Fakten: Die Top 6 der modernen Gin-Drinks

Drinks 17.3.2015 4 comments

Sehen wir der Tatsache ins Auge: ausschließlich mit Martinis und Gimlets wird man auch nicht glücklich. Was wäre die moderne Barkultur ohne ihre eigenen Beiträge zur Cocktailhistorie. Marco Beier beleuchtet für uns seine sehr unterschiedlichen Favoriten.

An dieser Stelle wurde in den vergangenen Wochen aufgeräumt. Zum einen mit Mythen und Nonsens um die derzeitige Spirituose Nummer eins – den Gin. Letzte Woche wiederum haben wir die Cocktailkarten auseinandergenommen, um uns endlich einmal wieder auf die sieben traditionellen Gin-Klassiker zu besinnen.

Da scheint es vielleicht nur mäßig schwer, zu erraten, was als Nächstes kommt. Genau – die „modernen“ Gin-Klassiker! Jüngere Cocktails mit Gin, die sich entweder bereits auf vielen Barkarten etablieren konnten oder die ganz sicher das Zeug dazu haben auch noch in ein paar Jahren an Bars bestellt zu werden.

1) Bramble

Von Angus Winchester als eines der sieben Cocktailweltwunder geadelt und sicher einer der Drinks, die, wenn auch im „dunklen Zeitalter“ der Cocktailkultur geboren, noch heute als gelungene Rezeptur mit modernen Ansprüchen durchgehen. 1984 war es, als Dick Bradsell im Freds Club im Londoner Stadtteil Soho den Bramble erfand.

Ein toller Beweis dafür, dass man das Rad nicht neu erfinden muss, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Streng genommen ist der Bramble nichts anderes als ein Gin Sour, dem eine fruchtige Note durch einen Brombeerlikör hinzugefügt wurde. Die Entstehungsgeschichte zum Bramble gibt es vom Erfinder selbst in einem netten Video erzählt.

5 cl Dry Gin
3 cl frischer Zitronensaft
1,5 cl Zuckersirup
1 cl Crème de Mûre (Brombeerlikör, ersatzweise Chambord)

Glas: Tumbler
Garnitur: Brombeere und Zitronenspalte

Gin, Zitronensaft und Zuckersirup ins Glas geben, verrühren und mit gestoßenem Eis auffüllen. Umrühren und dann den Likör floaten.

2) Gin Gin Mule

Aus New York kommt der zweite Klassiker. Der Gin Gin Mule ist ebenfalls ein Twist auf einen schon bestehenden Klassiker. Audrey Saunders, die Betreiberin des Pegu Club in New York und vielleicht die erfolgreichste Schülerin des amerikanischen Cocktailmeisters Dale DeGroff, fügte einem London Buck ein wenig Säure und Minze hinzu und gab ihm einen neuen Namen. Da man mittlerweile weltweit weiß, was verlangt wird, wenn ein Gin Gin Mule bestellt wird, zeigt uns der Drink eindrucksvoll, dass er es zu einem modernen Klassiker geschafft hat.

4,5 cl Dry Gin
3 cl frischer Limettensaft
2 cl Zuckersirup
6-8 Blätter frische Minze
3-4 cl Ginger Beer zum Auffüllen

Glas: Highball
Garnitur: Minze

Zucker, Limettensaft und Minze in den Shaker geben und mit dem Muddler leicht andrücken. Gin dazu geben, mit Eiswürfeln auffüllen und kräftig schütteln. Doppelt in das mit Eiswürfeln gefüllte Glas abseihen und mit dem Ginger Beer auffüllen.

3) Gin Basil Smash

Natürlich ist er in dieser Liste vertreten. Was als noch recht unauffälliger Post im ehrwürdigen Bitters Blog begann, versetzt mittlerweile jeden Sommer die Kräuterzüchter Mitteleuropas in offene Verzückung. Das Gerücht, wonach der Drink als Auftragsarbeit der italienischen Basilikumbauern entstand, wurde bislang übrigens noch von keiner Seite bestätigt. Offizielle Dementi gibt es allerdings auf keine. Und seien wir ehrlich, wundern würde es niemanden. Ein großartiger Drink, der diese Liste eigentlich anführen sollte, und dessen Name mittlerweile die Fassade des ehrwürdigen „Löwen“ in der Hamburger Rathausstraße ziert.

6 cl Dry Gin
½ Zitrone in Stücken
1,2 cl Zuckersirup
2-3 Zweige frischer Basilikum

Glas: Tumbler
Garnitur: Basilikum

Basilikum und Zitrone in den Shaker geben und kräftig zerdrücken. Zucker und Gin dazugeben, mit Eiswürfeln auffüllen und kräftig schütteln. Doppelt auf Eiswürfel in das vorgekühlte Glas abseihen.

4) Gin & Juice

Ein Getränk auf dem Scheideweg. Von Snoop Dogg schon vor 20 Jahren besungen, wäre es eigentlich an der Zeit, dass der Siegeszug langsam komplettiert wird. Vielleicht liegt es an der Frage danach, welchen Saft man am besten mit dem Wacholderschnaps vermixt. Funktionieren mag vieles, wirklich sexy wird die Mixtur allerdings erst mit Traubensaft, der allerdings noch eher selten in Cocktailbars anzutreffen ist.

Das Team der Goldenen Bar in München schwört dabei auf einen klassisch-wacholdrigen Gin und dunklen Traubensaft, Johannes Möhring aus der Schumann’s Bar in München verlangt gar nach einem sortenreinen Saft vom Grauburgunder: „Die Mischung ist wahnsinnig lecker. Perfekt wird sie dann, wenn man ihr noch ein wenig Kohlensäure hinzufügt.“

5) Frozen Gin & Tonic

Der Granitor. Einst ein Werkzeug aus der Slushee-Hölle, mit dem überzuckerte und bunte Sirups zu einer Art Eis verfroren wurden, um sodann manchen Kids die Gehirne gefrieren zu lassen. Aber wie es immer mit Werkzeugen ist, die Frage ob „Wohl oder Wehe“ hängt an dem, der es benutzt.

Füttert man einen Granitor aber mit Gin und Tonic, erhält man einen Drink, der zum einen vor allem großen Kindern Spaß macht, und – auch wenn er vielleicht keine bahnbrechende Erneuerung birgt – vor allem auf Terrassen im Sommer viel Freude bereiten kann. Aber wir übernehmen keine Garantie für die Auswirkung aufs Gehirn!

6) Breakfast Martini

Was wäre eine Liste mit Gincocktails ohne eine Martini-Variation? Immer noch eine sehr leckere Liste, aber irgendwie unvollständig. Und die Nennung von Salvatore „Maestro“ Calabrese beruhigt das Autorengewissen zusätzlich. Die Definition eines Martini beschränkt sich in diesem Fall allerdings auch wieder auf das typische Glas.

Ansonsten ist der Drink wieder eine Variante eines Sours, in der die Süße durch Orangenlikör und -marmelade in den Drink kommt. Die bitteren Noten der Marmelade harmonieren dabei perfekt mit den Aromen des Gin.

5 cl Dry Gin
2 cl Zitronensaft
1,5 cl Cointreau
2 BL Bittere Orangenmarmelade

Glas: Coupette
Garnitur: Orangenzeste, geröstete Toast-Ecke

Alle Zutaten im Shaker mischen, mit Eiswürfeln auffüllen und kräftig schütteln. Doppelt in das vorgekühlte Glas abseihen.

Ob sich diese Drinks auch als Klassiker über die Jahre halten können, bleibt abzuwarten. Spannende Drinks, die man durchaus in petto haben sollte, sind sie allemal. Cheers und bis nächste Woche!

Photo credit: Sherlock und Frau via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

4 comments

  1. Simon

    Was bedeutet „doppelt abseihen“?

    • Redaktion

      Lieber Simon,

      doppelt abseihen bedeutet schlicht, dass der fertige Drink nach der Zubereitung nicht nur durch den üblichen Bar-Strainer, sondern auch durch ein feines Teesieb geseiht wird, um kleine Eissplitter sowie Frucht- und Kräuterfetzen nicht ins Glas gelangen zu lassen. Dazu wird beim regulären Abseihen einfach das zweite Sieb mit der freien Hand „zwischen“ Shaker/Rührglas und Gästeglas gehalten.

      Hoffe, das hilft Dir weiter? Sonst gerne fragen!

      Viele Grüße aus der Redaktion,
      Nils Wrage

  2. Eike

    Was genau ist eigentlich mit einem Twist gemeint. Ist schlichtweg gemeint, dass man einen Klassiker etwas abgeändert hat?

  3. Simon

    Danke!

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