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FÜNF! Mal kompliziert trinken in Sydney

Die Suche nach flüssigem Labsal kann sich in der australischen Metropole mehr als schwierig gestalten. Wir haben uns zwischen Kingsford Airport, Oper, Bondi Beach, George Street und Harbor Bridge umgesehen und machen vertraut mit FÜNF! Informationen zum Thema Trinken in Sydney.

Es ist schön, sich anlässlich eines großen Cocktail-Wettbewerbs eine Woche in Sydney aufhalten zu dürfen. Selbst jetzt, im südaustralisch grau-verregneten Spätherbst, versprüht die Metropole eine Atmosphäre, wie man sie sich wohl innerhalb jedes Aussie-Klischees vorstellen kann: die Einheimischen sind alles andere als verkniffen, im Gegenteil.

Toleranz, Offenheit und Interesse strahlen all überall durch die Straßenschluchten vom Opera House bis hinaus ins pittoreske Bondi Beach. Die Einwohner von Sydney, sie haben es schon irgendwie raus, muss man zugeben. Man weiß, wie es sich leben lässt. Man isst gern gut. Und: man trinkt gern gut.

Zu Letzterem stellt sich allerdings für den weitgereisten Liebhaber mehr als oft die Frage: Wie, wann und wo?! So locker-lässig die Australier im Bundesstaat New South Wales daherkommen — sie haben eine Vorliebe für Vorschriften, Regeln und Verbote.

Der britische Ursprung des heutigen Landes macht sich deutlich, wenn es um Alkohol geht. Oder ist es doch der Umstand, dass man hier früher Schwerstverbrecher aus dem Empire unterbrachte? Man weiß es nicht. Was wir allerdings nun sicher sagen können, ist, dass es mitunter schwierig werden kann, wenn es den Sydney-Touristen nach einem spontanen Gläschen gelüstet. Deshalb heute FÜNF! Informationen zum Trinken in Sydney!

1) Die Sperrstunde um ein Uhr morgens

Sperrstunden gibt es freilich vielerorts. Man bedenke, dass deren Abschaffung auch in Deutschland keineswegs wirklich lange zurück liegt. Hier macht sich natürlich die britische Handschrift bemerkbar. Verglichen mit anderen Gepflogenheiten, liest sich die Sperrstunde in Sydney vergleichsweise human: Um 1 Uhr morgens wird dicht gemacht.

Wer bis dahin nirgendwo untergekommen ist, hat Pech. Etwa eine Viertelstunde vorher wird die Glocke geläutet, dann heißt es „bestellen oder gehen“. Die meisten Wirte halten sich dran: wenige Minuten nach dem Schlag der nächstgelegenen Turmuhr sind nahezu alle Läden dicht.

2) Der Time-Out-Dschungel

Eine Sperrstunde als verbindliche Richtgröße hat den Vorteil, dass sie eine greifbare zeitliche Orientierung gibt. In Sydney hingegen würzt man die schnöde, althergebrachte Sperrstunde durch diverse Sonderregelungen für Bars, Clubs und Pubs.

Wehe, wenn man sich in diesem Uhrzeitdschungel verliert — am Ende ist nämlich kaum noch irgendwo Platz, weil alle Nachtschwärmer rasch an die wenigen Orte drängen, die noch offen sind.

Bars, die bis nach 1 Uhr konzessioniert sind, dürfen zwar weiter verkaufen, jedoch im Sinne der Sperrstunde ab 1 Uhr keine neuen Gäste mehr einlassen — das gilt auch für denjenigen, der nur zum Rauchen kurz vor die Tür gegangen ist.

Die Regel lautet: wer nach der Sperrstunde einmal draußen ist, der bleibt draußen. Der eine oder andere Tourist muss dann schmerzvollen Blickes von seinem noch halbvollen Bier Abschied nehmen, obwohl es doch eigentlich nur eine Zigarettenlänge lang allein bleiben sollte.

Die Nachtclubs haben, je nach Einschätzung der Behörden, Öffnungszeiten zwischen 2 und 4 Uhr morgens. Geraucht wird nirgendwo. Auch Raucherräume sind nicht gestattet, und nur einige sehr wenige mutige Gastronomen trauen sich, dennoch ein Raucher-Kabuff bereit zu halten — denn die Geldbußen sind mehr als empfindlich!

3) No Shots & No Straights after Midnight!

Wer Glück hat und es in einen der Clubs oder durch die Warteschlangen der vielen tollen Bars und Pubs geschafft hat, der möchte diesen Erfolg vielleicht schnell durch einen Shot Mezcal oder einen schönen Whiskey begießen. Leider wird daraus nichts, sofern es bereits nach Mitternacht ist.

Dann nämlich greift eine überaus skurrile Regel, die wohl, einer zusätzlichen Sperrstunde vergleichbar, einst erdacht wurde, um allzu hartem Konsum vorzubeugen: nach Mitternacht darf in Sydney kein reiner Branntwein ausgeschenkt werden.

Erlaubt sind in den Nachtstunden nur noch Bier, Wein und gemischte Getränke. Wir wagen einmal die These, dass viele Leute einen Vollrausch eher durch Cuba Libre oder Gin & Tonic herbeiführen statt mit puren Schnäpsen — aber das sieht man in Down Under leider anders.

4) Der Plastikbecher from Hell

Wenn es schon kein reiner Alkohol mehr sein darf, dann vielleicht wenigstens ein schönes Bier? Schließlich nimmt auch in Australien die Craft-Kultur enorm Fahrt auf, und die meisten Bars und Pubs bieten eine mehr als anständige Auswahl heimischer Ales, Lagers und Pilsener auf. Allerdings ist die eben erwähnte Regel nicht der einzige Fluch zur Geisterstunde — Vorhang auf für den Plastikbecher!

Wer nach Mitternacht Alkohol ausschenkt, muss das in einem Gefäß tun, das weder aus Glas noch aus Keramik besteht. Auch Wein. Und Gin & Tonic. Man verspricht sich beim Gesetzgeber weniger Verletzungen im Zusammenhang von durch Trunkenheit herbeigeführtem Glasbruch.

Auch hier bleibt es letztlich dem Wirt überlassen, ob er die Vorschrift komplett umsetzt. Doch die Behörden kontrollieren unangekündigt und regelmäßig, sodass es sich dabei meist eher um die geschützten Hotelbars handelt. Lust auf einen schönen Kunststoff-Sazerac?

5) Das Verkaufsverbot nach 22 Uhr

Besonders für deutsche Hauptstädter ist es unvorstellbar, dass es Zeiten und Orte geben soll, an denen das nächste Bier nicht innerhalb einer knappen Wurfweite zu bekommen ist. Gewohnt an großstädtische „Spätis“, entscheidet man sich dann in Sydney vielleicht, doch einfach noch ein Bier im nächsten Nachtshop zu kaufen. Allein: es gibt dort natürlich keins.

Der Alkoholverkauf ist auch jenseits der Gastronomie streng geregelt: ab 22 Uhr dürfen Einzelhändler keinen Alkohol mehr anbieten. Wer das dennoch tun möchte, kann versuchen, eine Night-Licence zu erhalten. Die wird allerdings nur selten erteilt und kostet den Lizenznehmer darüber hinaus eine ordentlich Menge Extra-Gebühren.

Während es also, entgegen dem deutschtümelnden Schlager, auf Hawaii sehr wohl Bier gibt, trifft das in Sydney nur auf die Zeit vor 22 Uhr zu. Danach wird es dann schnell trocken. Aber schön ist es dort ja trotzdem-

Credits

Foto: Känguru via Shutterstock

Comments (2)

  • D-Bone

    Was machen denn die ganzen Backpacker dann da??? Ich dachte immer das Work in work and travel steht für harte (Trink-)Arbeit 😉

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  • Jens Müller

    @ D-Bone: an die Regeln gewöhnst du dich schnell, und es gibt auch Ausnahmen. Bsp. Pyrmont Brigde Hotel, da kannste 24/7 rein (ok, 2009 war das noch so). UND du gehst halt früher raus. Um 9 im club sein? Kein Problem!

    Hier nicht erwähnt sind noch so Eigenheiten wie „keine Jugs nach Uhrzeit xy“ (also große Plastikbierkrüge), „nach Uhrzeit xy nur noch light beer“ (!) oder die Regel, dass in manchen Läden pro Stunde 10 MInuten lang kein Stoff verkauft werden darf.

    Die Traveller kaufen dann doch eh nur Goonweinbeutel (weil Rest sauteuer) und saufen sonstwo.

    Und die Regel mit „nur Plaste“ hat in vielen großen Locations tatsächlich Sinn – die raufen sich ganz gerne mal ab ner gewissen Drehzahl… Bei nem Sazerac in ner properen Bar ist es nat. quatsch. 🙁

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