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FÜNF! Wahrheiten über Zuckerrohr

Ohne Zuckerrohr kein Rum. Die Welt der Bar wäre ziemlich trist ohne die scheinbar süßeste aller Pflanzen. Doch gleichzeitig ist Zuckerrohr weit mehr als nur Schnaps. Ein kleiner Exkurs in zuckrige Gefilde mit FÜNF! interessanten Wahrheiten rund um die tropische Riesenpflanze. Und dann kommt sogar noch ein Elch drin vor!

Spricht man an der Bar von Zuckerrohr, dann meistens, weil sich das Gespräch um Rum dreht. Auch wir nehmen das nahende, fünfte German Rum Fest in Berlin als Anlass, uns heute der gigantischen Pflanze anzunähern. Aber sie kann viel mehr sein als nur Schnaps. FÜNF! Wahrheiten über eine Pflanze, die irgendwie überall mitzumischen scheint.

1) Ein Verwandter des Getreides

Der eigentlich aus dem ostasiatischen Raum stammende Zuckerrohr (Saccharum officinarum) wurde im Zuge der weltweiten Kolonisierung durch die Europäer um den gesamten Globus verteilt. Aus botanischer Sich ist er Teil der Familie der sogenannten Süßgräser. Damit gehört er zu jenem Bereich des Pflanzenreiches, der auch sämtliche für den Menschen lebenswichtige Getreide wie Mais, Weizen, Reis, Roggen, Hafer, Gerste und Hirse hervorbringt.

Zuckerrohr befindet sich also im Kreise seiner Verwandten auch barkulturell in bester Gesellschaft. Denn ohne die Süßgräser sähe es an den Tresen der Welt ganz schön dürftig aus: kein Bier, kein Whisk(e)y oder Rum, auch kein Rohrzuckersirup. Es gäbe nur noch Brände aus Obst oder Gemüse. Und in einer Welt ohne Süßgräser bestünde der Daiquiri plötzlich nur noch aus Limettensaft und, im besten Fall, Rübenzucker.

2) Von Asien in die Welt

Die genaue Herkunft des Zuckerrohrs kann bislang nicht bestätigt bzw. exakt eingegrenzt werden. Wahrscheinlich ist ein Ursprung im Bereich der heutigen Länder Indonesien, den Philippinen und Malaysia, aber auch der südchinesische Raum könnte dazu gehören. Man ahnt also: die Zuckerrohrpflanze mag es warm und tropisch. Die Pflanze ist zwar ansonsten genügsam, braucht aber für ein normales Wachstum Temperaturen von über 25°C. Damit ist ihr Anbau auf tropische und subtropische Gefilde beschränkt.

Den wirtschaftlich wichtigsten Schritt zur weltweiten Verbreitung des Zuckerrohrs vollzogen spanische und portugiesische Siedler und Eroberer, die die Pflanze bereits unmittelbar nach der Entdeckung Amerikas dort kultivierten. Bis heute ist Brasilien der mit Abstand größte Produzent von Zuckerrohr: mit jährlich über 650 Millionen Tonnen wird dort rund ein Drittel des weltweiten Bestandes und beinahe doppelt so viel erzeugt wie in Indien, das auf Platz zwei landet, wie es der Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN verzeichnet. Im Gegensatz zu Indien, dessen Zuckerverbrauch fast so hoch ist wie die eigene Produktion, geht ein Großteil des brasilianischen Zuckerrohrs übrigens in den Export.

Andere große Erzeuger sind etwa China, Thailand, Pakistan oder Mexiko. Die große Rum-Nation Kuba landet trotz ihrer vergleichsweise kleinen Fläche immer noch auf Rang 17.

3) Die Rübe kommt nur auf den zweiten Platz

1991 schrieb Charles Schumann in „American Bar“ noch, dass der Rohrzucker auf dem Weltmarkt mit schwindenden Chancen zu kämpfen hatte. Zum damaligen Zeitpunkt war diese Aussage auch zutreffend: vor allem durchs rigide Vorgehen der EU konnten die außereuropäischen Erzeuger von Zuckerrohr bzw. Rohrzucker den harten Preiskampf gegen die stark subventionierte europäische Produktion von Rübenzucker nicht gewinnen.

Seit durch Betreiben der WTO der Wettbewerb ausgeglichen wurde, hat sich diese Entwicklung wieder umgekehrt: in den rund 10 Jahren danach hat sich die weltweite Produktion von Zuckerrohr um etwa ein 30% auf ca. 1,75 Milliarden Tonnen gesteigert, während die Produktion von Zuckerrüben deutlich zurückgegangen ist. Die Zuckerrübe kommt also weltweit nur auf den zweiten Platz, auch wenn sie in Europa, Russland, der Türkei und Nordamerika den Ton angibt.

 4) Das ganze Jahr ist süß

Da Zuckerrohr derart weit verbreitet ist und sowohl auf der Süd- als auch Nordhalbkugel sowie in verschiedenen klimatischen Zonen angebaut wird, ist fast immer irgendwo Erntezeit, wie die World Association of Beet and Cane Growers, eine Art globaler Dachverband aller Zuckerproduzenten, angibt.

Das wiederum sorgt dafür, dass Zuckerrohr aus globaler Sicht kaum an so etwas wie eine Saison gebunden ist. Bedenkt man, dass der gesamte auf der Erde erzeugte Zucker zu ca. 70% aus Zuckerrohr stammt, ist davon auszugehen, dass eine Knappheit an Zucker eher unwahrscheinlich ist.

 5) Auch der „Müll“ ist brauchbar

Abgesehen von Rhum Agricole und Cachaca, die aus frischem Zuckerrohrsaft oder -sirup hergestellt werden, wird Rum bekanntermaßen größtenteils aus Melasse hergestellt, also einem eigentlichen Abfall- oder Nebenprodukt der Zuckerherstellung. Auch nach dem Zuckersieden ist Melasse nämlich noch immer so reich an Saccharose, dass sie ohne Weiteres mit hohem Ertrag vergoren werden kann.

Doch die Einsetzbarkeit von Zuckerrohr hört nicht mit Rum und Zucker auf. Melasse wird nicht nur z.B. zur Herstellung von Fahrzeugtreibstoff genutzt, sie wird auch als primäres Futtermittel für Vieh oder als Bindemittel für Viehfutter verarbeitet. Die sogenannte Bargasse wiederum, also die Ansammlung der nach der Zuckerherstellung übrigen Pflanzenteile, eignet sich ebenfalls für zahlreiche Einsatzgebiete. Traditionell wird die Bagasse — nicht nur in Zuckersiedereien, sondern auch in Haushalten — als Heizmaterial verfeuert. Aufgrund der stabilen, zähen Struktur der langen Pflanzenfasern eignet sie sich aber auch zu Herstellung von Papier und sogar zur Anfertigung von Möbeln oder Werkstoffplatten.

Wer auch im Winter viel Auto fährt, kann sich außerdem sicher sein, schon den einen oder anderen Kilometer auf Melasse zurückgelegt zu haben: seit einiger Zeit nämlich basieren viele Produzenten von Streugranulat ihre Produkte auf Melasse, um deren Klebe-Eigenschaften zu nutzen, damit das Streugut besseren Halt auf der Fahrbahn findet. Wenn da nur nicht die Sache mit dem zuckerliebenden Elch auf den schwedischen Straßen wäre… Darauf einen Elk’s Own Cocktail. Der enthält natürlich auch: Zuckersirup. Cheers!

Credits

Foto: Zuckerrohr via Shutterstock

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