FÜNF! Biere für den Sommer

Drinks 2.8.2015 1 Kommentar

Session IPAs, Session IPAs wohin man schaut. Offenbar sind fruchtig-frisch gehopfte Pale Ales, aromatisch ohnehin die kleinen Brüder der India Pale Ales, nicht mehr leicht und fruchtig genug. Das Motto des Sommers: Hopfen rauf, Alkohol runter!

Große und kleine Brauereien in ganz GSA-Land bemühen sich also, Biere von deutlich unterhalb der 5%/Vol.-Grenze abzuliefern, aber bitteschön knackig genug gehopft, um den Hop Heads dennoch ihren allabendlichen Beruhigungs-Fix zu verpassen. Wer auch gern gegen den Trend schwimmt, dem sei versprochen, dass sich in dieser Liste kein einziges Session IPA finden wird. Ehrlich!

Brautopie: Sunny Day Saison
(6,7% Vol., Saison/Farmhouse Ale)

Der Saison-Bierstil kommt aus Belgien, wo er ursprünglich Wanderarbeiter während der Erntezeit ernährte — im Wortsinne, denn nicht nur dürfte die Getreidegrundlage nahrhaft gewesen sein, auch war Bier durch seine Herstellung stets abgekocht und damit sauberer als ein Großteil des Wassers. Es versteht sich von selbst, dass das Bier für die Feldarbeit einen Alkoholgehalt nur unweit aufwärts von Apfelsaft hatte.

Das Sunny Day Saison steht hingegen ganz klar für die moderne Form des Braustils: 6,7%/ Vol. und eine Hopfung, die selbst manches IPA wie milde Limonade aussehen lässt, sprechen eine deutliche Sprache. Dennoch geht es für Liebhaber intensiver Genüsse als Sommerbier durch, denn einerseits bewahrt es sich eine gewisse Leichtigkeit, andererseits bringen Amarillo-, Citra- und Sorachi Ace-Hopfen wunderbare Noten zwischen Orange, Zitrone und der Kräuterfrische von Dill ins Bier. Wer auf einen Bitterstich belgischer Art auch bei hohen Temperaturen nicht verzichten will, liegt mit diesem bei Thorsten Schoppe in Berlin gebrauten Saison goldrichtig!

Brautopie Saison
0,33l Longneck
2,60€, noch im Privatvertrieb des Brauers (Txomin Nandia)

Wirtshaus Berg: Schäfleshimmel
(5,6% Vol., Bio-Märzen/Festbier aus Flaschengärung)

Im Sommer auf der Wiese liegen und am Himmel Schäfchen zählen – so in etwa stellen sich die Macher dieses Bieres die optimale Situation für seinen Genuss vor. An der Donau, circa 30 km südwestlich von Ulm, liegt das idyllische Ehingen-Berg mit seiner Gasthausbrauerei, und man möchte glauben, dass jener Wunschtraum dort keiner bleibt. Zu kitschig? Egal, das Bier spielt mit:

Hell, weizengelb und leicht trüb kommt es daher, sprudelig und mit feinporigem, stabilem Schaum, der an Weissbier erinnert. Es riecht und schmeckt frisch, nach Äpfeln und Zitrone mit Zucker, dazu ein Hauch Vanille und Holunder. Nach dem weichen, süßlichen und getreidehaften Beginn wird es schnell schlanker, säuerlicher und bringt verstärkt Trockenheit an den Gaumen. Die Bitterkeit zum Ende hin erinnert an grüne Kräuter und ist unaufdringlich, aber anhaltend.
Für ein Märzen mit über fünfeinhalb Prozent ist das Schäfleshimmel geradezu unverschämt trinkbar, und damit ein heißer Tipp für die nächste Landpartie!

Schäfleshimmel
0,33l Bügelflasche
1,29€ (Ambrosetti)

St. Louis: Gueuze Fond Tradition
(5,0 % Vol, belgisches Sauerbier aus Spontangärung)

Van Honsebrouck, die Brauerei aus dem belgischen Ingelmünster, ist der Gigant unter den belgischen Frucht- und Sauerbieren. Spricht Otto Normalpilstrinker von „belgischem Kirschbier“, meint er gewöhnlich Biere der Marke St. Louis, die ebenso wie Kasteel oder Brigand von Van Honsebrouck hergestellt werden. Zugegebenermaßen sind die meisten dieser Biere, etwa auch die Premium Gueuze, für den Massenmarkt glattgebügelte „Geschmackserlebnisse“, in denen ein hoher Fruchtanteil und/oder Zucker eine charaktervolle Säure verhindert. Nicht so bei der Gueuze Fond Tradition:

Das pfirsichfarbene, spontan vergorene Sauerbier bietet eine spitze Säure von Zitrone und Cideressig. Trotz der aggressiven Perlage ist das Mundgefühl angenehm weich und bietet dem dezent bananig-keksartigen Weizentouch sowie den typisch wirren Sauermilchnoten genügend Raum, sich auszubreiten. Zum Ende hin beißt man quasi in trockene, bittere Zitronenschale. Gerade dadurch ein erfrischender und doch anspruchsvoller Getränkepartner für hohe Temperaturen.

Gueuze Fond Tradition
0,375l Vichy
2,09€ (Bierlinie)

Maui Brewing Co.: Mana Wheat – Wheres my Ukulele?!?!
(5,5% Vol., mit Ananassaft gebrautes Weizen-Ale)

Nicht nur auf Hawaii gibt es, entgegen gewisser Erkenntnisse aus deutschem Liedgut Bier, auch auf der Nachbarinsel Maui lässt man sich nicht lumpen. Wer könnte schließlich besser wissen, was in schweißtreibendes Wetter passt, als die Bewohner der pazifischen Inselkette?

Auf deutsche Reinheitsgebotsbefindlichkeiten nimmt man hier zurecht keine Rücksicht und macht Bier mit Ananas. Diese kommt jedoch nicht als Radlerimitat ins Bier, sondern ist Teil des Brauvorgangs. Das Ergebnis ist eine weitaus subtilere Fruchtnote, die sich gut in die ohnehin bananig-fruchtigen bis blumigen Aromen des Weizenbiers einfügen. Geschmacklich fallen zunächst die aufschäumende Perlage und eine butterkeksartige Süße auf, die jedoch schnell einer Fruchtsäure weicht, die den Mund Wässern macht. Die Bitterkeit ist sehr zurückhalten, grasig bis würzig, und wie das gesamte Bier leider etwas schnell weg, aber was soll’s – einem Sommerbier kann man Lust auf den nächsten Schluck kaum vorwerfen.

Mana Wheat
0,33l Dose

Wildwuchs Brauwerk Hamburg: Bock ORange
(7,9 % Vol., Bio-Doppelbock)

Moment! Ein Doppelbock in einer Aufzählung von Sommerbieren? Wohl schon zu viel davon genascht? Nun ja…ja!
Denn dieses Werk des ehemaligen Kehrwieder-Kollegen Friedrich „Fiete“ Matthies verdient es, mehrmals den Gaumen mit seinem fruchtigen Geschmack zu beehren. Dieser rührt von der Verwendung der Hopfensorte Mandarina Bavaria her, die getreu dem Namen runde, süßliche Zitrusfrüchte ins Bier bringt.

Anfangs will man den Bock ganz klar in die Winterecke stellen: die Süße erinnert an Plätzchen, die Malznoten haben etwas Schokoladiges, zusammen mit den tropenfruchtartigen Hopfennoten denkt man an Geleebananen mit Schokoglasur und allgemein getrocknete Südfrüchte. So weit, so weihnachtlich. Doch da wären auch die spitze Bitterkeit, die frische Trinkbarkeit, die Gewürznoten, die mit ihren Kurkuma- oder Safrannoten an indische Küche und deutlich wärmeres Klima denken lassen. Alles in allem ist der Bock O’Range dann eben doch ein schönes Abschlussbier für eine laue Sommernacht oder zu deftigem Curry. Aber wirklich nur einer! Na gut, vielleicht zwei…

Bock O’Range
0,33l Longneck
2,59€ (Bierpost)

Photo credit: Sommerbier via Shutterstock.

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