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Fünf ziemlich gute Vodka Drinks

Es wird warm, wir werden durstig und der alte Rye Whiskey verspricht zu wenig Erfrischung. Zeit, die Vodkaflasche endlich einmal wieder hervorzuholen. Läuten wir den aufkeimenden Sommer mit einigen wirklich schönen Vodka-Drinks ein, die allesamt weder Moscow Mule noch Flying Kangaroo heißen.

Wehe, Vodka! Der osteuropäische Brand hat es nicht leicht in der hochklassigen Bar. Die Zahl der Bar-Stimmen, die ihn als „Schnaps für Wirkungstrinker“ oder überteuerten Neutralalkohol verteufeln, ist seit Jahren nicht nur konstant, sondern gar konstant hoch. Immerhin bekennen sich neuerdings einige Bartender wieder dazu, dass sich auch Vodka – bei richtiger Behandlung – als wesentlich mehr denn als Geschmacks- und Wirkungsverstärker im Sex On The Beach einsetzen lässt.

Denn wer sich näher mit Vodka beschäftigt, der muss einfach einsehen, dass in so mancher Abfüllung definitiv zarte und komplexe Aromen schlummern, die inszeniert werden wollen. Das mag den Oligarchen, der im Edelclub die 8-Liter-Flasche im Plastikkühler nebst Energy Drink servieren lässt, nicht interessieren, sollte aber in Barkreisen durchaus öfter bedacht werden. Hinzu kommt außerdem: Vodka ist leicht und frisch. Er kann die Bühne zwar für sich beanspruchen, überlässt sie aber im Bedarfsfall auch seinen Partnern. Damit verschwindet er nicht hinter dem Vorhang, sondern spielt dann eine Nebenrolle. Und außerdem ist allmählich Sommer, da muss es nicht immer bitterernste Mixologie des 19. Jahrhunderts sein. Vergnügen wir uns also nach der ersten Berliner Hitzewelle des Jahres mit FÜNF! ziemlich geilen Vodka-Drinks.

1) Black Russian

Erstmal wach werden. Einen fatalen Fehler ließen die Coen-Brüder ihren Hauptdarsteller Jeff Bridges als „Dude“ im grandiosen „The Big Lebowski“ begehen: Er goss sich Milch bzw. Half & Half in seinen Black Russian und machte so einen White Russian draus. Wobei man dann auch noch bedenken muss, dass die wesentlich klassischere Variante dessen eigentlich mit Whipped Cream getoppt wird, sodass es letztendlich ein Black Russian mit fluffigem Sahnehäubchen wird.

In jedem Fall ist ein Black Russian jedoch aufgrund seiner Schnörkellosigkeit jedem White Russian vorzuziehen: Schwarzbraun, süß, süffig, leicht würzig – und er versteckt seine Umdrehungen nicht wirklich. Freilich geht er runter wie Wasser, wenn man einen guten Vodka und einen hochwertigen Likör verwendet, den Alkohol schmeckt man dennoch. Ein grandioser Zweiteiler für so ziemlich jede Gelegenheit vom Brunch bis zum Nightcap. Man kann ihn natürlich zeitgemäß twisten, irgendwas mit Rotovap, Espuma oder Cold Brew veranstalten, um sich so die Street Credibility in der Nerd-Szene zu bewahren. Oder man sieht ein, dass der Black Russian das einfach nicht braucht.

4 cl Vodka (vorzugsweise einen würzig-getreidigen polnischen Vodka)
2 cl Kaffeelikör (z.B. Kahlùa)

Die Zutaten in einen Tumbler geben, mit Eiswürfeln auffüllen und mit dem Barlöffel gründlich verrühren. Oder kurz durch schwenken. Oder zumindest einmal mit dem Zeigefinger rühren.

2) Watermelon Man

Straight outta Berlin kommt diese reinsortige 1990er-Jahre-Kreation auf den Tresen. Weltberühmt und unter Partytouristen berüchtigt wurde der spritzige Melonendrink vor allem im Berliner „Cookies“, ersonnen hatte ihn zuvor die hauptstädtische Bar-Instanz Thomas Pflanz, der unter anderem prägend in der Bar am Lützowplatz, der Victoria Bar und dem Lebensstern gewirkt hat. Der Jazz-Liebhaber wollte damit dem großen Pianisten und Komponisten Herbie Hancock ein kleines, flüssiges Denkmal setzen.

Stöbert man in den Untiefen der Rezeptsammlungen und Bücher, schlägt einem eine babylonische Vielfalt an Varianten entgegen – aufgefüllt mit Bitter Lemon, Orangensaft, Soda oder Sprite, alles da. Dieser Cocktail ist alles andere als ein in den Tresenmarmor gemeißeltes Gesetz. Mit Orangensaft bekommt er etwas mehr Säure und Fruchtigkeit, Soda wiederum bringt eher einen schlanken, knackigen Highball hervor. Einzig Vodka und Melonenlikör sollten ihren festen Platz haben. Und zur Anpassung an heutige Standards darf gern ein Stück frischer Wassermelone mit in den Drink gemuddelt werden. Auf eine lange Nacht!

4 cl Vodka
2 cl Wassermelonenlikör (z.B. von Giffard)
3 cl frischer Limettensaft
1 Dash Granatapfelsirup (z.B. von d’Arbo)
5 cl Soda Water oder Orangensaft (nach Wahl)
1 Stück frische Wassermelone (entrindet)

Die Melone im Shaker muddeln, restliche Zutaten dazugeben (wenn Soda verwendet wird, dieses nicht hinzugeben). Mit Eiswürfeln auffüllen und kräftig schütteln. Doppelt auf gestoßenes Eis in ein Highballglas abseihen und ggf. mit dem Soda Water aufgießen. Mit einer Limettenzeste garnieren.

3) Basequito

Lust auf eine klassische italienische Vorspeise zum Trinken? Es ist angerichtet, denn die Frankfurter „Caprese im Glas“ aus der Biancalani Bar leitet jedes frühsommerliche Grillbüffet eleganter ein, als es Aperol Spritz jemals könnte. Ersonnen wurde der Drink vom vor knapp vier Jahren leider viel zu jung verstorbenen Davide Demarchi, einem der Bar-Urgesteine der Bankenstadt.

Ansonsten macht der Basequito es einem leicht, denn er ist so simpel, dass man Nichts verkehrt machen kann – einzig die Qualität der Zutaten zählt, ein Musterbeispiel für unkomplizierten Cuisine Style. Sie müssen nicht einmal Tomaten schneiden. Die Cocktailtomate als Garnitur darf jedoch niemals vergessen werden. Salute!

6 cl Vodka
3 cl frischer Limettensaft
2 cl Zuckersirup (2:1)
5-6 Basilikumblätter
Soda Water

Die Innenwände und den Rand eines Tumblers kräftig mit dem Basilikum einreiben und die Blätter ins Glas geben. Restliche Zutaten außer dem Soda zugeben und verrühren. Mit Eiswürfeln oder einer großen Eiskugel auffüllen und gründlich kaltrühren. Mit 2-3 cl Soda Water aufgießen und mit einer Cocktailtomate garnieren.

4) Match Spring Punch

Das Erbe der im vergangenen Frühjahr verstorbenen Londoner Barlegende Dick Bradsell ist gigantisch. Vor allem mit seiner Trias aus den Drinks Bramble, Treacle und Espresso Martini hat sich der bescheidene Vordenker der 1980er- und 90er- Jahre einen Stammplatz auf Millionen von Barkarten rund um den Erdball gesichert. Der Londoner Bartender Chris Moore sagte anlässlich von Bradsells Tod, eine Barkarte verdiene heutzutage ihren Namen eigentlich erst dann, wenn mindestens ein Rezept von Dick Bradsell auf ihr zu finden sei.

Nicht ganz so weltberühmt wie jene eben genannten, aber trotzdem herausragend ist sein Match Spring Punch, wenn man so will eine Art Hybrid aus Kir Royal und French 75 bzw. French 76: Zitrone und Vodka bringen die Frische, Crème de Cassis und Himbeerlikör sorgen für fruchtige Tiefe, alles vereint von der Spritzigkeit des Champagners. Lässt sich, passend zum Namen, natürlich auch problemlos auf Bowlengröße hochrechnen.

3 cl Vodka
2 cl frischer Zitronensaft
1,5 cl Himbeerlikör
2 BL Crème de Cassis
2 BL Himbeersirup
2 BL Zuckersirup (2:1)

Alle Zutaten außer dem Champagner im Shaker mischen, mit Eiswürfeln auffüllen und kräftig schütteln. In ein mit Eiswürfeln befülltes Highballglas abseihen und mit etwas Champagner toppen. Mit einer Zitronenzeste und Beeren der Wahl garnieren.

5) Clubland

Ein Drink für Erwachsene zum Schluss. Wer an warmen Abenden mit mehr als 20 Grad aus nachvollziehbaren Gründen keine Lust auf einen Old Fashioned mit 15 Jahre altem Demerara Rum verspürt, aber dennoch klassisch und hocharomatisch trinken möchte, dem sei der filigrane Klassiker von W.J. Tarling ans Herz gelegt, der den Clubland in sein „Café Royal Cocktail Book“ von 1937 aufnahm.

Für die Mischung aus Vodka, weißem Port und Aromatic Bitters macht sogar der dem Vodka eher – gelinde gesagt – skeptisch gegenüberstehende Berliner Bartender und MIXOLOGY BAR AWARD-Preisträger Gonçalo de Sousa Monteiro (Buck & Breck) eine Ausnahme. Eine leicht säuerlich-erfrischende, etwas fruchtbetonte, aber dennoch würzige und wahrlich nicht beliebige Martini-Variante, mit der sich durchaus der ein oder andere eingefleischte Highball-Trinker für straighte Drinks gewinnen lässt.

4 cl Vodka
4,5 cl weißer Port
2 Dashes Aromatic Bitters (z.B. Angostura)

Die Zutaten im Rührglas auf viel Eis gründlich kaltrühren und in eine vorgekühlte Cocktailschale abseihen. Nach Belieben mit einer kleinen Zitronenzeste garnieren oder ohne Garnitur servieren.

Credits

Foto: Mann mit Vodkaflasche via Shutterstock.

Comments (5)

  • Maximilian

    Ergänzung:

    „Mutter Ente“

    4 cl greey goose
    4 cl Stachelbeersaft
    Soda nach Bedarf.

    Mit Johannisbeeren-Strauch garnieren.

    reply
  • beeKay

    clubland lass ich mir gefallen, der rest … ziemlich!

    reply
    • Redaktion

      ziemlich…?

      reply
  • beeKay

    ich wollte mich nur auf den verstecken spott im titel beziehen.
    ziemlich gut ist doch auch sowas wie der kl.bruder von …
    und das problem mit diesen „ziemlichen“ wodka drinks kennen wir doch alle, oder?

    nix für ungut. 😉
    bottoms up!

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