Ardbeg Kildalton, ein großes Warum?

News 2.12.2014 1 Kommentar

Schon zum dritten Mal beglückt Ardbeg seine Anhänger in diesem Kalenderjahr mit einer Sonderabfüllung. Nach Auriverdes sowie einem neuen Supernova, kam am 24. November 2014 der Ardbeg Kildalton auf den deutschen Markt.

Der Kildalton ist zunächst einmal ein Whisky, der gut in die Reihe der Sonderveröffentlichungen der letzten Jahre passt. Streng genommen kann er aber auch nicht wirklich aus ihnen herausragen – vom Verkaufspreis einmal abgesehen.

Whisky für den guten Zweck

Zu den Hintergründen: Der neue Ardbeg dient einem sozialen Ziel. Im Kildalton Projekt vereinigen sich sowohl der Schutz ländlicher Gemeinden in den North Highlands als auch das Vorhaben, in Port Ellen ein neues Gemeindezentrum zu errichten, das sowohl als Anlaufstelle für die Bewohner Islays dienen, aber ebenso für Touristen interessant sein soll.

Für diesen Zweck wird die Sonderabfüllung schon seit dem vergangenen Sommer direkt in der Destillerie verkauft. Erst seit letzter Woche ist er auch für Ardbeg-Fans in Großbritannien, Schweden und Deutschland erhältlich. Dabei muss man dieses Mal kein Mitglied im  Ardbeg Committee sein. Zugang zum Verkauf war oder ist für jedermann auf der eigens angelegten Website kildalton.de möglich. Im Unterschied zu den letzten Abfüllungen scheint entweder die Nachfrage geringer oder der Vorrat größer, jedenfalls war auch zwei Tage nach Verkaufsstart noch Ware vorhanden.

Was sonst noch? Nicht viel

Allzu viele Informationen darüber was man sich bestellt, werden allerdings nicht ausgegeben. Ein Single Malt in dem verschiedene Altersstufen von gereiften Ardbegs, sowohl aus Bourbon- als auch aus Sherryfässern, vertreten sind. Der Whisky hat 46% Vol. und ist wie üblich nicht kaltgefiltert. So weit, so gut.

Ardbeg selbst beschreibt den Whisky als „speziell, gegensätzlich aber dennoch zueinander passend, cremig und rassig-würzig und am Ende wieder eine harmonische Einheit“.

Harmonie sollte man auch erwarten können, wenn man 150 Euro für eine Flasche ausgibt. Mehr noch: eigentlich sollte man einem unfassbar feinen Stoff entgegensehen dürfen, der einen atemlos zurück lässt.

Harmonisch? Eher ein komisches Gefühl!

«Harmonisch» und «speziell» ist der Whisky am Ende auch. Aber – und hier wird es persönlich -, sogar als großer Anhänger von Ardbeg muss man sich eingestehen, dass der neue Kildalton mehr oder weniger eine Frechheit ist. Zum einen gab es bereits eine Abfüllung, die diesen Namen trug. Vor genau zehn Jahren existierte eine kleine Charge eines 1980 destillierten Whiskys mit dem Label «Kildalton».

Außerdem sehr speziell, da aus einer Zeit, als Ardbeg sowohl mit getorftem als auch ungetorftem Malz experimentierte. Es mag ein Argument sein, dass die Stiftung für die man jetzt sammelt, Kildalton Projekt heißt. Aus Sicht des Autors scheint es dennoch wenig nachvollziehbar einen Whisky rauszubringen, der den gleichen Namen trägt wie eine andere Abfüllung, aber ein gänzlich anderes Produkt ist.

Hinzu kommen die Geschichten mit dem Alter über das man nicht spricht, sowie die ausgewählten Fässer. Ich wurde vor genau vier Jahren in die Ardbeg Destillerie eingeladen. Als Master Distiller Mickey Heads im Abfüllraum auf die Fässer angesprochen wurde die dort standen (siehe Fotos), beschriftet mit „Kildalton 2010“, wich er charmant aus.

Heute weiß man also, was dort abgefüllt wurde. Wenn man bedenkt, dass der neue Kildalton schon seit Sommer verkauft wird, darf man davon ausgehen, dass zumindest der größte Teil des Whiskys nicht älter ist als dreieinhalb Jahre, was nicht verwundert. Wo soll auch alter Whisky herkommen bei einer Destillerie, deren Neuveröffentlichungen meist in Stunden ausverkauft sind und bei der nur wenig mehr als eine Million Liter pro Jahr destilliert wird?

Einen Ardbeg mit Bourbon- und Sherryeinflüssen gibt es zudem ja schon in der Standard-Range: Der Uigedail wird deutlich länger gelagert und erscheint als ein bei weitem ausgereifteres Produkt. Überdies kostet er nicht einmal die Hälfte des jetzigen Erscheinungspreises vom Kildalton. Neutral betrachtet könnte man das Gefühl bekommen, dass hier der Hype um Ardbeg bis ins Letzte ausgenutzt werden soll.

Für einen guten Zweck zu spenden, wäre schließlich für einen Konzern von der Größenordnung von LVMH sicherlich auch so möglich gewesen. Eine halbgare Sonderabfüllung für einen abstrusen Preis auf den Markt zu bringen, hinterlässt einen sehr faden Beigeschmack. Und das dann auch noch mit einer unglücklichen Namenswahl.

Der Whisky selbst

Fassen wir also zusammen: 2010 wurde ein Whisky in Fässer gefüllt, der damals schon zu einer Sonderabfüllung namens Kildalton werden sollte, es sind also keine eigens ausgewählten Fässer aus dem generellen Lagerbestand. Kurz nach der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestreifezeit wurde er mit anderen Whiskys unbekannten Alters gemischt, abgefüllt und auf den Markt gebracht.

In der Farbe ist er seinem Alter gemäß sehr hell, die Viskosität des Whiskys ist dem von Weißwein nicht unähnlich. In der Nase finden sich typische Ardbeg-Aromen, wie etwa Phenol, leichter Rauch, Getreide und ein wenig weißer Pfeffer.

Im Mund beginnt der Kildalton mit einer leichten Süße, die aber bald durch eine milde, lang anhaltende Schärfe abgelöst wird, die dem Whisky wiederum eine eigene Wärme verleiht. Im Nachgeschmack legt sich ein trockenes Gefühl über den Gaumen, ähnlich dem, das Salmiak-Lakritz hinterlässt.

Ein unanständig-anständiger Ardbeg

Einfach ausgedrückt, hat man mit dem Kildalton einen anständigen Ardbeg im Glas. Mehr aber auch nicht. Der Unterschied beispielsweise zu einem Auriverdes ist nicht sehr groß und ihm fehlen – jenseits des Preises und der verwirrenden Namensgebung –  die Besonderheiten.

Vielleicht wäre es für den Whisky und auch für die Seriosität des Hauses keine schlechte Entscheidung, für eine Zeit lang auf Sonderabfüllungen zu verzichten. Stattdessen sollte man bei Ardbeg eher damit anfangen, dem Whisky wieder Zeit zur Entwicklung zu geben.

 

Nachtrag

Im Zuge von Marco Beiers obigem Artikel hat die Marketingabteilung des Konzerns LVMH, zu dem Ardbeg gehört, mit der Redaktion Kontakt aufgenommen.

Seitens LVMH weist man darauf hin, dass die durch unseren Autor angestellte Vermutung hinsichtlich des Alters des Kildalton falsch liege. Bislang wird von der Firma jedoch auch keine Gegenbehauptung aufgestellt, noch wurde Material vorgelegt, das eine andere Vermutung nahelegen bzw. diejenige Marco Beiers widerlegen könnte.

Wir weisen deshalb an dieser Stelle zwar auf den Einwand des Herstellers hin, die Aussage des Textes bleibt jedoch – bis auf Weiteres – samt der Hypothese unseres Autors in unveränderter Form bestehen.

Für die Redaktion

Nils Wrage

 

Photo credit: Marco Beier

Ein Kommentar

  1. SKOERPER

    investigativer journalismus! gut so!

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