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Ein Appell – schon wieder

Nur noch etwa zweieinhalb Wochen dauert es, dann strömen wieder tausende interessierte, durstige Bartender nach Berlin. Schließlich steht der Bar Convent Berlin an. Doch Bartender’s Christmas hört nicht auf, wenn die Tore der Station Berlin schließen.Schließlich kommen die vielen internationalen Fachkollegen nicht nur, um an Messeständen zu verweilen, sondern um die florierende hauptstädtische Barkultur zu genießen. Doch geht das immer gut? Ein neuerlicher Appell.
Wenn eine Veranstaltung wächst, kommen immer mehr Menschen mit ins Spiel. So auch beim Bar Convent, dessen Rahmenprogramm mittlerweile die gesamte Berliner Innenstadt mit einbezieht. Für die hauptstädtischen Barbesitzer und ihre Crews stellt sich immer häufiger die Frage, wie am besten umzugehen ist mit der Flut an Bartendern, Barflies und sonstigen Angehörigen der Branche.
Nicht wenige Bars platzen an den beiden BCB-Abenden aus allen Nähten und machen Rekordumsätze. Doch der Erfolg hat seine Schattenseiten. Daher ein neuerlicher Appell an die Berliner Bars.
Keine Einschränkungen!
Es ist ein erneuter Aufruf an die Berliner Bars, sich den Gästen so zu präsentieren, wie man es auch das restliche Jahr über tut. Einige Wochen sind es noch, und dennoch hört man schon wieder aus manchen Richtungen Ankündigungen wie „wir arbeiten zum BCB mit einer kleinen Karte“ oder „wir werden vor allem Highballs anbieten“.
Sicher, man macht sich diese zwei manchmal einem Kampf gleichenden Abend etwas erträglicher, wenn das Angebot eingeschränkt ist: die Mise-en-place ist leichter zu gewährleisten. Und wenn dann noch Drinks gelistet werden, die einfach zu bauen sind, kann der Ansturm einfacher bewältigt werden. Aber ist das der richtige Weg? Sicher nicht.
Der falsche Weg
Nennen wir das Kind beim Namen: in vielen Bars wird es ohnehin über die Maßen „knallen“ – ganz gleich, welche Drinks angeboten werden. Viele der Berliner Trinkadressen sind mittlerweile bis weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt und werden an beiden BCB-Tagen etliche Bartender zu sich ziehen. Und wenn die Hütte sowieso bis unters Dach voll ist, dann ist es egal, was angeboten wird. Also bitte, liebe Berliner Bars: lasst die kleine Karte in der Schublade.
Das Beste Publikum des Jahres
Für nicht wenige Gäste aus dem In- und Ausland ist die Reise nach Berlin – zu Euch, liebe Bartender – nicht nur ein Messebesuch, sondern eine Reise, die komplett der Weiterbildung und dem Genuss dient. Und gerade denen, die sich auf die exzellente Berliner Barlandschaft mehr freuen als alle anderen Touristen zusammen, sollte keine „Kleine Karte“ vorgesetzt werden.
Sicher, wir sprechen hier von drei, vier Stunden, in denen die Wände derart wackeln, dass auch der passionierteste Bartender sich bisweilen wünscht, es würde nur noch Flaschenbier geben. Solche Abende sind mitunter grässlich und zermürbend. Aber dabei sollte Folgendes bedacht werden: Liebe Berliner Bartender, auch wenn Euch manche dieser Besucher durch Ihre Wünsche und Bestellungen in den Wahnsinn treiben, sind sie dennoch vor allem da, weil sie Euch sehen wollen!
All die Fachkollegen aus Skandinavien, Osteuropa, Spanien, Frankreich und gar Übersee sind nicht nur bei Euch, weil sie durstig sind. Sie kommen in die Berliner Bars, weil Ihr weltweit einen hervorragenden Ruf genießt. Und da wollt Ihr Ihnen ernsthaft sagen, dass es heute nur einen Horse’s Neck und noch drei andere Drinks gibt?
Finale
Tut den Besuchern, tut vor allem auch Euch so etwas nicht an, denn Ihr habt das nicht nötig. Es wäre falsch, zu behaupten, dass Ihr „Stars“ der Branche seid, aber Ihr habt einen Ruf. Und den genießt Ihr zu Recht. Also seid das, was die Besucher von Euch erwarten – nämlich mit das Beste, was die deutschsprachige Barkultur zu bieten hat.
Es kann freilich ein Horror sein, wenn die Riesenorder aus zwei Sazeracs, einem Ramos Fizz, einem Old Cuban und mehreren unterschiedlichen Old Fashioneds abgearbeitet wird, während gleichzeitig in zweiter und dritter Reihe die nächsten Gäste warten und außerdem noch der Barrel-Aged Martinez aus ist. Aber das geht vorbei. Und auch 600 oder 700 Highballs machen eine Menge Arbeit. Stellt Euch vor, es sei WM-Finale und der Bundestrainer ließe die komplette B-Auswahl auflaufen, weil der Rest sich ja in den vorigen Spielen schon verausgabt hat. Da müsst Ihr durch! Und alle werden es Euch danken.
Ihr werdet mit Sicherheit an keinem anderen Abend im Jahr solch zufriedene Gäste haben, wenn Ihr Euren BCB-Gästen all das bietet, wofür Eure Bar steht. Auch, wenn das teilweise höllische Arbeit mit sich bringt. Die Besucher, die Euch während des BCB vielleicht in den kurzfristigen Irrsinn treiben, können zweifellos manchmal schrecklich nerven. Sie sind die anspruchsvollsten Gäste, die man sich vorstellen kann. Aber auch die verständnisvollsten. Zeigt Ihnen, was Ihr könnt.

Credits

Foto: Tafel und Hand via Shutterstock. Post-Produktion: Tim Klöcker.

Comments (2)

  • Jonas

    Ihr kritisiert die Bartender Berlins in ihrem Tuen und Machen aber gleichzeitig stellt ihr die erste Schwelle zur Ausgrenzung der Gäste für den Bar Convent aka Connaiseure, Nerds oder was auch immer.
    Es ist eure Messe…eure Szene, das nimmt euch keiner. Das ist alles ok, wenn ihr den Event so fahren möchtet. Aber ich bin der Meinung, dass die von euch so ungeliebten Nerds mehr für die deutsche Barszene getan haben, als so mancher Bartender und ihr diese übertrieben gesagt auf Händen in die Messe reintragen solltet anstatt ihnen Barrieren aufzuzeigen.
    Ich habe den fragwürigen Schritt aus der Fanszene in die „Professionalität“ gewagt. Ich sehe mich jedoch nach wie vor als Connaissur und Spirituosenverrückten. Mir fehlt in diesem Status jedoch die Kredibilität auf den BCB eingelassen zu werden, daher werde ich dieses Jahr nicht in Berlin sein.
    Lirumlarum…kommen wir zurück auf meine Einleitung. Kritisiert nicht frontal und schreibt treibende Überschriften, wenn ihr gleichzeitig unfeinfühlig einem essezielem Teil der Barszene die Zukunft des BCB schwer macht. Ich möchte Gründe, Belege und Argumente für diesen Schritt. Das könnte man ja auch mal ausdiskutieren in einem Beitrag, speziell jetzt kurz vor dem BCB . Das Warum und was und wie.
    Beste Grüße
    Jonas

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  • Redaktion

    Hallo Jonas! Wir bei Mixology schätzen den Connaisseur. Seit jeher. Und wir sind auch immer für einen Dialog offen. Wenn Deine Kritik sich auf den Eintrag im Cocktails & Dreams Forum bezieht – für das Forum ist bereits im direkten Gespräch eine Lösung erzielt worden. Allerdings widerspreche ich Dir in Bezug auf die Aussage „…eure Szene“. Niemand „gehört“ eine Szene, genau so wenig wie man prüfen kann, welcher Konsument tatsächlich eine tiefergehende Affinität zu Bar und Spirituosen hat und welcher nicht. Ich glaube nicht, dass Du versucht hast, Dich in die Position der Veranstalter des Convents hineinzuversetzen, die für einen eventuellen Mißbrauch der Plattform gradestehen müssen. Beste Grüße HA

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