FÜNF! dichte Dichter

Drinks 15.2.2015

Mit dem Phänomen Rausch und Kreativität setzen wir uns bereits seit Jahren auseinander, besonders in unserer Kolumne Tiefenrausch im MIXOLOGY MAGAZIN. Meist bleibt aber im Dunkeln, welche Drinks genau diese Wortmixer zu sich genommen haben. Wir stellen ihnen nun FÜNF! Meister vor und verraten deren Vorlieben.

Was den Meister des geschriebenen Wortes inspiriert, liegt gar nicht so weit entfernt von dem, was in jeder guten Bar meisterhaft dargeboten wird. Manchmal ist es nur eine Frage des Gemüts oder des literarischen Gegenstandes für welche Spirituose man sich entscheidet.
Wie im richtigen Leben eben. Von einigen Wortschmieden ist bekannt, auf was sie auf keinen Fall verzichten wollten oder gar als Brandbeschleuniger ihrer literarischen Feuerzauberei nutzten. Nicht immer ist das gut für sie ausgegangen, aber lesen Sie selbst. FÜNF! Drinks, die – maßvoll genossen – die fünf Sinne auf Touren bringen.

1. Edgar Allan Poe – Eggnog

Edgar Allen Poe lebte zu einer Zeit (1809-49), als so langsam die Cocktails das Licht der Welt erblickten. Poe selbst sorgte mit anderen Autoren dafür, dass Amerika auch literarisch den Eintritt in die Moderne schafft. Über ihn ist bekannt, dass er nicht nur geniale Werke verfasste, die bis heute bestand haben, sondern auch, dass er ein verlorener Alkoholiker war. Schier unglaublich mutet daher sein umfangreiches und bahnbrechendes Werk an.

Ob Symbolismus, Krimi oder Science-Fiction, er war ein Riese des Geschriebenen. Poe liebte Brandy, leider liebte er ihn zu sehr. Es ist nicht gesichert, dass das Rezept des Baltimore Eggnog – Poes Sterbeort – auf ihn zurückgeht.

Baltimore Eggnog (adaptiert nach einer Rezeptur aus “How to Mix Drinks”, Jerry Thomas, 1862 – Quelle: Cocktailian 1, Das Handbuch der Bar)

2,5 cl Brandy oder Jamaika Rum
1 cl    Madeira
0,3 l   Vollmilch
1        Ei
1 BL   Puderzucker
Abrieb von der Muskatnuss

Glas: Flipglas oder Champagnerglas

Zubereitung: Die Eier trennen, die Eigelbe mit dem Zucker und der Muskatnuss zu einer schaumigen Masse schlagen. Nach und nach Brandy (oder Rum) und Madeira unter die Masse mixen. Das Eiweiß mit einer Prise Zucker steif schlagen und vorsichtig unter das Eigelb heben. Sobald eine homogene Masse entstanden ist, die Milch nach und nach unter die Masse heben. Vor dem Servieren kalt stellen.

2. William Faulkner – Mint Julep

Dieser Mann war nicht zu stoppen. Ein Berserker, er hat den Süden Amerikas verbrannt mit seinen Wortungetümen. Man hielt ihn wahlweise für verrückt oder genial. Wie immer eben. Sein ihm liebstes Buch heißt auf deutsch “Schall und Wahn”.

Seine Anhänger sagen dazu: “Das Monster”. Genau so hat er gelebt. Ein Autor, der die Bars und die Bartender liebte, der seine schöpferische Einsamkeit mit seinen Wortwelten und Jack Daniels teilte. Ich behaupte, wer Bücher und gute Drinks mag ist verrückt, wenn er Faulkner nicht gelesen hat. Cheers!

Mint Julep (Rezept nach William Faulkner)

Eine Hand voll Minze zerrupfen
6 cl Jack Daniels
Eine Hand voll Crushed Eis
1 cl Zuckersirup

Zubereitung: Alles gut verrühren und in einen Metallbecher geben. 15 Minuten im Eisfach ziehen lassen und dann zügig austrinken.

3. F. Scott Fitzgerald – Gin Rickey

Wer mit drei Vornamen geschlagen ist, wird entweder Priester oder Dichter. FSF hat die Roaring Twenties und die imaginierten Hintergründe so genial beschrieben wie kein anderer. Amerika wurde mit “The Great Gatsby” der Spiegel vorgehalten, dass es krachte.

So auch in seiner Ehe. Trotz gemeinschaftlicher Leidenschaft für Gin, gingen sie sich unerklärlicher Weise immer wieder an die Gurgel. Leider bis zum tödlichen Ende. Aber: “Zärtlich ist die Nacht” und dieser Wortmetz hat allen Verzweifelten über die Düsternis der Prohibition hinweggeholfen.Beachtlich ist sein Rezept für den Gin Rickey. Man muss diesen Autor lesend austrinken.

Gin Rickey (Rezept nach F. Scott Fitzgerald)

8 cl Gin
2 cl Lime Juice

Zubereitung: Mit viel Eis und Soda auffüllen und mit einer Limettenzeste servieren.

4. Truman Capote – Screwdriver

Truman Capote (1924 – 1984), geboren als Truman Streckfus Persons, verfasste unter Anderem den Roman “Frühstück bei Tiffany”, verfilmt im Jahr 1961 mit Audrey Hepburn. Capote war groß darin, Privates und Berufliches zu vermischen, es ging soweit dass er seine Trinkgewohnheiten wie folgt beschreibt: ”Im Verlaufe des Nachmittags wechsle ich von Kaffee zu Tee, zu Sherry und dann zu Martinis.” Sein Lieblingsdrink war jedoch der Screwdriver, den er selbst “Orange Drink” nannte.

Sein Folgewerk nach dem Publikumserfolg “Frühstück bei Tiffany” war “Kaltblütig” (1961). Damit schuf er einen Tatsachenroman, der zu “New Journalism”gezählt werden kann. Die Recherche und Arbeit an “Kaltblütig” brachten Capote jedoch derart an seine Grenzen, dass er in Depression, Alkohol- und Tablettensucht versank.

Screwdriver (nach Truman Capote)

4 cl Wodka
Orangensaft
Eiswürfel
1 Dash Zitronensaft

Zubereitung: Ein paar Eiswürfel in den Tumbler geben und den Wodka darübergießen. Mit Orangensaft auffüllen und mit einer Orangenzeste servieren.

5. Hunter S. Thompson – Wild Turkey

Jeder hat vermutlich früher oder später schonmal von “Fear and Loathing in Las vegas”, “The Rum Diary” gehört. Beide sind Werke des amerikanischen Autors Hunter S. Thompson (1937- 2005) und wurden mit Johnny Depp in der Hauptrolle verfilmt. Weniger bekannt ist vielleicht, dass Thompson Gonzo-Journalismus als Reportagestil erfunden hat, ein Stil bei dem subjektiv und ohne jede  journalistische Distanz berichtet wird.

Bevor dieser Stil einen Namen hatte, könnte man oben genannten Truman Capote bereits als Vertreter des Gonzo betrachten für seine Arbeit an “Kaltblütig”. Was er trank? Vieles und noch viel mehr. Am liebsten? Wild Turkey Bourbon und Dry. Manchmal auch mit Ginger Beer.

Wild Turkey Bourbon oder Dry

4 cl Wild Turkey
Ginger Beer

 

 

 

Photo credit: Zigarre plus Bücher via Shutterstock

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