Richtig bewerben – Wie wird man Bartender oder Barkeeper?

Debatte 15.3.2010 5 comments

Wie findet man einen Job als Bartender? Nicht indem man seine Botschaft in den Wind streut. Ein kleiner Leitfaden für den erfolgreichen Berufeinstieg ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Nichts ist oder erscheint schwieriger als der Einstieg in einen Beruf. Diese Erfahrung muss jeder junge Mensch machen. Man steht draußen vor einer vermeintlich hermetisch verriegelten Tür und möchte hinein in das Gebäude voller Wissen, Möglichkeiten und Verdienst. Aber wenn man niemanden kennt in diesem Gebäude, findet man keinen Schlüssel, keinen Code, der einem den Zutritt ermöglicht.

Nachdem in letzter Zeit wieder ein paar „Blindflugbewerbungen“ in unserem Job-Pfad veröffentlicht worden sind, erscheint ein kleiner Ratgeber in Form eines Blogbeitrages sinnvoll. Wieso schreibe ich Blindflugbewerbungen? Weil man ganz klar sagen kann, dass die Resonanz auf eine solche Passivbewerbung in der Gastronomie gleich null ist.

Es mag andere Branchen geben, in denen jemand mit Berufserfahrung seine Person als Produkt öffentlich mit Erfolg ausschreiben kann. Die Zahnarzt-Branche scheint so ein Fall zu sein, wie ich kürzlich erfuhr. Die Tür in die Bar wird sich so auf keinen Fall öffnen. Und schon gar nicht einem Novizen ohne jede Berufserfahrung.

Ein Bartender schrieb mich kürzlich sogar persönlich an, nachdem sein hyperöffentliches, digitales Gesuch offenbar keine Resonanz ausgelöst hatte. Meine Antwort war:

„Wo genau möchtest Du überhaupt arbeiten?“

Es folgte…..keine Reaktion mehr.

Nur mit gezielter persönlicher Ansprache kann es gelingen, einen Praktikumsplatz oder eine Stelle als Commis de Bar zu bekommen. Wie kann diese Ansprache aussehen? Der erste Schritt ist die Selbstanalyse, was sicher keine einfache Aufgabe ist für jemanden, der sich in einen Beruf hineintasten will.

Was für eine Person bist Du?

Nicht jeder Typ passt in jede Bar. Versuche daher Dich selbst zu spiegeln. Welche Art von Gastronomie liegt Dir? Magst Du eher eine lockere oder formelle Ansprache?  Schau Dir in der Stadt, in der Du arbeiten möchtest, die Bars genau an. Hotelbars, Clubbars, Szenebars und freie klassische Bars. Achte darauf, wie die Mitarbeiter miteinander und mit ihren Gästen umgehen. Entscheide Dich, in welcher Art von Bar Du arbeiten möchtest. Bewirb Dich gezielt in dieser Kategorie Bars.

Wie bewirbst Du Dich?

Schau persönlich in den für Dich interessanten Konzepten vorbei und sprich die verantwortlichen Personen im betreffenden Lokal direkt an. Vermeide dabei, zu Stoßzeiten aufzutauchen. Das ist unprofessionell.  Ich erinnere mich an ein Telefonat mit dem extrem rüden Tageschef eines Ganztageskonzeptes in London, das von seiner Seite in einer Schimpfkanonade endete. Dabei hatte ich nur auf eine Zeitungsanzeige hin angerufen. Offenbar zur falschen Zeit. Gelernt, gemerkt.

Den persönlichen Kontakt suchen

Der Versuch, den persönlichen Kontakt herzustellen, ist enorm wichtig und kann Dir den entscheidenden Vorteil vor anderen Bewerbern vermitteln. Bekannte und gut laufende Läden haben wöchentlich Stapel von Bewerbungen auf dem Tisch liegen. Die für die Einstellung von Personal zuständigen Personen sind teilweise von Bewerbungen fachfremder Personen extrem angenervt. Vermittle daher in höflicher Ansprache Dein Interesse. Selbst wenn die Bar, in der Du mit dem Personal sprichst, keinen Bedarf hat, bekommst Du vielleicht einen wertvollen Tipp über eine freie Stelle anderswo.

Kannst Du kellnern?

Bedauerlicherweise sehen viele Bartender das Kellnern als eine niedrigere Form des Barberufes an. Es sind meist solche, die den direkten Einstieg in die Bar schafften. Zu ihrem eigenen Nachteil. Ein Bartender, der die Abläufe in den Räumen, für die er das Getränkeangebot herstellen muss, nicht kennt, kann sein Angebot nicht optimal darauf abstimmen.

Erstaunt las ich bei Phil Duff, als er über seinen Ausstieg aus Door 74 schrieb, dass er erstmals in dieser Bar das Tablett in die Hand genommen hat („It’s cool to be a waiter“). Die Ehrlichkeit, mit der er dies beschrieb, zeigt aber wiederum seine Professionalität. Er akzeptierte, dass er auch als erfahrener und vielgereister Barprofi noch etwas zu lernen hat. Denn wahre Meister lernen ewig.

Wie kam er zu der Erkenntnis? Ich vermute, es war als Miteigentümer der Bar das direkte Betreuen der Gäste als Gastgeber, das ihn dazu brachte. Wer herausfinden will, ob er mit Gästen umgehen kann – und bedauerlicherweise stellen sich viele in der Gastronomie arbeitende Menschen diese Frage nicht – kann dies nah am Gast, im direkten Service erfahren.

Die Bar macht die Drinks, verkauft werden sie im Gastraum.

Die Bar macht die Drinks, verkauft werden sie im Gastraum. Wo hat eine Bar die meisten Sitzplätze? In über 80% der Fälle nicht am Tresen. Mehr braucht es nicht, um aufzuzeigen, wie wichtig die Position des Kellners in der Bar ist. Als Barkellner lernt man das direkte Eingehen auf die Bedürfnisse unterschiedlichster Menschen. Man lernt die Cocktails und Spirituosen kennen. Und man lernt vor allem das Verkaufen.

Ganz ehrlich? Bartending ist eine leichte Aufgabe, sobald man das Getränksortiment beherrscht. Die wahre Königsklasse ist das Kellnern. Nachdem ich nach einigen Jahren Bartending in Managment-Positionen aufrückte, lernte ich die Tätigkeit, mit der ich in der Gastronomie begann, neu entdecken. Begrüßen, platzieren, betreuen, unterhalten, helfen. Und auch wieder verabschieden. Komplex, anstrengend – aber effektiv. Nirgendwo spürt man so direkt den großartigen Hebel des Verkaufens, der einen Laden in der Gewinnzone hält.

Die Widder Bar in Zürich, die mit die besten Bartender im deutschsprachigen Raum ausbildet, ist ein Beispiel dafür, dass ein Betrieb den Gastraum achtet. Dort muss jeder Bartender den harten Weg durch die Hierarchie gehen. Man fängt als Barkellner an und muss sich mit Geduld und Interesse die erste Schicht an der Bar erarbeiten. Das kann mitunter dauern.

Man kann auch nicht in jedem Betrieb vom Barkellner zum Bartender aufsteigen. Das Wissen, das man als Barkellner in Betrieb A erworben hat, kann aber durchaus als Referenz in Betrieb B das Anstellungskriterium sein. Dort macht der Neueinsteiger möglicherweise am Montag und Dienstag die Barschicht und wechselt an den starken Tagen der Woche als Barkellner in den Gastraum.

Kommunikation ist das Rückgrat des Bartenderberufes

An dieser Stelle möchte ich mein Plädoyer für die Achtung des Barkellnerberufs beenden, indem ich in genau diesem Zusammenhang auf die Essenz der Branche hinweise. Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg. In offener Ansprache erschließen sich einem Kontakte. Der Abwartende wird sie nicht bekommenn.

Kommunikation am Gast macht den Bartender zu einem erfolgreichen Verkäufer. Es ist also am Anfang einer Karriere enorm wichtig, gerade hierauf den Fokus zu setzen. Und nicht nur auf die neueste Sazerac-Variante mit dem neuen Creole Bitters von TBT, die man in Blog XYZ aufgeschnappt hat.

Ein Barbetreiber möchte interessante Persönlichkeiten in seinem Team haben, die Gäste binden können. Als Novize solltest Du ihm durch Dein Auftreten daher beweisen, dass Du genau so eine Person bist oder Dich zu einer entwickeln kannst. Dann wirst auch Du vielleicht irgendwann unter den Siegern einer Cocktail Competition sein, wie die drei Bartender oben, oder gar die Jacke eines Traveling Mixologist tragen, dem andere Bartender hochachtungsvoll auf den Shaker starren.

Und unter uns: nicht alle der Traveling Mixologists waren und sind besonders gute Kommunikatoren am Gast. Aber sie kannten Leute, haben sich vernetzt und ihr Können an die richtigen Orte getragen. Tue es ihnen gleich, motivierter Barnovize, statt Deine Botschaften ziellos in den virtuellen Orkus zu spülen. Dort schwirrt schon viel zu viel herum, als dass irgendwer die Botschaft hören könnte. Prosit!

5 comments

  1. KaiSt

    Hinter dem Thresen zu stehen ist nicht alles!!! Vergleiche mich ab und an mit einem Torhüter, hab überblick über den laden und den Ablauf. Somit kann ich wenn der Service mal ins stocken gerät, die Getränke & Speisen zu lange brauchen, selbst ran. Kein Thema wenn ich die Zeit habe tue ich dieses gerne. Ergo auch ein Bartender sollte Servieren können auch mit Board. Also meine Freunde rauf mit dem runden auf die Hand 🙂 Ps: Zufriedener Kunde = volles Haus

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