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John Collins Cocktail Historie

Der Collins & seine Anverwandten, Teil 8: John Collins und der Collins

In Teil 8 unserer Serie über den Collins & seine Anverwandten kommen wir erstmals beim namensgebenden Getränk an: Der John Collins ist vermutlich bekannt nach einem Bartender aus dem Limmer’s Hotel in London. Was nicht heißt, dass der Cocktail nicht weltweit bunte Blüten getrieben hätte. 

Es gibt mehrere Legenden, die davon berichten, wer den Collins erfunden habe. Ein gewisser Mr. Collins soll es beispielsweise gewesen sein, 1873 in der New Yorker Schenke „The Whitehouse“. Es kann aber auch ein gewisser Tom Collins gewesen sein, der in New Jersey und New York als Bartender arbeitete. Es gibt auch Berichte darüber, der Collins sei in San Francisco oder Australien entstanden. Doch allgemein ist man sich aber einig, dass der Collins in London im Limmer‘s Hotel entstand und nach dem dortigen Oberkellner John Collins benannt wurde.

4 cl Gin (oder eine andere Spirituose)
1,5 cl Zitronensaft
1 cl Zuckersirup (2:1)
13 cl Sodawasser
Zubereitung: Im Collinsglas mit Eiswürfeln

John Collins

John Collins kam um 1770 zur Welt. Mindestens seit 1807, manche sagen ab 1790, war er für den Coffee-Room des Limmer‘s Hotel verantwortlich, bis 1843. Zwei Jahre danach verstarb er. Er war eine berühmte und gefeierte Persönlichkeit dieses Hotels. Zu seinen Gästen hatte er ein besonderes Verhältnis. So ermöglichte er beispielsweise seinen jungen Kunden im Bedarfsfall die Flucht, ohne dass sie dabei durch das leicht zu beobachtende Eingangsportal gehen mussten. Zu den Stammgästen zählten auch zwei Enkel des Dramatikers Richard Brinsley Sheridan. Sie besangen den Oberkellner in einem Gedicht:

My name is John Collins, head-waiter at Limmers,
The corner of Conduit street, Hanover Square;
My chief occupation is filling of brimmers
To solace young gentlemen, laden with care.

Mein Name ist John Collins, Oberkellner im Limmer’s,
an der Ecke Conduit-Straße, Hannover-Platz;
Meine Hauptbeschäftigung es ist, Kelche zu füllen,
um junge, mit Sorge erfüllte Herren zu trösten.

In einer der Folgezeilen wird dann der Hinweis gegeben, dass John Collins seinen Gästen die Kelche mit Gin Punch gefüllt hat: „Herr Frank trinkt immer meinen Gin Punch, wenn er raucht.“ – „Mr. Frank always drinks my gin punch when he smokes.“

Der Hoax

Um 1874 machte in New York der sogenannte „Tom Collins Hoax“ die Runde, der oft im Zusammenhang mit dem Collins genannt wird. Manche sagen sogar, er sei nach diesem Scherz benannt. Doch das stimmt nicht.

Man fragte jemanden, der diesen Scherz noch nicht kannte, ob er denn schon einen gewissen Tom Collins aufgesucht habe, denn dieser laufe herum und berichte schlimme und abfällige Dinge über ihn. Er solle also besser Tom Collins schleunigst aufsuchen, um ihn davon abzuhalten und ihn zur Rede zu stellen, damit diese Lügen ein Ende fänden. Das durch dieses Gespräch aufgebrachte Opfer schickte man dann an einen anderen Ort, beispielsweise zu einem Bartender, der diese Art von Scherz kannte. Dort angekommen, bestätigt der Bartender dann, dass Tom Collins gerade noch anwesend gewesen sei und wirklich schlimme Gerüchte verbreitet habe, schmückt das ganze nach Belieben aus – und schickt das Opfer dann an einen anderen Ort mit dem Hinweis, sich zu beeilen. So geht es fort und fort und das Opfer wird natürlich dabei immer aufgebrachter. Den Zeitungen zufolge funktionierte dieser Scherz ganz hervorragend.

Die Verbreitung

Es dauerte eine Weile, bis der Collins weltweit Verbreitung fand. Zunächst war es vor allem an Orten, an denen britische Staatsbürger anwesend waren. 1864 soll er in Montreal ausgeschenkt worden sein.1877 beklagt sich eine amerikanische Zeitung darüber, dass das Limmer‘s Hotel geschlossen wurde, mit dem Hinweis, dass schon 1867 im Hotel Clarendon, in Brooklyn gelegen, der „John Collins“ so gut hergestellt wurde, wie vom Namensgeber selber. Eine Zeitung aus Brooklyn weiß zu berichten, dass der Collins schon zwanzig Jahre zuvor, also 1857, von einem bedeutenden Offizier der Royal Artillery im Clarendon bekannt gemacht worden sei.

Das älteste Rezept, das ich finden konnte, stammt aus einem australischen Kochbuch des Jahres 1864. Dort heißt es: „John Collins ist eine Mischung aus Gin, Zucker, Sirup und Sodawasser.“ Dieses Rezept läßt aufhorchen. Bereits im Zusammenhang mit dem Gin Punch des Limmer‘s Hotel konnte man mutmaßen, dass eventuell Capillaire eine Zutat gewesen sein könnte – vielleicht auch hier? Wie soll man die Angabe verstehen, sowohl Zucker als auch Sirup hinzuzufügen? Oder ist es vielleicht ein Druckfehler und soll „sugar syrup“, also Zuckersirup heißen?

Als nächstes taucht das Mischgetränk 1871 in „The Gentleman‘s Table Guide“ auf. Dort heißt es Gin Twist: „VERWENDE ein Sodawasserglas, den Saft einer halben frischen Zitrone, einen Teelöffel Puderzucker oder Kandiszucker, 1 Glas Gin, 1 Flasche eisgekühltes Sodawasser und ein paar Stücke reines Quellblockeis; gut gemischt.“

Mit Gin oder ohne Gin?

1873 dann erklärt die New York Sun: „Ein neues Getränk heißt John Collins. Es wird aus Old Tom Gin, einfachem Soda und Zitronensaft hergestellt. Herr Barry macht seinen John Collins … , indem er einen Esslöffel Puderzucker, den Saft einer halben Zitrone, ein Weinglas Old Tom Gin, eine Flasche einfaches Soda vermischt, mit Eis gerührt, und einem Stück Zitronenschale. Einige gebildete Trinker ersetzen den Gin durch Brandy“.

Dies ist der erste Hinweis darauf, dass man einen Collins auch mit einer anderen Spirituose als mit Gin zubereiten kann, in diesem Fall mit einem Brandy. Auch Jerry Thomas sieht dies 1876 so: Sein „Tom Collins Gin“ ist dasselbe wie der „Tom Collins Whiskey“, nur mit Gin statt Whiskey zubereitet.

Diese Zitate leiten über zu der Frage, mit welchen Spirituosen man einen Collins zubereiten könne und wie man ihn dann zu bezeichnen habe. Die Diskussion, ob im Original ein Dry Gin oder ein Old Tom Gin zu verwenden sei, lassen wir beiseite; im Zusammenhang mit dem Garrick Club Gin Punch sind wir bereits darauf eingegangen.

Bei der Beantwortung dieser Frage hilft das Studium alter Bücher. Es fällt dabei auf, dass es unzählige Varianten gibt, die sich teilweise in der Namensgebung widersprechen. Man findet beispielsweise den John Collins, Jack Collins, Captain Collins, Pierre Collins, Brandy Collins, Tom Collins, John Collins, Mike Collins, Pisco Collins, Ron Collins, Pedro Collins, Sandy Collins, Pepito Collins, Ruben Collins oder Joe Collins. Doch es ist nicht immer eindeutig, was man jeweils darunter zu verstehen hat. Ein John Collins kann beispielsweise mit Bourbon, Genever oder Dry Gin zubereitet werden, ein Tom Collins mit Genever, Dry Gin oder Old Tom Gin.

Deshalb schlage ich vor, von diesen Bezeichnungen Abstand zu nehmen. Das praktische an einem Collins ist, dass er mit jeder Spirituose zubereitet werden kann und zu überzeugen weiß. Wie es sich auch beim Highball etabliert haben sollte, kann man es auch hier als guten Brauch ansehen, einfach die Spirituose zu nennen, mit der man seinen Collins zubereitet haben möchte, also beispielsweise einen Gin Collins, Old Tom Collins oder Genever Collins. So gibt es keine Unklarheiten.

Der Collins und der Gin Sling

Interessant ist vielleicht auch ein Leserbrief des Jahres 1880. Wie ich dargelegt habe, muss man den ursprünglichen Collins als einen Gin Punch betrachten. Dieser Leserbrief hingegen nennt den Collins einen Gin Sling. Wer kennt ihn nicht, den Zeitungsartikel des Jahres 1806, der den Cocktail als einen Sling mit Bitters definiert – und der heutige Leser so zu der Annahme verleitet wird, dass ein Sling praktisch ein Old Fashioned Cocktail sei, nur eben ohne Bitters. Doch diese Schlussfolgerung ist nicht richtig, denn ursprünglich war der Cocktail eher eine Art Punch, nämlich mit viel Wasser zubereitet. Vor diesem Gesichtspunkt hat der Leserbrief recht – was die Verwendung von Zitronensaft in einem Sling angeht, jedoch nicht.

Der Spider

Betrachtet man die Rezeptur eines Collins, so kann man diese auch als eine Zitronenlimonade, die mit Gin versetzt wird, betrachten. Im Zusammenhang mit Sodawasser bin ich bereits auf die Limonade eingegangen. Es verwundert also nicht, dass man schon bald auf die Idee kam, einen Collins mit eben dieser zuzubereiten. William Terrington schreibt darüber im Jahr 1869 und nennt die Mischung „Gin Punch oder Spider. — Ein Gill Gin, eine Flasche sprudelnde Limonade, ein Stück See-Eis: ein Likörglas Citronelle ist eine Verbesserung.“ In späteren Zeiten bereitete man den Spider mit Ginger Ale zu.

Collins oder Fizz?

Als letztes stellt sich vielleicht auch die Frage, wie sich ein Collins von einem Fizz abgrenzt. Das ist eine Diskussion, die vielfach geführt wird. David Wondrich definiert es so: Ein Collins wird im Collinsglas mit Eis zubereitet, ein Fizz wird jedoch geschüttelt und ohne Eis serviert und ist mengenmäßig kleiner als ein Collins.

Den Gin & Tonic muss man meiner Meinung nach als eine Fortentwicklung des Collins betrachten. Was es dazu Wissenswertes zu berichten gibt, wird in der nächsten Folge dieser Serie beleuchtet.

Credits

Foto: Sarah Swantje Fischer

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