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FÜNF! Tiki Drinks für standhafte Seemänner

Frühlingsanfang? Check! Erste Grill-Session? Check! Kraftvolle spirituelle Rumbegleitung für den unerschrockenen Grill-Piraten? Hhmmm, erwünscht, aber keine Idee? Macht nichts, denn wir nehmen den Sonntag zum Anlass, FÜNF! ru(h)mreiche Tiki-Bretter zu präsentieren, die auf keiner maritimen Grillparty fehlen dürfen. 

Tiki-Drinks, geben wir’s zu, machen einfach Freude. Das durften auch wir bei MIXOLOGY Mitte dieser Woche aufs Neue erleben, als wir unsere neu eingerichtete Redaktions-Bar mit einer ausgiebigen hawaiianisch-polynesisch-teutonischen Sause samt loderndem Grill eingeweiht haben.

Mit den Einzelheiten des Abends möchten wir sie freilich verschonen, nicht jedoch mit der wichtigsten Erkenntnis: so manche spaßbetonte und fruchtig aufgejazzte Ration Rum ist in gewissen Situationen einfach genau das Richtige.

Der zentrale Vorteil liegt auf der Hand: ein Tröpfchen zu viel von einer beliebigen Zutat ist kein ganz so schwerer Frevel wie bei einigen Vertretern der klassisch-ernsten Mixkunst. Auch zu später Stunde, wenn der Grill nur noch leise glimmt, gelingen die Drinks noch immer wie von Zauberhand. Selbst dann, wenn sich Autoren, Informatiker und Grafiker ein Stelldichein hinterm Tresen geben.

Jeder selbsternannte Piratenkäpt’n, der noch nicht weiß, was er seiner Mannschaft beim nächsten Gelage anbieten will, sollte also gleich fündig werden. Aber Vorsicht ist geboten: vielleicht nicht alle FÜNF! Drinks an einem Abend!

1) Bermuda Rum Swizzle

Diesen Drink beschert uns Mix-Guru Simon Difford. Der Name ist irreführend, denn „geswizzled“ wird hier nicht – statt des Rührholzes kommt der klassische Shaker zum Einsatz. Die verschiedenen Säfte erwecken zunächst den Eindruck archetypischer Wahllosigkeit, doch im Verbund mit den drei sehr charakteristischen Rums entsteht eine komplexe Aromatik, die alles andere als beliebig daherkommt.

Die Würze aus dem in der Karibik allgegenwärtigen Falernum und den Bitters hält alles zusammen und sorgt für zusätzliche „dunkle“ Noten. Trotz alledem bleibt dieser Zeitgenosse überaus süffig, sodass er aufgrund seiner alkoholischen Potenz mit Bedacht und Geduld verzehrt werden sollte.

3 cl goldener kubanischer Rum (z.B. Havana Club Anejo Especial)

3 cl gereifter Bermuda Rum (z.B. Gosling’s Black Seal)

1 cl weißer jamaikanischer Overproof Rum (z.B. Wray & Nephew)

2,5 cl Velvet Falernum

3 cl Ananassaft

3 cl frischer Orangensaft

1,5 cl frischer Grapefruitsaft

1,5 cl frischer Limettensaft

1 cl frischer Zitronensaft

2 Dashes Angostura Bitters

Glas: Tiki Mug oder Highball

Garnitur: Ananaskeil, Amarenakirsche

Alle Zutaten in den Shaker geben, mit Eiswürfeln auffüllen und 15 Sekunden kräftig schütteln. In das mit Eiswürfeln gefüllte Glas abseihen.

2) Hurricane

New Orleans ist das Tor zur kreolischen Kultur und damit auch zur Tiki-Welt. Einer der berühmtesten Drinks aus „ The Big Easy“, der Hurricane, ist leider weltweit zu einem jener Klassiker verkommen, die dem geneigten Genießer mittlerweile in Form grotesk zerpanschter Saftbowlen angeboten werden.

In seiner urtypischen Form ist er jedoch nichts weiter denn ein alles andere als zaghafter, modifizierter Rum Sour, der seine Charakteristik aus dem Aromenspiel zwischen den voll-vanilligen, kräftigen Aromen des Jamaika-Rum und der herben Fruchtigkeit der Maracuja bezieht.

Freilich kann der wirklich gewagte Rumanteil auch ein wenig herabgesetzt werden – aber probieren sollten Sie ihn auf jeden Fall wenigstens einmal in Matrosenstärke. Wenn Sie das Glück haben, auf frische Passionsfrüchte zurückgreifen zu können, verwenden sie statt des Sirups das Fruchfleisch einer Frucht und balancieren den Drink mit einfachem Zuckersirup aus. Ansonsten tut es aber auch der im Rezept verlangte Maracujasirup, solange Sie auf eine gute Qualität zurückgreifen.

8 cl gereifter jamaikanischer Rum (z.B. Appleton VX)

4 cl Passionsfruchtsirup

4 cl frischer Zitronensaft

Glas: Hurricane oder großer Tumbler

Garnitur: Zitronenzeste & Minzezweig

Alle Zutaten in den Shaker geben, mit gestoßenem Eis auffüllen und 15 Sekunden kräftig schütteln. Auf frisch gestoßenes Eis ins Glas abseihen.

3) Ranglum

Ob Gancalo de Sousa Monteiro, Schöpfer des Ranglum und Inhaber der aktuellen deutschen Bar des Jahres, uns sehr böse sein wird, wenn wir diesen Drink in einem Atemzug mit dem Begriff „Tiki“ erwähnen?

Nun, es wäre auch etwas weit hergeholt, den Ranglum ausdrücklich in ein solches Licht zu setzen. Nichtsdestotrotz kann jene Kreation Sousa Monteiros ein kraftvoller, ausdrucksstarker, aber – richtig zubereitet – auch extrem geschmeidiger Begleiter jeder ausgedehnten Rum-und-Steak-Session sein.

Bei der Balance des Drinks sollte auf die Süße des jeweiligen Falernums eingegangen werden: eventuell muss mit einigen Dashes Zuckersirup nachjustiert werden, damit die Melange aus zwei sehr unterschiedlichen Rums, Limette und dem Gewürzlikör ihre feine Ausgewogenheit erhält. Aufpassen sollten Sie dann in jedem Fall beim Trinken.
Der Ranglum sieht erst einmal klein und ungefährlich aus – hat es aber dennoch wirklich in sich. Ein Sipping-Sour, für den man sich definitiv eine Zigarre lang Zeit nehmen sollte.

4 cl gereifter Bermuda Rum (z.B. Gosling’s Black Seal)

0,5 cl weißer Overproof Rum (z.B. Wray & Nephew)

1,5 cl Falernum

Dashes Zuckersirup

2,5 cl frischer Limettensaft

Glas: Tumbler

Garnitur: Limettenspalten

Alle Zutaten in den Shaker geben, mit Eiswürfeln auffüllen und 15 Sekunden kräftig schütteln. In das mit Eiswürfeln gefüllte Glas abseihen.

4) Kon-Tiki Tropical Itch

Mitte des vergangenen Jahrhunderts segelte der norwegische Anthropologe, Entdecker und Archäologe Thor Heyerdal mit einem simplen hölzernen Floß namens „Kon Tiki“ in etwa dreieinhalb Monaten von Peru nach Polynesien, um zu beweisen, dass die Besiedelung der pazifischen Inseln durch primitiv technisierte Völker auch vom südamerikanischen Kontinent aus möglich gewesen sei.

Für uns ist natürlich klar: der Name des Floßes ist Programm. Kein Wunder also, dass mit dem hawaiianischen Bartender Harry K. Yee einer der vordersten Vertreter der Tiki-Kultur dem Fahrzeug nur weniger Jahre nach der Reise einen Drink widmete.

Die Tiki-Ikone unserer Tage, Jeff „Beachbum“ Berry, hat den Drink 2007 überarbeitet und stellt uns eine zugängliche Variante zur Seite. Interessant ist die im Tiki-Kosmos immer wieder aufscheinende Kombination von Rum und Gin, die unter den Barflys der 1950er und 60er – zum Schrecken Charles Schumanns – offenbar viele Liebhaber hatte.

Im vorliegenden „Tropical Itch“, dem tropischen Juckreiz also, ist es außerdem die Liaison aus den beiden Spirituosen sowie Mango und Zimt, die zu einem überraschenden, nicht alltäglichen Ergebnis führt. Lachen Sie bitte nicht über die Garnitur – ohne die macht der Drink nur halb so viel Freude.

3 cl Gin

3 cl weißer puerto-ricanischer Rum (z.B. Bacardi Original 44,5%)

2 Tropfen Mandelaroma

5 Würfel frischer, reifer Mango (ca. 2×2 cm)

1 cl Zimtsirup

1,5 cl frischer Limettensaft

Glas: Tiki Mug oder Highball

Garnitur: hölzerner Rückenkratzer

Alle Zutaten mit ca. 20 cl frisch gestoßenem Eis in den elektrischen Mixer geben und 30-40 Sekunden auf höchster Stufe blenden. Ins Glas umfüllen und dekorieren.

5) Jet Pilot

Grundsätzlich ist der Jet Pilot dem weitaus bekannteren „Zombie“ aus den Händen des Tiki-Urvaters Donn the Beachcomber erstaunlich ähnlich, allerdings verzichtet er auf einen Teil der Fruchtnoten seines Cousins.

Auch hier wird die Wucht der drei Rumsorten aufgefangen durch einen beherzten Gewürzeinsatz in Form von Zimt und Falernum. Hinzu kommt die in gar nicht einmal wenigen einschlägigen Cocktails anzutreffende Kombination aus Absinth und Bitters, die für einen sehr trockenen Gesamteindruck sorgt.

Generell ist der Jet Pilot eine Versuchung für Mutige: mit einer umgerechneten Menge von etwa 10 cl (denn der Overproof Rum bringt sehr viel auf die Waage) und gerade einmal 3 cl Zitrussaft gehört er zu jenen Tiki-Drinks, die bei falscher Herstellung grässlich schmecken, während sie bei sachkundiger Zubereitung zur heimtückischen Waffe werden.

Sollten Ihre Gäste – sicher allesamt hartgesottene Seebären mit Ankern auf den Unterarmen – Sie also für allzu süffige Jet Pilots loben, dann lächeln Sie siegesgewiss. Denn der Abend wird noch interessant.

3 cl gereifter jamaikanischer Rum (z.B. Appleton VX)

2 cl goldener puertoricanischer Rum (z.B. Bacardi 8 Jahre)

2 cl Overproof Demerara Rum (z.B. Lemon Hart 151)

1,5 cl Falernum

1,5 cl frischer Limettensaft

1,5 cl frischer Pink Grapefruitsaft

1,5 cl Zimtsirup

3 Dashes Angostura Bitters

2 Dashes Absinth

Glas: Tiki Mug oder Highball

Garnitur: keine

Alle Zutaten mit ca. 20 cl frisch gestoßenem Eis in den elektrischen Mixer geben und 30-40 Sekunden auf höchster Stufe blenden. Ins Glas umfüllen.

Credits

Foto: Tiki-Ikonen und Matrose via Shutterstock; Postproduction: Tim Klöcker

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