Heimattrinker. Der Trend zur Regionalität.

Debatte 15.8.2013 1 Kommentar

Kleine Destillerien, unabhängige Spirituosen-Start-ups und ihre innovativen Produkte boomen. Was oftmals als regionales Phänomen mit Unterstützung und Beliebtheit bei wenigen lokal verwurzelten Anhängern begann ist heute in vielen Fällen ein Erfolgsmodell.

Kleine Brennereien, zu Beginn mit ihren Produkten meist nur in lokalen Wirtschaften vertreten, bereichern inzwischen die Backboards der Republik. Sei es The Duke aus München, The Ostholsteiner Doppelkorn aus dem hohen Norden oder die Produkte der Preußischen Spirituosen Manufaktur in Berlin. Die Nischen in der Gastronomie schließen sich. Zwar bleibt die klassische Spirituose im Speedrack vorerst eine der üblichen verdächtigen Marken, die Diversität einer Bar ist gekennzeichnet von Boutique-Produkten.

Den Grund dafür sieht Daniel Schönecker, Mitgründer der Münchener The Duke-Destillerie, unter anderem im „Trend zurück zur Regionalität“, aber auch Sympathie zum jeweiligen Produkt und die Qualität seien entscheidend. Zudem wird Aspekten wie Nachhaltigkeit, regionaler Herkunft und diversen Bio-Zertifizierungen zunehmende Bedeutung geschenkt. Es interessiert den Verbraucher, was er konsumiert, woher es kommt und welche Zutaten im Produkt stecken.

Vieles dabei erinnert an die stätig rollende Welle der Craft Biere aus den Vereinigten Staaten. Der Verbraucher ist allmählich sensibilisiert für die neuen Wege und wendet sich in der Breite vom großen Hersteller zum Boutique-Produzenten.

Eine „interessante Vielfalt, sowohl für Bartender als auch Privatpersonen“ ist die Folge, wie es Schönecker zusammenfasst. Eine neue Vielfalt, die den Markt auffrischt und in einer Entwicklung resultiert, die auch den großen Spirituosen-Multis nicht entgeht, herrscht schließlich stetiger Innovationsdruck in der Branche.

Der Gigant Diageo etwa versucht sich im Crowdsourcing. Bis Mitte März dieses Jahres war es Bartendern des World Class-Programms möglich die Idee für eine eigene Spirituose einzureichen. Das beste Konzept wurde Jinzu, ein Sake Gin von Dee Davis. Vom Barmann für den Barmann.

Wie groß ist der Kuchen?

Auch der Konkurrent Pernod Ricard hat den Trend erkannt. Seit Anfang des Jahres versucht sich der Weltkonzern im Berliner Kiez als autonomes Start-up. Mit Our/Berlin produziert die Agentur Paul Sanders im Auftrag des Unternehmens einen Kreuzberger Vodka der vom szenigen Charme der Großstadt profitieren soll. Dabei greift man in der kleinen Destillerie auf Know-how aus dem Hause Absolut – ebenfalls zu Pernod Ricard gehörend – zurück, nutzt aber bewusst andere Vertriebswege und möchte insbesondere in lokalen Clubs und Bars einen Platz in den Backboards finden. Gelingt der nachhaltige Schritt vom Großkonzern zur kleinen Vodka-Schmiede in Berlin, soll das Konzept ebenfalls in anderen Städten umgesetzt werden. Global wird lokal.

Dabei ist der Boom individueller kleiner Destillerien, wie so oft, kein europäisches Einzelphänomen. Auf der anderen Seite des großen Teichs, in den Vereinigten Staaten, wuchs die Zahl von unabhängigen „Craft Destilleries“ von 24 im Jahr 2000 auf mehr als 230 im Jahr 2011. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Gerade im Whiskey-Segment werden jenseits des Atlantiks alte Traditionen, wie ungelagerter White Dog, neuentdeckt und wiederbelebt.

Diese allgemein erfrischende Kreativbewegung im Spirituosenmarkt geht einher mit einer global wachsenden Trinkkultur. Mit steigendem Anspruch von Bartendern und Gästen, versuchen innovative Köpfe das Business mit ihren Produkten zu bereichern. Sympathie und Qualität werden zu Aushängeschildern in einer Sparte, die ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. „Der Kuchen wird nicht größer, ist aber immer noch groß genug, damit viele davon profitieren“, resümiert Daniel Schönecker. Er rechne zukünftig mit einigen Umstrukturierungen der Brennereilandschaft in Deutschland, die Auswahl dabei trifft am Ende allein der Konsument.

 

Bildquelle: aboutpixel.de / Wärme flüssig © Thomas Fürböter

Ein Kommentar

  1. Alfredo

    ich hab durst

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