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FÜNF! oscarreife Cocktail-Channels

In den Unweiten des World Wide Webs findet sich sowohl elendiger Blödsinn als auch geeichte Qualität. Diese Unterscheidung und Kategorisierung macht auch vor Cocktail-Videos keinen Halt. Vor einiger Zeit preschten wir mit fünf besonders schaurigen Exemplaren vor. Zeit, nun auch die positive Seite einmal zu beleuchten.

Das Internet ist ein Ort, an dem jeder genau das findet, was er sucht. Diese, zugebenermaßen wünschenswerte Idealvorstellung ist durch zunehmende Prokrastination zwar nicht durchweg gegeben, doch Suchmaschinen wie Google oder auch Youtube erleichtern unser Leben dennoch allzu häufig; wenn wir es wollen. Zielgerecht bieten sie Antworten auf unsere Fragen, liefern Hintergründe und erklären den Kontext so manch komplizierten Sachverhaltes.

Do it yourself

Tutorials. Tutorials ist ein leider per se viel zu positiv konnotiertes Wort. Der aus dem englischen Wort „tutorism“ oder „tutor“ geformte Begriff impliziert letztlich in seiner deutschen Form nichts anderes als eine „Schulung“. Nun ist die globale und schnelllebige Welt des Internets zweifellos nicht für ihre Kontrollgremien bekannt. Alles kann, nichts muss. Im Gegenzug bedeutet dies in freier Übersetzung jedoch auch, dass jener Inhalt, der uns als schulend verkauft wird, nicht immer auch von gewisser Qualität sein muss. Hier wäre wohl eher die Zweitbedeutung des englischen Wortes mit „belehrend“ angebracht.

Die Presse ist schuld!

Interessanterweise erfreut sich die Daseinsform von schlechten Videos immer größerer Aufmerksamkeit. Auch wir machten im Zuge unserer Vorstellung der Negativbeispiele diese Erkenntnis. Sie polararisieren, sie stimmen uneins, auch deren Aufbereitung – Geschmack ist eben subjektiv. Genau daher bedurfte es einst auch klarer Worte, viel zu grob waren oftmals die gemachten Fehler, viel zu unzulässig getätigte Aussagen für denjenigen, der diese Videos als Lehrmaterial ohne nötige Objektivität anschauen wollte.

Da aber, wie bereits eingangs schon erwähnt, auch Qualität im großen Universum des Netzes ihre Daseinsberechtigung erfährt, möchten wir an dieser Stelle vor allem diejenigen Channel, User und Produzenten hervorheben, die wirklich als Tutor fungieren und damit auch jeden Anspruch besitzen ihr Video als „Tutorial“ zu bezeichnen. Hier also: FÜNF! wirklich tolle Cocktailchannel.

1. Small Screen Drinks

Small Screen Drinks mag nicht unbedingt der Kanal mit der größten Abonnenten-Zahl sein, auch ist er möglicherweise nicht so aktiv wie gestandene Youtuber, doch zeichnen sich seine Inhalte durch Sachlichkeit und den weltweit angemessenen Barstandart aus. So zielen die Video-Inhalte zwar zumeist auf Klassiker, gefragte Drinks der Neuzeit oder Longdrinks ab, doch werden diese kurz geschichtlich angeschnitten oder teils sogar in abgewandelter Form nach Erklärung des Originalrezeptes dargeboten.

Für die Präsentation greift das Netzwerk auf eine Vielzahl bekannter und gestandener Bartender zurück. So präsentierten hier schon Charlotte Voisey, Jamie Boudreau oder auch der allseits beliebte Jeffrey Morgenthaler ihre Kreationen. Dies schafft nicht alleine Abwechslung, nein, es ist insofern erfrischend, als dass jede dieser Persönlichkeiten ihre rein subjektive Einstellung in die Videos mit einbringt und dennoch nötige, journalistische Neutralität nicht missen lässt. Und mal ganz ehrlich: Wer schaut Charlotte Voisey nicht gerne beim Werfen eines Negronis zu?

2. Jamie Oliver’s DrinksTube

Der ein oder andere Leser mag sich an dieser Stelle verwundert die Augen reiben. Was um Himmels Willen macht der britische Fernsehkoch in dieser Liste? Natürlich und absolut zutreffend, erfreut sich der quirlige Brite enormer Beliebtheit in Funk und Fernsehen unseres nordischen Nachbarn. Auch Bücher hat er in großer Vielzahl bereits verkauft. Und doch sei hier eine Rückfrage gestattet. Ist der Mainstream von vornherein per se als schlecht zu verurteilen?

Jamie Oliver gelingt mit seinem DrinksTube-Kanal genau das, an dem so viele Hobby-Tutorsen in ihrer Kellerbar scheitern. Er reißt die Leute mit, führt sie in eine ihnen unbekannte Thematik und schafft dabei einen gewissen Enthusiasmus, dem sich niemand entziehen kann. Seine Videos gehen dabei nicht nur saisonal oder thematisch auf verschiedenste Drink-Kategorien ein, sie führen den Zuschauer auch immer wieder in die Welt der professionellen Bartender der Zunft ein. Arrogant wirkt er dabei nie. Vielmehr findet sich in seiner gelassenen und geerdeten Art eine Nahbarkeit, die man oft schmerzlich vermisst. Gerade so lässt es sich doch gleich viel leichter zuhören. Da stören auch die vielen Gaststars nicht, die – natürlich nicht ganz zufällig – fast immer auch Brand Ambassador bei Bacardi sind.

3. Jörg Meyer

Gin Basil Smash. Eigentlich schade, dass Meyer oftmals nur mit seinem im Jahre 2008 erfundenen Cocktail in Verbindung gebracht wird. Dieser brachte ihm die zwar globale Anerkennung, Ruhm und Erfolg, doch zeichnet sich Meyer mehr über sein Allroundwissen, seine Expertise und die Einschätzungen über den Markt aus als über die Erfindung eines Drinks, der vielerorts bereits zum neuen Hugo verkommen ist. Jörg Meyer ist ein Branchenkenner, ein Big Player in der deutschen Szene und vor allem ein hervorragender Bartender, der Klassiker – je unbekannter, desto besser – liebt und schätzt.

Auf seinem Youtube-Channel, der zwar zugegebenerweise auf den ersten Blick ein wenig unübersichtlich scheint, bietet er nicht nur lehrreiche Videos über seine eigenen Cocktailkreationen an, sondern lädt auch seine Interviews hoch, in denen er andere Größen der Barszene zu Wort kommen lässt. Defintiv inspiriert von „Sanft & Sorgfältig“. Gleichermaßen stellt er Projekte und Initiative vor und geht immer wieder auf aktuelle Thematiken ein. Nie, ohne diese kritisch zu beleuchten oder ab und an durch eine kleine Polemik die Debatte aufzuwecken..

4. Jeffrey Morgenthaler

Die erste Person in unserer Liste, die über keinen eigenen Kanal verfügt – Jeffrey Morgenthaler, ein Mann, über den nichts mehr gesagt werden muss. Er ist gleichermaßen hervorragender Bartender ohne jegliche Starallüren und oscarreifer Schauspieler der Bar-Bühne. Er schwadroniert über die Drinks mit einer Leidenschaft, die man nur selten zu Gesicht bekommt. Der in Portland lebende Bartender liebt die Polemik. Schon häufig eckte er mit seinen zahlreichen Artikeln an, gerne kritisiert er dort, wo Kritik angebracht ist. Niemals allerdings verliert er seinen Humor, durch den all die mit ihm produzierten Videos leben.

Durch seine Anekdoten reißt er den Zuschauer aus der kargen Realität hinein in eine Welt voller Leichtigkeit und Zügellosigkeit. Zwar mag er durch sein „laisser-faire“nicht als der technisch-versierteste aller Bartender gelten, doch macht dies mit seiner Unbekümmertheit und dem vom ihm Playboy-artig verkörperten Gefühl der Selbstgenügsamkeit allemal wieder wett. Jeffrey Morgenthaler mag zwar keinen eigenen Kanal besitzen, die Videos, in denen er auftaucht, sind jedoch allesamt sehenswert.

5. Cocktail Chemistry

Last but not least, widmen wir uns dem Kanal von Cocktail Chemistry. Der noch relativ junge und frisch ins Leben gerufene Vlog zeigt nicht nur besonders neutral und sehr anschaulich die Umsetzung von einigen Klassikern, darüber hinaus beschäftigt er sich auch mit einigen für so manchen Bartender sehr nützlichen Tipps im Hinblick auf Technik und Herstellung von Eis. So sei besonders das Video des „Ice Ball Cocktail“ ans Herz zu legen, in dem die Produzenten des Videos zeigen, wie eine Eiskugel ausgehöhlt mit dem zuvor gerührten Drink befüllt und anschließen mit kleinem Hammer vor dem Gast zerschlagen wird.

Großes Kino und die Weiterentwicklung eines großen Klassikers durch Neuumsetzung und neuzeitige technische Innovation. Ein Guter Mix aus präsentierten Twists, Arbeitstechniken und Innovationen beschert Cocktail Chemistry damit einen verdienten Platz in unserer Top 5.

Credits

Foto: Testbild via Shutterstock; Post-Produktion: Tim Klöcker

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