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FÜNF! DRINKS BEIM SPÄTI

Nach der Arbeit, vor der Arbeit, auf dem Weg in den Club, nach dem Club, morgens, mittags, abends: in Berlin geht nichts ohne den Späti.  Besonders am Sonntag erfreuen sich die kleinen Läden besonders regen Zulaufs. Grund genug für uns, die FÜNF! wichtigsten, typischen Getränke zu küren, ohne die kein Späti funktioniert.

Es gibt viele Bilder, die Berlin symbolisieren. Da wären das Brandenburger Tor, die Karl-Marx-Allee, die Gedächtniskirche am Kurfürstendamm oder High-Tech-Kinderwägen vor Bio-Cafés. Und da wäre der “Späti“, wie die Einrichtung des Spätkaufs gerne genannt wird. Diese Rund-um-die-Uhr-Läden gehören zu Berlin wie die Spree, dementsprechend groß war die Aufregung, als eine Gesetzesänderung zur Folge hatte, dass sie Sonntags nur noch eingeschränkt Ware anbieten dürfen oder gleich ganz geschlossen bleiben müssen.

Immerhin bietet ein Spätkauf alles für Leute, die es nicht in den Supermarkt geschafft haben. Ob Tiefkühlpizza, Chips, Zeitschriften, Säfte, Zigaretten – und natürlich Alkohol. Durchschnittlich vierzehn Biermarken hat ein Spätkauf im Angebot, hinzu kommen Spirituosen und Schaumweine. Sogar Champagner kann man seit kurzem bei Bedarf erwerben. Man darf durchaus behaupten, dass der Spirituosenindustrie daran gelegen sein muss, dass es den Spätkauf gibt. Wir präsentieren die fünf beliebtesten Getränke aus dem Reich, in dem sich früher oder später jeder Berliner einfindet.

1) Rotkäppchen

Der Tag neigt sich dem Ende zu, das Abendrot hängt tief über den Häuserzeilen. Die Sonne steckt wie eine Physalis am Spieß auf der Spitze des Fernsehturms. Es ist Zeit, am Paul-Linke-Ufer etwas Boule zu spielen, die Füße von der Uferbalustrade hängen zu lassen und die Ausflugsdampfer vorbeiziehen zu lassen. Das ganze umrahmt man am besten mit einer Flasche Schaumwein. Natürlich kauft man nicht den teuersten, denn die Plörre wird ja warm. Natürlich genehmigt man sich eine Marke mit Ironie, denn man befindet sich ja Kreuzberg. Die Antwort ist dann oft genug „Rotkäppchen„. Der Sekt aus Freyburg ist eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte.

Gegründet 1856 von den Brüder Moritz und Julius Kloss gemeinsam mit Carl Foerster als ‚Weinhandlung Kloss und Foerster‘, wurde 1895 im Zuge eines Rechtsstreites auf den Namen „Rotkäppchen“ umgeschwenkt. In der DDR gehörte die Sektkellerei zum ‚VEB Kombinat Spirituosen, Wein und Sekt‘. Stand man nach der Wende noch vor dem Aus, ist das Unternehmen heute Marktführer. Zwar gab es im Sektgeschäft 2014 ein Absatz-Minus von knapp einem Prozent, da der deutsche Gesamtmarkt allerdings um mehr als fünf Prozent schrumpfte, liegen die Freyburger mit einem Marktanteil von knapp 53 Prozent im Einzelhandel vorne. Besonders beliebt ist Rotkäppchen bei der weiblichen Kundschaft. Und das in allen Geschmacksvariationen.

2) Sternburg

Laut ‚Branchenbericht 2014 der Brauwirtschaft‘ der ‚Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten‘ ist der Absatz von Bier in Deutschland von 2001 bis 2013 von 107,8 Millionen Hektoliter auf 94,6 Millionen Hektoliter gesunken. Am Konsum am Weddinger Leopoldsplatz kann dieser Rückgang nicht liegen. Das muntere Treiben setzt sich zusammen aus Kindern, die im 2013 neu gestalteten Fontänenfeld plantschen, als wäre sie am Strand von Istrien, Marktständen, die vom Brandenburger Bio-Brot bis zu asiatischen Polyester-Hosen alles verkaufen — und kleinen Gruppierungen rundherum, die sich von morgens bis abends mit Sternburg zuprosten.

Oder, wie es gerne genannt wird, „Sterni“. Das Bier mit dem markanten Stern und dem angenehmen Preis-Leistungs-Verhältnis ist an dieser Stelle locker Marktführer, am nahe gelegenen Kiosk am Leopoldplatz gibt es eigens einen Kühlschrank dafür. „Sternburg geht am besten, ist auch am günstigsten“, sagt der Verkäufer mit Blick auf den Platz lakonisch. Apropos Erster: Die ostdeutsche Marke im Besitz der Radeberger Gruppe rühmt sich auch, die erst Bierflasche im Weltraum gewesen zu sein. What goes up, must come down.

3) Mate

Für den englischsprachigen Touristen in der Hauptstadt, immer auf der Suche nach der nächsten Party, ergibt der Name dieses Getränks natürlich Sinn: Club-Mate, der „Kumpel“ für den Club. Er mag nicht erahnen, dass der Name sich auf den südamerikanischen Mate-Strauch bezieht, und wie soll er auch: Die Flasche, die es als 0,5 Flasche mit Drehverschluss und mittlerweile auch als 0,33 Flasche mit Deckel gibt, ist aufgrund seines Koffeingehalts ein beliebter Gast auf vielen Tanzflächen und Clubs. In Kombination mit Vodka wird Mate oft wie folgt getrunken: Der Gast nimmt einen Schluck aus der Flasche, der Rest wird wieder mit Vodka aufgefüllt. Diese Methode gilt gemeinhin als Berlin-Erfindung, ist ebenfalls sehr Späti-tauglich und wird gerne von Beanie-Trägern beansprucht.

Der ursprüngliche Name des Produktes war „Sekt-Bronte“ und erblickte 1924 das Licht der Welt. Erst in den 1950-er Jahren trat der Name Club-Mate in Erscheinung, das Erfrischungsgetränk aus Münchsteinach führte jedoch weiterhin ein regionales Dasein. In den 00er-Jahren erfuhr der orange Wachmacher als “Hackerbrause“ jedoch einen größeren Bekanntheitsgrad in Computerkreisen, als “Tschunk“ gibt es auch einen eigenen Cocktail, mit Rum, Limette und braunem Zucker eine Art Caipirinha. Mittlerweile gibt es auch andere Anbieter auf dem Markt, wie Mio Mate oder Mate Mate. Vielleicht denkt dann der Junggesellenabschied-feiernde Lad, er würde bereits doppelt sehen.

4) Tannenzäpfle

Es ist der Traum eines jeden Unternehmers: Keine TV-Werbung machen, und trotzdem so viel Kultstatus erlangen, dass man die steigende Nachfrage nach seinem Produkt nicht mehr bedienen mag. Das trifft auf Rothaus Tannenzäpfle zu, das Pils aus dem Schwarzwald. Anfang der 90er Jahre gab es das Bier in Berlin in gerade mal zwei Bars, heute ist es ein Späti-Dauerbrenner und jeder weiß, was mit dem Wort ‚Zäpfle‘ gemeint ist: Die Flasche mit dem markanten, seit 1972 verwendeten Logo einer Frau in der Tracht des Schwarzwalds, die unter Kennern den Namen Birgit Kraft trägt, was auf die alemannische Aussprache von “Bier git (= gibt) Kraft“ zurück gehen soll.

Da Berlin auch die Hauptstadt des sehr zweifelhaften Brauchs ist, Bier in der U-Bahn, auf dem Fahrrad oder überhaupt auf seinem Weg von A nach B zu trinken, sieht man nicht selten das herbe, mit einer hohen Stammwürze versehene Bier aus der höchstgelegenen Brauerei Deutschlands, dessen Wasser aus sieben Quellen bezogen wird und dessen Logo sieben Zapfen zieren. Soll noch einer an Zufall glauben!

5) Augustiner

Es gab eine Zeit, in der man von Gästen in der Bar häufig die erwartungsvolle Frage gestellt bekam: „Habt ihr Augustiner?“ Den auf die Verneinung folgenden Gesichtsausdruck mit respektvoller Kenntnisnahme zu beschreiben, wäre so, als würde man den Biss von Mike Tyson in das Ohr von Evander Holyfield als Freundschaftsbekundung bezeichnen. Das Augustiner Lagerbier Hell hat eine steile Karriere hingelegt auf dem Weg in das kollektive (Späti)-Bewusstsein. Und: The tourists love it!

Vielleicht waren es die bauchigen Flaschen, an denen die Münchner festhielten, während sich die Konkurrenz oft designgerecht verschlankte. Vielleicht war das mit einem speziellen Verfahren selbst hergestellte Malz dafür verantwortlich, das zur Folge hatte, dass Augustiner heute für „Helles“ steht wie Uhu für Kleber. Vielleicht war in Zeiten von Nachhaltigkeitsbewusstsein, think-global-act-local und ansteigendem Exil-Bayerntum das Augustiner einfach das richtige Produkt am richtigen Ort. Und oft genug ist das der Späti-Kühlschrank.

Credits

Foto: Späti via sfreimark

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