Sasha Petraske Si-Guëy

Ein Aufruf zum Weitermachen: Der „Si-Guëy“

Drinks 26.9.2018 2 comments

Sasha Petraske bereicherte die Bar wie kaum ein anderer. Das tat er nicht alleine mit seinem Hang zum Minimalismus, sondern mit Drinks wie dem „Si-Guëy“. Der Tequila-Cocktail ist ähnlich unangepasst und verschroben wie sein Schöpfer selbst – und dabei genau so ehrlich und kompromisslos.

Vor etwas über drei Jahren erreichte die Barwelt eine traurige Nachricht. Sasha Petraske war in noch sehr jungem Alter verstorben und die Szene hatte ein Schwergewicht verloren. War Sasha Petraske stets ein zurückhaltender, fast introvertierter Charakter, so stand er doch auch Pionier als Vater moderner Barkonzepte, die Jahre später weltberühmt werden sollten.

Petraske selbst war nicht aus auf Effekthascherei. Ihm ging es um die nüchterne und unaufgeregte Betrachtung der Bar, um seine Überzeugung und Vision der Zukunft. Es ging ihm um Simplizität. Das ist immer wieder eines dieser Stichworte, die im Gespräch über ihn fallen. Erwähnt wird da beispielsweise, wie er aufgrund von Platzmangel in seiner New Yorker Bar nur eine Spirituose pro Kategorie aufnahm oder nur mit den erlesensten Zutaten arbeitete. Ein aus der Not geborener Perfektionist? Nein. Denn auch die von ihm entworfenen Drinks spiegeln seinen Charakter und das Wirken im Glas wider: Simplizität.

Hola Amigos im Milk & Honey

So findet sich in dem kurz nach seinem Tode in Zusammenarbeit mit seiner Witwe Georgette Moger-Petraske veröffentlichten Werk „Regarding Cocktails“ auch der in seinem New Yorker Milk & Honey servierte „Si-Guëy“.

„Ya, dude“ soll das aus dem spanisch-lateinamerikanischen Slang übersetze Satzfragment wohl heißen, und man soll es sich abends in der Bar immer wieder mal zugerufen haben. Doch ich denke, es soll viel mehr dem spanischen Wort „seguir“ entlehnt worden sein. „Weitermachen“, heißt das dann.

Der Si-Guëy, der ein wenig Ähnlichkeit mit dem Oaxaca Old Fashioned aufweist (der wiederum Tequila, Mezcal, Agave und Bittermens Xocolatl Mole Bitters kombiniert), ist der Drink gewordene Sasha Petraske: stimmig, wirkungsvoll und reduziert.

Der Drink vereint Tequila, Scotch und Curaçao und verlangt nach ein wenig Orange Bitters zur Untermalung. Auf den ersten Eindruck kontrastieren sich die verschiedenen Aromen gewaltig. Der vollmundige, herb-rauchige Tequila, die leichten, blumigen Aromen des Curaçaos sowie der schwere, deutlich rauchigere Scotch. Das der erste Eindruck; sperrig und ein wenig befremdlich für diesen überaus kontemporären Old Fashioned Verschnitt.

Der Si-Guëy will auch gar nicht gefallen

Sicherlich ist das nicht jedermanns Sache. Da hilft auch der Hinweis auf besonders weiche Reposado-Qualitäten oder das längere Rühren des Drinks nichts.

Aber der Si-Guëy will auch gar nicht gefallen. Er gefällt sich selbst und wem er nicht gefällt, der bestellt halt etwas anderes. Er ist ähnlich unangepasst wie Sasha Petraske und macht einfach sein Ding. Ungestört und leicht verschroben. Nah genug an der Realität und doch ein wenig speziell. Dabei aber so interessant, dass er in seiner Strahlkraft nicht unterschätzt werden sollte.

Vor allem aber ein Drink, der uns sagt, wo es lang geht. „Weitermachen“ also. Schweren Herzens und in Gedenken an Sasha Petraske, lauschend wie er einst gesagt haben soll in dieser legendären New Yorker Bar: „Si-Guëy“

 

„Si-Guëy“

Sasha Petraske / Milk & Honey, New York

Rezept

6 cl Reposado Tequila
0,75 cl Scotch
0,75 cl Orange Curaçao
3 Dashes Orange Bitters

Zubereitung

Alle Zutaten zusammen in einem Rührglas auf Eiswürfeln gründlich kaltrühren und auf Eiswürfel ins vorgekühlte Glas abseihen.

Glas

Tumbler

Photo credit: Tim Klöcker

2 comments

  1. affemitbar

    „und“ … und was?

    • Redaktion

      Korrigiert. Danke für den Hinweis 😉

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