars und Restaurants schlechten Service bieten. Ganz im Gegenteil.
    Jedoch bin ich fest der Meinung, dass die meisten Gäste schlechten Service verstärken – zum Beispiel durch „ich-weiss-es-besser-Atitude“ oder nicht zu vergessen dem „Geiz-ist-Geil Prinzip“.

    Ich bin schon seit einigen Jahren im Job – und ich sehe auch nicht [mehr] jung und unerfahren aus.
    Jedoch heutzutage kommt es noch vor, dass deutsche Gäste mir erzählen wollen, dass ich meine Arbeit nicht beherrsche, da ich z.B. weissen anstelle braunen Zucker im Mojito benutze.
    Um dies noch einmal zu verdeutlichen: die Gäste fragen nicht unsicher! Sie stellen fest; sie nehmen in Anspruch, über mich zu richten!

    In solchen Situationen muss ich mich wirklich zusammenreissen, freundlich zu bleiben, zu lächeln und nicht arrogant zu wirken. Tatsächlich hat es länger gedauert diese Geduld und Ruhe zu erlernen, als einen vernünftigen Drink zu mixen; und ich bin nicht sicher, ob es mir tatsächlich gelingt, in solchen Situationen meine Emotionen zu verbergen…

  27. horizont

    Hallo Dominik MJ,

    vielen Dank für deinen konstruktiven Text, daß ist die Art wie ich mich gerne auseinandersetzen möchte. Denn ich kann – im Gegensatz zu manch anderen – auch noch dazulernen. Das meiste – außer das offensichtliche Mißverständnis meiner Aussagen – kann ich unterschreiben. Darf ich meine Position noch mal kurz darstellen, auch für jene, die vielleicht noch einen Kommentar hinzufügen wollen.

    Zitat:

    „Vielleicht ist die Diskussion hier gerade an einen Punkt angelangt, an der Sie recht persönlich wird.“

    Nicht vielleicht, sondern bestimmt. Danke

    „Jeder “Bar-Chef” hat seine eigene Philosophie – ob er nun einen Cuba Libre, einen Old Fashioned oder eine Piña Colada anbietet, auf Wunsch zubereitet oder jedoch ablehnt.“

    Das ist unbestritten. Ich habe dies unterstrichen mit dem Beispiel von Herrn Meyer, der wie hörte keinen Aperol Sprizz mehr anbietet. Er hat seine Gründe, allerdings steht es mir nicht zu sie zu interpretieren. Persönlich habe ich großen Respekt vor einer solchen Entscheidung. Nicht viele würden für ihr Konzept ein so angesagtes und profitables Getränk rausnehmen.

    Desweiteren habe ich mehrmals in meinem Post geschrieben, daß z.B. die Zubereitung einer Pina stattfinden kann, wenn es ins Konzept paßt. Wie könnte ich noch deutlicher schreiben. Ich bin unzweifelhaft auch der Meinung,

    daß man nicht „alles“ auf der Karte haben kann und muß
    daß man selbstverständlich auch einen Sonderwunsch abschlagen kann

    Der Schwerpunkt meiner Kritik lag darin, daß es aufgrund der „Classic-Welle“, gerade Mode ist, als Paradebeispiel keine Pina zubereiten zu wollen und dies in der Annahme es sei „unter der Würde“ eines guten Bartenders. Ehrlich DominikMJ – sehe ich das falsch?

    Ich jedenfalls sehe dies anders. Für mich hat es ein Drink der seit Jahrzehnten immer zu den beliebtesten Getränken gehört, verdient als Klassiker gewürdigt zu werden. Ob man ihn allerdings im eigenen Konzept passend sieht ist eben eine andere Frage.

    Zitat:
    „Herr Meyer hat zum Beispiel sehr viel Lorbeeren für seine Bar in Hamburg eingeheimst – und das sicherlich nicht, weil er Long Island Iced Teas mixed.“

    Meine Meinung zum LIIT habe ich oben schon geschrieben.

    Zitat:
    „@Horizont: hast “Du Dir” das “TED Spaghetti Saucen Video” angeschaut?
    Das würde dem Verständnis dienen…“

    Nein habe ich leider noch nicht. Mach ich aber noch. Ich denke aber, daß ich dich durchaus verstanden habe.

    Zitat:
    „IMHO sind wir noch weit von der Ernsthaftigkeit und Qualität des Restaurants-Business entfernt. Es gibt Ausnahmen – jedoch sind diese spärlich.“

    Sehe ich genauso

    Zitat:
    „Wenn man jedoch ein hehres Ziel verfolgt [„die Bar“ wesentlich zu verbessern] kann man nicht jedem Wunsch, jedes Anwesenden [und dazu gehören Bartender, Gäste, Diskussionsteilhaber 😉 ] nachkommen…“

    Kann ich nicht widersprechen. Jeden Wunsch eh nicht. Wobei für mich „die Bar verbessern“ eben nicht unbedingt heißen muß keine Pina zu machen. Es hängt – ich wiederhole mich zum besseren Verständnis – vom Konzept ab. Was mich stört ist die oben erwähnte Einstellung.

    Zitat:
    „Wenn es darum geht, zum Beispiel eine Piña Colada dem Gast zu verwehren, meine ich nicht die nächste 08/15 Bar – auch nicht vielleicht eine etwas bessere Bar. Jedoch ist es für eine Bar, die meint, sich dies erlauben zu können, legitim.“

    Nichts anderes denke ich auch.

    Zitat:
    „Um auf Restaurants zurück zu kommen: schauen wir uns an, was El Bulli sich trotz sechsstelliger Wartelisten erlaubt hat:

    Schritt eins: das Lunch-Geschäft eingestellt.
    Schritt zwei: ein halbes Jahr schliessen.
    Schritt drei: das Restaurant ganz zu schliessen und eine neue Form der Gastronomie zu finden.
    Wo ist denn hier “der Gast König”? Angebot richtet sich nach Nachfrage? Nicht wirklich!“

    Ferran Adrià ist die ganz, ganz große Ausnahme in der Gastronomie. Aber das weißt du selbst, sonst hättest du dieses Beispiel nicht gewählt. Er ist Visionär und Perfektionist und Monopolist in einer Person. Bei seinem Konzept ist alles vollkommen klar für den Gast. Der Gast weiß, daß sich Adrià eben ein halbes Jahr zurückzieht um sein neues Menü zu entwickeln. Kein Mensch reist nach Spanien, zahlt ein Vermögen und wünscht dann eine Veränderung bei so einem Menü. Es gibt nichts vergleichbares. Aber du weißt auch er ist mit seiner Art zu kochen, selbst bei den anderen Großen der Kochkunst nicht unumstritten. Unvergleichbare Ausnahme.

    Zitat:
    „Der Gast hat es hier einfach- er kann in die nächst beliebige Bar gehen und seinen Drink bekommen.“

    Erstens diskutieren wir hier ja einen Fall, der nur auf eine Minderheit der Gäste zutrifft. Und ich glaube kaum ein Gast würde eine Bar wechseln, nur weil er jetzt vielleicht seinen Lieblingsdrink bekommt. Dafür gibt es zuviel gute Drinks als Alternative.

    Zitat:
    „Und dann noch einmal zur Piña Colada und zum Old Fashioned:
    Am Strand wird wohl niemand einen Old Fashioned bestellen –

    Ich weiß es nicht. Meine oben dargestellte Überzeugung ist, daß für jeden Menschen der Ort, Zeitpunkt oder die Stimmung zu welchem er seinen bestimmten Cocktail – in unserem Beispiel – Old Fashioned drinken will individuell ist. Ich maße mir nicht an jemanden vorzuschreiben, daß er an der Strandbar – ich meine keinen Kiosk – keinen OF drinken darf, weil unpassend.

    Viele Jahre hat man uns sehr restriktiv erzählt wie und wann man einen bestimmten Wein trinken darf. Das ist heute anders.

    Übrigends hatte ich oben geschrieben, „Heißt das dein Gast abends an der Strandbar keinen OF von dir bekommt.“
    Ich betone aaabends.
    Frau Pohl hat es – freundlich ausgedrückt – offenbar überlesen und spricht von 35 Grad im Schatten.

    Zitat:
    „die Bartender sind eventuell auch nicht imstande einen vernünftigen Cocktail zu zubereiten [ist oft der Fall].“

    Da tust du vielen Kollegen unrecht.

    Wenn in einer Strandbar eine Margarita, ein Gimlet, ein Cosmopolitan, ein Mojito, ein Mai Tai, ein Singapore Sling angeboten wird, bin ich überzeugt, daß der Kollege auch einen OF schafft.

    Zitat:
    „Aber dann kommen wir auf das übergrosse Thema Trinkkultur, die durch Persönlichkeiten wie Christina eher geschunden als unterstützt wird.“

    Einige Aussagen finde im Kern absolut berechtigt.

    Zitat:
    „Es ist etwas wunderbares und dies ist eines der Dinge, die meinem Job am liebenswertesten macht, wenn ich den richtigen Drink, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort anbietet kann; wenn ich dies auch erklären kann!“

    Ich interpretiere das so: Du versuchst herauszufinden was einem unentschlossenen Gast gerade schmecken könnte. Du berätst ihn. Und der Gast ist glücklich und zufrieden. So soll es sein. Traumhaft.
    Wenn aber ein Bartender (allgemein), und das war eigentlich der Ausgangspunkt , glaubt der Einzige zu sein, der den richtigen Drink, Zeit und Ort kennt und der Gast nur noch da ist um seine Genialität zu bestätigen dann hab ich ein Problem damit.

    Zitat:
    „Der einen Bar wird dies egal sein – Hauptsache der Gast ist happy… Die andere Bar versucht den Gast zu schulen, zu erklären“

    und genau dieses schulen und erklären darf nicht in Überheblichkeit, Bevormundung und fehlende Emphatie ausarten. Diese Erfahrung hat offensichtlich Herr Hubert gemacht, aber auch viele andere und ich selbst natürlich auch – und das eben nicht einmal oder zweimal.

    Zitat:
    „Na – wir sind ein wenig abgeschweift… natürlich da sind wir uns ja fast alle einig, geht es um das Verhalten im Einzelnen.“
    Jedoch glaube ich, dass es gar nicht mal so verkehrt ist, dass mancher Gast an den “etwas eckigeren” Bartender gelangt. Das belebt die Diskussion…“

    Ja, aber dann muß der Bartender eben auch Lust haben auf eine Diskussion und nicht genervt reagieren.

    Zitat:
    „Noch einmal @Horizont: Du bist nicht wirklich auf die Wechselwirkung von Servicenehmer und Servicegeber eingegangen. Wie schon gesagt: ich glaube nicht, dass die vorbildhaften Bars und Restaurants schlechten Service bieten. Ganz im Gegenteil.“

    Ich hoffe ich kann mit Ende dieses Kommentars meine Position nochmal verdeutlichen. Ich bin auf das eingegangen was hier geschrieben wurde und hoffte einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion zu leisten. Die Wechselwirkungen sind mir sehr wohl bekannt, da ich, wie oben erwähnt, u. a. schon 10 Jahre in der Ausbildung von Dienstleistern tätig bin.

    Zitat:
    „Jedoch bin ich fest der Meinung, dass die meisten Gäste schlechten Service verstärken – zum Beispiel durch “ich-weiss-es-besser-Atitude” oder nicht zu vergessen dem “Geiz-ist-Geil Prinzip”.

    Wenn ein Service schlecht ist, liegt es erstens mal an der Person selbst (mangelnde Eigenmotivation, Lernbereitschaft, Dienstleistungmentalität etc), zweitens am Vorgesetzten der zu wenig Wert auf Qualität legt.

    Ich habe oben versucht darzustellen, daß es die Sache des Profis ist mit solchen Situationen optimal umgehen zu können. Hier hakt es an der Ausbildung. Die ganz jungen an der Bar lernen gerade einen Manhattan mit Rye bzw. Bourbon zu mixen. Das dies vor wenigen Jahren noch anders war, muß in der Ausbildung von den älteren Kollegen an die Jungen kommuniziert werden.
    Beispiel: Noch vor nicht allzulanger Zeit wurde der Manhattan (hier in Deutschland nicht in den USA) mit Canadian gemixt. Warum? Schau mal in die älteren Ausgaben der „Fachbücher“ Schumann, Brandl, Gabánji und etliche andere. Allesamt anerkannte Meister ihres Fachs. Mehr oder weniger alle Profis haben sich (bis heute) auf diese Rezepte gestützt. Natürlich sind die dort enthaltenen Rezepturen auch deutschlandweit in die Boulevardpresse, Magazine, Billig-Cocktailbücher etc. gewandert. Jetzt weiß natürlich auch unser Gast wie man einen Manhattan zubereitet. Er hat ja das Schumann-Rezept (ich liebe Schumann-allerdings hadere ich mit den stark veränderten Klassikern) „gelernt“. So jetzt kommt unser Gast mit dem berühmten Schumannrezept im Kopf und da steht so ein „junger Hupfer“ und will ihm da was anderes reinschütten. Da will der Gast halt gleich seine Sachkenntnis beweisen und zeigen, daß man ihn nicht über den Tisch ziehen kann. Das er als Kenner betrachtet werden will, wenn er schon einen Klassiker bestellt. Er weiß nicht, daß heute die Verfügbarkeit von Spirituosen weitaus größer ist. Das es neue wunderbare Produkte gibt, das tausende von einem „back to the roots“ und Qualitätsvirus befallen sind, das es viele kreative Leute gibt die dem Thema neues Leben einhauchen und eben die Barkultur verbessern wollen. Heute stürzen sich alle (positiv) auf die wieder leicht erhältlichen alten Rezepte und natürlich hat eine Zeitschrift wie Mixology ebenfalls ihren Anteil daran. Das alles gehört zu den Wechselwirkungen dazu. Dies und noch mehr muß vermittelt werden. Und wenn die Erkenntnis über das „Warum ist der Gast so“ bei den Profis (die das beruflich machen) und die richtige Einstellung vorhanden ist , dann ist man hoffentlich auch nicht mehr genervt, sondern verpackt seine „Gäste-Schulung“ in eine kleine Geschichte und beide fühlen sich hoffentlich wohl. Ich habe versucht mich so kurz wie möglich zu halten und will dich oder niemand anders belehren (nur das dies nicht wieder von jemanden mißverstanden wird). Das ist nur ein Beispiel kann aber auf andere Mixturen übertragen werden. Das trifft natürlich nicht auf alle Gäste zu – Dr. Ebert hat das in seinem Kommentar wunderbar formuliert.

    Zitat:
    „Ich bin schon seit einigen Jahren im Job – und ich sehe auch nicht [mehr] jung und unerfahren aus.
    Jedoch heutzutage kommt es noch vor, dass deutsche Gäste mir erzählen wollen, dass ich meine Arbeit nicht beherrsche, da ich z.B. weissen anstelle braunen Zucker im Mojito benutze.
    Um dies noch einmal zu verdeutlichen: die Gäste fragen nicht unsicher! Sie stellen fest; sie nehmen in Anspruch, über mich zu richten!“

    Ich verweise auf mein Manhattan Beispiel. Die Gäste kennen, daß was viele Profis jahrelang vorher Ihnen zubereitet und verkauft haben. Wenn man Ihnen jetzt nur sagt: „das war falsch“ fühlen die sich natürlich beschissen. Im Zweifelsfall denkt der Gast als Selbstschutz lieber, der „hinter der Theke hat doch keine Ahnung, der will mir den billigen weißen Zucker, statt den besseren (Naturbelassen, gesünder, aromenreicher, teurer) andrehen. Die zig Bartender die mir immer den Caipi gemacht haben, können doch nicht alle von gestern sein.
    Simpel aber so ist es.

    Zitat:
    „In solchen Situationen muss ich mich wirklich zusammenreissen, freundlich zu bleiben, zu lächeln und nicht arrogant zu wirken. Tatsächlich hat es länger gedauert diese Geduld und Ruhe zu erlernen, als einen vernünftigen Drink zu mixen; und ich bin nicht sicher, ob es mir tatsächlich gelingt, in solchen Situationen meine Emotionen zu verbergen…“

    Vielleicht konnte ich mit dem Beispiel einen Beitrag leisten, damit du den Gast noch besser verstehst. Was du beschreibst ist eben auch das Schwierigste an der Dienstleistung. Und daran macht sich auch Qualität bemerkbar. Eine etwas schlechtere Qualität erträgt der Gast in der Regel besser, als belehrt zu werden.

    Wir sind wieder beim Ursprung. Es geht um das Wie.

    @Joerg Meyer
    Sehr geehrter Herr Meyer, daß ich wie Zig-Millionen andere im Netz akzeptierterweise einen Nickname benutze hat hoffentlich nichts mit der Qualität meiner Beiträge zu tun und der Bereitschaft ihrerseits darauf zu einzugehen.

    Da Sie zweifellos wesentliches zu (je-)der Debatte hier beitragen könnten, bin ich doch stark verwundert, daß Sie so eine Nebensächlichkeit hier erwähnen. Da wären mir ein paar Sätze zum Thema lieber gewesen. Das ein Nickname Sinn machen kann – wenn er denn ins Konzept paßt, wie eine Pina Colada – sollte jedem selbst überlassen werden. Wenn Sie sich hier als „Johnnie Amaretto“ einloggen würden, wäre mein Respekt gegenüber Ihren Beiträgen trotzdem nur vom Inhalt abhängig.

    Mit freundlichen Grüßen

  28. Dominik MJ

    @horizont

    Erst einmal muss ich Herrn Meyer recht geben. Das Internet ist nicht gleich dem Mixology Forum. Selbst wenn man seinen Nickname benutzt, kann man doch ebenso klar machen, wer man ist…

    Ihre Antwort war mir ein wenig zu spitzfindig. Dazu sind nur wenige Dinge zu sagen, die nicht wieder ins Haarspalterei fuehren…

    • Zum ersten: es ist nicht Pina [Ananas] – der Drink heisst „Strained Pineapple“…

    • Nein in den meisten Strandbars bekommt man keine vernuenftigen Drinks [ich kenne keine]. Weder einen Old Fashioned, noch einen Singapore Sling, eine Margarita und auf keinen Fall einen vernuenftigen Mai Tai. Strandbar in meinen Augen ist eher Junkfood als Gourmet…

    • Herr Adria ist eine Ausnahme im Entgegensteuern von kommerziellen Gastwuenschen, ja. Jedoch findet man Aehnliches in jedem Michelin und/oder Gault Millau und andere ambitionierte Restaurants weltweit!

    • Der Gast als Gewohnheitstier – ja das stimmt. Auf der anderen Seite gibt es ihm nicht das Recht, dem fachlichen Gegenueber die Fachkundigkeit abzusprechen. Dann sind wir wieder bei dem Punkt, dass der Gast doch bitteschoen Gast sein soll. Wer irgendwo privat eingeladen wird und an dem Dargereichten herummaekelt – weil er es wo anders anders gesehen hat, wird nicht sehr beliebt sein und beim naechsten mal „ausgelassen“.

    Und das ist gerade der Grund, warum einige Bartender so empfindlich auf besser-wissende Gaeste reagieren. Wenn ein Gast so ist – fair enough – es gibt genug Trottel. Wird man jedoch regelmaessig damit konfrontiert, ist fast jeder genervt und reagiert mit Ablehnung.

    • Diese Diskussion ist fuer mich dann auch am Ende angelangt. Du bist der Meinung, dass es zu viele arrogante Bartender gibt – ich nicht. Ich meine, dass eher die Konsumenten, fuer ihre eigenen Servicewueste verantwortlich sind – Du nicht.
    Du gestehst dem Gast Selbstschutz zu und ich verlange vom Gast einen Mindestsatz von Hoeflichkeit und Angemessenheit.
    Du bist sein Jahren in der Schulung von Dienstleistern zustaendig – ich bin seit Jahren in der Bar und im Bar- und Beverage Management.

    Das sind unterschiedliche Ansatz- und Ansichtsweisen- und lassen sich nicht ausdiskutieren.

    Mir geht es vor allem um Bars, die das Fach voranbringen. Und das funktioniert [jedenfalls bei den Speerspitzen der Zunft] nicht durchs anbieten von „zweifelhaften Beach Cocktails“.

    Am Ende geht um die „Market-/ oder Gaeste-Segmentierung“ von Bars.
    Es ist wichtig, dass auch der „mehr oder weniger arrogante Bartender“ versteht, welche Gaeste zur Zielgruppe gehoeren. Und was die Zielgruppe will…

  29. horizont

    Hallo Dominik MJ,

    möchte dann den Austausch auch nicht in die Länge ziehen, wenn aus deiner Sicht alles gesagt ist. Vielen Dank. Nur den ersten Punkt mit der Pina Colada deines letzten Posts habe ich nicht verstanden. Sei’s drum.

    Übrigends finde ich Oliver, Carsten oder Dominik MJ auch nicht besonders aussagekräftig. Horizont ist vielleicht etwas unpersönlicher. Das ist für mich aber wie erwähnt nicht wichtig und ich habe auch kein überzeugendes Gegenargument gehört. Ich halte mich lieber an Inhalte.

    Zur Ehrenrettung meiner Kollegen an den guten Beachbars hier nur ein Link:

    bei klick auf „The Bar Lounge“ erscheint die Karte die man oben links steuern kann.
    bei klick unten rechts auf „Voir la visite virtuelle“ und dann oben rechts (kleine Bildchen) läßt sich im 360° Blick auch die Beachbar schön ansehen.

    Mögen andere darüber urteilen, ob es sich hier um „zweifelhafte Beach Cocktails“ handelt. Auf ein Rezept möchte ich allerdings hinweisen, den Mai Tai. Liest sich wie Victor Bergerons Rezept.

    So jetzt fängt meine Schicht an. Hinter dem Tresen.
    Viel Spaß an alle Kollegen.

    horizont

  30. Joerg Meyer

    @Horizont

    es ist hier bereits alles gesagt … aber um auf die Frage kurz zu antworten: Die „Nebensächlichkeit“ habe ich hier erwähnt, weil Ihr Kommentar in Richtung Frau Pohl mir, gerader aus dieser Ihrer Position heraus, unangebracht erscheint.

    Man sollte es aber nicht überbewerten.

    Darüber hinaus: Millionenfach ist kein Gütesiegel. (da könnte man jetzt Parallelen zur Pina Colada ziehen, aber lassen wir das…).

    Nicknamen haben nichts mit „Konzept“ zu tun, sondern sind meiner Meinung nach einfach unangebracht. Wer etwas zu sagen hat, schreibt seinen Namen drunter oder schweigt. Meine Meinung. Da kann die Qualität des Geschriebenen gut oder schlecht sein, eine Diskussion mit „Anonymen“ Beitragenden, habe ich mir einfach abgewöhnt. Wir werden hier nicht in Gesägt kommen. Ich habe, man möge es mir verzeihen, keinen „Respekt“ vor anonymen Beitragenden.

    Gruß

    Jörg Meyer

  31. Matthias Straka

    Hallo an Alle,

    gratuliere euch zum „gefundenen Ende“, war wirklich gut zu lesen ;), Danke Matthias

  32. Christina Schneider

    Ich schinde die Trinkkultur…wie süß. Das hat nun wirklich noch niemand zu mir gesagt…

  33. Britta Jordan

    Wer´s noch nicht gelesen haben sollte, die Zeit muss sein:

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