Bier vor Rum auf Kuba

News 25.8.2014

Wer Kuba sagt, muss auch Rum sagen. So oder so  ähnlich verhält sich das mit dem Ruf der Insel und ihrem Nationalgetränk. Aber die Zeiten ändern sich. Martin Cyris besuchte Kuba und beobachtete einen Trend zu etwas Leichterem und zwar dem Bier. Der Gerstensaft liegt im Trend und gilt zugleich als Statussymbol.

Die Bierwelle ist nichts Neues, denn es wird bereits seit 2003 auf der Insel gebraut. Martin Cyris lässt sich für Spiegel Online vom Braumeister der ersten Gasthausbrauerei Kubas, der Factoria Taberna de La Muralla erklären, dass Kuba mehr ist als Salsa, Zigarren und Rum. Ist es das? Bestimmt. Und wenn es nach dem Tourismusministerium der sozialistischen Regierung geht ist es in Zukunft vor Allem eins, nämlich Bier.

Bier ist sexy

Denn das ist jetzt sexy, schick und zudem Zeichen für einen gewissen finanziellen Status unter den tMinisteriums eher an die Touristen die vorwiegend aus Kanada, dem Vereinigten Königreich und Deutschland kommen. Alle drei gelten als mehr oder minder überzeugte Biertrinker-Nationen und für deren Zufriedenheit im Urlaub wird nun so Einiges getan. Laut dem Ministerium sollen in naher Zukunft Brauhäuser in Varadero, Santiago de Cuba und Trinidad eröffnen um den Durst der Touristen zu stillen und den Fokus der Besucher neben der Hauptstadt Havanna auch auf andere Städte Kubas erweitern.

Alles für die Gäste

Nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei den Einheimischen ist das Bier auf der Überholspur und das trotz des stolzen Preises von umgerechnet fast 2,30 € pro Glas, was in Relation zum kubanischen Durchschnittseinkommen recht hoch angesetzt ist. Bezahlbar ist das, wie die meisten Produkte, die über den Grundbedarf hinausgehen in CUC, der konvertiblen Währung.

Auf Kuba gibt es bekanntermaßen zwei Währungskreisläufe und der Durchschnittsbürger verdient den größeren Teil seines Gehalts in der nichtkonvertiblen Landeswährung, wobei das monatliche Durchschnittsgehalt bei 425 kubanischen Pesos liegt. Das entspricht etwa 17 konvertiblen Pesos oder umgerechnet 14 €. Wenn man sich das ansieht ist allerdings im Auge zu behalten, dass Grundnahrungsmittel sowie die Preise für Miete, Wasser und Strom stark subventioniert werden.

Die sommerliche Bierkrise

Zurück zum Bier. Wer es sich also leisten kann, gönnt sich in der modern eingerichteten und im Mai eröffneten Cervecería in Havanna einen der Bier-Türme in Form einer Tischzapfanlage. Die Bierqualität an sich ist passabel und schmeckt Touristen wie Einheimischen, was auch daran liegt, dass viele der Brauanlagen mit Technik aus der DDR in den 1980er Jahren gebaut wurden. Und das in großen Mengen, denn allein die Cervecería Bucanero produziert jährlich rund 1,5 Millionen Hektoliter Bier. Bei einer Insel mit rund elf Millionen Einwohnern ist das eine beachtlich große Menge. Das heißt jedoch nicht, dass es nicht zum Engpass kommen kann. Wie diesen Sommer, denn es herrscht eine sogenannte Bierkrise momentan auf Kuba.

Woran liegt’s? Es wanderte bereits so viel Bier in die Kehlen von Touristen und Einheimischen, dass es zum Engpass kam und der Durst nur noch in kleinen Privatrestaurants gestillt werden kann und das zu erhöhten Preisen, wohingegen der Vorrat in Supermärkten und Tankstellen ausverkauft ist. Kubanische Medien führen die Krise auf verspätete Importe von Braugerste zurück, weswegen die Brauereien nicht mehr  nachkamen mit dem Produzieren. Wie geht man mit einer Krise wie dieser um? Richtig, man greift auf Altbewährtes zurück in Form der Rumflasche.

 

Photo credit: Kuba via Shutterstock

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