Der Greenpoint Cocktail.

News 14.1.2014

Greenpoint ist wahrscheinlich nicht der berühmteste Stadtteil des Big Apple, aber es war an der Zeit auch diesem Viertel ein flüssiges Denkmal zu setzen.

Es war vor etwa neun Jahren als Michael McIlroy anfing, als Bartender im New Yorker Milk & Honey zu arbeiten. Einer seiner Kollegen, Enzo Errico hatte derzeit gerade den Red Hook Cocktail – noch so ein New Yorker Stadtteil – als Hauscocktail etabliert und McIlroy sah sich in seinen Fußstapfen und wollte einen Drink kreieren, der eine ähnliche Richtung einschlägt, also eine Abwandlung eines Manhattan ist, aber dennoch eine würzige Note beinhaltet. Da er damals in Greenpoint wohnte und der Drink natürlich den Namen eines Stadtteils bekommen sollte, lag die Idee nahe, einen „grünen“ Chartreuse als Zutat zu verwenden, und so die Verbindung zu schaffen. Geschmacklich entschied er sich am Ende aber doch für die leichtere Variante des Likörs. Auch wenn es oftmals anders dargestellt wird, verwendet auch McIlroys Originalrezept den gelben Chartreuse.

Nachdem sein Drink in wenigen Jahren internationale Popularität erfuhr und in verschiedenen Cocktailbüchern, unter anderem in Jim Meehans „Das geheime Cocktailbuch“ präsentiert wurde, darf man im Falle des Greenpoint durchaus von einem modernen Klassiker sprechen. Darauf angesprochen freut er sich zwar über diese Ehre und findet es fantastisch, dass sein Drink dieses Prädikat erhält, noch wichtiger ist ihm aber, dass Kollegen auf der ganzen Welt den Greenpoint mögen und ihren Gästen empfehlen.

Greenpoint rund um die Welt

Und so ist es. Der Greenpoint ist Bartendern auf der ganzen Welt ein Begriff. Der Südafrikaner Nick Koumbarakis, der in Kapstadt im House of Machines arbeitet, empfiehlt den Drink sehr gern, vorausgesetzt es ist gerade Chartreuse in Kapstadt verfügbar. Ist dies der Fall mixt er gern sehr komplexe Spirituosen miteinander, da diese sich im Greenpoint bestens ergänzen können. Zu einem kräftigen Rye würde er in dem Fall Cocchi Americano und gelben Chartreuse geben. Dazu Orangen- und Angostura Bitters und anstatt den Drink zu rühren würde er die Methode des „Throwing“ wählen. Eine Technik die in diesem Video von SmallScreenNetwork sehr schön erklärt wird.

Marcus Wolff, Barchef der Bar Marques in Berlin, konnte mit dem Namen nichts anfangen, als er das erste Mal darum gebeten wurde. Verwirrt vom Rezept, das ihm Google präsentierte: „Wieso heißt der GREENpoint, wenn gelber Chartreuse reinkommt?“ In seiner Variante verzichtet Wolff allerdings auf die Verwendung von Bitters, um die Aromen der Spirituosen in den Vordergrund zu stellen. Außerdem empfiehlt er gern die Spielart des Gin Greenpoint, in der einfach der Whiskey durch einen kräftigen Gin ersetzt wird.

Eine erfrischend andere Meinung bekommt man ausgerechnet aus der Chartreuse-Hauptstadt Frankfurt. Maxim Kilian, Bartender im „The Parlour“, ist diese Variante eines Manhattan suspekt. Seiner Meinung nach ein Twist des Manhattans, der dem Original nicht das Wasser reichen kann. Keine der getesteten Varianten konnte Kilian bisher überzeugen.

Dass der Greenpoint nicht unbedingt jedermanns Geschmack ist, versteht der Urheber durchaus. „Ich empfehle den Drink meist Gästen mit einem Hang zu Klassikern, die auf der Suche nach dem bestimmten Kick sind, oder meinen schon alles zu kennen. Ein einfacher, ausbalancierter Cocktail mit dem bestimmten Twist.“

 

Greenpoint (adaptiert von Michael McIlroy, Milk & Honey, 2005)

6 cl Rye Whiskey

1,5 cl Sweet Vermouth

1,5 cl Chartreuse jaune

2 dashes Angostura Bitters

2 dashes Orange Bitters

 

Glas: Coupette

Garnitur: Zitronenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten in ein mit Eiswürfeln gefülltes Rührglas geben und ca. 30 Sekunden (30 mal) verrühren. Ins vorgekühlte Gästeglas abseihen, mit den ätherischen Ölen der Zitronenzeste abspritzen und mit ins Glas geben.

 

Bildquelle: Greenpoint Waterfront by Kgwo1972 at wikipedia

 

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