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Freimut Wodka, oder vom Geschmack von Vodka

Für manch einen ist ein Vodka dann gut, wenn er möglichst geschmacksneutral ist, andere mögen vor allem das Marketing, das um diese Spirituose herum entwickelt wird. Und, wie man es in den letzten Monaten auf einigen T-Shirts gesehen hat, schätzen einige folgende Eigenschaft am meisten: „Vodka pays the Bills.
Aber ist das denn wirklich schon alles, was Vodka kann? Beinahe nach nichts zu schmecken, für allerlei Marketing herzuhalten und am Ende doch nur die Bordsteinschwalbe zu sein, die die Rechnungen zahlen muss, während Gin und Rum noch immer auf der Party tanzen?
Prinzipien infrage stellen.
Florian Renschin ist einer derjenigen, die mit diesem Image nicht so ganz zufrieden sind. Seiner Auffassung nach soll der Vodka vor allem eines: Schmecken. Und zwar nach dem, woraus er hergestellt wird.
Nach einer Karriere als Bartender, Barbetreiber und dem Aufbau einer Firma für Veranstaltungstechnik kehrte er zurück zum Ursprungshandwerk, der Spirituose.
Sein Interesse galt seit jeher Vodka und insbesondere den Produkten, die nicht um möglichste Neutralität im Geschmack bemüht waren, sondern die mit Charakter. Der innere Drang, etwas Eigenes zu kreieren, ließ dann die Idee in ihm reifen, einen eigenen Vodka zu entwickeln. „Ich verwirkliche zu gerne meine Ideen und versuche immer wieder Dinge besser oder anders zu machen, ich kreiere mit Leidenschaft, ich stelle die bisherigen Gegebenheiten infrage und freue mich sehr, wenn andere es zu schätzen wissen, was ich tue. Ich wollte wieder etwas schaffen“, so fasst er seinen eigenen Ansatz zusammen.
Ein guter deutscher Vodka
Die meisten deutschen Vodkas die Renschin kannte, waren in seinen Augen eher von minderer Qualität oder versteckten sich hinter russischen Namen. Ein echter, guter und ehrlicher deutscher Vodka mit Charakter sollte es seiner Meinung nach werden, etwas was dem Markt in seinen Augen fehlte. Die Idee zu haben und diese Idee umzusetzen, sind allerdings zwei paar Schuhe.
Um einen Vodka in der gewünschten Qualität herzustellen, ist laut Rensching eine sehr große Anlage mit 48 Verstärkerböden nötig. Die Hürden eine solche Anlage zu betreiben sind sehr hoch, sowohl finanziell als auch bürokratisch, genau aus dem Grund hat man sich mit Jürgen Behlen einen Destillateurmeister an die Seite geholt, der sowohl über die Anlage als auch über das Know-how verfügt.
Grundlage für den Vodka ist norddeutscher Champagnerroggen der zum Teil vermälzt wird. Roggen und Roggenmalz werden vermischt, vermaischt und zur Vergärung angesetzt, die laut eigenen Aussagen vier mal so lang betrieben wird wie normalerweise üblich. Im ersten Durchlauf wird der Rohbrand produziert, mit einem Alkoholgehalt von ca. 85%. Vol. Im zweiten Durchlauf wird er in der Feinbrandkolonne auf 96,4% Vol. Alkohol hochdestilliert. Als besonderes Merkmal wird der Mittellauf fraktioniert und die einzelnen Fraktionen wieder miteinander verblendet, um den gewünschten Geschmack zu erreichen. Nach einer Lagerung wird der Feinbrand mit Quellwasser auf die Trinkstärke von 40% Vol. gebracht und abgefüllt.
Und wie schmeckt er?
Beim Design hat man sich redlich Mühe gegeben. Eine langgezogene dunkle Flasche, die sehr an die von Bols Genever erinnert, geziert von goldener Schrift und einer goldenen Eule, die über den Namen wacht. Glasklar kommt der Inhalt aus der Flasche. In der Nase ein starker Duft von Getreide, sehr angenehm, allerdings nicht so ausgeprägt, dass man nicht doch noch eine leichte alkoholische Schärfe erahnen kann.
Die Schärfe behält Freimut Wodka bei, belohnt aber mit einer feinen Süße und einem klaren Roggengeschmack. Eine elegante Spirituose, die dem eigenen Anspruch an einen Vodka mit Charakter erfüllt. Wirklich gut pur zu trinken ist er allemal. Soll er dennoch gemischt werden, empfiehlt Renschin ihn so zu mixen, dass er seinen Geschmack möglichst voll entfalten kann, mit Tonic oder als Vodka Martini.
Und das Fazit? Nun, der Vodka ist ausgesprochen lecker. Er ist aber ein Vodka, in seiner gesamten Aromatik also eher eingeschränkt. Weder Rohstoffe noch Lagerung tragen zu einem Ausbau bei, auch wenn man den Rohstoff Roggen sehr angenehm herausschmeckt. Wem Vodka in seiner puren Form gefällt, dem sei Freimut sehr ans Herz gelegt. Für diejenigen, deren Motto „Vodka pays the bills!“ ist, ist er sicher nicht gewinnträchtig genug.
Wer sich ein eingehendes Bild von Freimut Wodka machen möchte, hat in der kommenden Woche auf dem Bar Convent Berlin die Möglichkeit dazu.

Credits

Foto: Roggen und Vodka via Shutterstock. Post-Produktion: Tim Klöcker

Comments (2)

  • Franz

    Die Flasche erinnert nicht an Bols Genever, sondern an Belvedere Unfiltered. Ihr wisst schon, der charaktervolle Vodka der aus lokal angebautem Roggen destilliert wird.

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