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Der nächste Streich, Ferdinand’s Saar Quince Gin

Zugegeben. Mit drei Produkten in unseren Verkostungen ist Ferdinand’s Saar Gin in den letzten Monaten sehr gut repräsentiert. Das hat aber nichts mit Blankoschecks zu tun, die mit den Flaschen zugeschickt werden, sondern vielmehr damit, dass man hier mit viel Mut und Spaß an Veränderungen an die Sache herangeht und sehr bewusst keinen klassischen Gin aufzieht.
Manch einem mag der Innovationsdrang, vor allem bei manchen neuen deutschen Gins, zu viel des Guten sein. Andere hingegen argumentieren, dass es nun wirklich nicht noch einen klassisch trockenen Gin aus Deutschland braucht, der mit Wacholder protzt und sich ansonsten aromatisch bedeckt hält.
Lust auf Frucht
Schon in dem im Vorjahr besprochenen Ferdinand’s Saar Dry Gin wichen die Macher von bekannten Pfaden ab und infusionierten ihren Gin mit einem ausgezeichneten Riesling.
Sie zeigen sich zufrieden darüber, wie das Produkt in der Szene ankommt, und haben Spaß daran zu sehen, wie experimentierfreudig Bartender mit dem Gin umgehen. Dies ist einer der Beweggründe, den Spaß am Mixen mit zum Gin passenden Bitters zu erhöhen.
Nun sind Rieslingtrauben aber nicht das Einzige, was entlang der Saar wächst. „Birnenquitten – die goldene Frucht von der Saar“, wie man das Obst bei Ferdinand bezeichnet, ergänzen die Aromen des Gins und ergeben insgesamt eine Gin-Spirituose: Zu wenig Zucker für einen Likör, zu wenig Alkohol für einen Gin. Experimente mit Gin kennt man aber ja aus dem Mutterland und schätzt diese bisweilen sogar sehr. Ein heißer Sommertag zum Beispiel, wird erst mit einem Pimm’s Cup erträglich und aromatische aber etwas leichtere Cocktails, lassen sich hervorragend mit Sloe Gin mixen.
Und in diese Tradition tritt nun der Saar Quince Gin, zumindest versucht er es. Die Quitte stammt ursprünglich aus Vorderasien, gedeiht aber sehr gut in Weinbaugebieten in Mitteleuropa und wird hierzulande bereits seit dem 9. Jahrhundert angebaut. Neben einem hohen Vitamin C-Gehalt und der langen Verwendung in Gelees und Marmeladen, steht die Quitte im Ruf ihrer heilenden und nicht zuletzt aphrodisierenden Wirkung.
Ob diese Eigenschaften in den Gin übergehen, soll die Verkostung zeigen.

Leichtes Vergnügen
Mit 30% Vol. und einer ungewöhnlich intensiv gelben Farbe kommt die Gin-Spirituose in einer klaren Flasche auf den Tisch, identisch zu der des Dry Gin, nur aus Klarglas. Am schon im letzten Jahr bemängelten Korken wird weiter festgehalten. „Er ist ein Markenzeichen von Ferdinand’s und das Öffnen der Flasche ist Teil des Rituals“, so die Aussage von Denis Reinhardt, dem Geschäftsführers des Distributeurs Capulet und Montague.
Nun, der findige Barmann – oder die Barfrau – findet einen Weg, sich Zugang zum Flascheninhalt zu verschaffen und die Mühe soll belohnt werden. Die Farbe ist begründet in der Art der Herstellung. Die reifen Quitten werden im Dry Saar Gin mazeriert. Nach der Mazeration findet eine Pressung und Filtration statt, die man aus der Herstellung von Eiswein übernommen hat. Der Saft aus der Frucht verleiht der Spirituose die Süße und Farbe. Der Zuckergehalt wird aber nicht so angereichert, dass der Gin ein Likör wird, sondern schafft eine neue Kategorie, die sowohl als Komponente in Cocktails als auch in Weinmischgetränken funktioniert.
Die Verkostung
In der Nase mischen sich klassische Ginkomponenten wie Wacholder und Koriander mit einer milden Süße und frischen Fruchtaromen. Quitte und Birne drängen sich sowohl in der Nase als auch am Gaumen auf. Angenehm trocken und Bitter ist er vollmundig im Geschmack, betont aber eher die Frucht- als die Ginaromen.
Der Ferdinand’s Saar Quince Gin sorgte in der aktuellen Printausgabe 5-2014 von MIXOLOGY – Magazin für Barkultur, für gespaltene Meinungen. In einer Blindverkostung können die Aromen sicher verwirren, und wer in einem Gin nur trockenen Wacholder, von anderen Botanicals unterstrichen mag, der wird hier nicht glücklich. Wer aber auf der Suche nach einem süffigen und fruchtigen Drink ist, der zwar leichte Ginaromen anklingen lässt, aber nicht mit Wacholder um sich schlägt, dem dürfte dieser Gin-Frucht-Hybrid ausgesprochen gut gefallen.

Credits

Foto: Saar via Shutterstock

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