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FÜNF! Sehnsuchts-Orte für Bartender

London, New York, Paris? Von wegen! Dort gibt es zahllose tolle Bars, keine Frage. Aber welche Orte bringen das Bartender-Herz so wirklich zum Schlagen? Wir versammeln zur sonntäglichen Ruhe die vielleicht ultimativen FÜNF! Sehnsuchtsorte für jeden geschichts- und traditionsbewussten, nostalgischen Bartender.

Das Schöne an der Barkultur? Es gibt sie so gut wie überall auf der Welt. Zwar in unterschiedlichsten Formen und Varianten. Mitunter gar ist es haarsträubend, was manche Menschen in manchen Gegenden unter dem Begriff „Bar“ verstehen. Dennoch: Es ist eine der großen Verlockungen des Barberufes, dass man ihn rund um den Globus ausüben kann. Und die Orte, die als glanzvolle Bar-Zentren gelten, sind nicht unbedingt rar gesät. Doch dann gibt es noch einige ganz wenige Plätze auf dieser Welt, die nicht einfach nur für ihre guten Bars bekannt sind, sondern die bei vielen Bartendern und Cocktailenthusiasten eine ganz besondere Sehnsucht auslösen – aus Gründen der Tradition, ihrer Geschichte, Atmosphäre oder ganz einfach wegen ihrer ganz speziellen Magie. Orte, die für etwas stehen und die einen Zauber ausstrahlen. Es ist ja bald Weihnachten. Da könnte man sich eventuell ein Flugticket wünschen. Vielleicht an einen unserer FÜNF! Sehnsuchtsorte für Bartender?

1) Kuba

Fidel Castro ist tot – die Liebe und Sehnsucht des Bartenders nach Kuba noch lange nicht. Sie wird es wohl auch niemals sein. Viel zu groß ist dafür wohl die Strahlkraft des kubanischen Rums in die Barkultur, die einen nicht unwesentlichen Teil während der US-amerikanischen Prohibition entwickelte, als das Eiland in der Karibik – noch vor den politischen Querelen – vielen trinkfreudigen Amerikanern eine hochprozentige Urlaubsadresse bot.

Vor allem jedoch gäbe es ohne Kuba keinen Mojito und auch keinen Daiquiri. Diese beiden Cocktails, mit denen sich Ernest Hemingway regelmäßig den Stecker rausgezogen hat, machen Kuba bis heute zu einem Wallfahrtsort für Bartender und Cocktail-Liebhaber. Dabei ist es eigentlich ganz egal, ob der erste Daiquiri nun wirklich im gleichnamigen Berarbeiterstädtchen gemixt wurde oder aber in der legendären Bar El Floridita, wo Constantino Ribalaigua Vert ihn zur Perfektion führte. Es ist auch egal, ob man die Fähigkeiten der dortigen Bartender am elektrischen Blender grausam oder bewundernswert findet – die Touristenhorden machen’s wohl unumgänglich. Aber so ein Daiquiri, der ist es nunmal auch wirklich wert, an seinem Ursprungsort getrunken zu werden. Auch wenn Tyler und Ashley aus North Carolina am Nebentisch sich wundern, warum kein Erdbeersirup drin ist.

2) Japan

Es waren Leute wie Stan Vadrna, mittlerweile passenderweise Markenbotschafter für den japanischen Nikka Whisky, die die Philosophie des japanischen Bartendings in der westlichen Welt missionierten. Der Zauber, der von der Barkunst aus dem Land der aufgehenden Sonne ausgeht, hat sich seit rund einem Jahrzehnt nicht geändert.

Das liegt daran, dass die japanische Kultur auch beim Bar-Handwerk aus dem isolierten Zustand des Inselstaates gezehrt und ihn in Profit umgemünzt hat. Man nehme ein westliches Handwerk und lege darauf die Ideale an, die für einen Europäer oder Amerikaner zunächst einmal sehr skurril wirken mögen. Denn für fast jeden japanischen Handwerker gilt erstmal: Man wird eigentlich nie ein Meister, man bleibt ein Leben lang Schüler. Die japanische Arbeitstechnik an der Bar ist noch immer vielerorts das hehre Ziel, das kaum jemand erreicht – Stichwort „Hard Shake“, den laut Angus Winchester nur eine handvoll Menschen wirklich beherrscht. Die Mischung aus Demut, Sauberkeit, Akkuratesse, Understatement, Hingabe und Detailversessenheit, gepaart mit dem fast überirdischen Fokus auf den Gast mag für viele Menschen nur schwer nachvollziehbar sein. Aber ihr wohnt eine Magie inne, eine Anziehungskraft, die seit Jahren Scharen von Barleuten fasziniert und die zu einer enormen handwerklichen Weiterentwicklung des Handwerks zwischen San Francisco, Kapstadt, Berlin und Sydney beigetragen hat.

3) Mexiko

Es mag an der Kombination aus Wildheit und Kunstfertigkeit liegen, an der archaischen und gleichzeitig hochgradig feinen Brennkunst aus dem mythenreichen Land im ehemaligen Aztekenreich. In jedem Fall ist Mexiko für sehr, sehr viele Bartender vielleicht der Sehnsuchtsort schlechthin.

Das mag nur zu einem Teil an der wirklichen Natur und der Tradition der beiden großen Brände des Landes – Tequila und Mezcal – liegen, sondern vor allem auch an den vielen Legenden und Klischees, die sich um die mexikanische Kultur ranken: Exzess, Gesetzlosigkeit, rustikale Romantik, Exotik, dazu das polarisierende Moloch namens Mexiko-City mit seinen gewaltigen Gegensätzen zwischen Technisierung und bitterer Armut, mit seinen zahllosen Cantinas und den vielen halblegalen Clubs. Und falls man wirklich mal gerade keine Lust auf Agavenbrand hat, gibt es ja auch noch Micheladas und, nun ja, andere Rauschmittel.

4) Die Champagne

Zumindest der Autor dieser Zeilen hat noch keinen Bartender getroffen, dessen Augen bei dem Wort „Champagner“ nicht einen Millimeter weiter aufgingen, die bei dem Wörtchen nicht zumindest ein kleines Funkeln von sich gaben. Es scheint (wenn man Jim Meehan glaubt, besonders in Deutschland) so zu sein, dass Champagner die große gemeinsame Liebe aller Bartender ist – der Eine mag keinen Mezcal, der Andere setzt sich nur aus beruflicher Notwendigkeit mit Bourbon auseinander, der Dritte wieder kann womöglich gar mit Gin & Tonic nicht viel anfangen. Bei Champagner kommen sie alle wieder zusammen. Die trinkbaren Sterne scheinen die Liebe aller Bartender auf sich vereinen zu können.

Das kleine, nur rund 34.000 Hektar große Gebiet um die Städte Reims, Ay und Epernay ist daher für ziemlich viele Bartender nicht nur ein Ort der Sehnsucht, sondern auch ein überaus beliebtes Reiseziel für den einen oder anderen sommerlichen Road-Trip. Die Vorteile sollten auf der Hand liegen: Neben traumhaftem Wetter und einer malerischen Landschaft gibt es ja dort so viele kleine, unabhängige Häuser, die sich sagenhaft über neugierige Fachbesucher freuen, die grandiose Qualitäten anbieten und diese überdies auch noch zu sensationellen Preisen anbieten. Bildungsreisen auf die wohl genussreichste Weise!

5) New Orleans

Sollte man sich derzeit für ein echtes Bar-Mekka auf dem Planeten entscheiden, wäre es natürlich aus finanzieller Sicht und mit Blick auf die vielen Bestenlisten ein Leichtes, einfach auf der Weltkarte gen London oder New York zu deuten. Aber damit würde man dem Begriff der Sehnsucht irgendwie nicht gerecht. Denn die Sehnsucht ist romantisch, nostalgisch, und auch etwas behäbig und verklärend. Daher gilt sie unter Bartendern vielmehr New Orleans, diesem Zentrum des US-Kulinarik und Trinkkultur.

Und das aus gutem Grund: Die Metropole am Golf ist seit jeher ein genereller Schmelztiegel aller möglichen Kulturen – französisch, kreolisch und karibisch sind nur die Haupteinflüsse, natürlich brachten auch die vielen anderen Einwanderer ihre Traditionen mit. In New Orleans, einer der Ursprungsstädte des Jazz und schon immer eine Stadt der Lust, Freude und des Genusses, lag ein guter Teil der US-Barkultur in den Windeln: Hier entstanden der Ramos Gin Fizz und der Hurricane, zwei ebenso unterschiedliche wie wunderbare Drinks (wenn letzterer vernünftig zubereitet wird). Und hier entwickelte der aus Haiti stammende Apotheker Antoine Amedée Peychaud seine gleichnamige Tinktur, die durch die Verarbeitung im Sazerac zu einem der weltweit wichtigsten Cocktail Bitters wurde. Nicht zuletzt kommen jährlich im subtropischen Hochsommer weit über 10.000 Fachleute und Connaisseure zu den Tales Of The Cocktail zusammen, dem wahrscheinlich größten und feuchtfröhlichsten Branchentreff, das die Barszene kennt. Und übrigens: Es mehren sich die Meldungen, dass ab 2017 sogar die ersten Direktflüge ab Deutschland nach New Orleans angeboten werden. Und der dortige Flughafen ist natürlich nach Louis Armstrong benannt. Kann man da ernsthaft nicht hinwollen? Eben!

Credits

Foto: New Orleans via Shutterstock

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