Ü-30 und raus bist Du! Wettbewerbe nur für junge Bartender?

Debatte 17.11.2011 12 comments

Hört die Karriere mit 30 plötzlich auf? Ulf Neuhaus beschäftigt sich in einem kurzen Gastbeitrag kritisch mit der Tatsache, dass immer mehr Cocktailwettbewerbe mit einer Altersbeschränkung nach oben ausgeschrieben werden. Die Debatte begann auf Facebook, MIXOLOGY ONLINE gibt ihr hier nun zusätzlichen Raum.

Seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage: Warum finden Cocktailwettbewerbe der Industrie mit Altersbeschränkungen statt? Ist man ab 30 Jahren kein innovativer Bartender mehr? Hat man Angst, dass immer nur die gleichen gewinnen oder gar, dass ein 40 oder 50 jähriger angehender Gewinner sich nicht gut mit dem Produkt vermarkten lässt? Zielgruppe verfehlt?

Man kennt und schätzt sich in der deutschen Barlandschaft. Eine große Familie mit unterschiedlichen Ansichten und trotzdem eine Familie. Wettbewerbe werden immer attraktiver für den Kollegen hinter der Bar, der sich am Ende über ein Zubrot freuen darf, gepaart mit einer PR in einschlägigen Fachzeitschriften.

Die Industrie treibt somit einen Keil zwischen alte und junge Kollegen.

Nur wurde in letzter Zeit mehr der Fokus auf die Jugend gelegt und die Älteren wurden des Feldes verwiesen. Das weckt wenig Vertrauen in die Veranstaltung. Dass wir Steigbügelhalter der Industrie sind, ist uns schon bewusst und sicher trägt jede Seite ihren Nutzen davon. Aber reglementiert zu werden aufgrund des Alters, finde ich schon sehr fragwürdig. Die Industrie treibt somit einen Keil zwischen alte und junge Kollegen. Das kann ich nicht nachvollziehen.

Mein Vorschlag wäre, die Jury ebenfalls mit Bartendern unter 30 Jahren zu besetzen. Dann bleibt die Geschmacksgeneration Ü 20 unter sich. Aber genau hier legt man dann wieder viel Wert auf die Erfahrung der Älteren in der Tastjury. Also irgendwie passt das nicht zusammen. Vielleicht sollte die nächste Ausschreibung so lauten: Bartender bis 25 mit 30 jähriger Berufserfahrung.

12 comments

  1. drinkmix.de

    Vorweg gekommen, mich beschäftigt dieses Thema auch seit einiger Zeit, denke massiv über einen blogpost nach… bin ich also mal wieder nur zweiter 😉

  2. Joerg Meyer

    Ulf,

    das meiste zu diesem Thema haben wir heute schon auf Facebook durchdiskutiert und ich möchte es hier nicht wiederholen.

    Ich bin ganz und gar nicht Deiner Meinung und finde es eine großartige Idee, das sich z.B. Bacardi bei der LCC dazu entschieden hat, jungen Bartendern das Feld zu überlassen.

    Kommentaren wie „…wurde in letzet Zeit mehr der Fokus auf die Jugend gelegt und die Älteren wurden des Feldes verwiesen. Das weckt wenig Vertrauen in die Veranstaltung.“ oder spöttisches zur „Geschmacksgeneration Ü 20“ zeigen eher, das einige „ältere“ Kollegen eine unangebrachte Meinung mit einem leicht abfälligen Unterton zu „jungen“ Kollegen haben. Warum Bitte schön ist eine Veranstaltung mit Bartender unter dreizig nicht Vertrauens erweckend?

    Hier treibt niemand irgend welche Keile zwischen irgend welche Berufsgruppen. Und die Kollegen die ich kenne, sind keine Steigbügelhalter, sondern respektable Partner auf Augenhöhe. Jeder so, wie er sich sieht…

    Bacardi hat sich entschlossen, endlich einmal, stärker als in den vergangenen Jahren, „Neuen“ Gesichter eine Chance zu geben – und das finde ich großartig und warum auch nicht? Schließlich ist es deren Wettbewerb.

    Jeder Veranstalter eines Wettbewerbes hat das gute Recht, seine Regelarien aufzusetzen wie er möchte. Die DBU bietet beispielsweise eine Junior Akademie nur für Junge Bartender an …

    Darüber zu jammern, scheint mir unangebracht. Nebenbei frage ich mich, warum man jenseits der dreizig noch ernsthaft an Wettbewerben teilnehmen möchte … aber das ist vielleicht ein anderes Thema.

    Ich finde die Entscheidung von Steffen Lohr gut und freue mich auf großartige Kollegen, von denen ich die meisten noch nicht bei so einem internationalen Wettbewerb habe antreten sehen.

    Ich finde es past hier alles gut zusammen. Und da du an der richtigen Stelle sitzt, würde ich einfach vorschlagen, das du mit der DBU einen Wettbewerb ganz nach deinen Wünschen veranstaltest.

    Gruß

    Jörg

  3. Mathias Noori

    Hmm.. wieso kommen einem diese Altersbeschränkungen, genauso wie die Diskussion darüber so typisch deutsch vor.
    Das hat doch schon etwas kleinkariertes und beamtenhaftes.
    Bestand da wirklich Regulierungsbedarf ? Es mag ja sein das die Spitzengruppe der deutschen Bartender recht klein ist und natürlich ist frisches Blut immer nötig und auch willkommen, aber ob das der richtige Weg in einer Industrie ist, die ohne herkömmlichen Ausbildungsweg auskommen muss ( Ja, ja HoFa und co. ,ich weiß schon…) und die stark von den Impulsen lebt die von Quereinsteigern aller Alterstufen gesetzt werden. Wir haben glaube ich in Deutschland nicht so viel Talent, dass man anfangen muss jenseits der individuellen Qualität zu sieben.
    Bartender ist in D immer noch eine Karriere für Leidensfähige und kein Königsweg und wenn jemand gut ist sollte er doch überall willkommen sein, um vielleicht ein paar Lorbeeren heimzuheimsen und ich glaube die paar Competitionjunkies die schon so routiniert sind, dass sie für jeden Wettbewerb ein passendes Rezept in der Tasche haben, kann man ertragen.

  4. Jean-Pierre Ebert

    Tja, meine Herren, auch hier schwarz auf weiss, kein Spielraum:
    Spätestens mit 30 geht’s nicht nur biologisch bergab.
    Man(n) gewöhnt sich besser daran. Vielleicht bekommen wir einen Eintrag im Artenschutzregister.

  5. Ulf D.Neuhaus

    Hallo Jörg,

    Um ein was vorweg zu klar zu stellen.Es geht hier nicht nur um die BACARDI Legacy Cocktail Competition.Ich kenne den Wettbewerb nur zu gut ,da die DBU diese Competition jahrzehntelang betreute. Die Altersbegrenzung gab es hier schon immer.Also nichts Neues.
    Ich meinte u.a.auch Cointreau Championchip – 26 Jahre oder Jägermeister Stipendium -35 Jahre. Kann sein, es ist reiner Zufall, dass Firmen sich für diese Alterseinschränkung entschieden haben oder zeichnet sich hier ein Trend ab?
    Ich hatte schon den einen oder anderen Kopfschüttelnden Ü30 Kollegen vor mir stehen der sich verwundert über diese Teilnahmebedingungen äußerte.

    Diesen vermeintlichen Unterton ist nicht an die jüngeren Kollegen gerichtet sondern mehr an die Veranstalter ,die diese Regularen veranschlagt haben.
    Ich arbeite tagtäglich mit jüngeren Kollegen zusammen und schätze deren Arbeit und Arrangement.
    Den Vergleich zur DBU Juniorakademie finde ich sehr weit her geholt. Wir sind ein Verein der seine Mitglieder weiterbildet ohne Kommerz.
    Bei den Industriewettbewerben steht immer die Marke mit dem Sieger in Verbindung.Hier geht es um Verkauf.

    Für mich persönlich stehen Cocktailwettbewerbe nicht mehr auf meinen Terminkalender. Maximal auf der gegenüberliegenden Seite als Juror.
    Die Frage ob man mit 30 noch daran teilnehmen sollte oder nicht,überlasse ich jeden selber.Aber da wir gerade bei Alter und Wettkampf sind. Wieso überlässt ein Michael Schuhmacher mit 42 der schon alles gewonnen hat, nicht das Feld den Jüngeren? Ego Geld oder Leidenschaft?
    Ich tendiere für letzteres.

    Bei unseren Wettbewerben der DBU kannst du sogar noch mit 100 Jahren daran teilnehmen. Das schütteln des Shakers geht wie von selbst.
    Wir öffnen und sogar soweit,dass an Landesmeisterschaften der DBU parallel eine offene Meisterschaft für nicht DBU Mitgliedern stattfindet. So haben ganz junge Kollegen die Möglichkeit unter Wettbewerbsbedingungen arbeiten zu können und sich auf kommende Cocktailwettbewerbe vorzubereiten.

    Beste Grüße

    Ulf

  6. Helmut Adam

    „Ich meinte u.a.auch Cointreau Championchip“

    Das Konzept von Cointreau, das ich in meiner Rolle als Moderator und Mitglied der Jury bei dieser Veranstaltung recht gut kenne, ist aber doch etwas anders gewichtet.

    Den jungen Bartendern wird jeweils ein älterer, etablierter Mentor zugelost. Und diese beiden müssen dann mit kurzer Vorbereitungszeit ein Team bilden, dessen Auftritt dann bewertet wird. Eigentlich doch ganz im Sinne von „Weiterbildung“ und einem Miteinander von jung und alt?

    „Wir sind ein Verein der seine Mitglieder weiterbildet ohne Kommerz.“

    Nunja, da habe ich doch einen etwas anderen Eindruck. Oder bezieht sich diese Aussage rein auf die Juniorakademie? Wenn wir uns die Meisterschaften von DBU und IBA ansehen, ist der Kommerz dort fest mit eingeplant. Ist absolut nichts Falsches dran übrigens.

    Ich persönlich habe in meiner aktiven Karriere nie an Wettbewerben teilgenommen. Allerdings waren die angebotenen Events damals auch noch nicht so attraktiv wie heute.

    Ulf Neuhaus ist für mich übrigens ein ewig Junger, was der Branche (und sicher auch der DBU) äußerst gut tut. 😉

  7. Ulf D.Neuhaus

    Lieber Helmut,

    „Nun ja, da habe ich doch einen etwas anderen Eindruck. Oder bezieht sich diese Aussage rein auf die Juniorakademie? Wenn wir uns die Meisterschaften von DBU und IBA ansehen, ist der Kommerz dort fest mit eingeplant. Ist absolut nichts Falsches dran übrigens.“

    In dieser Diskussion bezieht sich die Aussage rein auf die Jugend und damit auf die Juniorakademie. Sie ist „Sponsorenfrei“. Also völlig unabhängig.

    Kein Verein dieser Welt kann seine Geschäfte ohne Geld führen.Und Kosten für Weiterbildung Wettbewerbe u.s.w. fallen nun mal an.Wir finanzieren uns durch Mitgliedsbeiträge und auch durch Sponsorengelder.Das ist Richtig.Vereine dürfen laut Gesetz keinen Gewinn machen.Jeder bis auf die Geschäftsleitung macht seinen Job ehrenamtlich.Respekt vor diesen Leuten. Ob bei Meetings Wettbewerben oder dergleichen.Null Cent.
    Aber das ist ein anderes Thema.
    Anders bei Industriewettbewerben.Dort steht das Produkt im Fokus um am Ende des Jahre eine positive Geschäftsbilanz die sich im Haben ausdrückt.

    Ich glaube,solche Diskussionen tut der Barszene gut. Dogmen werden aufgeweicht, man rüttelt wach. Es geht auch nicht darum ob die Kritik gerecht oder ungerecht sei nur weil es diese Regel der Altersbegrenzung z.B.beim BMG seit mehr als 30 oder 40 Jahren gilt. Für mich hat sich diese Diskussion auf jedenfall gelohnt. Ich habe den einen oder anderen Denkanstoß in Sachen Cocktail-Wettbewerb erhalten und werde versuchen daraus ein umsetzbares Konzept zu entwickeln. Somit entstehen neue Ideen!

    Shake well

    Ulf

  8. Joerg Meyer

    Ich finde das argumentieren über die wirtschaftlichen Interessen der DBU schwierig. Eine echte Transparenz war da von Seiten der DBU nie gewollt. Die Aufgabe der angegliederten GMBH ist ebenso nicht ganz klar … das gehört hier sicherlich nicht zum Thema, aber eine dahin gehende Offenlegung würde eine Diskussion ob des Vergleiches zu sogenannten „Industrie wettbewerben“ sicherlich hilfreich sein.

    Gruß

    Jörg

  9. U.D.Neuhaus

    Hallo Jörg,

    die offenlegung der Finanzen der DBU ist sicherlich nicht Thema dieser öffentlichen Diskussion um Altersbeschränkung bei Wettbewerben und wird es auch nie sein. Das würdest du nicht mit deiner Firma tun ,Mixology nicht und die DBU eben so wenig. Die Klarheit bekommen die Mitglieder der DBU jedes Jahr beim Kassenbericht des Vereines der vorher geprüft wurde.

    Unsere Wettbewerbe sind nicht darauf bedacht Profit zu erzielen.Es werden die jeweiligen Landesmeister ermittelt die später um die Krone des Deutschen Cocktailmeisters kämpfen. Das es die letzten Jahren nicht einfacher geworden ist ( finanziell ) liegt sicher auch daran, dass der Markt „Barkultur“ in allen Bereichen in Form von Messen,Covents und Wettbewerben ständig gewachsen ist. Um Wettbewerbsfähig zu bleiben versucht die DBU neue Wege zu gehen.Der Anfang wurde dieses Jahr in Frankfurt a.M. vollzogen, ohne Altersbeschränkung.

    Gruß

    Ulf

  10. Helmut Adam

    „Das würdest du nicht mit deiner Firma tun ,Mixology nicht und die DBU eben so wenig.“

    Joerg Meyer hat mehrmals seine Finanzen öffentlich gemacht. Auf Messen in Vorträgen und in seinem Blog. Es gibt in der Branche niemanden, der so transparent agiert.

    Einen gemeinnützigen Verein (handelt es sich bei der DBU um einen?) und Unternehmen zu vergleichen, ist allerdings verfehlt. Ein Verein, der sich der Pflege eines Berufstandes verpflichtet sieht, und möglichst übergreifend agieren soll (das wiederum ist eine rein Annahme von mir), hat die Pflicht zur Transparenz, sonst nimmt man ihm die postulierten Ziele nicht ab. Zumal wenn es privatwirtschaftliche Verstrickungen gibt.

    Mein Ziel war es nicht, hier die DBU zu debattieren. Aber was mich stutzen lässt, ist die Aussage zur „Wettbewerbsfähigkeit“ des DBU-Wettbewerbs. In der Aussenwirkung macht die DBU primär durch diesen Wettbewerb, den sie als „deutsche Meisterschaft“ bezeichnet, von sich reden.

    Ist es denn das Ziel der DBU,über diesen Wettbewerb definiert zu werden? Da wird sie aus der Defensive nicht mehr herauskommen. Die Konzepte der Firmen werden immer übergreifender und ausgefeilter. Es gibt immer mehr Wettbewerbe mit größerer Strahlwirkung. Nehmen wir alleine Diageo World Class – dagegen ist die IBA Meisterschaft doch ein Klacks mittlerweile.

    Und von dem, was sich da am Stadtrand von Warschau (ohne nennenswerte Einbindung der Warschauer Barszene) abgespielt hat neulich, habe ich nichts Positives vernommen. Im Gegenteil. Und diese Wettbewerbe sind tatsächlich das einzige an eingermassen wirksamer PR, das die Bartender-Verbände zu produzieren in der Lage sind.

    Aber zurück zur Alters-Debatte: sie zu führen ist legitim und gut, und deshalb haben wir sie auch hier aufgegriffen. Ich bin überzeugt, dass eine smarte Marke irgendwann hergehen wird und einen Wettbewerb für die Generation 30+ durchführt. „Gereifte“ Spirituosen gibt es genug. Und Inhalte, die für etablierte Bartender und Gastronomen spannend sind, ebenfalls.

    Prosit, HA

  11. Joerg Meyer

    Ulf,

    Helmut hat es schon erwähnt – ich habe i.d.R. kein Problem mit der Offenlegung unserer Zahlen. Auf jeder Präsentation die ich über das Le Lion gehalten habe, (Paris, Prag, Warschau, Moskau, Stockholm etc…) habe ich unsere BWA’s offengelegt.

    So gehört sich das für einen anständigen Verein – alles andere lässt zu viel Spekulation für Klüngel und Co.

    Und, so lange man durch eine Offenlegung nicht nachvollziehbar dargestellt hat, das man keine wirtschaftlichen Interessen verfolgt, bleiben solche Vergleich halt schwammig.

    Gruß

    Jörg Meyer

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