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FÜNF! Kieze zum Trinken in Berlin

Hippes Neukölln, rotziges Friedrichshain, polierter Prenzlauer Berg, das schicke Mitte und „unser“ Kreuzberg. Die Trink-Möglichkeiten der Hauptstadt sind unerschöpflich. Dem durstigen Besucher seien dennoch einige besondere Kneipen, Bars und Restaurants angeraten. Doch in welche der vielen Stadtteile „darf“ man eigentlich noch gehen? FÜNF! Vorschläge.

Berlin bleibt einfach wunderbar, bunt, laut — und immer lecker! Neues gesellt sich zu Altem, Läden schließen und öffnen neu, irgendwas ist immer. Es scheint ein wenig anmaßend, in all dem Angebot jene Adressen zu empfehlen, die wirklich einen Besuch lohnen. Trotzdem wollen wir uns heute an eine kleine Auswahl jener Trinkadressen zu wagen, die bei keinem längeren Berlin-Aufenthalt fehlen sollten. Natürlich ohne Gewähr, aber mit jeder Menge Berliner Schnauze. Zum Wohle!

1) Prenzlauer Berg

Nein, wir kommen jetzt nicht mit dem Latte Macchiato-Klischee um die Ecke. Reden wir lieber darüber, was hier im blankpolierten Ostbezirk funktioniert und den Weg lohnt. Während die Clubs hier ausstarben und die Restaurantszene stagnierte, ist in Sachen Bar zum Glück mittlerweile wieder einiges geboten. Zu den Spitzenadressen Becketts Kopf und Immertreu gesellte sich vor knapp drei Jahren das verrückte Le Croco Bleu, wo man sich mit einem Glas Bollinger oder einem fassgereiften Meistermix in guter Gesellschaft weiß. Bewährte Adressen für Cocktail-Fans sind natürlich auch die Saphire Bar und die Lounge gleichen Namens in der Sredzkistraße, die schon Jahre vor dem großen Gin-Hype ihre Gäste mit guten Wacholdergetränken versorgten..

In Sachen Bier macht sich der Prenzl’berg aber immer dicker auf der hauptstädtischen Stadtkarte. Die anfangs eher unscheinbar vor sich hin dümpelnde Monterey Bar entdeckte irgendwann ihre Liebe zur Biervielfalt und montiert sich immer mehr Hähne an den Tresen. Craft galore! In die selbe Bresche schlägt das Kaschk, das seinen Tresenjüngern stark gehopfte skandinavische Braujuwelen anbietet. Und wenn man schon über Bier redet, muss man auch das großartige Hermans erwähnen, das die Flagge belgischer Biervielfalt hochhält. Wir empfehlen bei diesem Wetter zu einem fruchtig-trockenen Oude Kriek zu greifen. Proost!

2) Neukölln

Kein Berliner Bezirk verändert sich derzeit so rasant wie Neukölln. Während früher Eckkneipen mit dem üblichen drögen Massenflaschenbierangebot das Bild der Nacht bestimmten, findet man dort heute eine wachsende Zahl an Trinkoasen auf hohem Niveau. Die Pioniere in diesem Stadtbezirk waren Bars wie die belgische Bier Bar Yuma, wo es zum Beispiel das fantastische Chimay Bleue zu trinken gibt, und die Cocktailbar TiER, die mit perfekten Mezcal- und Bourbon-Drinks punktet.

Einen Stein- oder Cocktailkirschenwurf entfernt von der Ausgehmeile Weserstraße schiebt das Nathanja & Heinrich viel Wein und Bier über den Tresen. Mehrere Basilikumsträuche hinter dem Tresen beweisen aber, dass man hier neben einigen Misch-Klassikern auch große Mengen von Jörg Meyers Jahrzehnt-Cocktail Gin Basil Smash unter die Leute bringt. Eine neue Generation von Restaurants wie das Industry Standard und die Beuster Bar drücken dem Gast wie selbstverständlich auch eine Cocktailkarte in die Hand. Und können die bestellten Drinks tatsächlich auch mixen. Seit kurzem mischt in diesem Kosmos auch die klassischer orientierte Thelonious Bar mit, die wir unseren Lesern bereits vorgestellt vor einigen Monaten vorgestellt haben.

3) Mitte 

Ist Mitte immer noch nicht tot? Nein Mitte lebt. Neben Klassikern wie der Amano Bar und dem Reingold gesellten sich in den letzten Jahren ambitionierte Neugründungen wie die Bijou Bar oder das Sodom & Gomorra hinzu. Gekommen, um zu bleiben, ist auch die G&T-Bar der Amano Gruppe, die die Spreemetropole demnächst mit weiteren Hotels fluten wird.

Club-Patron Heinz Gindullis, aka Cookie, wandelte seinen Club vor nicht allzu langer Zeit in ein Restaurant um. Geblieben und nun noch präsenter und mit besserem Angebot ist die große Bar an der Stirnseite des Raums. Essen, trinken, feiern. Versprochen wird dieser Dreiklang von vielen Gastronomen. Hier wird er tatsächlich gelebt und findet statt. Für nahezu jeden fleischfressenden Bartender und auch sonstige Genussmenschen ein absolutes Muss ist natürlich nach wie vor das Chicago Williams BBQ, Berlins vielleicht authentischste und gleichzeitig hochwertigste Grillstation: großartiges Fleisch, kräftige Bier, und das alles serviert von einem Team, das im wahrsten Sinne des Wortes hart aber herzlich bleibt.

4) Friedrichshain

Wer auf rauhe Herzlichkeit steht, wird in Friedrichshain sicher fündig. Zwar mag es beim ersten Mal irritierend wirken, von Halbwüchsigen auf offener Straße im den Worten „Koks, Amphetamin, Speed?“ nicht gerade in Flüsterlautstärke begrüßt zu werden. Dennoch hat das Viertel im Nordosten seinen ganz eigenen Charme, der nicht nur an den vielen Altbauten liegt. In Friedrichshain scherzen die Bullen mit den Pennern, nachdem sie ihnen die toxische Ausstattung abgenommen haben.

Für alle, die gepflegter Trinken wollen, bieten sich aber ebenfalls genügend Möglichkeiten. Gleich hinter dem Oberbaumbrücke wartet auf dem kürzlich großteils verkauften RAW-Gelände die Neue Heimat, Berlins vielleicht derzeit vitalstes gastronomisches Sammelsurium nebst kreativen Bar- Streetfood-Konzepten (A.d.Red.: mittlerweile ist die Neue Heimat geschlossen). Glücklicherweise zählt der Bereich, auf dem sich die neue Heimat befindet, nicht zum verkauften Teil des ehemaligen Eisenbahnwerks. Gleiches gilt hoffentlich für den Haubentaucher, die aktuell wohl kreativste Open Air-Location der Hauptstadt — auch für all jene, die neben Clubkultur auch an frühmorgendlichem Freiluft-Yoga interessiert sind.

Der Durst nach einem ehrlichen, aber guten Bier lässt sich herausragend in der Wühlischstraße stillen: das Brewpub Hops & Barley bietet wechselnde hausgebraute Biere an, neben Pils oder Weizenbier und solchen Craftie-Klassikern wie Pale Ale und IPA findet der Biefreund hier außerdem stets die ein oder andere, hopfige Überraschung. Nur quasi eine Ecke entfernt freut sich das aktuelle Barteam des Jahres 2015 auf den Besuch durstiger Barflys: die Crew der Booze Bar verknüpft Rock’n’Roll und Laissez-faire mit Expertise und fulminanten Drinks — immer unter dem Motto: „No Shit!“

5) Kreuzberg

Der Heimatkiez von MIXOLOGY. Hier wandeln wir täglich durch die Straßen und können uns nicht entscheiden, wo es hingehen soll — so groß sind die Verlockungen. Zum Feierabend darf es mit dem Hopfenreich gerne eine der ersten Bier-Adressen sein. Ein Füllhorn traditioneller und moderner Braukultur, das sich hier immer wieder in sorgsamer Auswahl präsentiert.

Aber Kreuzberg „kann“ auch Bar, und wie: mit dem Würgeengel thront eine der Berliner Pionier-Adressen mittendrin, ebenso wie die klandestin-gemütliche Schwarze Traube und das eklektisch-dunkelbunte Prinzipal mit seinem modernen Burlesque-Stil und Barchef Ferhad Akbiyik in unmittelbarer Ecke des niemals stillen Kotti, dem Kottbusser Tor. Im ruhigeren Teil von Kreuzberg freuen sich mit dem Limonadier und der Zyankali Bar zwei Trinkadressen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: die eine von schlichter, unaufgrindlicher Eleganz, die andere in grellen Signalfarben, die deutlich machen: vorsicht, hier wird experimentiert. Gastgeber Tom Zyankali bleibt unter Garantie im Gedächtnis hängen.

Exakt gegenüber unserer Redaktion lockt mit Dudes Delikatessen ein Kleinod an Sandwich-Kultur — auch zu späterer Stunde —, etwa für den Fall, dass im Burgermeister unterm Schlesischen Tor wie meistens kein Platz mehr frei ist. Wer es beim Speisen aufwendiger halten möchte, der begibt sich seit Februar ans „schlechte“, also ans Kreuzberger Ende der berühmten Friedrichstraße, von wo aus seitdem Star-Sommelier Billy Wagner und sein Küchenchef Micha Schäfer mit dem Nobelhart & Schmutzig für internationale Kochfurore sorgen, natürlich nicht ohne eine Weinkarte, die ihresgleichen sucht. Sie wollen wissen, wie man „brutal lokal“ kocht? Dort findet man es heraus. Freilich mit langer Warteliste. Aber zur Überbrückung gibt es ja in Berlin so einiges.

Credits

Foto: Berlin bei Nacht via Shutterstock

Comments (7)

  • Hoppenheit

    Info Saphire Bar & Saphire Martini Lounge
    www. Saphirebar.de
    www. Saphirelounge.de

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  • x

    Thelonious Bar.

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  • Dejan

    FÜNF!
    Auf keinen Fall sechs!!!!!

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  • Jens Müller

    Ist die neue Heimat nicht schon wieder dicht?

    reply
  • Jens Müller

    @ Redaktion:
    Jo, Danke, sorry, hatte nicht auf das Datum geachtet. War bei mir im FB Feed in der aktuellen Timeline. Warum auch immer, die Algorithmen checkt ja keiner…
    Mea culpa.
    Grtz

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