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Dirty Old Bastard: Scharfer Rauch aus München

Neu ist der Dirty Old Bastard aus der Goldenen Bar nun wirklich nicht mehr. Das ändert nichts an seiner Klasse. Und wie war das mit dem toten New Yorker Rapper?  Der steckt zwar nicht im Drink, dennoch bleibt der Dirty Old Bastard ein Cocktail, mit dessen eleganter Wucht man auch am dunkelsten Herbsttag Tote wieder zum Leben erwecken kann.

Mit zur Jahreszeit passenden Drinks ist das so eine Sache: zwar mag man dem Klischee folgen, dass Winterzeit gleich Whiskyzeit ist. Gleichzeitig schmeckt ein guter Dram aber an so manchem Sommerabend ebenso gut wie ein erfrischender Gin & Tonic nach einem langen Arbeitstag im Dezember. Schließlich sind die meisten Bars gut geheizt und das Wetter spielt oft nur die zweite Geige. Dennoch wird allein die Basisspirituose oft als Argument für den saisonalen Einsatz ins Feld geführt. Aber reicht das immer? Nicht unbedingt, aber im vorliegenden Falle: definitiv.

So geht Jahreszeit!

Will man jedoch Herbststürmen, Graupelschauern, nasskalter Luft und Laubmatsch explizit einen Drink entgegensetzen, so muss es meist rauchig, intensiv, bitter und kraftvoll sein. Solch ein Cocktail ist der Dirty Old Bastard, eine schottisch-asiatisch inspirierte Old Fashioned-Variante von niemand Geringerem als dem Münchener Bar-Tausendsassa Klaus St. Rainer. Ein Drink, wie gemacht um alle Sinne vom trüben Draußen abzulenken.

„Die Idee hinter dem Drink war im Prinzip ganz simpel“, so Rainer über die bereits einige Jahre alte Kreation aus seiner Goldenen Bar. Und er fährt fort: „Ich dachte einfach an eine würzige Kombination, die von Schärfe und Rauch geprägt sein sollte.“ Und wahrlich, die Zutatenliste lässt jedem Liebhaber würzig-pikanter Drinks das ob der niedrigen Temperaturen fast gefrorene Wasser im Munde zusammenlaufen: kraftvolle Chili-Sauce, Bitters und ein herzhaft-dunkler Lapsang-Souchong-Sirup kommen im Glas zusammen. „Der Whisky aus Islay war dann fast schon eine Selbstverständlichkeit als Basis“, sagt Rainer. Natürlich, so der Barbetreiber, könne man wie bei vielen Whisky-Drinks mit verschiedenen Sorten und Marken experimentieren, aber „in diesem Fall sollte es schon fast zwingend ein Inselwhisky sein.“

Besonders die Kombination aus Scotch und dem rauchig-malzigen Tee-Sirup verleiht dem Cocktail eine beeindruckende Tiefe und Komplexität mit einem langen Finish, gemeinsam mit der Chili-Sauce entsteht ein natürlich leicht scharfer und geradezu deftiger Gesamteindruck. Die Bitters steuern die fehlende Dimension und eine weitere Ecke bei, um die sich der Gaumen bei seiner aromatische Reise schlängeln muss.

Ein Drink mit Beats?

Und der Name? Wer hier an den längst verstorbenen New Yorker Rapper und Mitglied das Wu-Tang Clans – Ol’ Dirty Bastard – denkt, der liegt leider völlig falsch: „Die Namen meiner Drinks entstehen meist unmittelbar aus dem ersten Eindruck heraus“, meint Rainer. „Und bei dem war es tatsächlich so, dass ich nur dran gerochen habe und dachte ‚Du dreckiger Bastard‘“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Trotz seiner geschmacklichen Eckdaten sowie entgegen aller Geschlechtsklischees hat der Dirty Old Bastard übrigens nicht nur bei den eingefleischten ‚Hard Drinkers‘ und Scotch-Freunden seine Liebhaber gefunden. „Wir servieren ihn schon seit Jahren durchgehend und auf sehr stabilem Niveau.“ Zumal der Cocktail mittlerweile auch auf vielen anderen Barkarten in Deutschland ein Stammgast ist, und das nicht nur im Winter.

Und der nächste Sturm? Der kann gerne kommen. Der alte Bastard wird sich ihm entgegenstellen.

Dirty Old Bastard

Zutaten

5-6 cl Rauchiger Islay Single Malt (z.B. Ardbeg 10 Years)
1-2 BL Lapsang-Souchong-Sirup* (nach Geschmack)
1 cm Sriracha Chili-Sauce (Asiamarkt)
2 Dashes Aromatic Bitters

Zubereitung

Chili-Sauce, Sirup und Bitters in den Tumbler geben und vermischen. Den Whisky dazugeben, kurz umrühren und das Glas mit Eiswürfeln befüllen. Den Drink gründlich mindestens 30 Sekunden lang kaltrühren, bei Bedarf mit zusätzlichem Eis nachfüllen und nochmals rühren.

*Lapsang-Souchong-Sirup
Aus der selben Menge Zucker und Wasser einen Sirup mit 50° Brix kochen. Den heißen Sirup mit etwa der doppelten Menge Teeblättern mazerieren, die normalerweise zur Zubereitung eines Tees notwendig wären. Nach dem Ziehen abseihen, auf eine Flasche füllen und gekühlt lagern.

Glas

Tumbler

Garnitur

Credits

Foto: Herbststurm & Rauch via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

Comments (2)

  • Edgar Diola

    Nur zum besseren Verständnis: ist mit 1 cm Sriracha Chili-Sauce gemeint, dass man aus der Flasche einen 1 cm langen Streifen herausdrücken soll oder handelt es sich um 1 cl?

    reply
    • Redaktion

      Hallo Edgar,

      Du liegst mit Deiner Vermutung ganz richtig: es geht um einen ca. 1 cm langen Streifen. Das hätte man präziser ausdrücken können – Danke für die Anmerkung!
      In seinem 2014 erschienenen Buch verzeichnet Rainer das Rezept übrigens noch mit einem kleinen Stück frischer Chili. Bei unserem Gespräch äußerte er jedoch mir gegenüber, dass er mittlerweile die Sriracha-Sauce aufgrund der besseren, konstanteren Dosierbarkeit der Schärfe bevorzugt.

      Liebe Grüße aus der Redaktion
      // Nils Wrage

      reply

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