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Dirk Paul von elbPaul im Gespräch

Braumeister Dirk Paul wollte nicht mehr angestellt sein und endlich machen, was ihm schmeckt. elbPaul steht für herbes Pils aus der Bügelflasche. Jetzt muss er nur noch die Hamburger Jungs überzeugen. Ein Gespräch.

 

MIXOLOGY: Herr Paul, Sie machen elbPaul jetzt schon drei Jahre. Sie sind gelernter Brauer und Mälzer. Warum haben Sie sich selbstständig gemacht?

Dirk Paul:
Weil ich gemerkt habe: einfach nur ein Pils oder einen Maibock zu machen, das ist mir zu wenig. Und als angestellter Brauer war nicht mehr drin. Ich wollte mich einfach ausleben können.

Und noch sind Sie kein Brauer mit eigener Brauerei, sondern ein Wanderbrauer.

Zur Zeit bin ich noch Gastbrauer in Niedersachsen. Aber das machen ja viele zu Anfang. Es ist einfach sehr teuer, eine eigene Anlage aufzubauen. elbPaul hat weder einen eigenen üppigen finanziellen Background, noch eine große Firma, die im Hintergrund steht. Deshalb habe ich mich entschieden, das Stück für Stück anzugehen. Zur Zeit lasse ich mir auch eine eigene Anlage aufbauen. Die wird, wenn alles gut, auch noch in den nächsten Monaten in Betrieb gehen. So langsam entwickelt sich ja auch der dazugehörige Markt in Hamburg.

Wie würden Sie den beschreiben, zum Beispiel gemessen an Berlin?

Naja, Berlin ist mit seinen inzwischen über 20 Craftbeer-Brauereien natürlich schon um Einiges weiter. Aber man darf nicht vergessen: Jung sind wir alle. Als ich vor drei Jahren begonnen habe, da war Craft Beer auch in Berlin nur so ein Ding aus den USA. Für Hamburg kann man sagen: das Interesse ist hier spürbar angekommen und wächst beständig. Und was die Brauer angeht: Wir brauchen uns nicht zu verstecken, das sind alles Brauer mit Herz, die mit viel Idealismus bei der Sache sind.

Gerade die typischen Craft Beer-Stile findet man nicht im Sortiment von elbPaul. Statt IPA ist es ein Pils. Wollen Sie sich absetzen vom Trend?

Ich will mit meiner neuen Freiheit einfach das Bier machen, das ich am liebsten trinke, und das ist nun mal Pils. Aber keine Angst, IPA steht schon auch noch auf dem Plan. Vorher kommen jedoch ganz sicher noch ein Bock und ein Export. Das liegt mir näher.

Als Brauer und Mälzer: Liegt Ihnen da auch am Malz, dass in solchen Bierstilen eine Rolle spielt.

Also zunächst einmal ist „Brauer und Mälzer” die Berufsbezeichnung. Das hat zu meiner Ausbildung einfach dazu gehört. Aber sicher: Beim Bier steht heutzutage der Hopfen im Vordergrund, durch die Kalthopfung oder das Hopfenstopfen – gerade bei den US-Bierstilen. Und ich will es mal so sagen: Wer sich mit Malz auskennt, der erreicht auch einen bestimmten Grad an Vollmundigkeit.

Was ist nun das Besondere an elbPaul?

Ich finde, man kann den deutschen Biermarkt nur schlecht vergleichen mit dem, was in den USA passiert ist. Aber es gibt schon eine grundlegende Gemeinsamkeit: Das Craft Beer hat sich in Übersee auch mit aus dem starken Wunsch der Leute entwickelt, Bier von „vor Ort“ zu trinken.

Die Leute wollen was Regionales, etwas, womit sie sich identifizieren können. Und das bekommen sie jetzt in Hamburg unter anderem auch von elbPaul.

Also etwas echt Hanseatisches?

Wenn Sie ein herbes, hopfenbetontes Bier so nennen wollen, dann ja. Aber wie gesagt: Ich braue für meinen Geschmack, also echt Dirk Paul.

Gerade ist es ein Pils.

Und wenn alles gut geht, im Mai noch ein Bock. Oder im Sommer vielleicht ein Weizen.

Und das meiste geht über die Flasche und nicht übers Fass?

Jetzt, wenn die Festivalsaison losgeht, werden wir auch mehr Bier über das Fass verkaufen. Aber momentan, und das freut mich sehr, gehen die Leute total auf die Flasche ab. Diese kleine 0,33-Flasche mit dem Bügelverschluss für das elbPaul hat auch unter Gastronomen schon Fans gefunden. Ich habe nichts dagegen, wenn die das Flaschenbier haben wollen.

Was sind die Ziele für 2015?

Also erstmal will ich mit meiner Brauanlage hier in Hamburg unterkommen. Das zweite Ziel ist, hier in meiner kleinen Firma noch einen 400-Euro-Job aufzubauen. Und wenn ich es dann noch hinbekomme, mir einen größeren Transporter anzuschaffen, dann hab ich mehr geschafft als mir lieb ist.

Das klingt nicht übermütig. Gibt es ein Fernziel?

Na, erstmal muss die Sache laufen. Aber Ich würde mir schon permanent auf die Schulter klopfen, wenn ich es noch einmal schaffen würde, einen Brauer auszubilden. Ich bin schließlich Meister, und der Beruf ist am Aussterben. Wir sind wirklich angewiesen auf die Leute, die als Quereinsteiger zum Bier kommen. Ich hoffe, dass sich aufgrund des neuen Trends auch wieder mehr Menschen für das Handwerk interessieren und für eine Ausbildung begeistern.

 Danke für das Gespräch.

Credits

Foto: via Kirstin Ruge, reformwarenblog

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