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FÜNF! mal die Bar im falschen Licht

Design kann eine Bar scheitern lassen. Während oftmals erhebliches Augenmerk auf Möbel, Theke und Arbeitsstation gelegt wird, kommt ein immens wichtiger Punkt leider in vielen Fällen zu kurz: das Licht. FÜNF! Wege aus der Misere!

So manche Bar mit phänomenalen Drinks und tollem Service ist bereits gescheitert, weil das Lichtkonzept entweder vollkommen unpassend oder — noch schlimmer — einfach nicht vorhanden war. Dabei macht das Licht fürs Wohlbefinden so viel aus wie kaum ein anderer Umstand einer Location. Wir werfen einen Blick auf FÜNF! Fehler, die Sie bei Ihrer eigenen Bar unbedingt vermeiden sollten.

1) Zu viele Lampen, zuviel Licht.

Eigentlich liegt dieser Grundsatz auf der Hand, denn eine klassische Bar ist mehr oder minder ein Ort des Abends und der Nacht. Zwei Wege führen in eine hell erleuchtete Sackgasse: entweder es ist schlicht zu hell, oder aber der Gast wird durch eine babylonische Anzahl an Lichtquellen erschlagen. Hier ist zumeist Sparsamkeit und eine deutliche konzeptionelle Linie der sicherste Weg, um für ein zu Verweilen einladendes Umfeld zu sorgen.

Kein Mensch wird seinen Feierabend gerne an einem Ort verbringen, an dem er sich wie in einem Lampengeschäft vorkommt, selbst wenn jene allesamt nur auf Sparflamme leuchten. Zwar gibt es gelungene Formate und Bars, in denen dem Genießer ein gelungener Eklektizismus in Lichtfragen begegnet, aber in den allermeisten Fällen geht so etwas leider daneben. Oft reicht die klassische Kombination aus zurückhaltender Wandbeleuchtung und Kerzen aus, vielleicht mit kleinen Oberlichtakzenten auf dem Backboard. Mehr muss aber meist nicht sein.

2) Zu wenig Licht

Das Gegenteil von „zu viel“ ist auch nicht besser. Wenn auch Drinks aus dem 19. Jahrhundert zu den Favoriten vieler Bartender zählen, bei der Beleuchtung jedes noch so authentischen Speakeasy darf guten Gewissens von den technischen Gegebenheiten der Nachkriegszeit Gebrauch gemacht werden.

Wer also seine Cowboybar im Stile der Prohibitionsära nur mit drei funzeligen Gaslaternen befeuern will, der darf sich nicht darüber beschweren, dass sämtliche Gäste die verschmähten Smartphones auspacken — denn das tun sie nur, um die handgeschriebene Barkarte überhaupt lesen zu können. Gesunder Historizismus ist gut, aber eine Bar ist kein Themenpark, sondern ein Ort zur Entspannung.

3) Die Jahrtausendwendehölle aus indirekter Beleuchtung

Vor knapp 20 Jahren kam der Begriff „Lounge“ allmählich ins kollektive Bewusstsein deutscher Großstädter. Gleichzeitig boomten warme Farben, Töne von Orange, Beige, Terrakotta, Weinrot oder Apricot. In der Folge sprossen in den Innenstädten jene unzähligen Lounges aus dem planierten Boden, in denen das sogenannte chillige Ambiente durch indirektes Licht noch unterstrichen wurde.

Teilweise kam — und kommt — man sich in derlei Etablissements vor, als befänden wir uns in einem Therapiezentrum für Lichtallergiker: keine Lichtquelle scheint sichtbar, sondern alles, was leuchtet, quillt schwammig-duselig aus Spalten und Wandverkleidungen oder hinter Sitzgelegenheiten hervor. Das ist zwar nicht direkt hässlich, nimmt aber dem Raum jegliche Prägnanz. Erstaunlich ist vor allem, wie viele heute eröffnende Bars noch immer von diesem Konzept Gebrauch machen.

4) Neon

Neonröhren wurden einst erfunden von Menschen, die Wert darauf legen, möglichst alles sichtbar zu machen. Und es gibt Bereiche, in denen dieser Zweck durchaus seine Berechtigung hat — Bars, jedenfalls abseits sehr spezifischer Konzeptbars, gehören nicht dazu. Zwar treffen wir selten Trinkstätten an, die tatsächlich ihre Räumlichkeiten mit Neonlicht ausstatten, aber die Röhre findet dennoch ihren Weg in viele Bars.

Besonders in Hotelbars, die oft von großen, praktisch denkenden Architekturbüros geplant werden, schimmert der kalte Glimmer gut und gerne hinter so einigen Ecken hervor: Rückbüffetbeleuchtung, die Lichter, die unter dem Tresen den Fußraum erhellen oder unbedächtig bestückte Sichtkühlschränke. In sehr seltenen Fällen geht das einigermaßen gut, aber meist drängt sich dann doch der Eindruck von Schwimmbad oder Tierarztpraxis auf.

5) Blau — der Feind allen Ankommens

Wir wollen der Kreativität aller Barausstatter keinen Riegel vorschieben. Aber eine Bitte wollen wir hier doch äußern: Hände weg von blauem Licht! Die Verwendung von farbiger Raumbeleuchtung ist vielleicht die Königsdisziplin der Innenarchitektur und sollte grundsätzlich nur erfahrenen Fachleuten überlassen werden. Und mit Blau geht so gut wie alles schief.

Was im Club für das gewissen Etwas sorgt, für Akzente und Atmosphäre, ist in der Bar ein wahres Grauen. Blau ist die Farbe der Kälte und Ungastlichkeit überhaupt. Blau versprüht kein Entspannen, kein Ankommen, keine innere Einkehr, sondern Hast, Flucht und in vielen Fällen Sterilität. Erts jüngst durfte der Autor dieser Zeilen in einer großangelegten Cloud-Bar wieder einmal erleben, zu welchen Leichenschauhauseindruck blaue Grundbeleuchtung in einer Bar führt. Was für Drinks gilt, betrifft auch das Licht: Blau hat in einer Bar — abgesehen von kleinen Spots — nichts verloren.

Credits

Foto: Wolf mit Laterne via Shutterstock

Comments (1)

  • Tollo

    Sehr gut erkannt, danke für den Artikel.

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