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Parfümerie Bar Wien

Die Parfümerie Bar in Wien: Zwischen ständiger Metamorphose und Brian Flanagan Cup

Die Parfümerie Bar in Wien erfindet sich immer wieder neu. Und das, obwohl Gilles Reuter und sein Team auch vor dem Horrorkabinett der Barkultur nicht zurückschrecken. Oder vielleicht gerade ja deswegen.

Irgendwie wird dieser Artikel auch ein Artikel über Fußball. Obwohl Die Parfümerie eigentlich überhaupt nichts mit Fußball zu tun hat. Schuld daran sind drei Dinge.
Zum ersten ist die Bar in einem Lokal angesiedelt, in dem früher Sportübertragungen liefen. Zum zweiten sagt Gilles Reuter, einer der Gründer der Bar im siebten Wiener Gemeindebezirk, den schönen Satz, dass sie „ein bisschen wie das Freiburg der Wiener Bars sind: Eine Talentschmiede, und dann gehen die Leute weg.“

Eaus für die Wiener Beaus in der Parfümerie Bar

Im Fußball zu Bayern oder Dortmund meistens. Gilles Reuter meint damit ehemalige Bartender wie Matty Vinnitski (Matiki), Valentin Bernauer (Gewinner Made in GSA 2019, Moby Dick), Hubert Peter (Bruder Bar), Lukas Werle (Gewinner Sonderkategorie Whisky Made in GSA 2019, Bruder Bar) oder Katharina Esser (ehemals The Chapel), die allesamt in der Parfümerie tätig waren. Was den Einfluss der Bar in der Wiener Szene auch bereits untermauert.

Und das, obwohl der Name ein wenig in die Irre führt. Für multisensorische Installationen ums Cocktailglas oder als Anstalt für in Drinks übersetzte Parfüms war die 2016 gegründete Parfümerie nie gedacht. „Wir hatten uns mal für einen Ort interessiert, der früher eine Parfümerie war“, erzählt Gilles Reuter zur Herkunft des Bar-Namens. „Daraus wurde nichts, aber der Name ist geblieben.“

Cocktails wurden zu Beginn als Eau de Parfums (Shortdrinks) und Eau de Toilettes (den Longdrinks) serviert, alkoholfreie Drinks hießen Vaporisateurs. Von den Wortspielen hat man sich mittlerweile aber verabschiedet, wie Gilles Reuter erklärt. „Wir dachten, es wäre selbsterklärend, aber das war es dann doch nicht, der Erklärungsaufwand war hoch. Wir wollten das Parfümeriekonzept auch nicht auf die Spitze treiben.“

Parfümerie Bar Wien

Die Parfümerie Bar

Neustiftgasse 84
1070 Wien

Dienstag – Donnerstag 20:00 - 2:00 Uhr Freitag - Samstag 20:00 - 4:00 Uhr

Jeden Sommer wird in der Parfümerie Bar umgebaut

Was es allerdings gibt, sind Take-Away-Boxen mit drei kleinen Probeflakons mit jeweils einer Spirituose. Sie sind entworfen vom Wiener OOOfff.studio, das ebenfalls für das Re-Design der Bar verantwortlich ist. „Wir unterziehen die Bar jeden Sommer einem Re-Design, diesmal ist das Motto RGB für die Grundfarben Rot, Grün und Blau“, so Gilles Reuter. „Wie bei alten Detektivheften, wo man so eine Folie drauf legen konnte. In den Getränken spielen wir das Motto allerdings nicht weiter. Wir werden vielmehr immer minimalistischer. Selbstläufer wie Gin & Tonic kann man natürlich bestellen, sie stehen aber nicht mehr auf der Karte. Wir wollen in Zukunft auch vermehrt mit kleinen Herstellern arbeiten.“

Experimente mit Schäumchen oder Smoking Guns verbittet sich die Platzsituation. Es waren ohnehin Drinks wie der „Orange-Thyme Daiquiri“, die sich schnell zu einem der beliebtesten Drinks in der Neustiftgasse gemausert haben, mitten im Herzen des ersten grün regierten Bezirks der Stadt. Eine weitere Spezialität ist Kaffee, soeben eröffnen Gianni Ciaccia und Gilles Reuter ein kleines Café in einem Skateladen (Maximilian Dippold, der dritte Gründer, ist mittlerweile nicht mehr dabei.) Die Preise tragen jedenfalls zur Entspannung in der Parfümerie bei, sie liegen bei rund 8 bis 12 Euro pro Drink.

Im Horrorkabinett der Barkultur

Ach ja, es fehlt noch der dritte Grund, warum dieser Text mit Fußball zu tun hat. Das rührt daher, dass Gilles Reuter den Brian Flanagan Cup ins Leben gerufen hat. Das ist zwar kein Fußballturnier, aber trotzdem, Cup ist Cup.

„Der Brian Flanagan Cup ist ein Spaßprojekt für einen guten Zweck, liegt mir aber am Herzen. Jeder Bartender bekommt zwei Zutaten aus dem Horrorkabinett der Barkultur, etwa Sahne, Red Bull oder Kokoslikör. Damit muss dann ein Drink gemacht werden.“ Gespendet werden die Einnahmen „des Klassentreffens für Bartender“, wie Gilles es bezeichnet, für einen guten Zweck, beispielsweise den Verein Gastronomie gegen Rassismus e.V. oder ein Flüchtlingsheim.

„Als die FPÖ in Österreich in die Regierung kam, haben wir auf Facebook für mehr Toleranz aufgerufen. Die Folge waren schlechte Bewertungen bis hin zu Morddrohungen“, so Gilles Reuter. „Aber wir als Bar und Bartender können mehr machen als nur Drinks.“
Das können sie in der Parfümerie sowieso extrem gut.

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Credits

Foto: ©000fff.studio

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