FÜNF! Gedanken zum Bar Convent 2014

Bars 12.10.2014 3 comments

Kaum ist der letzte Messestand abgebaut, die letzte Bühne in ihre Einzelteile zerlegt, das letzte Glas poliert – und wir sind schon wieder am Schreibtisch. Der Bar Convent Berlin 2014 war ein voller Erfolg für alle Beteiligten. An zwei Tagen kamen knapp 10.000 Fachleute in der herbstlichen Hauptstadt zusammen, um gemeinsam ein Fest der Barkultur zu zelebrieren. Nils Wrage, selbst einer der diesjährigen Referenten, widmet dem Bar Convent Berlin 2014 FÜNF! Gedanken.

1)  Neuer Besucherrekord

Erneut ist es gelungen, weit mehr Menschen für den Bar Convent zu begeistern als jemals zuvor. Insgesamt wurden dieses Jahr über 9400 Bartender, Gastronomen, Händler und Barflys auf Europas mittlerweile wichtigster Fachmesse für die Bar- und Spirituosenindustrie gezählt.

In dieser Zahl artikuliert sich einmal mehr auch das vorhandene Bedürfnis nach einer Veranstaltung wie dem BCB, der in seiner Anlage weit über das Wesen einer eigentlichen „Messe“ hinausgeht und mit seinem umfangreichen Programm Gelegenheit zur Weiterbildung und zum Networking bietet.

2) Verlassen von Vorträgen

Die Liste der Referenten beim BCB liest sich beinahe wie ein „Who’s Who“ der internationalen Barszene. Ein hohe Qualität der angebotenen Vorträge, Diskussionen oder Verkostungen ist damit sicher gestellt. Falls ein Beitrag dann vielleicht einmal doch nicht die Erwartungen erfüllt, sollte man sich überlegen, ob ein verfrühtes Aufstehen und Verlassen wirklich angemessen ist.

Bewegung im Publikum irritiert nicht nur den Redner und die benachbarten Zuhörer, es zeugt auch schlicht von mangelndem Respekt gegenüber dem Dargebotenen. Erst recht dann, wenn sich der Aufstehende durch eine Sitzreihe voller Anwesender schlängeln muss, die allesamt mit emsigem Verkosten beschäftigt sind. Umfallende Gläser sind dann fast garantiert.

Wird dann auch noch ersatzweise ein anderer Talk besucht, der bereits angefangen hat, kommt es hier zu einer erneuten Störung. Man sollte sich also im Vorfeld überlegen, wo das Interesse liegt, und außerdem jedem Redner die Gelegenheit geben, seiner kompletten Darbietung Aufmerksamkeit zu bieten. Oft ist es das Ende, das die schlüssige Conclusio liefert.

3) Saufen – bitte nicht!

Richtig: Saufen. Nicht „Verkosten“ oder „Trinken“, sondern „Saufen“ ist ein Problem, das dieses Jahr mehr denn je zum diskutierten Phänomen innerhalb des BCB geworden ist. Der Bar Convent bietet nach wie vor die Möglichkeit, an sämtlichen Ständen Produkten zu verkosten, um sich über Neuerungen zu informieren.

Leider scheint der Grundcharakter der Messe von einem immer größeren Teil der Besucher als „Trinkurlaub“ wahrgenommen zu werden. Bereits bei Eröffnung steht eine ganze Menge Messegäste samt mitgebrachtem Drink in der Einlass-Schlange. Nur kurze Zeit später ist bei den ersten Experten schon eine bedenkliche Schlagseite zu beobachten.

Ein solches Verhalten zeugt davon, die Auslegung als „Bartender’s Christmas“ falsch zu verstehen: ein „Familienfest“ will und darf der BCB gerne sein – aber kein Saufgelage. Auch „kreative“ Bestellungen wie „einen dreifachen G&T!“ am Stand eines Limonadenherstellers passen da nicht ins Bild. Der BCB sollte als das gesehen werden, was er ist: ein Forum für Fachleute, die sich weiterbilden wollen. Und das so nüchtern, wie im vorliegenden Rahmen nunmal möglich.

4) Zwischenrufe bei Diskussionen

Bemühen wir noch einmal die Vokabel „Respekt“. Es mag Themen geben, die polarisieren und bei manchem Zuhörer eines Fachvortrages – aufgrund persönlicher Erfahrungen – auch in hohem Maße emotionalisieren. Daran ist auch nichts auszusetzen, solange diese Emotionen unter Kontrolle bleiben.

Laute Zwischenrufe bei Podiumsvorträgen sind da keine Lösung, sondern ein prinzipielles Tabu! Sie sind nicht nur Ausdruck mangelnder Achtung gegenüber dem Redner, sie stören außerdem Dynamik und Konzeption des Vortrags und belästigen das restliche Publikum. Nur allzu einfach lässt sich durch das Ausrufen populistischer Eingebungen Szenenapplaus generieren, aber hier sollte man zurückstecken.

Für Kritik und Fragen an den Referenten bietet sich beinahe immer die Gelegenheit nach dem Vortrag. Schließlich sind die Redner auf den Bühnen Angehörige der Branche und keine streng abgeschirmten Staatsgäste.

5) Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Die Station Berlin ist kaum geräumt, die Wogen in den Büros der Veranstalter noch nicht komplett geglättet – und wir richten den Blick bereits auf die MIXOLOGY BAR WEEK 2015. Bereits jetzt sind wieder viele Stände für die Messe im kommenden Jahr vergeben und wir freuen uns, nach einigen Tagen des Entspannens, auf den nächsten Bar Convent Berlin.

Am 6. & 7. Oktober 2015 öffnen sich erneut die Türen des Bar Convent Berlin. Sicherlich wieder mit hochklassigen Referenten, spannenden neuen Produkten, vielen alten und neuen Freunden – und zahlreichen Besuchern!

Photo credit: Bar Convent via Tim Klöcker

3 comments

  1. Jörg Kalinke

    Hallo Nils,

    wir hatten ja auf dem BCB schon Gelegenheit zu sprechen.Punkt 1-4 bin ich unumwunden bei Dir. Zu Punkt 3 ist wirklich zu überlegen und zu analysieren, wer denn dort jetzt taumelnd andere Gäste am eigentlichen Bartender’s Christmas kratzt. Meine Erfahrung in diesem Jahr ist wirklich, dass Bartender (und damit meine ich Kollegen und nicht Connaisseure) ihre halbe Familie mitbringen und gemeinsam den BCB zum Vorglühen nutzen um dann auf den Parties abends richtig abzustürzen. Mich widert es an, wenn fünf junge Leute einen Daiquiri nach dem nächsten exen…
    Kritikpunkt ist das Datum der Bartender’s Week: 6.&7. Oktober, damit dürfte wohl das von euch unabhängige RumFest auf den 3.&4. Oktober fallen. Ihr mäandert stark um einen wichtigen deutschen Feiertag, bei dem die Bettenauslatung in Berlin schon eh sehr hoch ist, think about it, plz…

    Beste Grüße ausm Pott,

    Jörg

  2. Geza

    Hallo,

    auch wenn ich zum größten Teil einer Meinung bin, möchte ich doch bei Punkt 2 gewissen Einspruch erheben.

    Zunächst einmal würde ich grundsätzlich bezweifeln, dass ein erfahrener Bartender oder erfolgreicher Gastronom oder eine versierte Geschäftsperson durch „Bewegung im Publikum“ zu irritieren sei – um einen Vergleich mit akademischen Veranstaltungsformen zu bemühen: Die Vorträge hatten ja wohl doch eher „Vorlesungscharakter“ und nicht den eines geschlossenen „Seminars“. Die Störung des Publikums – insbesondere wenn man sich sofort eine der raren Sitzgelegenheiten gesichert hat – ist da schon eher ärgerlich – und wenn durch derart ungeschicktes Bewegen das übrige Auditorium gestört, bedrängt oder Proben verschüttet werden ganz besonders.
    Sollte man sich unsicher sein ob das Thema interessiert, kann man sich meiner Meinung nach durchaus zuerst in die hintere Reihe stellen und „hineinhorchen“…

    Nun aber zur Kritik aus der Sicht des Besuchers.
    – Erstens muss gesagt werden, dass die Ankündigungen der Vorträge ausgesprochen dünn gestaltet waren: Titel + kryptisch, lyrisch oder gar völlig inhaltsfreier Untertitel genügen nicht. Wenigstens zwei Sätze zum Inhalt des Vortrages hätten die Entscheidung erleichtert.
    – Die Entscheidung noch weiter erleichtert hätte eine intelligentere gestaffelte Zeitplanung. Für mich persönlich war z.B. der Slot 15:30 des zweiten Tages grauenhaft: Ich hätte am liebsten die (zeitgleich beginnenden!) Vorträge auf allen drei Demo Bars besucht.
    – Letztlich war dann aber derjenige, den ich gehört habe eine einzige Enttäuschung. Da ich hier nun keine einzelnen Vorträge oder Einzelpersonen nennen möchte, muss ich vielleicht sogar „noch einen drauf setzen“ und allgemein werden: Der größere Teil der Vorträge waren für ein Fachpublikum (und als „Fachmesse“ versteht sich das BCB doch wohl, oder?) schlicht uninteressant. Historische Abrisse einer Cocktailgattung, Basiswissen zu Spirituosenarten dass wirklich nur Einsteigern oder völligen Laien neu sein dürfte oder die künstliche Hysterie mit der man sich für ein paar billige Lacher über weitverbreitete Mythen und die Wichtigtuerei manches Kollegen lustig macht = große Langeweile. Und das Verlassen eines Panels in der Hoffnung anderswo spannendere Informationen zu erhalten wird somit für mich vollkommen legitim. (Es sei denn, man geht von vorneherein mit der Einstellung eines Kollegen den ich vor Ort traf an die Sache heran und erwartet auch gar nichts spannendes bei den Vorträgen zu erfahren – lässt sie also ohnehin links liegen)
    Wesentlich wertvoller waren da für mich viele der Präsentationen der Vertreiber und Aussteller selbst, da diese häufig wesentlich praxisbezogener, konkreter und in einigen Fällen sogar kreativ und humorvoll vorgetragen wurden.

    Alles in allem aber eine gelungene Veranstaltung – und freue mich auf’s nächste Mal!

    Grüße!
    Geza

  3. Bernd

    zu Punkt 1:
    auch wenn es wieder ein neuer Rekord war bei den Besuchern ! „Glückwunsch dazu“

    Muss ich aber kritisieren den Einlass an Tag 1 bei über einer Std. Warte-Zeit in der Schlange hat für viele Besucher die Messe erst um 14:00 Uhr begonnen.

    Am Konzept der Kassen sollte dringend gearbeitet werden ! hierzu sind die anderen Punkte doch eher hinter-gründlich zu betrachten.

    Nimmt man andere Messen zum Vergleich ist dort ein Einlass im Minuten Takt möglich !

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