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Aber bitte nicht mit Sahne, die neue Colada

Auch wenn Udo Jürgens zum Kuchenbuffet seit beinahe 40 Jahren Sahne fordert, in Cocktails gerät sie mehr und mehr außer Mode. Die fettarme“ Version der Pina Colada könnte dabei die Sommerkarten übernehmen.
Von vielen Bartendern gern belächelt, ist die Pina Colada unumstritten einer der berühmtesten Cocktails schlechthin und für viele der Inbegriff des Sommerurlaubs.
Wie bei vielen großen Cocktails ist der Ursprung auch bei der Colada ein strittiges Thema. Während man sich auf Puerto Rico streitet, ob der Drink 1954 in der Bar des Caribe Hilton Hotels erfunden wurde oder neun Jahre später in der Bar La Barrachina in San Juan, erklärt die Firma Bacardi den Drink zu einem ihrer Legacy Cocktails und verortet den Ursprung ins Jahr 1922 nach Kuba.
Piratendrink mit Udo Jürgens-Variante
Es wird wohl nie endgültig geklärt werden und wahrscheinlich war es am Ende des Tages wirklich ein alter Piratendrink den Roberto Cofresi seinen Leuten bereits zu Beginn des 19. Jahrhundert an Bord seiner Schiffe ausschenkte bevor spanische Handelsschiffe überfallen wurden.
Aber ganz gleich welcher Entstehungsgeschichte man glauben möchte, alle Rezepturen beinhalten Kokosnuss in verschiedenen Formen, Ananas und Rum. Die Zugabe von Sahne dürfte eine europäische Idee gewesen sein, hat sich im Laufe der Jahre aber so verselbstständigt, dass man sogar auf Puerto Rico im Caribe Hilton mittlerweile die „Udo Jürgens-Variante“ serviert bekommt.
Weg mit der Sahne
Die Aromen der Kokosnuss können auf verschiedene Art in den Cocktail kommen. Cream of Coconut und Kokosmilch sind bekannte Varianten. Ersteres ist das Ergebnis von stark zerkleinertem Fruchtfleisch der Kokosnuss, welches mit Wasser aufgekocht wurde und meistens gesüßt ist. Coco Tara und Coco Lopez sind zwei der bekanntesten Marken. Kokosmilch entsteht durch das pürieren von Kokosmark und Wasser und dem anschließenden Pressen.
Kokoswasser hingegen ist das Fruchtwasser, welches im hohlen Kern der jungen Frucht enthalten ist. Während das Kokoswasser in vielen Ländern ohne ausreichende Trinkwasservorkommen ein überlebenswichtiges Nahrungsmittel ist, wird es auch in den weniger tropischen Regionen immer beliebter. Nicht zuletzt der Wellness-Trend der letzten Jahre hat aus dem Wasser einen Quell ewiger Jugend gemacht und so mancher sieht in ihm das optimale Anti-Kater-Mittel.
Und so langsam entdecken auch die Bars das Kokoswasser für sich und für ihre Cocktailkreationen. Klaus St. Rainer, Betreiber der Goldenen Bar in München, verkauft seit der Eröffnung einen „Banksy“. Weißer Rum wird mit frisch gepresstem Ananassaft und Kokoswasser vermischt. „In der Goldenen Bar sagen wir eigentlich zu nichts Nein. Trotzdem sind wir der Meinung, dass die Zeit von schweren, sahnelastigen Cocktails längst vorbei ist. Eine üblicherweise bekannte Pina Colada bieten wir nicht an, dafür eine sinnvolle Variante, Banksy.“ Der Name ist sowohl eine Hommage an einen der Lieblings Street-Art Künstler von Rainer als auch ein Wortspiel mit dem von ihm verwendeten Rum. „Bislang war ausnahmslos jeder Gast begeistert und wir haben auf diese Weise seit Jahren keinen Tropfen Sahne vermixt“, benennt Rainer die Reaktionen seiner Gäste.
Während der Banksy eine leicht trockene Variante der Colada ist, mixt Andrew Nichols in seiner Bar Dvars in Amsterdam eine etwas fruchtigere Kreation. Ebenfalls mit Kokoswasser und selbst gemachtem Ananassirup, die Pina Frilada.
Pina Frilada (adaptiert von Andrew Nichols, 2014, Dvars in Amsterdam)
REZEPT
5 cl weißer Rum (Havana Club Blanco Anejo)
5 cl frischer Ananassaft
5 cl Kokoswasser
2 cl Ananassirup*
GLAS
Highball
GARNITUR
Ananasstück und Minzspitze
ZUBEREITUNG
Alle Zutaten in einen Shaker geben und mit Eiswürfeln 20-30 Sekunden (20-30 mal) kräftig schütteln. Den Cocktail in das vorgekühlte Gästeglas auf crushed-Ice abseihen.
*Ananassirup
1kg frische Ananas in Würfel geschnitten in Lösung aus 2kg Zucker und 1Liter Wasser für 24 Stunden ziehen lassen. Durch Passiertuch filtern.
„Unsere Gäste lieben den Cocktail. Dabei muss man sehr vorsichtig sein mit dem Sirup. Je nach Reifegrad der Ananas kann der Sirup schnell zu süß werden, dann muss man die Menge im Cocktail anpassen“, führt Nichols zu seinem Drink aus. Aber egal mit welcher Variante, es dürfte klar sein, dass in diesem Sommer der Sturm auf das Cocktailbuffet mit den Worten: „Aber bitte ohne Sahne“ eröffnet wird.

Banksy

Zutaten

6cl weißer Rum (Banks Rum)
4cl frischer Ananassaft
4cl Kokoswasser
dashes Zuckersirup

Zubereitung

Alle Zutaten in einen Shaker geben und mit Eiswürfeln 20-30 Sekunden (20-30 mal) kräftig schütteln. Probieren und gegebenenfalls mit einigen dashes Zuckersirup abrunden. Den Cocktail in das vorgekühlte Gästeglas doppelt abseihen.

Glas

Coupette

Garnitur

keine

Credits

Foto: Hausfrau via Shutterstock

Comments (3)

  • Stefan

    Ein frage zum annanassiroup beim ersten rezept. Die zutaten werden kalt ziehen gelassen oder zuerst aufgekocht ?

    reply
  • Marco

    Hallo Stefan,
    Das Wasser aufkochen, den Zucker unterrühren und kochend heiß über die Ananaswürfel geben. 24h ziehen lassen.

    reply
    • Stefan

      Marco, ich danke dir für die antwort und das höchstwahrscheinlich tolle rezept!
      Der rezeptur des banksy verlockt ebenso zur nachahmung! Richtig archaisch, frisches kokosnusswasser… Aii

      reply

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