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FÜNF! Gründe gegen Weihnachtsfeiern

Eine der jährlich wiederkehrenden sozialen Stilblüten sind Weihnachtsfeiern. Wahlweise sind sie exzessiv, enttäuschend, entwürdigend, lächerlich, manchmal spaßig und häufig all das zugleich. Besonders für Bartender gilt es, in der Adventszeit sowohl Ohren als auch Hirn „auf Durchzug“ zu stellen, um die Flut an feierwütigen Belegschaften zu ertragen. Daher nehmen wir uns die Freiheit, FÜNF! Gründe gegen Weihnachtsfeiern in Bars zu versammeln.
Des einen Leid, des anderen Freud. So ein altes Sprichwort, dessen einfacher, dialektischer Wahrheitsgehalt von den meisten Redewendungen wohl kaum erreicht wird. In dieses Raster fallen, und zwar in vollem Umfang, auch betriebliche Weihnachtsfeiern. Damit sind sogar alle Beteiligten gemeint: vielen Menschen erscheint es widersinnig, sich einmal im Jahr mit den „Kollegen“ vom Vertrieb oder aus der Personalabteilung an einen Tisch zu setzen, während einem selbige doch das Restjahr eigentlich nur auf die Nerven gehen. Tja, aber was soll man machen, wenn der Chef zum adventlichen Gelage lädt? Sich einfach auszuklammern könnte wahlweise als Arroganz oder Undankbarkeit verstanden werden. Also rafft man sich auf, um „mal so richtig schön zusammenzusitzen“.
Schlimmer noch wird es für die Bartender, die zur Adventszeit alles andere als besinnliche Schichten erleben dürfen. Denn nicht allzu selten schreiten gut gelaunte, vom Alkohol bereits überraschend zusammengeschweißte Belegschaften nach dem offiziellen Teil der Feier gerne zu einer ergänzenden Betankung in die nächstgelegene Bar. Dann nimmt das Unheil seinen Lauf. Für die Bar vielleicht auf den ersten Blick leicht verdientes Geld, wenn jeder vor dem anderen prahlen will. Aber ist das alles? Wenn überhaupt. Gleichzeitig sprechen mindestens FÜNF! gute Gründe dafür, Weihnachtsfeierhorden möglichst umgehend die Tür zu weisen.
1) Unerträglicher Krach
Lärm und Bars – eigentlich keine Antipoden, zumal am Wochenende. Doch es gibt verschiedene Sorten von Krach. Es gibt den üblichen Geräuschpegel einer Bar am Freitagabend, der durch allgemeines Stimmengewirr, Musik und lachende Gäste entsteht. Und dann gibt es den akustischen Unflat, den betrunkene Bürotruppen absondern. Schon beim Betreten der Bar wird gejohlt und gebollert, nun wolle man es aber so richtig kesseln lassen. Bereits auf halber Strecke zwischen Tür und Theke wird der Cuba-Libre-Befehl durch den Raum geschossen, der von nun an alle zehn Minuten die vormals so geliebte Geräuschkulisse durchschneidet.
Aber den Cuba Libre, man ahnt es, natürlich nur „mit dem Guten“. Was man darunter zu verstehen hat, bleibt selbstverständlich im Geheimen. Der restliche Office-Gossip dagegen wird im Folgenden dermaßen laut durchgeackert, dass ihn bald auch das Pärchen am anderen Ende der Bar kennt. Hinzu kommt das dampflokaritige Lachen, das der harte Kern der Feier alle 45 Sekunden haubitzenmäßig von sich stößt. Die ersten anderen Tische zahlen bereits.
2) Die normalen Gäste werden vergrault
Gäste kommen aus unterschiedlichsten Gründen in Bars. Manche möchten still am Tresen brüten und ihren Drink sensorisch sezieren. Andere kommen, um sich in geselliger Atmosphäre zu unterhalten. Dritte wiederum, weil etwas stilvoll gefeiert werden soll. Eins aber ist ihnen allen gemein: die krakeelende Weihnachtsfeier geht ihnen gewaltig auf die Eier.
Denn das, was da in doppelter Fußballmannschaftsstärke durch die Tür schwappt, ist nichts als ein mobiles Saufgelage, das nur hier gelandet ist, weil sich an dieser Stelle der nächstgelegene Zapfhahn befindet. Beinahe jede Weihnachtsfeier gehört ab einem gewissen Zeitpunkt an einen der folgenden Orte: auf die Kirmes, in die Großraumdisco oder einfach nur ins Bett. Stattdessen belästigen diese Leute nun Deine Gäste, die Woche für Woche herkommen, sich hier wohlfühlen, die Stimmung ausmachen und – auch das muss der Vollständigkeit halber gesagt sein – letztendlich deutlich mehr Geld hier lassen als der adventlich aufgedrehte Stoßtrupp. Gibt es ein Argument, das „pro“ sagt?
3) Gepöbel
Das Pöbelpotenzial ist selten so hoch, wie bei saufenden Menschen, die sonst in restriktiver, konventionalisierter Umgebung beisammen sind. Prinzipiell kann alles ein Anlass sein: entweder ist der Drink zu stark oder zu schwach. Oder der „Experte“ der Runde echauffiert sich, dass dieser eine Rum, den Du leider nicht führst, in jede gute Bar gehöre. Oder, natürlich, dass die Bestellung einfach zu lange braucht. Die Vorstellung, dass die 20-Personen-Order in einer ohnehin schon randvollen Bar eventuell einen Moment dauert, scheint offenbar zu abwegig für diese Menschen, deren gastronomischer Horizont häufig bei der Betriebskantine zu enden scheint.
Fast garantiert ist jedenfalls das ausufernde verbale Manöver, wenn es an die Rechnung geht. Die Hälfte aller Drinks, die sich auf der Rechnung versammeln, will niemand gehabt haben. „Ich hatte höchstens die drei Bier und einen Whiskey!“ poltert einem der vormals generöse Kumpeltyp zu, der den ganzen Abend hindurch munter bestellt und gesoffen hat. Schließlich und endlich wird der Bartender noch angehauen, er könne ja jetzt auch noch mal eine Runde Shots springen lassen, schließlich habe man hier ja auch eine Menge Geld ausgegeben. Letzte Runde? „Ach, komm schon! Nur für uns…!“
4) Kein Trinkgeld
Besonders schlimm schlägt die Weihnachtsfeier zu Buche, wenn am Ende der Chef oder ein anderer Entscheidungsträger auf Firmenkosten bezahlt. Für jeden Bartender tun sich hier Schreckensszenarien auf, die furchtbarsten Ängste sind meist berechtigt. Vor allem dann, wenn es sich um eine Hotelbar handelt: Im ärgsten aller Fälle fand die Weihnachtsfeier im Restaurant oder dem Banquet-Bereich des Hauses statt, der sogenannte „Ausklang“ hat sich aber in der Bar zugetragen. Häufig kostet das Bezahlen dann nur eine Unterschrift auf der Rechnung, die später dem Veranstalter zugeschickt wird.
Bei der Präsentation jener Rechnung steht jedem erfahrenen Bartender bereits der Angstschweiß auf der Stirn. Egal ob drei- oder vierstelliger Betrag, in vielen Fällen gibt es keinen Cent dazu. Gespräche mit vielen Bartendern bestätigen: zahlt die Firma, gibt es meistens keinen Tip, und wenn doch, dann meist in einem Bereich, den man als Beleidigung oder Frechheit auslegen kann. Ein Trinkgeld in Höhe von 10 Euro bei einer Rechnung von 500? Ehrlich, dann lieber gar nicht. Das ist irgendwie glaubwürdiger. Frohe Weihnachten.
5) Weiß das irgendjemand zu schätzen?
Zugegeben: vielleicht gibt es unter dem Partyhaufen ein, zwei Angehörige, die eine gute Bar zu schätzen wissen. Möglicherweise hat sogar einer, der auch sonst mal in die Bar kommt, den Besuch angeregt. Aber er wird, angesichts seiner Mitstreiter, schnell das Weite suchen. Kaum einer der Anwesenden weiß das, was eine richtige Bar so zu bieten, auch nur ansatzweise zu honorieren – und wenn doch, dann tut die tragische Gruppendynamik ihr Übriges. Wie, kein Havana? Ob man denn auch „richtiges“ Bier habe, wird gefragt, nachdem man diverse Ales aufgezählt hat. Warum ist in der Caipirinha kein brauner Zucker?
Und in zweiter Reihe stehen die ganz genervten, die sich fragen, warum es denn weder Sex On The Beach, noch Swimming Pool, noch Jäger-Bull gibt. Sowas gehöre doch wohl als Standard in jede Bar. „Das fand ich da ‚irgendwie komisch'“, wird am Montagmorgen jeder zweite im Büro sagen. „Irgendwie gar keine richtige Bar“. Tja, dann kommen sie wenigstens nächstes Jahr nicht wieder.
Anmerkung der Redaktion: Natürlich begeht auch das MIXOLOGY-Team eine jährliche Weihnachtsfeier. Natürlich in einer Bar. Wir behaupten nicht, frei von jeder Schande zu sein, geben uns aber immer wieder alle Mühe, die fünf genannten Typizithäten nicht zu bedienen. Frohes Fest!

Credits

Foto: Santa via Shutterstock

Comments (8)

  • Marie

    Ha ha ha oder ho ho ho

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  • Marcel

    True Story

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  • Verbrecher

    Beruhige Dich Bartender und komm mal wieder auf den Boden von Deinem Mixologen-Himmel herab! Ohne den Zusatzumsatz, den diese Weihnachtsfeiern bringen, würde es die Bar sicherlich finanziell schlechter dran. Und was das Bier angeht – ja, es gibt immer noch RICHTIGES BIER! Und das ist ganz sicher kein Ale!

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  • Whiskydrinker

    Ich habe mal in einer Zeitung ein Interview mit dem Manager von irgendeinem Sternehotel gelesen. Also so eins mit Präsidentensuite für fünfstellige Beträge pro Nacht.
    Der hat gesagt, dass wenn bei ihnen ein Gast um 3 Uhr morgens spontan eine Suppe und ein frischgepresstes Glas Orangensaft haben möchte, dann hat er nicht nur eine Suppe und ein frischgepresstes Glas Orangensaft zu bekommen. Er hat die verdammt beste Suppe und das verdammt beste Glas frischgepressten Orangensafts seines bisherigen Lebens zu bekommen.
    Tja, im Gegensatz zu manchem Bartender ist dem halt bekannt, in was er für einer Branche er arbeitet. Kleiner Tipp: Hat was mit Gast im Namen…

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  • Redaktion

    @Nun, der Hotelmanager hätte sicherlich auch eine Menge herrlicher Anekdoten auf Lager. Und es wäre zu schön, wenn er ebenso mit hintergründigem Augenzwinkern und Ironie davon berichten würde. Es sind ihm dann Leser zu wünschen, die diese Ironie auch verstehen. Es trägt sich nämlich genau so zu wie beschrieben und dennoch geben auch die Bartender und der Service alles, um auch diese Gäste perfekt zufrieden zu stellen. Nein, deren Genußhorizonte sogar zu erweitern.
    Auch MIXOLOGY macht dieses Jahr wieder eine Weihnachtsfeier an der auch der Autor teilnimmt. Da gehen wir dann den Bartendern mächtig auf die Nerven und als Abschluss haben wir einen Besuch in einer Hotelbar nachts um 3 geplant. Da bestellen wir dann kurz vor Feierabend, wenn schon alles geputzt ist, die 28 allerbesten Sazeracs unseres Lebens. Wir sind ja der Gast und bestimmen die Norm. Deshalb heißt es ja Gastronomie, gell? Erkenne den Fehler! Den Bartendern haben wir dann schöne Geschichten geliefert und sie reich gemacht und uns plagt am nächsten Tag eine Gastritis.
    Schöne Grüße aus der humorfreien Redaktionswirklichkeit. Markus Orschiedt

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  • Vabräscha

    @Verbrecher: Sicher dass es kein Ale ist? -> http://bit.ly/1B2uvqh
    😉

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  • alle Jahre wieder

    Ich kenn den Chef und DER WIRD DICH RAUSSCHMEIßEN ❕❕❕WENN DER HÖRT ,DASS WIR BEI DIESER HOHEN RECHNUNG ❕❕❕KEINEN AUFS HAUS BEKOMMEN KANNST DU DIR SICHER SEIN ,DASS DU DEINEN JOB NICHT MEHR LANGE HAST

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  • nik

    @ALLE JAHRE WIEDER
    jeder Bartender trägt für dich also einen weißen Bart und eine rote Zipfelmütze.
    PS. ich muss jeden Monat für meine Inventur gerade stehen 😉 also mein Freund, frag mal beim Finanzamt nach, ob Sie dir nicht für einen Monat deine steuern erlassen, da du ja immer schon so lange und so fleißig zahlst.

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